Damals im Westen

Re: Damals im Westen

Beitragvon Merkur » 17. Oktober 2018, 09:45

Volker Zottmann hat geschrieben:Wer heute noch behauptet, dass nicht JEDES Westpaket den Zoll der DDR durchlief, der verherrlicht eine Diktatur, die stets aus den Paketen das entnahm, was gefiel oder diese Sendungen ganz verschwinden ließ.
Gruß Volker


Der Teufel steckt oft im Detail Volker und Pauschalaussagen sind schwammig.Ich kenne identifizierte postalische Verbindungslinien der Geheimdienste, bei denen jegliche Kontrolle bzw. alles verzögernde in der Beförderung durch das MfS strikt untersagt war.
Und gerade die Pakete verloren im Laufe der Jahre für das MfS an Bedeutung. Nicht umsonst wurde die Abteilung Postzollfahndung aufgelöst.
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Re: Damals im Westen

Beitragvon augenzeuge » 17. Oktober 2018, 09:55

Merkur hat geschrieben:Nicht umsonst wurde die Abteilung Postzollfahndung aufgelöst.

Wurde sie nicht im Abteilung M eingegliedert, die bis zuletzt sehr aktiv war?

AZ
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Re: Damals im Westen

Beitragvon Volker Zottmann » 17. Oktober 2018, 10:01

Nun Merkur, da hat jeder seine eigene Sicht.
Schon als Kind sah ich ein total zerfleddertes Paket, was meine Oma erhielt. Damals in den späten 50ern half eine direkte Beschwerde und es wurde sogar Ersatz geliefert. Wem die DDR diese Waren zuvor klaute, weiß ich natürlich nicht.
In den 1960ern erlebte ich selbst einmal live, wie säckeweise Westbonbons die Besitzer wechselten... Viele Male war ich zwar nicht dabei, habe aber danach mitlutschen dürfen. (Da war ich noch Kind)
In den 1960ern erlebte ich, wie mein Vater beim damaligen Zollamt QLB vorgeladen wurde und ihm erklärt wurde, dass er selbst die Lieferung von Modellbahnerheften seines Bruders aus Canada dauerhaft abbestellen musste.
Ich selbst habe Postpakete in den 1970/80er, erhalten, wo Waren entnommen waren. Selbst vor Messern aus einem 24-teiligen Besteck wurde nicht Halt gemacht. Rotzfrech geklaut!
In den letzten 1980ern verschwand hauptsächlich und regelmäßig Briefpost aus dem Westen.
Nun erzählt mir bitte nicht, das ich ein Einzelfall war, denn ein ganzer "Industriezweig" war nur mit dem Klauen beschäftigt.

Gruß Volker
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Die Weite Deines Horizonts ist Frage Deiner Sicht.
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Re: Damals im Westen

Beitragvon augenzeuge » 17. Oktober 2018, 10:12

Es ist nicht korrekt, was Merkur schreibt.
Das MfS hatte ein sehr großes Interesse am Postverkehr, bzw. dessen Kontrolle. Die Mitarbeiterzahl wuchs ja bis 1989. Sicher weiß er wie viele Mio DM entwendet worden...
AZ
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Re: Damals im Westen

Beitragvon zonenhasser » 17. Oktober 2018, 10:29

augenzeuge hat geschrieben:Die Mitarbeiterzahl wuchs ja bis 1989.

Die Anzahl der vom MfS eingesetzten Mitarbeiter für die Postkontrolle stieg von einigen Dutzend im Jahre 1950 bis DDR-weit auf knapp 2.200 im Jahre 1989.

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augenzeuge hat geschrieben:Sicher weiß er wie viele Mio DM entwendet worden...

Allein in den letzten fünf Jahren der DDR entnahmen die Briefkontrolleure des MfS Zahlungsmittel im Wert von über 32 Mio. DM aus der Post. Auch die fehlgeleiteten Pakete aus der Bundesrepublik (sog. „Irrläufer“) behielt das MfS einfach ein - zuletzt 600 Pakete monatlich. Der daraus resultierende Gesamtschaden wurde 1992 auf über 10 Mio Ostmark geschätzt.

