Musik und Widerstand in der DDR 2

Musik und Widerstand in der DDR 2

Beitragvon Interessierter » 24. Februar 2019, 11:10

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Christian Kunert (l.) und Gerulf Pannach bei einem Auftritt im halleschen Kabarett „Kiebitzensteiner“ Anfang 1992
Foto:
steffen könau


DDR-Liedermacher Gefühle im Kühlschrank


Eine Schallplatte, auf die Gefängnis stand. Und die sich dennoch nicht verbieten ließ. „Für uns, die wir noch hoffen“ hatten der DDR-Liedermacher Gerulf Pannach, sein Renft-Kollege Christian Kunert und der mit beiden befreundete Dichter Jürgen Fuchs das Werk genannt, das im Herbst 1977 im Westen erschien. Einem Westen, der dem Trio aus Schkeuditz, Leipzig und Jena nie Heimat werden wird, ihnen aber nun erst einmal Zuflucht gibt: Neun Monate lang hatte die Staatssicherheit die drei vermeintlichen Systemfeinde zuvor inhaftiert. Schließlich kommt es nicht zum Prozess, sondern zur Ausbürgerung.

Es ist das letzte Kapitel einer Staatsaffäre, die so nur unter den Bedingungen des real verängstigten Sozialismus denkbar ist. Nach der Ausbürgerung des Liedermachers Wolf Biermann hatten Pannach und Kunert wie Fuchs gegen diese staatliche Maßnahme jenseits des Völkerrechts protestiert - unter anderem, indem sie in einer Kirche in Leipzig-Dölitz geheime Aufnahmen von Liedern machten, die staatliche Kulturaufseher zuvor bereits zum Anlass genommen hatten, die erfolgreiche Rockband Renft zu verbieten.

Aber hier sind sie nun wieder, klingende Dokumente einer Zeit, die heute kaum noch vorstellbar scheint. Auf zwei CDs und einer DVD hat Bodo Strecke, Betreiber des Labels Marktkram, mit Unterstützung der Stiftung Aufarbeitung der SED-Diktatur eine erste wirklich umfangreiche Sammlung sämtlicher verfügbarer Materialen rund um Verbot und Vertreibung des Trios in den Westen vorgelegt.

„Für uns, die wir noch hoffen“ trägt denselben Titel wie die im Westen erschienene Langspielplatte, geht aber inhaltlich weit über diese hinaus. Statt nur eine Handvoll Prosatexte von Fuchs und einiger Lieder von Pannach und Kunert von einem illegalen Auftritt in Leipzig enthält das opulent gestaltete Dreifach-Album einen Mitschnitt der Pressekonferenz in West-Berlin, auf der Wolf Biermann gegen die Verhaftung seiner Freunde protestierte, dazu kommen die komplette Aufnahme des letzten, illegalen Konzertes in Leipzig, ein Mitschnitt des knapp ein Jahr später absolvierten ersten Konzertes im Westen und verschiedene Interviews und Fernsehausschnitte auf der DVD.

Geschichtsunterricht, der heute wirkt wie der Ausflug in eine völlig unverständliche Parallelwelt. Es war ja nicht so, dass Pannach, Fuchs und Kunert den Sozialismus abgelehnt hätten! Nein, alle drei verstanden sich als demokratische Sozialisten, als Linke, die das System mit ihren kritischen Gesängen keineswegs ändern, sondern es verbessern wollten.

So sangen sie denn auch keine Protestsongs gegen die Staatsspitze, sondern Protestsongs gegen die Verhältnisse, die diese Staatsspitze duldete. „Vom Vertrauensmann, der kein Vertrauen hat“, heißt eines, ein anderes ist der Geniestreich „Sonne wie ein Clown“, ein drittes die Hymne „Vom Rot, das brennt“ - die drei Männer, auf Bildern von damals studentenbewegte Typen mit Bärten, Nackenrolle und Cordjackett, suchen die großen Kämpfe im Kleinen, wollen eine menschliche Gesellschaft nicht als Ziel, sondern schon als Weg.

