Als in der DDR die Angst verschwand

Alle Themen die eine Bezug zur Wende und Grenzöffnung haben. Persönliche Erlebnisse, Gedanken aus dieser Zeit, Dokumente und ähnliches.

Als in der DDR die Angst verschwand

Beitragvon Interessierter » 3. März 2017, 14:50

Schon lange vor dem Mauerfall war die Veränderung in Ost-Berlin zu spüren. Eine Erinnerung an die Zeit, als Honeckers Regime der Bevölkerung nicht mehr mit russischen Panzern drohen konnte.

Nachher ist man immer klüger. Auch wir haben manchmal das Gefühl, irgendwie hätten wir den Mauerfall kommen sehen oder zumindest so ein bisschen geahnt. Gedächtnis ist ein Zustand, der sich immer neu selbst erfindet. Und dadurch das eigene Leben und die Weltgeschichte folgerichtig erscheinen lässt.

Aber – immerhin das dürfen wir uns zugestehen – dass es in DDR heftig rumort, wurde uns 1987 klar. Wer damals mit offenen Augen durch das Land reiste, konnte die Zeichen kaum übersehen. Seit zwei Jahren regierte Gorbatschow als Parteichef in Moskau. Das kommunistische Mutterland war plötzlich freier als die DDR.

Honeckers Regime konnte der Bevölkerung nicht mehr mit russischen Panzern drohen. Das spürten die Menschen, und die Gespräche in Kneipen und Cafés waren dementsprechend offen und frei. So frei, dass wir Westler uns umdrehten, um zu überprüfen, ob niemand zuhört.
Von früheren DDR-Besuchen war man ja gewohnt, dass, wenn überhaupt, nur im engsten Freundeskreis hinter verschlossenen Türen über Politik geredet werden durfte. Und plötzlich war alles ganz anders. Die Menschen diskutierten, sie machten freche Witze vor aller Ohren. Die Angst war verschwunden.

Westler mussten vor 24 Uhr Ost-Berlin verlassen

Wir hatten natürlich keine Ahnung, dass wir den Anfang vom Ende der DDR erlebten. Unsere kühnste Hoffnung war ein etwas freierer Sozialismus nach Art des Prager Frühlings 1968. Und selbst dies schien uns noch in weiter Ferne zu liegen. Alle sahen das damals so. Nicht ganz alle – wie ein Besuch mit einer Gruppe von interessierten Grünen bei Ost-Berliner Bürgerrechtlern zeigte.

Während Stasi-Leute ums Haus schlichen, saß ein Grüppchen Oppositionelle in Bärbel Bohleys Wohnzimmer und erklärte den Gästen mit glänzenden Augen und voller Zuversicht, dass die Verhältnisse schon demnächst Kopf stehen würden.

Damals musste man als Westler mit Tagesvisum vor 24 Uhr Ost-Berlin verlassen haben. So stand die kleine Besuchergruppe des Nachts an einer Straßenbahnhaltestelle. Man war wieder unter sich, Bohley und die anderen hatten sich verabschiedet. Schnell herrschte Einigkeit: Diese DDR-Oppositionellen sind ja ganz wundervolle, mutige Menschen, aber so naiv, so voller Illusionen. Nicht ganz zwei Jahre später lehrte uns die Geschichte, wer die Realisten waren.

https://www.welt.de/debatte/kolumnen/Ma ... hwand.html
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Re: Als in der DDR die Angst verschwand

Beitragvon Nostalgiker » 3. März 2017, 14:54

Ach wie süß ....
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Re: Als in der DDR die Angst verschwand

Beitragvon augenzeuge » 3. März 2017, 15:23

Nostalgiker hat geschrieben:Ach wie süß ....


Was findet ein angeblicher Selmade-Oppositioneller der DDR daran süß? [flash]
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Re: Als in der DDR die Angst verschwand

Beitragvon Nostalgiker » 3. März 2017, 18:13

Die Bemerkung von dir, unter anderem, welche vorhersehbar war ......
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Re: Als in der DDR die Angst verschwand

Beitragvon Interessierter » 13. April 2017, 09:21

Die seltsame Angstfreiheit der letzten Generation DDR

Meine Begleiter im Boot, Suse und Tom, grinsten mich an, offensichtlich genossen sie mein verstörtes Wessi-Gesicht. Die gleichaltrige Suse kannte ich seit zwei Jahren als Brieffreundin, nun hatte sie mich für zwei Wochen nach Dresden eingeladen. Ich lernte sie und ihre Familie kennen. Dazu gehörte auch Tom, ihr älterer Bruder, der damals gerade sein Abitur auf der EOS machte.

„Habt ihr denn keinen Schiss, erwischt zu werden?“, fragte ich ängstlich. „Oder darf man das im Sozialismus – sich einfach nachts ein Boot schnappen?“ Da mussten die beiden so lachen, dass sie fast über Bord fielen. Das Eis war gebrochen. Wir öffneten eine Flasche Wein und genossen den Sternenhimmel.

