Das Westpaket

Re: Post von „Onkel Theo“- Pakete für die DDR

Beitragvon augenzeuge » 5. Oktober 2013, 12:00

Hausfreund hat geschrieben:
Dille hat geschrieben:die Grenze waren wohl die max. 20 kg für ein Paket.

Meiner Erinnerung nach generell 10 kg bei normalen DDR-Pakten wg Arbeitsschutz für die Frauen bei der Post. (?)
mfG [hallo]


Angefangen hat es mit 7 kg Maximalgewicht. Zunächst war eine Sendung pro Monat erlaubt, später wurden daraus 12 Sendungen pro Jahr, die theoretisch auch in einem Monat hätten empfangen werden dürfen. Zu den ersten Erleichterungen im innerdeutschen Paketversand kam es erst Anfang der siebziger Jahre. Das Maximalgewicht der Paketsendungen wurde von sieben auf zwanzig Kilogramm angehoben.

Weitere Infos:
http://www.posttip.de/rubrik2/19974/2/g ... r-ddr.html

AZ
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Re: Post von „Onkel Theo“- Pakete für die DDR

Beitragvon Dille » 5. Oktober 2013, 13:32

augenzeuge hat geschrieben:Ok, so kannte ich das nicht. Habe soeben nochmal geschaut, auch im Web spricht man von 40 DM..... Ich kenne keinen, der das Inhaltsverzeichnis zum Finanzamt brachte....lese ich zum ersten Mal..... [flash]


Ja @AZ, hab' noch mal ganz tief in meinen grauen Zellen gekramt, 40,- DM pauschal ist richtig für ein Paket, 20,- oder 30,- (??) konnte man pauschal für ein Päckchen ansetzen, dafür mußte man sich dann einen Einlieferungsbeleg von der Post (sowas gab's damals noch, also 'ne Post !) geben lassen.
Was über den Wert von 40,- DM ging, konnte man per Kopie vom Inhaltsverzeichnis belegen, wobei für größere Sachen (wie diese Phonoanlage z.B.) auch ein Kaufbeleg nötig war, zusätzlich zum Inhaltsverzeichnis.

Ich weiß das noch sehr genau, da ich Anfang der 80er Jahre meinen ersten "Apple Europlus" hatte und Inhaltsverzeichnisse darauf erstellte, und die Kopie (falls erforderlich) für's Finanzamt ablegte.

Gruß, Dille
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Re: Post von „Onkel Theo“- Pakete für die DDR

Beitragvon karnak » 5. Oktober 2013, 14:25

augenzeuge hat geschrieben:
karnak hat geschrieben: Inwieweit musste man eigentlich gegenüber dem Finanzamt nachweisen welchen Wert der Inhalt des Paketes hatte?Man hätte ja auch Ware in Wert von 30 DM in das Paket packen können und dem Finanzamt nachweisen können,es war ein Wert von 200 DM drin.


Ja, du denkst falsch. Es wurde pauschal für ein Paket eine Absetzbarkeit von 40 DM veranschlagt. Das galt auch, wenn der Wert 100 DM war. Wobei das dann als Handelsware von der DDR angesehen werden konnte und neue Probleme für den Absender brachte....

Man konnte damit kaum Gewinn machen. Das zu unterstellen ist schon schwach. Kann ja jeder mal mit einem Steuerprogramm nachrechnen.....Das der Staat die Sache förderte war gut und richtig. Das sollte man einfach anerkennen.

AZ

O.k.Man hätte dann aber natürlich auch 100 Pakete im Jahr schicken können.Aber Du hast schon recht,ob sich der Aufwand finanziell wirklich gelohnt hätte,nachdem ich die deutschen Steuerbehörden nun auch ein paar Jahre kenne,habe ich meine Zweifel.Und das es schwach ist,das zu unterstellen habe ich geschrieben,nicht das ich noch in ein schlechtes Licht gerate,in Verdacht gerate meinen Frust abzuladen,weil ich die ganzen Jahre keine Westpakete bekommen habe. [flash]
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Re: Post von „Onkel Theo“- Pakete für die DDR

Beitragvon augenzeuge » 5. Oktober 2013, 16:07

karnak hat geschrieben:...weil ich die ganzen Jahre keine Westpakete bekommen habe.