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Re: Damals im Westen

Beitragvon Merkur » 17. Oktober 2018, 10:48

augenzeuge hat geschrieben:Das MfS hatte ein sehr großes Interesse am Postverkehr, bzw. dessen Kontrolle.
AZ


Das streitet doch gar keiner ab. Schließlich wurden beispielsweise die meisten Spione über diesen identifiziert.
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Re: Damals im Westen

Beitragvon Interessierter » 17. Oktober 2018, 13:03

Und um diese enttarnen zu können, musste man beispielsweise 32 Mio DM stehlen? [flash]
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Re: Damals im Westen

Beitragvon HPA » 17. Oktober 2018, 13:04

Merkur hat geschrieben:
augenzeuge hat geschrieben:Das MfS hatte ein sehr großes Interesse am Postverkehr, bzw. dessen Kontrolle.
AZ


Das streitet doch gar keiner ab. Schließlich wurden beispielsweise die meisten Spione über diesen identifiziert.


Nun ja, der "Spionage"begriff wurde ja in der DDR sehr weit ausgelegt.

@interessierter: willkommener Beifang
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Re: Damals im Westen

Beitragvon Interessierter » 17. Oktober 2018, 13:10

Schrieb der Merkur nicht gerade, dass der Teufel im Detail steckt? [grins]

@HPA:
Beifang wurde bislang in der Fischerei aber wieder über Bord geschmissen.
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Re: Damals im Westen

Beitragvon andr.k » 17. Oktober 2018, 13:27

So langsam gleitet das Thema zur "Spionageabwehr der DDR". In Buch "Die Spionageabwehr der DDR" auf Seite 599 kann der wirklich interessierte Leser z.B. über Kontrollen und Aktivitäten des BND gegen Kraftfahrer aus der DDR lesen.
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Re: Damals im Westen

Beitragvon Merkur » 17. Oktober 2018, 13:30

Interessierter hat geschrieben: musste man beispielsweise 32 Mio DM stehlen?


Donnerwetter, kannte der Westen das Devisengesetz der DDR nicht?
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Re: Damals im Westen

Beitragvon HPA » 17. Oktober 2018, 13:39

Ach und das war die Begründung, Pakete bewusst fehlzuleiten und in Freienbrink auszuplündern? [grins]

Selten so gelacht
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Re: Damals im Westen

Beitragvon augenzeuge » 17. Oktober 2018, 15:35

andr.k hat geschrieben:So langsam gleitet das Thema zur "Spionageabwehr der DDR".


Ach wo. Nur weil Merkur Spione erwähnte, passiert noch nix.

Wie man lesen kann, war es mal wieder wichtig, die Kontrollwütigkeit der "M" zu beleuchten.
Jetzt ist einigen sicher ein Licht aufgegangen. [grins]

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Re: Damals im Westen

Beitragvon augenzeuge » 17. Oktober 2018, 17:03

Kennt einer das Buch? Ziemlich teuer.....

Bild

Gerd Reinicke war als Offizier der Staatssicherheit Mitarbeiter der Abt. M (Postkontrolle) des MfS in Rostock. In seinem Buch schildert er detailliert die Methoden des MfS zur Überwachung der Post unzähliger Bürgerinnen und Bürger. Er vermittelt außerdem in ungewöhnlicher Offenheit eine Innenansicht der Geheimpolizei der SED und beschreibt seine wachsenden Zweifel an der Tätigkeit dieses Apparats bis zu seinem Ausscheiden aus dem MfS im Jahr 1985.


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Re: Damals im Westen

Beitragvon Merkur » 17. Oktober 2018, 17:05

Steht bei mir im Regal.
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Re: Damals im Westen

Beitragvon augenzeuge » 17. Oktober 2018, 17:08

Merkur hat geschrieben:Steht bei mir im Regal.