Es war einer der Momente, in denen sich jäh eine Erkenntnis einstellt – nicht nur verstandesmäßig, sondern geradezu körperlich, eine echte Erfahrung eben: In jener Dresdner Nacht habe ich sie zum ersten Mal erlebt – die seltsame Angstfreiheit der letzten Generation DDR.

Jugendliche waren der eigentliche Motor von 1989


Die Jugend der Achtzigerjahre war anders als ihre Eltern: frech, unbeeindruckt vom SED-Gedöns, irgendwie frei im Kopf, obwohl das sozialistische Bollwerk noch unumstößlich fest zu stehen schien. Ihre Eltern dagegen wirkten viel gebeugter, besonders die Väter. Sie hatte der Sozialismus mürbe gemacht und oft genug gebrochen. Aber nicht die Kinder.

Nur wenige Jahre später sollte diese verblüffende Angstfreiheit ihre große Stunde haben, im Herbst 1989. Ohne sie hätte es keinen Mauerfall und keine Wende gegeben. Diese letzte junge DDR-Generation der 80er-Jahre war der eigentliche Motor von 1989, dafür sprechen viele Belege, auch exakte Zahlen. Diese Jugend war es, die die Älteren mobilisierte, im Oktober und November mit auf die Straßen zu gehen und „Wir sind das Volk“ zu rufen.

Weil die Eltern, die Lehrer und Professoren, Lehrmeister und FDJ-Leiter miterleben mussten, wie ihnen die Jugend in Massen weglief. Wie sie sich zu Tausenden in Gefahr brachten bei den allerersten Demonstrationen, die noch unberechenbar gefährlich waren. Weil diese Jungen keine faulen Kompromisse machen wollten wie ihre Eltern lebenslang. Weil sie keine Lust mehr hatten auf die Gängelung von der Wiege bis zur Bahre.

Der vollständige Beitrag hier:
https://www.welt.de/politik/deutschland ... salat.html

Auch wenn es manche Menschen nicht wahrhaben wollen; aber mindestens in großen Teilen war es so.
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Re: Als in der DDR die Angst verschwand

Beitragvon augenzeuge » 13. April 2017, 09:58

Genauso habe ich es in vielen Gesprächen erlebt. Das kann man nicht leugnen. Es war die Generation, welcher der Sozialismus zwar am intensivsten vermittelt, die gewünschte Überzeugung dennoch nicht erreicht wurde, die sich aber den Widersprüchen zwischen Theorie und Praxis erstmals offen gestellt hat. Auch wenn sich dies aufgrund des ungleichen Kräfteverhältnisses anfangs im Weggang aus dem Land zeigte. Anfangs als Verräter beschimpft, denen man keine Träne nachweinen sollte, führte ihr entschlossenes Verhalten zu einer Änderung der Denkweise der Bevölkerung, welche sich nicht mehr scheute, ihre Meinung auf der Straße kundzutun.

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Re: Als in der DDR die Angst verschwand

Beitragvon Interessierter » 14. April 2017, 11:25

Kinder und Jugendliche nach dem Mauerfall

Am eindrucksvollsten und vielleicht ehrlichsten haben Kinder und Jugendliche ihre Eindrücke nach dem 9. November wiedergegeben. Auch wenn manche der Berichte aus dem Sommer 1990 stammen, so veranschaulichen sie doch einprägsam, wie Zusammenbruch, Revolution und Mauerfall das Leben der jüngsten Generation einschneidend veränderten und wie bewusst Kinder und Jugendliche das wahrnahmen. Ein 13jähriges Mädchen schrieb: "Die Wende, das ist das Ereignis meines Lebens. Es war das atemberaubendste Geschehen für mich. Vor allem, weil ich es doch relativ hautnah in den Demos erlebt habe. Montag für Montag." Eine 16jährige schilderte ihre ersten Westeindrücke: "Es war eine andere Welt, ein ganz anderes Lebensniveau. Wenn man etwas braucht, kann man es haben, es ist alles da. Ich konnte es noch gar nicht fassen, dass uns jetzt auch einiges offen stand.