Naja, die haben eben alle auf deinen Job Rücksicht genommen.....stell dir mal vor, dein alter Boss käme mit einem Paket-Inhaltsverzeichnis auf dich zu..... [grins]

Aber du hattest ja ne Schwiegermutter, die dir sicher was mitgebracht hat...... [blush] Ähm...wie hättest du geschaut, wenn die in der Einreisespur der DDR vor dir aufgetaucht wäre..... [shocked]

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Re: Post von „Onkel Theo“- Pakete für die DDR

Beitragvon karnak » 5. Oktober 2013, 16:27

augenzeuge hat geschrieben:

Aber du hattest ja ne Schwiegermutter, die dir sicher was mitgebracht hat...... [blush] [shocked]


[flash] Durfte mein Lieber,vom General höchstpersönlich genehmigt.Ich sollte es nur in Grenzen halten,so habe ich meiner Tochter im Wesentlichen den Vorzug gelassen.Gut,das eine oder andere Stück"Klassenfeindschokolade"habe ich schon mal gegessen. [grin]
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Re: Post von „Onkel Theo“- Pakete für die DDR

Beitragvon Spartacus » 5. Oktober 2013, 16:49

karnak hat geschrieben:
augenzeuge hat geschrieben:

Aber du hattest ja ne Schwiegermutter, die dir sicher was mitgebracht hat...... [blush] [shocked]


[flash] Durfte mein Lieber,vom General höchstpersönlich genehmigt.Ich sollte es nur in Grenzen halten,so habe ich meiner Tochter im Wesentlichen den Vorzug gelassen.Gut,das eine oder andere Stück"Klassenfeindschokolade"habe ich schon mal gegessen. [grin]


Aha, Vitamin B zum General persönlich, hatte er auch noch, der Schlawiner, der [flash]

Und was sollte das heißen: Ich sollte es nur in Grenzen halten [flash] [flash]

LG

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Re: Post von „Onkel Theo“- Pakete für die DDR

Beitragvon augenzeuge » 5. Oktober 2013, 16:55

Spartacus hat geschrieben: Und was sollte das heißen: Ich sollte es nur in Grenzen halten [flash] [flash]
Sparta


In der DDR waren die Grenzen eben überall...... [grins]

Naja, er sollte es nicht groß erzählen, von Kollegen nicht beim Verzehr der Westprodukte erwischt werden usw......denk ich mal.
Und verbotene Dinge sofort konfiszieren oder vernichten..... [angst]

AZ
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Re: Post von „Onkel Theo“- Pakete für die DDR

Beitragvon karnak » 5. Oktober 2013, 17:02

Spartacus hat geschrieben:
Aha, Vitamin B zum General persönlich, hatte er auch noch, der Schlawiner, der [flash]

Und was sollte das heißen: Ich sollte es nur in Grenzen halten [flash] [flash]


[flash] Diese Geschichte habe ich hier schon ausführlich geschildert,musst Du Dir raussuchen.
" Denn sie hassen am Andersdenkenden nicht nur die andere Meinung, zu der er sich bekennt,sondern auch die Vermessenheit, selbst urteilen zu wollen. Was sie ja doch selbst nie unternehmen und im Stillen sich dessen bewusst sind."
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Re: Post von „Onkel Theo“- Pakete für die DDR

Beitragvon Hausfreund » 5. Oktober 2013, 18:28

augenzeuge hat geschrieben:Naja, er sollte es nicht groß erzählen, von Kollegen nicht beim Verzehr der Westprodukte erwischt werden usw......denk ich mal. Und verbotene Dinge sofort konfiszieren oder vernichten. [...]

Grau, teurer Freund, ist alle Theorie, und grün des Lebens goldner Baum. :-)

Es soll zum Beispiel vorgekommen sein, daß privates Werkzeug (Bosch usw.) zur Verbesserung der sozialistischen Arbeitsergebnisse verwendet wurde oder daß man andere, privat erworbene, technische "Westprodukte" für Hightec-Bedarf an Kollegen verschenkte, unter den Augen des Zentralkomitees gewissermaßen.
[hallo]
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Re: Post von „Onkel Theo“- Pakete für die DDR

Beitragvon Spartacus » 6. Oktober 2013, 15:06

Hausfreund hat geschrieben:
augenzeuge hat geschrieben:Naja, er sollte es nicht groß erzählen, von Kollegen nicht beim Verzehr der Westprodukte erwischt werden usw......denk ich mal. Und verbotene Dinge sofort konfiszieren oder vernichten. [...]

Grau, teurer Freund, ist alle Theorie, und grün des Lebens goldner Baum. :-)

Es soll zum Beispiel vorgekommen sein, daß privates Werkzeug (Bosch usw.) zur Verbesserung der sozialistischen Arbeitsergebnisse verwendet wurde oder daß man andere, privat erworbene, technische "Westprodukte" für Hightec-Bedarf an Kollegen verschenkte, unter den Augen des Zentralkomitees gewissermaßen.
[hallo]


Da sagts Du was.