Das sind die Schlimmsten, die nicht nur an sich denken. Nicht zu kalkulieren, was sie tun, nicht zu kontrollieren, was sie sagen. Keine Parteilinie ist da reinzubringen. Künstlerisch sind Pannachs „Friedenslied“, der von Kunert komponierte Anti-Wehrdienstsong „Glaubensfragen“ oder auch das „Lied vom FDJ-Sekretär“ natürlich Leichtgewichte, verglichen mit dem ebenfalls enthaltenen Renft-Klassiker „Zwischen Liebe und Zorn“.

Zu wenig Zeit, zu viel Angst, zu viel Ungewissheit für große Kunst. Doch weil der Staat, in dem diese Lieder gesungen wurden, offenbar solche Angst vor ihnen hatte, lohnt es sich heute immer noch, sie anzuhören.

https://www.mz-web.de/kultur/ddr-lieder ... nk-5015170
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Re: Musik und Widerstand in der DDR 2

Beitragvon Nostalgiker » 24. Februar 2019, 13:05

Ein teilweise schlecht recherchierter Beitrag.

Die Mann von der Gruppe Renft verstanden sich weder als Opposition oder gar als Widerständler.

Sie gaben auch kein geheimes und illegales Konzert bzw. hatten eine illegalen Auftritt in Leipzig, sondern die Lieder und Texte der Platte "Für uns, die wir noch hoffen" wurden in einer Wohnung eines Bandmitgliedes mitgeschnitten.
Sie machten auch keine "geheimen" Aufnahmen ihrer Songs welche letztendlich der Anlass für ihr Verbot waren in einer Kirche in Leipzig-Dölitz, sondern sie produzierten dies Lieder nach dem Verbot ! im Kulturhaus "Zur Sonne" in Skeuditz.

Falls jetzt der Interessierte meinen zu müssen das wäre Krümelkackerei kann ich ihn nur darauf verweisen das mir die Platten von Pannach & Kunert vorliegen, inklusives Material um die Band sowieso.
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Re: Musik und Widerstand in der DDR 2

Beitragvon Interessierter » 24. Februar 2019, 14:23

Nostalgiker » 24. Feb 2019, 13:05
Ein teilweise schlecht recherchierter Beitrag.

Die Mann von der Gruppe Renft verstanden sich weder als Opposition oder gar als Widerständler.


Das schrieb Web.de:

Es war ja nicht so, dass Pannach, Fuchs und Kunert den Sozialismus abgelehnt hätten! Nein, alle drei verstanden sich als demokratische Sozialisten, als Linke, die das System mit ihren kritischen Gesängen keineswegs ändern, sondern es verbessern wollten.


Richtig lesen können, soll von Vorteil sein [grins]
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Re: Musik und Widerstand in der DDR 2

Beitragvon Nostalgiker » 24. Februar 2019, 16:46

Und erst denken können Interessierter.

Denn wenn du diese Kunst, denken und Inhalte von gelesenem zu begreifen, beherrschen würdest, dann hättest du nicht als Threadüberschrift; " Musik und Widerstand in der DDR 2" gewählt.

Die Artikelüberschrift lautet übrigens; "DDR-Liedermacher Gefühle im Kühlschrank"
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Re: Musik und Widerstand in der DDR 2

Beitragvon Interessierter » 24. Februar 2019, 18:28

Beitragvon Nostalgiker » 24. Februar 2019, 13:05
Ein teilweise schlecht recherchierter Beitrag.

dann hättest du nicht als Threadüberschrift; " Musik und Widerstand in der DDR 2" gewählt.


Wie man sieht hast du dich auf den eingestellten Beitrag bezogen und nicht auf den Titel des Threads, wie du in deiner Antwort auf rechthaberischer Art versuchst vorzugaukeln! Solche Diskussion auf verwahrlostem Level kannst du führen mit wem du willst; aber nicht mit mir.

Ich habe fertig...
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Re: Musik und Widerstand in der DDR 2

Beitragvon Nostalgiker » 24. Februar 2019, 18:39

Worauf sollte ich mich sonst beziehen?
Auf deine fulminante Leistung einen Threadtitel zu kopieren und ansonsten nichts zum Thema beizutragen.

Wie immer wenn dir Argumente ausgehen prollst du hier rum, wirst Anmaßend und Beleidigend.
Da frage ich mich doch ernsthaft wer hier verwahrlost ist.