Ich glaube, West- und Ost-Berlin werden in Zukunft als Berlin gemeinsame Wege gehen. Ich hoffe friedlich und ohne Kräfte von rechts, radikale Rechte! Wenn manche sagen: ‚Wiedervereinigung, dann sind wir DDR-Bürger das letzte! Unmöglich, kaum vorstellbar‘, dann meine ich, vor einem halben Jahr war auch der Gedanke, dass die Mauer geöffnet wird, unvorstellbar. Jetzt ist unser Sozialismus doch auch am Boden. Alles geht durcheinander. Möglich ist alles." Im Westen erwarteten die Kinder und Jugendlichen eine Reihe von Überraschungen, die auch nicht wenige Erwachsene verdutzten: Etwa: "Manche Häuser sehen aus wie bei uns." Oder: "In Kreuzberg sehen die Nebenstraßen schlimmer aus als bei uns in Köpenick." Oder: "Die Leute leben auch nicht gerade im Paradies."5 Es überwogen berauschende Eindrücke, aber manch triste Fassade, manch übler Dreckhaufen und so manche Neubausiedlung, ob am Stadtrand oder im Stadtzentrum, ließen nicht wenige fragen, ob hier auch Kommunisten an der Macht seien oder die Moderne mehrere Seiten habe, die DDR aber nur die Schattenseiten abbekommen habe und sie eigentlich mit den anderen nur ergänzt werden müsste.

Es dauerte noch einige Wochen, aber ab Anfang 1990 begannen sich auch der Unterricht und die Schulen zu verändern. Die Schüler bildeten Schülerräte, Kinderräte, die auch überschulisch arbeiteten. An den Schulen ließen die Lehrer Staatsbürgerkunde und Geschichte erst einmal ganz weg, auch in anderen Fächern verzichteten sie auf politische Stellungnahmen. Der Schulunterricht am Samstag entfiel seit dem 9. Dezember 1989. Die Begründung dafür war allerdings eigenwillig: weil die Sicherheit des Unterrichts am Samstag nicht mehr gewährleistet sei.6 Offenbar verklausulierte das Volksbildungsministerium damit den Umstand, dass am Wochenende die Menschen einfach gen Westen aufbrachen und sich in vielen Regio­nen ohnehin nicht mehr um den Samstagsunterricht scherten.

Die Kinder freuten sich darüber, dass Pionier- und FDJ-Kleidung nicht mehr abverlangt wurden, dass Fahnenappelle nicht mehr stattfanden und die militärähnlichen Meldungen zu Beginn einer Schulstunde entfielen. Viele Lehrer zeigten sich tief verunsichert, zahlreiche Direktoren wurden abgelöst. Kinder einer 5. Klasse schrieben: "Es hat sich sehr viel geändert. Zum Beispiel dürfen wir unsere eigene Meinung sagen und kriegen sie nicht aufgebrummt. Die Lehrer sind auch viel netter geworden." Andere Kinder: "Jetzt dürfen wir unsere Meinung sagen, z.B. Honecker ist bescheuert. Vorher kam man gleich ins Heim."; "Der Unterricht ist nicht mehr so knallhart, sondern schön locker.", und: "Wir haben die Tische anders gestellt [...] Der Direktor hat sich auch geändert."

Linda war 1989 16 Jahre alt, verlor mit zehn Jahren ihren Vater und besuchte eine Erweiterte Oberschule. "Wir haben jetzt eine völlig neue Perspektive. Früher war alles fest eingekastelt. Jetzt auf einmal ist vieles unsicher gewor­den. Freier. Man merkt erst mal, was man noch für Interessen hat. Die Lehrpläne stimmen nicht mehr." Ihre Schule habe "ein bisschen Pech mit unserer Direktorin. Die ist so eine total Verrötete. Aber [...] sie wollte immer das Beste für die Kinder. Das kann man wirklich nicht abstreiten. Jetzt bemüht sie sich umzudenken. Aber das kann sie nicht. Das ist ihr nie beigebracht worden."

Solche Gedanken waren nicht altklug oder ungewöhnlich. Viele Jugendliche bekamen nach dem Mauerfall schnell mit, dass Erwachsene, zumal die Angepassten und Überzeugten, künftig weitaus mehr Schwierigkeiten haben würden als Jugendliche oder freiheitlich gesinnte Erwachsene.

Den vollständigen längeren Beitrag gibt es hier:
http://www.horch-und-guck.info/hug/arch ... -63/06309/

Eine beeindruckende Schilderung der Situation von jungen Menschen zur Wendezeit, wie ich finde.
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Re: Als in der DDR die Angst verschwand

Beitragvon Volker Zottmann » 15. April 2017, 19:15

Unmittelbar nach dem Mauerfall wurde unser 16-Jähriger Sohn nach Calgary zu meinem Cousin für 3 Monate eingeladen.
Kaum angekommen, hatte er mehrere "Gastauftritte" an den Schulen der beiden Söhne meines Cousins. Da haben die Schulen tatsächlich deutsche Gegenwart mit einem Zeitzeugen, einem jungen noch dazu, zum Lehrplan erhoben.
Carlo schilderte haarklein, wie er erstmals die Grenze frei von Ost nach West bei Stapelburg mit uns gehen konnte. Erzählte, dass er im Jahr zuvor von seinem Vater (mir) noch erklärt bekam, dass er regulär noch 49 Jahre warten müsse. Das Erleben hat meinen Jungen geprägt. Und noch mehr, dass ihm in Bad Harzburg und auch seiner Schwester, ein Wildfremder je 5 DM schenkte. Schon in der DDR im Computerclub, hat ihn natürlich allein das Angebot an Computerzeitschriften fasziniert. Als er sich eine kaufen wollte, verschenkte der Buchhändler das Exemplar.
Dass alles freier war, bekam er sehr schnell mit.
Dass aber im gelobten Canada eine selbsterlebte Unterwürfigkeit von abhängig Beschäftigten zu ihren Chefs alles in der DDR erlebte bei Weitem übertraf, war die Kehrseite. Warum werden Menschen so?