Wie hiesen noch mal die 2 Schweißroboter aus dem Westen, die in Zwickau in der Trabantproduktion im Einsatz waren?

Max und Moritz [flash]

Wenn die mal kaputt waren, herrschte Ratlosigkeit, denn die Betriebsanleitung war in Englisch, so das man Monteure
aus dem Westen kommen lassen musste. Und sie waren oft defekt, was laut Aussage meines Bruders wohl schlicht
daran lag, das sie fehlerhaft bedient wurden.

LG

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Re: Post von „Onkel Theo“- Pakete für die DDR

Beitragvon Hausfreund » 6. Oktober 2013, 19:08

Spartacus hat geschrieben: 2 Schweißroboter aus dem Westen, die in Zwickau in der Trabantproduktion im Einsatz waren?

Anspruchsvolle Westtechnik lernte ich auch kennen, mit der die eigenen Fachleute jedoch alleine bestens klarkamen.

Mir ging es oben um private (im Sinne von "Westpaket des Onkel Theo", also mit DM bezahlte) Geräte, die auf Arbeit eingesetzt wurden. mfG
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Re: Post von „Onkel Theo“- Pakete für die DDR

Beitragvon Janko » 6. Oktober 2013, 21:05

@Hausfreubnd....schreib ich jetzt mal........Kugelschreiber ????
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Re: Post von „Onkel Theo“- Pakete für die DDR

Beitragvon Volker Zottmann » 6. Oktober 2013, 21:13

Hallo Hausfreund,
dann lies mal über meinen Taschenrechner ...http://mein-ddr-leben.de/50.html

Gruß Volker
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Re: Post von „Onkel Theo“- Pakete für die DDR

Beitragvon Hausfreund » 6. Oktober 2013, 21:40

Hallo Volker, danke für den Hinweis!

Es hat übrigens noch mindestens 10 weitere Jahre gedauert, bis jeder Meister Dank Planwirtschaft im Wohnungsbaukombinat mit einem volkseigenen Taschenrechner bestückt war.
Wann war das ungefähr?
Meiner Erinnerung nach hatte ich etwa 1975 den ersten wiss. casio (150 DM??), ohne daß das die Arbeitsproduktivität merklich befeuerte.
[hallo]
Zuletzt geändert von Hausfreund am 6. Oktober 2013, 21:49, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Post von „Onkel Theo“- Pakete für die DDR

Beitragvon Hausfreund » 6. Oktober 2013, 21:47

Janko hat geschrieben:@Hausfreubnd....schreib ich jetzt mal........Kugelschreiber ????

Die vier Fragezeichen verstehe ich zwar nicht, nur soviel: um Kugelschreiber ging es nicht.
Weitere Einzelheiten gelegentlich beim Bier. [hallo]
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Re: Post von „Onkel Theo“- Pakete für die DDR

Beitragvon Volker Zottmann » 6. Oktober 2013, 21:48

Ich war nur bis 1977 im WBK, dann selbständig.
Dort hatten die Meister frühestens 1982 volkseigene Taschenrechner, eher noch später.

Gruß Volker
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Re: Post von „Onkel Theo“- Pakete für die DDR

Beitragvon Interessierter » 8. Mai 2014, 14:31

Wenn der Postbote anders pfeift
Von Charlotte Funke

Bild

25 Millionen Westpakete überwanden jedes Jahr die Mauer in Richtung DDR. 70 davon schickte Margarete Schulze* aus Westberlin „nach drüben“. Besuch bei einer zupackenden Frau.

Es ist schon über 20 Jahre her, dass Margarete Schulze das letzte Westpaket in den Osten schickte. Trotzdem erinnert sie sich noch genau, was in so einem Paket nicht fehlen durfte. „Klamotten natürlich.“ Der Pullover mit dem hohen Kragen, das schlichte Kommunionskleid mit den eingestickten Blüten: Es ist, als erinnerte sich Margarete Schulze an jedes Kleidungsstück, das sie in den Osten schickte.

„Ich wusste, wem die Sachen passen könnten, und wem was gefiel.“ Westklamotten waren heiß begehrt bei den Verwandten und Freunden, die in der DDR lebten. Im Fall von Margarete Schulze waren das einige. Sie schickte Pakete an Geschwister und Cousins, an Schwägerinnen und deren Kinder, die selbst schon Familien hatten. Für diese Menschen ist Margarete Schulze bis heute „Marga“.

Ein Duft von Kaffee und Seife

Für die Verwandten und Freunde, deren Namen auf Margas Paketen standen, war alles anders an einigen Tagen im Jahr. Der Himmel war dann ein bisschen blauer und die Luft roch nach Kaffee und Seife. Der Postbote pfiff auf eine ganz besondere Art, die sagte: Marga hat ein Westpaket geschickt.