Ansonsten netter Versuch mich zu provozieren, klappt bloß nicht.
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Re: Musik und Widerstand in der DDR 2

Beitragvon Interessierter » 18. März 2019, 12:35

Anarchy in the GDR

40 Jahre Punk: Subkultur war in der DDR etwas Heimliches bis Gefährliches. Entsprechend erschien die erste DDR-Punkplatte in Westberlin. Allerdings nicht ohne Konsequenzen für viele Beteiligte. Ein Fan der ersten Stunde erinnert sich

Das beste Punkkonzert aller Zeiten fand 1981 statt, und ich durfte es live miterleben. Es war in den Räumen der Offenen Arbeit, die zu einer Kirche in Erfurt gehörten. Zu trinken gab es nur Tee, und alle Zuhörer mussten sich auf den Boden setzen, da ein Kirchenmensch Angst hatte, seine frei schwebende Decke könne einstürzen. Gegen 16 Uhr betrat Schleimkeim die Bühne. 15 Minuten Vorgeschrammel. Dieter „Otze“ Ehrlich am Schlagzeug, Dippel am Bass, Otzes Bruder Klaus an der Gitarre. Alle schwitzten wie Sau. Obwohl Otze am Schlagwerk saß, war er der Mittelpunkt der Band. Durch seinen Gesang, durch seine enorme körperliche Präsenz. Er war immer irgendwie vorn, obgleich er hinten war.

Otze hatte sich eine schwere Kette um den Hals gelegt. Rost hatte sein Feinrippunterhemd rotbraun gefärbt. Plötzlich stürzte der Himmel ein, die Marsmenschen landeten, mein erstes Punkkonzert ließ mich 15 Minuten lang erschauern. Ich weiß nicht mehr, welche Titel sie in dieser kurzen Zeitspanne spielten. Sie erschien mir wie eine Ewigkeit. Damals begann sie, die neue, unsere Zeit!

Vorsicht: „negativ-dekadente Jugendliche“


Anfang der 80er-Jahre tummelten sich zwischen Sassnitz und Suhl die ersten Punks und Bands in der DDR. Über Westradio und Westfernsehen waren die meisten Jugendlichen in der DDR über sämtliche Trends und Jugendkulturen bestens im Bilde. Verwandte schmuggelten Musikzeitschriften bei ihren Westbesuchen in den Osten, und auch Schallplatten fanden ihren Weg über die Mauer. Doch den einheitssozialistischen Machthabern in der DDR waren Punks, deren Ideologie und Musik ein Dorn im Auge. Punker wurden vom Ministerium für Staatssicherheit als „negativ-dekadente Jugendliche“ eingestuft und verfolgt.

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Re: Musik und Widerstand in der DDR 2

Beitragvon Interessierter » 16. August 2019, 07:56

Heiße Rhythmen im Kalten Krieg

Swing und Jazz hören in der SBZ/DDR und der VR Polen (1945–1970)

1. Radio: Aufnahmebereitschaft und Sendungsbewusstsein
2. Schallplatten: Soundspeicher und Statussymbol
3. Live-Musik: selbstgemacht und importiert
4. Fazit


Am 1. Mai 1950 spielte das Radio Berlin Tanzorchester (RBT) ein Konzert mit neuer „fortschrittlicher“ Tanzmusik im Berliner Lustgarten. Auf dem Programm standen Lieder wie „Liebe kleine Volkspolizistin“ und „Kleines Fräulein vom HO“. Das Publikum pfiff das Orchester aus. Sie wollten die „internationale Tanzmusik“ hören, mit der das RBT-Orchester in den ersten Nachkriegsjahren populär geworden war.1 Einen Tag nach diesem Vorfall reichten alle Mitglieder des Orchesters geschlossen ihre Kündigung beim Berliner Rundfunk ein. In dem Schreiben hieß es: „Aus künstlerischen Gründen sehen sich die Mitglieder des RBT-Orchesters veranlaßt, zu dem vertraglich festgesetzten Termin zu kündigen. Das RBT-Orchester hat in den fünf Jahren seines Bestehens internationale Tanzmusik gepflegt und ist nicht gewillt, sich von dieser Linie abdrängen zu lassen.“

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https://zeithistorische-forschungen.de/2-2011/id=4685
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