Gruß Volker
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Re: Als in der DDR die Angst verschwand

Beitragvon Beethoven » 16. April 2017, 10:04

Als ... die Angst verschwand.

Ich hatte keine Angst, jedenfalls nicht die Angst, die hier suggeriert werden soll. Vor was denn auch? MfS, Grenze? Solche Überschriften findet nur der, der die DDR auf eben das MfS und die Grenze reduziert. Aber die beiden Einrichtungen machten nicht einmal 1 % des Lebens in der DDR aus, wenn überhaupt so viel.

Na ja, Angst hat jeder einmal. Ich hatte als 16-Jähriger mal Angst, als ich das erste mal, in 800 m Höhe, vor einer geöffneten Tür stand und da rausspringen sollte (wollte). Die Angst habe ich aber überwunden und ab dem 5 oder 6 Sprung überwog die Freude.

Ich behaupte, auch wenn ich gleich Feuer aus der bekannten Ecke bekomme, dass 95 % oder mehr, der Bevölkerung keine Angst hatten, wie es hier vermittelt werden soll. Im Gegensatz dazu kann ich mir gut vorstellen, dass viel mehr Bürger der gebrauchten Länder und vor allem aus den neuen Bundesländern, mehr Angst um ihre soziale Zukunft haben, als es jemals in der DDR der Fall war.

Und das die Bürger heute mehr ausgespäht werden als zu MfS - Zeiten, muss ja wohl nicht erläutert werden, denn selbst ALDI & Co. weiß heute mehr über die bei ALDI & Co. einkaufen Bürger, als es das MfS je konnte.

Schöne Ostern
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Re: Als in der DDR die Angst verschwand

Beitragvon Nostalgiker » 16. April 2017, 10:29

Und darum gab es keine Wegwerfwindeln in der DDR, denn diese brauchten alle Angsthasen die sich vor Angst in die Hosen schissen .....
Ich bin nicht auf der Welt, um so zu sein, wie andere mich gerne hätten.

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Re: Als in der DDR die Angst verschwand

Beitragvon Volker Zottmann » 16. April 2017, 10:40

Beethoven hat geschrieben:Als ... die Angst verschwand.

Ich hatte keine Angst, jedenfalls nicht die Angst, die hier suggeriert werden soll. Vor was denn auch? MfS, Grenze? Solche Überschriften findet nur der, der die DDR auf eben das MfS und die Grenze reduziert. Aber die beiden Einrichtungen machten nicht einmal 1 % des Lebens in der DDR aus, wenn überhaupt so viel.



Schöne Ostern




Mit der Prozentzahl hast Du sicher Unrecht. Aber egal, ob es 1 oder 5 % waren.
Dein eines Prozent bestimmte aber doch das Leben der restlichen 99% der Bevölkerung. Das ist das eigentlich Verwerfliche. Das bestätigt die ganze "DDR-Demokratie!"
Warum solltes Du @beethoven auch je Angst haben?
Der Stasivernehmer fürchtete sich ja auch nie vor seinem Verhör!

Gruß Volker
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Re: Als in der DDR die Angst verschwand

Beitragvon SkinnyTrucky » 16. April 2017, 11:37

Nostalgiker hat geschrieben:Und darum gab es keine Wegwerfwindeln in der DDR, denn diese brauchten alle Angsthasen die sich vor Angst in die Hosen schissen .....


Heute geht der Preis auf den sinnfreiesten Beitrag des Tages an dich.... [super] [rose]


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Re: Als in der DDR die Angst verschwand

Beitragvon augenzeuge » 16. April 2017, 12:21

Beethoven, was weiß denn Aldi über die Kunden und woher?
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Re: Als in der DDR die Angst verschwand

Beitragvon SkinnyTrucky » 16. April 2017, 12:36

augenzeuge hat geschrieben:Beethoven, was weiß den Aldi über die Kunden und woher?
AZ


Ssssst Jörg, nachher kommen die Gebrüder Aldi dich noch holen.... [shocked] [flash]


groetjes

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Re: Als in der DDR die Angst verschwand

Beitragvon Edelknabe » 17. April 2017, 18:40

Der war schön, der aus 13.April, um 10.21Uhr:

"Die Jugend der Achtzigerjahre war anders als ihre Eltern: frech, unbeeindruckt vom SED-Gedöns, irgendwie frei im Kopf, obwohl das sozialistische Bollwerk noch unumstößlich fest zu stehen schien. Ihre Eltern dagegen wirkten viel gebeugter, besonders die Väter. Sie hatte der Sozialismus mürbe gemacht und oft genug gebrochen. Aber nicht die Kinder."
textauszug ende

Sarkastische Ironie ein. "Ich sehe meinen Vater heute noch, völlig gebeugt gehend, in sich gekehrt, so jeden Tag von der Arbeit kommend, dann Fernseher an, Füsse auf die Couch, Bier auf, Schnapsflasche angesetzt...gluck gluck....arme Muttern auch, ständig die Lockenwickler drin, Schürze um, die Toilette auf halber Treppe putzend und dann gingen sie nur noch ins Bett. Das war der Sozialismus Leute, eben mit seiner völlig gebrochenen Nachkriegsgeneration"

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Re: Als in der DDR die Angst verschwand

Beitragvon Interessierter » 18. April 2017, 09:09

Ich hatte keine Angst, jedenfalls nicht die Angst, die hier suggeriert werden soll. Vor was denn auch? MfS, Grenze? Solche Überschriften findet nur der, der die DDR auf eben das MfS und die Grenze reduziert. Aber die beiden Einrichtungen machten nicht einmal 1 % des Lebens in der DDR aus, wenn überhaupt so viel.


Die Grenze stand im direkten Zusammenhang mit der Reisefreiheit. Da die große Mehrheit der DDR Bevölkerung gerne einmal ins westliche Ausland gereist wäre und nicht konnte, weil man sie mit Gewalt eingesperrt hatte, dann beweist die Nennung von lediglich 1%, dass man keine Ahnung vom Leben der DDR - Bürger hat, die nicht dem System dienten oder nahestanden.

Edelknabe, auch wenn ich Deine Ironie verstanden habe, so soll es aber auch Väter gegeben haben, die mussten erst einmal ihr gestohlenes Volkseigentum einlagern, wenn sie nach Hause kamen.

Ansonsten solltest Du vielleicht einmal darüber nachdenken, warum auf der von Volker angesprochenen Großdemo die Worte vom " Mief " und " aufrechten Gang " gefallen sind.
Da Du aber schreibst, dass die Menschen gebeugt gingen, beweist Du einmal mehr, dass Du einfach nicht fähig bist zu verstehen was gemeint ist, wenn auf der Großdemo gesagt wurde: " Man müsse wieder den aufrechten Gang lernen ".


Auf die Frage was AGT, welche die SM70 installierten, bei dieser Arbeit so gedacht und empfunden haben, kannst Du immer noch in der Rubrik " Grenze " antworten.
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Re: Als in der DDR die Angst verschwand

Beitragvon Interessierter » 14. August 2017, 13:17

Bevor die DDR unterging, langte die SED richtig zu

40. „Republikgeburtstag“: Am 7. Oktober 1989 feierte sich das Regime um Erich Honecker und Erich Mielke selbst. Ein letztes Mal noch versuchten Stasi und Volkspolizei, die Opposition niederzuknüppeln.

Wenn Inszenierung und Wirklichkeit aufeinandertreffen, sind handgreifliche Folgen fast unvermeidlich. Genau so ist es am am Abend des 7. Oktober 1989: Die Spitze der DDR hat sich im hell erleuchteten Palast der Republik versammelt, angeblich einem „Haus des Volkes“, feiert den 40. Jahrestag der DDR – und schaut durch getönte Fenster hinüber zum anderen Ufer der Spree.

Hier steht im Dunkeln das Volk, wenigstens ein paar tausend Vertreter, aufgehalten durch grün uniformierte Polizisten. Der Palast ist zur Trutzburg der Führenden geworden. Die Spitze des Staates, die Gäste aus aller Welt und ein paar Prominente aus Kultur, Sport und Wissenschaft eingeladen hat, kann das Volk sehen, aber nicht hören: Die schalldichten Scheiben verhindern das. Eine durchsichtige Mauer trennt Volk und Spitze. Wären die Fenster offen, würde man Rufe wie „Gorbi, hilf uns“, „Keine Gewalt“ oder „Freiheit“ vernehmen können.

Dass an diesem Sonnabend zwei Welten aufeinandertreffen, ist kein Zufall. Zu viel ist in den vergangenen Monaten in der DDR passiert, was die Menschen protestieren lässt oder gleich außer Landes treibt. So kommen an jedem Siebten eines Monats junge Oppositionelle an der Weltzeituhr auf dem Alexanderplatz in Ost-Berlin zusammen, um an die Manipulationen bei der Kommunalwahl am 7. Mai zu erinnern. Meist schweigend, aber allein die Gruppenbildung ist für die DDR-Sicherheitsbehörden Grund genug, hart durchzugreifen.