Weiter hier:
http://www.155kilometer.de/1000-gramm-schokolade/

Als " Wessi " würde mich interessieren über welche Artikel sich die Menschen in der DDR am meisten freuten, auch wenn es individuel sicher unterschiedlich war?

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Re: Post von „Onkel Theo“- Pakete für die DDR

Beitragvon pentium » 8. Mai 2014, 14:49

Vielleicht wird deine Frage im Thread "Das Westpaket" hier im Forum beantwortet, Interessierter?

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Re: Das Westpaket

Beitragvon Interessierter » 13. Oktober 2014, 07:14

Päckchen nach drüben

Wenn das West-Päckchen geöffnet wurde, roch es nach Kaffee und Kakao, nach Orangen und Puddingpulver: Millionenfach gingen zu DDR-Zeiten die Sendungen in den Osten. Wie aber haben sich die Beschenkten revanchiert?

"Wir waren ganz überrascht, aber natürlich auch hocherfreut, über all die herrlichen Dinge, die da zum Vorschein kamen." So bedankte sich Familie Wendt 1979 bei ihren Verwandten in Aachen für das eben erhaltene Weihnachtspaket. Gleichzeitig räumte Frau Wendt jedoch ein: "Doch eines muß ich dazu noch bemerken: So teure Sachen wie die Bluse solltet Ihr nicht für mich kaufen; denn wir können uns in unseren DDR-Verhältnissen in keiner Weise revanchieren." Um der Tante die Sorgen zu nehmen, erwiderten die Verwandten aus der Bundesrepublik: "[Du] brauchst dir keinerlei Gedanken zu machen bezüglich 'revanchieren'. Für uns sind das doch nur Kleinigkeiten im Verhältnis zum Einkommen."

So wie Familie Wendt aus Aachen schickten Millionen Bürger Pakete von West nach Ost. Der Slogan "Dein Päckchen nach drüben" rief die Bürger im Westen regelmäßig dazu auf, ihren "armen Brüdern und Schwestern" im Osten Deutschlands Päckchen und Pakete zu schicken. Und das taten sie auch. Wer erinnert sich nicht an die große Freude, die die Westpakete ins Haus brachten? Vor allem die unverwechselbare Duftmischung aus Kaffee und Kakao, aus Seife und Schokolade, aus Orangen und Puddingpulver, die beim Öffnen den ganzen Raum erfüllte, ist vielen Paketempfängern noch präsent. Doch auch die Menschen in der DDR schickten oft und regelmäßig Päckchen und Pakete an ihre Verwandten und Bekannten in der Bundesrepublik.

Weiter hier:
http://www.spiegel.de/einestages/paketv ... 95706.html

Die Autorin Konstanze Soch promoviert an der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg zur Geschichte des deutsch-deutschen Päckchen- und Paketverkehrs.

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Re: Das Westpaket

Beitragvon andr.k » 26. Januar 2015, 21:22

Die "DDR" übt späte Rache: Pakete weg, Einreiseverbot

von EGBERT A. HOFFMANN, 18.02.1984

Wie genau der Staatssicherheitsdienst der "DDR" Zeitungen der Bundesrepublik liest, bekam Jetzt ein Hamburger zu spüren : Ihm wurde der Besuch von Verwandten drüben verboten. Sein "Verbrechen": Im Hamburger Abendblatt hatte er sich am 13. Man 1983 beschwert, daß drei Viertel aller Pakete, die er in den vergangenen Jahren in die "DDR" geschickt hatte, spurlos verschwunden sind. Name und Adresse des Mannes wurden niemals veröffentlicht Dennoch muß der "Stasi" herausbekommen haben, um wen es sich handelt. Dabei hat vermutlich der "DDR"- Staatsratsvorsitzende Erich Honecker mitgeholfen. Denn mit der gleichen Beschwerde hatte sich der Hamburger auch direkt an ihn gewandt - natürlich in diesem Fall mit vollem Namen.

Der Hamburger - nennen wir ihn Schulz - kennt Honecker persönlich aus den Jahren nach 1945. Damals lebte Schulz in Berlin und engagierte sich zusammen mit Honecker beim Aufbau der Jugendorganisation FDJ. Später geriet er in Mißkredit der SED. Die Quittung: sechs schlimme Jahre im Zuchthaus Brandenburg. 1956 kam er frei. Hamburg wurde seine neue Heimat .Aber die SED vergaß den Abtrünnigen nicht: Die meisten Pakete, die Schulz an Freunde und Verwandte in der "DDR" schickte, kamen niemals an. Wohl eine Art später Rache.

