" Schreibzirkel " in der DDR - Schreibende Arbeiter in der DDR

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" Schreibzirkel " in der DDR - Schreibende Arbeiter in der DDR

Beitragvon Interessierter » 3. April 2013, 08:23

Aus der Fabrik an die Schreibmaschine: Weil der SED viele Autoren des Landes verdächtig waren, sollte in "Zirkeln schreibender Arbeiter" das Volk fabulieren. Unter Anleitung bekannter Schriftsteller entstanden ideologisch geprägte Aufsätze, ganze Romane - und erotische Gedichte.

Staubig und kalt ist es im Archiv, obwohl die Heizung läuft und die Sonne strahlt. Kein gemütlicher Ort, man möchte hier nicht viel Zeit verbringen. Doch die Manuskripte, die hier lagern, werden innig geliebt. Etwa von dem Rentner Jürgen Kögel. Fast 20 Jahre lang war Kögel in der DDR Mitglied des Zirkels schreibender Arbeiter am Berliner Haus der Deutsch-Sowjetischen Freundschaft. Eine Art sozialistische Textwerkstatt für ambitionierte Hobbyschriftsteller, die es in vielen Betrieben und Kulturhäusern der DDR gab.

Rückblick: Am 28. April 1959 erscheint im SED-Zentralorgan "Neues Deutschland" eine bemerkenswerte Rede von Erwin Strittmatter. Der 1. Sekretär des Deutschen Schriftstellerverbandes wirft seinen Kollegen "Blasiertheit" vor. Fernab der sozialistischen Produktion würden sie lieber über historische Themen und Ereignisse in Westdeutschland schreiben. Wenn sich doch einmal ein Autor in einen volkseigenen Betrieb verirre, benehme er sich wie ein Naturforscher im Zoo. "Ein literarisch liebloses Herangehen an die Arbeit unserer Werktätigen", kritisiert Strittmatter, "sie fühlen sich unverstanden und sagen: So sind wir nicht."

Die Schriftsteller sollten sich mehr mit dem Alltag der Werktätigen beschäftigen – oder mit dem, was die SED-Führung dafür hielt. Arbeiter sollten auch selbst Texte verfassen. Profi-Autoren sollten sie dabei in Zirkeln überall in der DDR anleiten. SED-Chef Walter Ulbricht benannte den Grund dafür: "So viele bedeutende Künstler, wie wir jetzt brauchen, haben wir ja gar nicht."
Die Texte, die danach in den sechziger und siebziger Jahren entstanden, waren stark ideologiegeprägt. Später hingegen - angesichts der sich zuspitzenden Widersprüchen des Sozialismus - flüchten die Autoren sich gern ins Private.

Wer darüber entschied, was von der Dichtkunst des Volkes etwa in einer Betriebszeitung oder einer Anthologie veröffentlicht wurde, ist nicht überliefert. Anzunehmen ist jedoch, dass die allgegenwärtige Parteiführung dabei mindestens ein Wort mitredete.

1989 gab es nach Kögels Schätzung rund 300 Schreiber-Zirkel im ganzen Land. Nach der Wende interessierte sich für die Manuskripte und ihre Autoren allerdings fast niemand mehr, ausgenommen zwei Frauen.

http://einestages.spiegel.de/s/tb/28204 ... r-ddr.html

Weiß jemand aus seinem damaligen Betrieb etwas über solche Zirkel?

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Re: " Schreibzirkel " in der DDR - Schreibende Arbeiter in der DDR

Beitragvon vs1400 » 3. April 2013, 10:14

soweit mir bekannt wurden zeitgleich auch viele zeichenzirkel gegründet.
diese dienten unter anderem auch der vorbereitung zum grafikstudium an kunsthochschulen.

gruß vs
vs1400
 


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