Mehr denn je an diesem 7. Oktober, an dem die DDR 40 Jahre alt wird. „Feindliche Aktivitäten sind mit allen Mitteln entschlossen zu unterbinden“, hat SED-Generalsekretär Honecker für den Festtag angeordnet. Stasi-Chef Erich Mielke will diesen Befehl mit allen Mitteln erfüllen. Regelmäßig ruft er aus dem Palast in der Leitstelle an, um sich nach dem Stand der Dinge zu erkundigen. Zahlreiche Stasi-Mitarbeiter stehen bereit, ebenso Polizei, Kampfgruppen der Betriebe, SED-Kader und Einheiten der Volksarmee.

Die Verantwortlichen für die Sicherheit sind nervös. Allen voran Mielke, der sich die Demonstration vor dem Palast im Freien ansieht und brüllt: „Was ist das hier für eine Schweinerei!“ Kaum hat KPdSU-Chef Michail Gorbatschow das Staatsbankett verlassen, ist es vorbei mit der Zurückhaltung ab. „Jetzt ist Schluss mit der Humanität“, soll Mielke als Losung ausgegeben haben.

Zuerst wird die Menge der Demonstranten vom Palast der Republik Richtung Prenzlauer Berg, weg aus dem Zentrum Ost-Berlins, gelenkt. Dort kommt es zur Eskalation: Polizei, Stasi und andere Sicherheitskräfte greifen und schlagen willkürlich zu, oft werden auch völlig Unbeteiligte drangsaliert. Ebenso Anwohner, die den Bedrängten helfen wollen.

Um die Demonstrationen aufzulösen, setzt die Polizei Wasserwerfer ein und neu entwickelte Fahrzeuge mit Räumgittern. Hunderte Demonstranten werden auf bereitstehenden Lastwagen gezwungen und in nahegelegene Polizeireviere in den Stadtteilen Mitte und Prenzlauer Berg verfrachtet. Als die Zellen und Garagen dort voll sind, werden weitere Festgenommene in ganz Ost-Berlin verteilt: in Hellersdorf, Weißensee, Lichtenberg, Treptow oder Johannisthal. Die DDR-Staatsgewalt übt noch einmal ihre ganze Macht aus.

Ähnliche Prügelszenen wie in der „Hauptstadt der DDR“ spielen sich am 7. und 8. Oktober auch in anderen DDR-Städten ab, etwa in Leipzig, Jena, Magdeburg, Ilmenau, Arnstadt, Karl-Marx-Stadt und Potsdam. In Dresden haben mehrere hundert Menschen friedlich demonstriert, mit Kerzen und der Aufforderung: „Schließt euch an, wir brauchen jeden Mann“ oder „Wir bleiben hier, Reformen wollen wir“.

Plötzlich stürmen am Fetscherplatz Polizeiketten aus den Seitenstraßen, bilden einen Ring um die Demonstranten, die sich auf die Straße setzen, nehmen den Großteil mit und internieren sie in einer Kaserne und später im Gefängnis in Bautzen. In der DDR werden insgesamt etwa 3500 Bürger an diesem Wochenende festgenommen und oft misshandelt, allein in Ost-Berlin schätzungsweise 1000.

Auch in Plauen demonstrieren am 7. Oktober 1989 tausende Menschen. Die Rolle der sächsischen Stadt hat jetzt der Schriftsteller Udo Scheer in dem Buch „Wir kommen wieder!“ aufgearbeitet. Der Untertitel trifft perfekt: „Eine Stadt demonstriert sich nach Deutschland.“

Vielleicht wäre diese Demonstration, bei der Sicherheitskräfte mit Feuerwehrautos gegen Demonstranten vorgehen, außerhalb der Stadt vergessen worden, hätte nicht die schon 77-jährige Anneliese Sauppe wenige Tage später Fotos in den Westen geschmuggelt, genauer zur Zeitung „Frankenpost“ in Hof. „Mehr als 15.000 Menschen demonstrieren in Plauen“, heißt es auf deren Titelseite am 11. Oktober: eine Meldung, die weltweit Resonanz findet.

Die Plauener Regionalausgabe der SED-Zeitung „Freie Presse“ behauptet dagegen „Provokateure“ hätten „von langer Hand“ geplant, die Feiern zum DDR-Jubiläum zu stören – unter anderem, man höre und staune, durch einen Schweigemarsch. Bis zu 4000 Menschen, darunter viele Schaulustige, hätten sich in der Innenstadt versammelt, Scheiben eingeschlagen, ein Auto in Brand gesetzt und „gegen die Staatsordnung der DDR gerichtete Drohungen und Parolen“ gebrüllt.

Mit der Wirklichkeit hat diese Darstellung nichts gemein. Denn die Staatsmacht setzt gegen friedliche Demonstranten Feuerwehrfahrzeuge als improvisierte Wasserwerfer ein, muss aber, mangels Weisungen von oben, aus dem feiernden Ost-Berlin ihre Bereitschaftspolizei zurückziehen und die Innenstadt räumen. Zum Abschluss rufen die Protestierenden: „Wir kommen wieder!“ Das ist ein Satz, den die SED-Stadtoberen als Drohung empfinden.