Schulz fuhr wiederholt zu Verwandtenbesuchen nach drüben. "Meine Anhörigen", erzählt er heute, "beantragten solche Reisen 1981 und 1982. Sie wurden anstandslos genehmigt." Im März 1983 schrieb er wegen der verschwundenen Pakete den ersten Protestbrief an Honecker. Als sich darauf nichts rührte, schickte er zwei weitere Briefe. Nur ein einziges Mal bestätigte ihm die "Dienststelle des Staatsrats" den Eingang eines Schreibens. In gleicher Sache wandte er sich auch an das Bundespostministerium.

Die hohen Verlustquoten bei Liebesgabensendungen nach drüben - so hieß es in seinem Brief - seien eine unerträglich Belastung für das deutsch-deutsche Verhältnis.

Im Sommer 1983 wollte Schulz wieder zu Besuch nach drüben fahren. Am 22.Juli teilte die Volkspolizei seinen Verwandten schriftlich mit, daß der Besuch nicht genehmigt werde. Gründe wurden nicht genannt. Im Herbst versuchte es Schulz noch einmal. Am 19. September schrieb das Volkspolizei-Kreisamt Meißen an seine Angehörigen einen Formbrief: "Bezugnehmend auf das von Ihnen gestellte Ersuchen wird mitgetellt, daß diesem nicht entsprochen werden kann." Im November wollte Schulz nach Thüringen. Diesmal teilte die Volkspolizei den Verwandten mündlich mit: "Daraus wird nichts." Wieder keine Gründe.

Schulz wandte sich wegen der verweigerten Besuchsreisen an Ex-Bundeskanzler Schmidt. Der nahm bei seinem letzten privaten Honecker-Besuch im Herbst 1983 eine Liste mit rund hundert Namen von Bundesbürgern mit, die gleiche Probleme wie Schulz haben. Honecker sagte mündlich "wohlwollende Prüfung" zu. Schulz wandte sich überdies an die Ständige Vertretung Bonns in Ost-Berlin. Dr. Bräutigam, Chef der Vertretung, schrieb Schulz vor sechs Monaten, er werde sich wieder melden, wenn er verbindliche Antwort aus Ost-Berlln habe. Bis heute hat er sich nicht gemeldet.

Schulz zieht diese Bilanz aus seinem Fall: "Die DDR kann es also nicht ertragen, wenn sich Bundesbürger nach dem Verbleib ihrer verschwundenen Pakete erkundigen. Für solche Anfragen werden sie mit Einreiseverbot bestraft." Dem ist nichts hinzuzufügen.



... und die Bundespost zahlt
Nach Angaben der Bundespost waren 1970 rund 96000 Pakete und 29 000 Einschreibsendungen auf dem Weg vom Absender zum Empfanger verschwunden. 1980 kamen immerhin noch 27100 Pakete und 4000 Einschreibsendungen nicht an. 1982 waren es 26940 Pakete und 5180 Einschreibsendungen. Die Bundespost: "Damit ist die Verlustquote bei Paketen immer noch zehnmal so hoch wie bei Sendungen innerhalb der Bundesrepublik.'' Bei Einschreibsendungen sind es sogar 26 mal so viele. 1982 zahlte die Bundespost für verlorene Sendungen in die "DDR" an Ihre Kunden Insgesamt 3,2 Millionen Mark.


AK
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Re: Das Westpaket

Beitragvon Volker Zottmann » 26. Januar 2015, 21:41

Dein letzter Absatz, Andreas ist ja der Knüller schlechthin!
Da klaut die Staatssicherheit gezielt und unaufhörlich, ja methodisch Pakete und die Deutsche Bundespost haftet obendrein für deren Verbrechen.
Das kann nicht wahr sein!
Ich selbst beschrieb ja umfassend, was ich als Kind und Jugendlicher erlebte. Ich weiß vom Postklau und wohin und wie zumindest die Süßwaren verteilt wurden. Ich stelle mir das gerade wieder flächendeckend vor... Ich bin Zeitzeuge, auch wenn ich Anfangs der 1960er Jahre noch nicht volljährig war, weiß ich doch, was in der Nähe des Berliner Adlergestells geschah. Wie die Waren den Besitzer wechselten. Unbegreiflich, dass ich das alles sehen "durfte".
Ein Verbrechersyndikat war die Staatssicherheit zumindest auch in diesem Wirkungsbereich der Postkontrolle, des Postdiebstahls!