Toll. Schreib mal ne Rezension. [grins]
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Re: Damals im Westen

Beitragvon augenzeuge » 17. Oktober 2018, 18:11

Panne bei Abtlg. M

Die Information über DDR Zustände musste nicht abgefangen werden....sie kam direkt in die Zeitung, jahrelang! [flash]
Auszug aus dem Buch: "Ein offenes Geheimnis".

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Re: Damals im Westen

Beitragvon augenzeuge » 17. Oktober 2018, 18:29

Und was die 0,85% betrifft. Ich denke, ein großer Teil waren die bis 1975 verschickten (hunderttausenden) Hetzsendungen.

Absender waren neben DDR Organisationen auch die Botschaft Chinas und Albaniens in Ostberlin. Diese nahmen in den sechziger Jahren von beiden Seiten so einen großen Teil des Postverkehrs ein, dass man vereinbarte, diese deutlich zu reduzieren. Bei den Botschaftssendungen klappte das weniger gut.

Anhang zur Entwicklung vom "M" in den achtziger Jahren.

AZ
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Re: Damals im Westen

Beitragvon augenzeuge » 17. Oktober 2018, 18:54

Was in einem Quartal 1978 in die DDR verschickt wurde..... [shocked]

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Re: Damals im Westen

Beitragvon Merkur » 17. Oktober 2018, 19:55

augenzeuge hat geschrieben:
Merkur hat geschrieben:Steht bei mir im Regal.


Toll. Schreib mal ne Rezension. [grins]
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Keine Zeit AZ. Aber Du findest eine Rezension zu diesem Buch im Deutschland-Archiv 6/2005, S. 1129 ff.
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Re: Damals im Westen

Beitragvon andr.k » 17. Oktober 2018, 22:30

augenzeuge hat geschrieben:Kennt einer das Buch? Ziemlich teuer.....


Gerd Reinicke war als Offizier der Staatssicherheit Mitarbeiter der Abt. M (Postkontrolle) des MfS in Rostock. In seinem Buch schildert er detailliert die Methoden des MfS zur Überwachung der Post unzähliger Bürgerinnen und Bürger. Er vermittelt außerdem in ungewöhnlicher Offenheit eine Innenansicht der Geheimpolizei der SED und beschreibt seine wachsenden Zweifel an der Tätigkeit dieses Apparats bis zu seinem Ausscheiden aus dem MfS im Jahr 1985.


AZ


Das Buch habe ich ebenfalls gelesen und kann es wirklich jedem empfehlen, der sich für dieses Thema interessiert.

P.S.: Teuer? Die Publikation kannst Du Dir z.B beim Landesbeauftragten für die Unterlagen
des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR bestellen. (G. Reinicke ist im Frühjahr 1986 aus dem MfS ausgeschieden.)
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Re: Damals im Westen

Beitragvon augenzeuge » 18. Oktober 2018, 15:45

Danke. Aber ich habe bereits ein sehr umfassendes Werk zum Thema.

AZ
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Re: Damals im Westen

Beitragvon andr.k » 18. Oktober 2018, 20:27

augenzeuge hat geschrieben:Danke. Aber ich habe bereits ein sehr umfassendes Werk zum Thema.

AZ

Habe ich schon weiter oben gesehen und natürlich auch schon gelesen.
Man lebt ruhiger, wenn man nicht alles sagt, was man weiß, nicht alles glaubt, was man hört und über den Rest einfach nur lächelt.
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Re: Damals im Westen