Sicher zugespitzt, aber nicht ganz falsch schreibt Udo Scheer in seinem ausgesprochen lesenswerten Band: „Tatsächlich war und ist Plauen eine überregional kaum wahrgenommene Hauptstadt der Revolution.“ Wohlgemerkt: „eine Hauptstadt“ neben Ost-Berlin und Leipzig, nicht „die Hauptstadt“. Auf jeden Fall gehört die Geschichte von Plauen zur Friedlichen Revolution, und es ist gut, dass jetzt der Anteil der Sachsen im Südwesten der DDR gewürdigt wird.

https://www.welt.de/geschichte/article1 ... ig-zu.html
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Re: Als in der DDR die Angst verschwand

Beitragvon Merkur » 18. August 2017, 12:12

Volker Zottmann hat geschrieben:Unmittelbar nach dem Mauerfall wurde unser 16-Jähriger Sohn nach Calgary zu meinem Cousin für 3 Monate eingeladen.Kaum angekommen, hatte er mehrere "Gastauftritte" an den Schulen der beiden Söhne meines Cousins. Da haben die Schulen tatsächlich deutsche Gegenwart mit einem Zeitzeugen, einem jungen noch dazu, zum Lehrplan erhoben.
Gruß Volker


Volker, soweit alles nachvollziehbar. Aber mit dem Lehrplan hast Du wohl wieder ein wenig dick aufgetragen. Ein solcher ist ein strategisches klassenübegreifendes Grundsatzdokument, welches im Vorfeld erarbeitet wird. Darin werden Themen und Gebiete aufgeführt, die die Schüler in einem bestimmten Zeitraum erlernen sollen.
Möglicherweise hat man aufgrund der Anwesenheit Deines Sohnes den Plan für die jeweilige Stunde geändert aber gewiss nicht ihn "zum Lehrplan erhoben".
Der Vorteil der Klugheit besteht darin, dass man sich dumm stellen kann. Das Gegenteil ist schon schwieriger.
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Re: Als in der DDR die Angst verschwand

Beitragvon Volker Zottmann » 18. August 2017, 15:11

Lieber @Merkur,
ist es nicht sinnvoller, Du erklärst mal den Begriff Korinthehkacker? [ich auch]
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Re: Als in der DDR die Angst verschwand

Beitragvon Merkur » 18. August 2017, 20:28

Volker Zottmann hat geschrieben:Lieber @Merkur,
ist es nicht sinnvoller, Du erklärst mal den Begriff Korinthehkacker? [ich auch]


Lieber Volker,
mache ich gern, wenn Du die Definition des Schaumschlägers übernimmst. [hallo]
Der Vorteil der Klugheit besteht darin, dass man sich dumm stellen kann. Das Gegenteil ist schon schwieriger.
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Re: Als in der DDR die Angst verschwand

Beitragvon augenzeuge » 18. August 2017, 21:41

Merkur hat geschrieben:
Volker Zottmann hat geschrieben:Lieber @Merkur,
ist es nicht sinnvoller, Du erklärst mal den Begriff Korinthehkacker? [ich auch]


Lieber Volker,
mache ich gern, wenn Du die Definition des Schaumschlägers übernimmst. [hallo]


Bitte:
https://www.mundmische.de/bedeutung/165 ... mschlaeger

Nun bist du dran! [grin]

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Re: Als in der DDR die Angst verschwand

Beitragvon Interessierter » 19. August 2017, 11:22

Die DDR schuf sich ihre Gegner selbst

„Begegnungen“ mit Tschekisten –
Tatsachen und befreiende Polemik


(Geschrieben zwischen dem 4. und 21. August 2011,
in den Tagen um den 50. Jahrestag des 13. August 1961)


Immer hatte ich davon geträumt, dass in der DDR Gerechtigkeit nach den in der Verfassung festgeschriebenen Menschenrechten herrschen möge. Nie und nimmer hätte ich aber glauben wollen, dass ich als kleiner hin und wieder aufmüpfiger Bürger eines versauten Landes einem Offizier der Geheimpolizei im 40. Jahr der Deutschen Demokratischen Republik „behilflich“ sein konnte.