Ich sah später um 1987, wie liebevoll meine damals 75-Jährige Tante immer noch (seit Kriegsende) ihre Gaben für ihre Freunde und Verwandten im Osten, von ihrer kümmerlichen Rente abknapste. Ich sah, wie in den 1960er Jahren auch meine Mutter sich über die Westpakete freute. Parallel erlebte ich, wie die Stasi die Hehlerware vertrieb. Sie hatte keine Skrupel! Ich war Augenzeuge! Wie soll ein junger Mensch so zerrissen, so zweigeteilt noch Achtung für seine Erziehungsberechtigte aufbringen?

Wer richtig liest und auch mal nachdenkt, kann sich vielleicht erklären, wo meine tiefe Abscheu zu diesem verlogenen System herrührt.

Gruß Volker
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Re: Das Westpaket

Beitragvon augenzeuge » 26. Januar 2015, 22:29

andr.k hat geschrieben: Schulz zieht diese Bilanz aus seinem Fall: "Die DDR kann es also nicht ertragen, wenn sich Bundesbürger nach dem Verbleib ihrer verschwundenen Pakete erkundigen. Für solche Anfragen werden sie mit Einreiseverbot bestraft." Dem ist nichts hinzuzufügen.[/i]
AK


Die DDR reagierte allergisch gegen jede öffentliche Kritik. Sie fühlte sich ertappt und reagierte wie ein Trotzkopf. Wer es dennoch wagte, den bestrafte sie mit "Liebesentzug" oder "Verweigerung". DDR Bürger hatten noch schlechtere Karten. Sie konnten dem kaum entfliehen. Wer das einmal gewagt hatte, den verfolgte sie mit Misstrauen bis zu ihrem letzten Tag.

Von daher wundert mich das Vorgehen hier absolut nicht. Es bestätigt nur vieles.
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Re: Das Westpaket

Beitragvon pentium » 31. Mai 2015, 14:43

Ich stelle es mal hier ein, passt besser zum Thema!

Paketversand West-Ost

Gesetzliche Beschränkungen des Paketversandes in der DDR

Die westdeutschen Haushalte wurden über die aktuell geltenden Regeln mit den bereits erwähnten Merkblättern informiert. Ursprünglich wurden die Merkblätter von karitativen Einrichtungen herausgegeben. In der Folge publizierte auch das "Büro für gesamtdeutsche Hilfe" entsprechende Infomaterialien, ab 1969 kamen die Merkblätter mehrheitlich vom Gesamtdeutschen Institut, das dem Bundesministerium für innerdeutsche Beziehungen untergeordnet war.

Geschenksendung nur von Privat an Privat

Die sowjetzonale Geschenkpaketverordnung, wie sie im Westen auch genannt wurde, legte grundlegende Beschränkungen für den Paketversand fest. In der Verordnung wurde unter anderem definiert, dass Geschenksendungen nur von privat an privat und nur aufgrund persönlicher Beziehungen und zum persönlichen Gebrauch zulässig sind. Das Maximalgewicht eines Pakets aus Westdeutschland in die DDR betrug anfangs sieben Kilogramm.

In der Verordnung wurde auch festgelegt, was in welchen Mengen in die DDR per Postpaket eingeführt werden durfte. Ausgeschlossen waren unter anderem Zahlungsmittel jeglicher Art, Briefmarken, schriftliche und gedruckte Mitteilungen, Literatur mit kriegerischem oder antidemokratischem Charakter, Schallplatten, Bilder und militaristisches Kinderspielzeug. Nicht nur der Inhalt, auch die Anzahl der empfangbaren Pakete war beschränkt. Zunächst war eine Sendung pro Monat erlaubt, später wurden daraus 12 Sendungen pro Jahr, die theoretisch auch in einem Monat hätten empfangen werden dürfen.

Grobe Verstöße gegen die Verordnung wurden übrigens mit einer "entschädigungslosen Einziehung" der Sendung durch den DDR-Zoll geahndet. Bei allen anderen Verstößen wurde das Paket an den Absender zurück geschickt. Ein grober Verstoß lag unter anderem beim Versand verbotener Gegenstände vor. Wurden die Höchstmengen von erlaubten Versandgütern um nicht mehr als 100 Prozent überschritten, konnten sich die Empfänger den Paketinhalt bei Zahlung des doppelten Zollsatzes abholen.

Keine Konserven und Medikamente, Desinfektionsbescheinigung für Kleidung

In einer Durchführungsbestimmung aus dem Jahr 1955 wurde festgelegt, dass "luftdichtverschlossene Behältnisse" für den Versand nicht zulässig sind. Darunter fielen sämtliche Konserven in Dosen oder Gläsern. Medikamente durften nur dann in die DDR geschickt werden, wenn ein in der DDR ansässiger Arzt ein entsprechendes Rezept ausgestellt hatte. Diese Regelung wurde später aber wieder gekippt, so dass ab 1961 der Medikamentenversand generell verboten war.