Beitragvon CASI » 19. Oktober 2018, 00:08

Moin,

sind wir eigentlich noch beim Thema: "Damals im Westen" ?
Da ja der Knabe, der Edle (das meine ich auch so) immer erpicht auf Bilder ist, dann mach ich doch einfach mal die Bilderkiste auf, natürlich mit Geschichte dahinter.
Fangen wir an:
Im "Westen" des Jahres 1956:
Opa baut ein Haus. Das Schwarzweiss Bild zeigt die Anfänge der Baustelle. Oma macht die Wochenendkontrolle. Dazu muss man sagen das mein Opa zu der Zeit kein "Vorstandsvorsitzender" oder "Leitender Angestellter" war, sondern einfach "Kraftfahrer". Er hatte 1941 eine Lehre als Flugmotorenmechaniker am Fliegerhorst Gütersloh angefangen, wurde danach noch in den Endkampf geschickt und hat die ersten Jahre nach dem Krieg beim Tommy LKWs zusammengeflickt, wo er 1946 auch alle Führerscheine gemacht hat! - Für alle Führerscheine benötigte er 20 Liter Diesel für den LKW, 10 Liter Benzin und ein paar Liter 2 Takt Gemisch fürs Moped. Nach ein paar Runden mit allen Fahrzeugen war der Schein klar. Danach hatte er bei einer Spedition LKW gefahren, was aber auch nicht wirklich sein Ding war, da man auch mit einem Krupp Titan und Büssing 7000 deutlich eine Woche unterwegs war von München bis Gütersloh. Da waren Frau und 2 Kinder im Winter in einer Schweinekalten Bude und der LKW hatte auch keine Heizung!
Er kam zum Vossen (Frottierweberei) als Fahrer für die Angestellten. Mit nem 30PS VW Bulli mitten in der Nacht die Jungs (Weber) abholen und abends auch wieder wegbringen. Er hatte beim Bulli zumindest eine auf dem Papier funktionierende Heizung, Frau und Kinder froren in der Hütte. Mein Onkel und auch mein Vater sagen nur: Das war im Winter einfach schweinekalt, nur Kalt!

Zurück zum Haus 1956. Kredite waren günstig, wenn Flüchtlinge aufgenommen wurden und das wurde auch erfüllt.1958 war das Haus dann fertig.
So sah es 1960 aus: (Farbbild)
Es gab eine Zentralheizung für das ganze Haus mit Kohleofen im Keller. Solange Oma nicht feuerte funktionierte das auch! ;-)
Dazu noch was: Oma war generell gegen etwas was den Bau verteuerte! - Das war die Zentralheizung! - und Zentralheizung braucht man nicht!
Opa hat ganz klar gesagt: Da kommt ne Heizung rein!
Nur: da war das Geld alle. Da war dann der alte Vossen im Spiel, ein absoluter Kapitalist!
Der hat Opa einen kostenlosen Kredit über 6000 DM gegeben für die Heizung!
Oma hat getobt als sie das erfehren hat!
Ihr glaubt nicht, wie schnell der Kredit abbezahlt war! - und die Kinder (Vater und Onkel) hatten es warm!
Da wurde Oma dann auch sehr schnell ruhig.


Ich würde mir wünschen, wenn dieser Thread nicht weiter zerschossen wird, dann mach ich auch weiter und plauder mal "Aus dem Westen" - und aus dem Nähkestchen!

VIele Grüße
Carsten
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Toleranz ist: sehen, verstehen, lernen, handeln!
Intoleranz ist: sehen, handeln und dann unverständnis lernen!
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Re: Damals im Westen

Beitragvon Interessierter » 19. Oktober 2018, 06:39

Vielen Dank für den interessanten Beitrag.

[hallo]
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Re: Damals im Westen

Beitragvon augenzeuge » 19. Oktober 2018, 12:52

Kredite waren günstig, wenn Flüchtlinge aufgenommen wurden und das wurde auch erfüllt.

Interessant!

Es gab eine Zentralheizung für das ganze Haus mit Kohleofen im Keller.

Gab es auch mitunter in der DDR. Bis zur Wende.....
Früh im Winter wars erstmal kalt. [angst]

Und ab wann kamen die Gas- und Ölheizungen so wirklich auf?

AZ
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