Besetzung der Kreisdienststelle für Staatssicherheit am 5. Dezember 1989. Nach einer angeblichen „Einladung“ am 5. Dezember 1989 durften einzelne Stasimitarbeiter unter Kontrolle und Aufsicht des Neuen Forums und der Deutschen Volkspolizei noch einmal ihren einstigen Arbeitsplatz in der Geschwister-Scholl-Straße in Hildburghausen aufsuchen, um persönliche Dinge zu ordnen und vielleicht ihre inzwischen nicht mehr gut riechende Brotbüchse mit vergammelter Leberwurst oder sonstigem Brotbelag mitzunehmen. Dafür sorgten ausgeklügelte Maßnahmen der Kontrolle und die Sicherheitspartnerschaft mit dem Volkspolizeikreisamt (VPKA), das in den bewegenden Tagen der „Kerzenlichtrevolution“ seinem Namen bescheidene Ehre machte. Die Volkspolizei funktionierte plötzlich als Polizei des Volkes, auch wenn wir wussten, dass einige ihrer Führungskräfte als Verhandlungspartner direkt von der SED und damit von ihrem Dienstleistungsunternehmen, der Staatssicherheit, gesteuert wurden. Manche Polizisten hatten ohnehin eine sehr große Nähe zum Geheimdienst. Später wurden sie aus gutem Grund gefeuert.

Mit dem Stellvertreter der Stasi-Kreisdienststelle, dem Stabschef Major Winfried Litsche, ging ich ohne weitere Begleitung schweigend in sein gewesenes Dienstzimmer. Angst hatte ich keine Sekunde. In den November- und Dezembertagen 1989 waren die Freiheitsliebenden stärker als die Tschekisten. Die Angst war uns abhanden gekommen, Mut beflügelte uns. Dem Major Litsche genehmigte ich das Öffnen seines bisher genutzten Schrankes. Er fragte – mehr bittend als selbstbewusst: „Darf ich meine Uniform mitnehmen?“ Sehr bestimmt erwiderte ich: „Die Uniform können Sie mitnehmen, die brauchen Sie sowieso nicht mehr!“ Mit eisigem Blick reagierte er schweigend … Seine Herrschaft über mich war spätestens seit diesem Zeitpunkt Geschichte.


Das Nachstehende aus dem langen und hochinteressanten Beitrag des Zeitzeugen, erinnert mich unwillkürlich an bestimmte User und Schönredner:

Aber auch die Observierer standen unter ständiger Kontrolle: Sie waren Jäger und Gejagte zugleich in einem System, das sie abgöttisch liebten und verteidigten, aber ansonsten am liebsten Westzigaretten rauchten und Westkognak tranken, natürlich dabei immer auf das Wohl der DDR. Menschenverachtende Diktaturen leben von diesen Ideologen. Mein Gott, wie reich war dieser Staat DDR, um Zehntausende solcher Kleingeister und Dumpfbacken zu beschäftigen und teils fürstlich mit einem schäbigen Judaslohn zu löhnen. Da konnte es ja keine Arbeitslosen geben.

Heute fordern diese System-Helden sogar höhere Renten und mehr Rechte, die sie im freiheitlichen Rechtsstaat schamlos ausnutzen. Hinter sich haben sie genügend an der Stasihochschule ausgebildete Juristen. Sie tummeln sich frei im Internet, haben ihre Websites, ihre Organisationen wie ISOR, pflastern die Leserbriefseiten der Zeitungen mit ihren hirnrissigen Gesellschaftsmodellen zu oder kommentieren mit ihrer reaktionären Ideologie, treten in Wahlkämpfen mit solchen Schlagwörtern an wie: „Original sozial“, „Reichtum für alle“, „Arbeit für alle“, verlegen ihr versprühtes Gift in schlimmen Büchern, die dem Volk teilweise gefallen, kokettieren mit den Kirchen als moralischen Instanzen. Das Gift der Ideologisierung der DDR-Gesellschaft hat Langzeitwirkung und vergiftet weiter. Sie wollen sich nicht eingestehen, dass sie den falschen Götzen hinterher liefen und winden sich bei jeder Diskussion mit einem „Aber“ mit gebastelten Argumenten heraus


Wie hatte ich in vertrauten Runden in DDR-Zeiten oft gesagt: „Wir haben mehr Arbeitslose als der Westen“: Die überzähligen aus den „bewaffneten Organen“, die Funktionäre der Parteien und Massenorganisationen, die Hauptamtlichen der Stasi und Hunderttausende Spitzel, die Wettbewerbsauswerter für tausend Dinge bis hin zum ÖKULEI, die Wand- und Betriebszeitungsredakteure, Instrukteure, Parteibeauftragte und sonstige nutzlose Berufsgruppen sowie die Zeit der sinnlos verbrachten Rotlichtbestrahlungen und Sitzungen … Ein Staat verheizt einen Teil seines „intellektuellen Reichtums“ mit irrationalen Denkansätzen, andere fliehen in den Westen oder lassen sich später freikaufen


Der vollständige Beitrag hier:
http://www.schildburghausen.de/chronik/ ... hnenswert/

Treffender konnte der Zeitzeuge das Wesen dieser SED - Diktatur nicht schildern..... [super]
Auch aus Steinen die einem in den Weg
gelegt werden,
kann man was schönes bauen
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