Eine weitere Verschärfung der Versandregeln betraf getragene Kleidung. Wollte ein Deutscher West diese einem Deutschen Ost schicken, so musste dem Paket eine Bescheinigung über die Desinfektion der Sachen beigelegt werden. Später wurde das Erfordernis noch mal ergänzt: Die Desinfektionsbescheinigungen durften nun nicht älter als 14 Tage sein.

Erste Lockerungen beim Paketversand in den 70er Jahren

Zu den ersten Erleichterungen im innerdeutschen Paketversand kam es erst Anfang der siebziger Jahre. Das Maximalgewicht der Paketsendungen wurde von sieben auf zwanzig Kilogramm angehoben. Die bislang verbotenen luftdichten Behältnisse waren vom Versand nicht mehr ausgeschlossen und die Höchstmengen für Kaffee (500g), Schokolade (1000g), Tabakwaren (250g), Schnaps (1 Liter), Wein und Sekt (2 Liter) wurden ebenfalls erhöht.

Ab 1976 war eine Desinfektionsbescheinigung für getragene Kleidung nicht mehr erforderlich. Im gleichen Jahr fielen auch die Höchstgrenzen für Genussmittel wie Kaffee, Schokolade, Zigaretten und Alkohol. Allerdings durften die Waren weiterhin nur für den persönlichen Gebrauch bestimmt sein.

In den achtziger Jahren fiel die Empfangsbeschränkung für Pakete aus dem Westen. Nun durften mehr als zwölf Sendungen pro Jahr empfangen werden. Dem DDR-Bürger war es aber weiterhin nur erlaubt, zwölf Sendungen pro Jahr ins Ausland zu verschicken. Ab 1984 durften auch wieder Arzneimittel unter Beachtung besonderer Vorschriften verschickt werden. Zu guter Letzt fielen 1987 die Verbote für den Versand von Schallplatten und Tonbändern. Auch Druckerzeugnisse konnten nun in beschränktem Umfang eingeführt werden.

Alle anderen bis dato nicht aufgehobenen Beschränkungen im deutsch-deutschen Paketversand wurden faktisch mit dem Fall der Mauer 1989 außer Kraft gesetzt.

http://www.posttip.de/rubrik2/19974/2/g ... r-ddr.html

Das Maximalgewicht der Paketsendungen wurde von sieben auf zwanzig Kilogramm angehoben.

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Re: Das Westpaket

Beitragvon Wosch » 31. Mai 2015, 19:58

Ich schrieb das hier oder im "AF" vor längerer Zeit schon mal: "Kurz vor Weihnachten, Ende der 80er Jahre, machte ich wieder einen Besuch bei meiner Schwester in Mecklenburg. Ich fuhr damals mit dem Zug und im Vorfeld schickte ein Paket dort hin, um mir die Schlepperei in der Bahn zu ersparen. Als das Paket ankam war ich selbst schon bei meiner Schwester anwesend und beim Empfang und dem Öffnen dieses Paketes direkt beteiligt. Der optische Zustand wies starke Beschädigungen auf, die mit so einer Art von Paketband notdürftig "geflickt" worden waren. Es fehlten das Inhaltsverzeichnis, eine Stange Malboro und eine Großpackung "Wrigleys Chewing Gum"
Meine Schwester wollte diesen Vorfall bei ihrer zuständigen Post melden, traf aber auf dem Weg dort hin einen Bekannten der bei der Kripo arbeitete und erzählte ihm von den Paket mit dem fehlenden Inhalt. Als sie den "Verdacht" äußerte daß die Zigaretten und das Kaugummi wohl in der DDR entnommen sein müsste, erwiderte der sozialistische Kripomann sinngemäß daß die Sachen , wenn schon-denn schon, in der Bundesrepublik entnommen sein müssten, da so etwas in der DDR nicht vorkommen würde.
Nachdem ich den Verlust bei der hiesigen Post schriftlich meldete, bekam ich nach einiger Zeit 45,-DM von der BRD-Post auf mein Konto überwiesen.
Ob der "gute" Mann von der Ost-Kripo das selber geglaubt hatte was er meiner Schwester damals zukommen ließ?
@Merkur, was meinst Du?


Schönen Gruß aus Kassel. [hallo]
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Re: Das Westpaket

Beitragvon steffen52-1 » 31. Mai 2015, 20:05

Wosch, wenn die Genossen etwas entnommen haben, dann diente es doch einer guten Sache, dem Erhalt des Sozialismus und damit waren sie mit ihren Gewissen wieder im reinen!!!! [laugh]
Grüsse steffen52-1
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Re: Das Westpaket

Beitragvon Jago » 31. Mai 2015, 20:19

steffen52-1 hat geschrieben:Wosch, wenn die Genossen etwas entnommen haben, dann diente es doch einer guten Sache, dem Erhalt des Sozialismus und damit waren sie mit ihren Gewissen wieder im reinen!!!! [laugh]
Grüsse steffen52-1



ich denke auch , so wie das Paket auf DDR Boden ist ist es Volkseigentum und ging uns alle [laugh]


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Re: Das Westpaket

Beitragvon Bahndamm 68 » 31. Mai 2015, 20:59

Jago hat geschrieben:

ich denke auch , so wie das Paket auf DDR Boden ist ist es Volkseigentum und ging uns alle

gruß Jago[/quote]
Hallo Jago,
Einspruch, Euer Ehren, zwei Tage nach meiner Flucht kam in der GK ein Paket meiner Eltern an, u.a. Schokolade aus dem Westen. Der gesamte Inhalt ist gelistet worden - Unterlagen in die Akte - das Paket ist vollständig wieder zurück gesendet. Wie lang jedoch der Postweg gedauert hat, steht nicht in der Stasi-Akte.

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kann die Gegenwart nicht begreifen
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Re: Das Westpaket

Beitragvon Interessierter » 15. September 2017, 08:57

Der Bericht des Deutschlandfunkes passt ergänzend auch hier hin:

Das Päckchen nach drüben

"Auch Ostkinder warten auf das Christkind", schrieb die "Zeit" 1954. Daher schickten viele Wessis Jahr für Jahr Päckchen zu den Verwandten in der DDR. Kaffee, Orangen, Strumpfhosen, Rasierklingen - Waren für viele hundert D-Mark gingen nach "drüben". Doch nicht alles kam an.

"Es waren drin: Kaffee, Orangen, Margarine, Palmin, Mandeln, Strumpfhosen, Rasierklingen, Puddingpulver, Schokolade, Marzipanbrote, alles Leckereien. Weihnachten hauptsächlich Backzutaten, Rosinen, Zitronat, Orangeade. Dann haben meine Großeltern auch mal Dralondecken und Pullover gekriegt. Das ist das, was wir so rübergeschickt haben."

Die Weihnachtspäckchen nach drüben waren für die Familie von Bärbel Gruber aus Herleshausen selbstverständlich. "Drüben" lebten die Eltern mit acht Geschwistern, alle wurden reichlich beschenkt – von ganzem Herzen. Jedes Paket fünf Kilo schwer. Es ging ins Geld. Der Solidaritätszuschlag als Liebesgabe - lange vor der Einheit.

"Wenn meine Mutter dann losgegangen ist – ein paar hundert D-Mark waren dann in den Paketen. Wir waren drei Geschwister zu Hause, ich habe noch einen größeren und kleineren Bruder, das wäre für eine Familie fast ein Jahresurlaub gewesen, was da in die Pakete gepackt wurde."

Manches Westpaket führte die DDR-Zollbeamten in Versuchung

Nach dem Krieg hatten die Deutschen im Westen als Geste der Versöhnung Care-Pakete aus den USA bekommen. Nun waren sie es, die an die armen Brüder und Schwestern "Päckchen nach drüben" schicken konnten. Die "Zeit" appellierte 1954 an das West-Gewissen unter der Überschrift: "Auch Ostkinder warten auf das Christkind."

Der längere Beitrag geht hier weiter:
http://www.deutschlandfunkkultur.de/deu ... _id=306499
Auch aus Steinen die einem in den Weg
gelegt werden,
kann man was schönes bauen
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Re: Das Westpaket

Beitragvon steffen52 » 15. September 2017, 10:17

Konnten nicht die damaligen Bundesbürger die Pakete in die Ex-DDR von der Steuer absetzen? [ich auch] Ist ja egal. Die Freude wen man so ein Paket bekam,
ist immer sehr groß gewesen.
Gruß steffen52
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Re: Das Westpaket

Beitragvon Wosch » 15. September 2017, 12:25

steffen52 hat geschrieben:Konnten nicht die damaligen Bundesbürger die Pakete in die Ex-DDR von der Steuer absetzen? [ich auch] Ist ja egal. Die Freude wen man so ein Paket bekam,
ist immer sehr groß gewesen.
Gruß steffen52




Steffen, pro Paket konnte man 50,- DM bei der Jahrslohnsteuerabrecnung absetzen, das heißt aber nicht daß man 50,- DM zurück bekam sondern nur die dafür vorgesehende Steuerermäßigung in etwa der Höhe der Portokosten.
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