Urlaub in der DDR

Re: Urlaub in der DDR

Beitragvon Klaus B. » 15. Mai 2019, 20:16

Auf plump provozierende Fragen antworte ich bekanntlich nicht, nur zur freundlichen Erinnerung.

Und nun weiter zum Thema...

VG Klaus B. [hallo]
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Re: Urlaub in der DDR

Beitragvon dein1945 » 16. Mai 2019, 09:42

karnak hat geschrieben:[grin] Na sicher doch, in Zeiten in denen es eine Wehrpflicht gibt geht man zu einem Grundwehrdienst nicht freiwillig, man ist dazu verpflichtet. Wenn man eine Lücke nutzt um das nicht zu tun mag das für den Einzelnen legitim sein, ein Drücken vor gewissen " Unannehmlichkeiten " bleibt es deswegen trotzdem. Es ist für mich eine der unangenehmen Eigenschaften dieser Gesellschaft solche Dinge aufzublasen und sich mit der eigenen Drückebergerei auch noch zum Helden zu stilisieren.
Was wäre denn gewesen wenn wir Euch angegriffen hätten, man hätte wohl etwas weniger Verständnis für diese Art von " Heldentum " gehabt. Und den 2. Wohnsitz in der Bundesrepublik hattest Du nur um auch noch die Vorteile eines " vollwertigen " Bundesbürgers abzugreifen. Auch das soll legitim sein, man soll aber dann auch benennen was es ist bzw. war. [hallo]
Und die DDR , akzeptiert von den Russen und wohl auch von den anderen Alliierten , war der Meinung Ostberlin, als der Teil der alten Reichshauptstadt, dass den Russen zugeschlagen wurde, gehört nun zur DDR, und die Bundesrepublik meinte dem wäre nicht so , wie der Fall der Wehrpflicht allerdings zeigt mal so mal so , wie es gerade in den Kram passte. [hallo]


Ich dachte eigentlich du hast auf deiner Stasi-Schule mehr gelernt als nur dummes Geschwätzt ! Nochmal zum nachlesen, ob 2.Wohnsitz in Westdeutschland oder in Timbuktu ich brauchte als Berliner der ich damals war und immer noch bin nicht zur Bundeswehr, das hat nichts mit °Heldentum oder Drücken° zu tun, so waren halt die Gesetze ! Ich hatte eigentlich gedacht mit meinem ersten Beitrag über den Urlaub an der Ostsee etwas Ruhe in diese Beiträge zu bringen. Aber NEIN es wird nur weiter gestritten und gepöbelt, für mich war es mal wieder bis auf weiteres,

Gruß aus Berlin Achim
Man(n) muß wissen wenn Schluß ist !
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Re: Urlaub in der DDR

Beitragvon Volker Zottmann » 16. Mai 2019, 10:10

Nostalgiker hat geschrieben:
Durfte eine Grenzstreife Personaldokumente kontrollieren und diese Daten erkennungsdienstlich weiterverwenden und der Stasi melden?

Was ist das denn für eine Frage?
Ich möchte mal den DDR-Einwohner gesehen haben, der nach Festsetzung durch eine Militär-oder sonstige Grenzstreife seinen Ausweis nicht gezeigt hätte.
Und was bitte heißt in dem Zusammenhang "durfte"?
Die Grenzstreifen durften sogar die eigenen Bürger erschießen und wurden dann noch belobigt und ausgezeichnet.
Wie viele Fälle kennt denn der Nostalgiker, wo erkennungsdienstliche Daten an die Stasi weitergeleitet, Disziplinarmaßnahmen gegen Grenzer nach sich zogen?
Versuch doch nicht immer wieder so plump suggerierend, die DDR als normalen Staat darzustellen.

Volker
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Re: Urlaub in der DDR

Beitragvon zoll » 16. Mai 2019, 11:43

karnak hat geschrieben:
Volker Zottmann hat geschrieben:Interessant, wie leicht sich ein westdeutscher Bengel dem Militär entziehen konnte. Schade, dass es das bei uns nicht gab.
Da lebten ja doch damals etliche Verweigerer nur wegen dieses Passus`in Westberlin.

Gruß Volker

Den Einzelnen will ich ja gerne verstehen, dass er sich vor einer vom Staat vorgegebenen Verpflichtung drückt, und was anderes ist es ja nicht als Drücken, weniger eine Heldentat. Was ich aber nicht verstehe wie sich ein Staat verarschen lassen kann. Und was ich noch weniger verstehe, ich denke Westberlin war nichts besonderes, wie die DDR behauptete , war keine "besondere politische Einheit " , war Teil der Bundesrepublik?

Siehste Karnak, das mit der Demokratie hast du immer noch nicht begriffen. Es war keine verarsche, es war eine mehrheitlich vom Bundestag beschlossene Möglichkeit sich wegen eines Gewissenskonfliktes vom Wehrdienst befreien zu lassen und dafür Zivildienst zu leisten.
Die andere Variante war, eine gewisse Zeit Berliner zu werden und deshalb keinen Wehrdienst leisten zu müssen. Das bedingte aber auch Nachteile, wie Familientrennung, Durchfahrt durch die DDR(die Kontrollen waren letztlich auch die reinste Verarschung).
Auch die konsequente Trennung bundesdeutscher Entmilitarisierung von Westberlin war dadurch gegeben. Dein Vaterland hat sich nie daran gehalten.
Westberlin war schon Teil der Bundesrepublik, aber militärisch galten andere Prioritäten, wie, keine Spannungsverhältnisse aufkommen zu lassen. Das haben die drei Garantiemächte für Westberlin auch nie getan. Deren Anwesenheit war mehr oder weniger symbolisch. Ihre Kampfstärke wären den sie umgebenden Sowjets unterlegen gewesen.
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Re: Urlaub in der DDR

Beitragvon Nostalgiker » 16. Mai 2019, 15:43

pentium hat geschrieben:Und schon wieder ist man weg vom Urlaub....also vom Urlaub in der DDR, damals. Seltsam, warum kann man in anderen Foren und da meine ich nicht mal beim Italiener solche Themen diskutieren ohne Stasi, Grenze, Diktatur...und Wehrdienstverweigerung?


Stimmt.
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Re: Urlaub in der DDR

Beitragvon Nov65 » 16. Mai 2019, 16:54

Natürlich durfte eine Grenzstreife Personaldokumente kontrollieren,inbegriffen Passierscheine. Stimmte etwas nicht, führte die Streife diese Leute der Führungsstelle des Kommandeurs Grenzsicherung zu. Dort wurde die Volkspolizei benachrichtigt, die die Zugeführten zur weiteren Überprüfung im Wartburg mitnahm.
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Re: Urlaub in der DDR

Beitragvon Volker Zottmann » 16. Mai 2019, 18:00

Nostalgiker hat geschrieben:
pentium hat geschrieben:Und schon wieder ist man weg vom Urlaub....also vom Urlaub in der DDR, damals. Seltsam, warum kann man in anderen Foren und da meine ich nicht mal beim Italiener solche Themen diskutieren ohne Stasi, Grenze, Diktatur...und Wehrdienstverweigerung?


Stimmt.

Hast Du gerade Deine humoristische Ader entdeckt, dem pentium so einfach zuzustimmen?
"Durfte eine Grenzstreife Personaldokumente kontrollieren und diese Daten erkennungsdienstlich weiterverwenden und der Stasi melden?" hattes Du doch gefragt, und kein anderer!

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Re: Urlaub in der DDR

Beitragvon augenzeuge » 16. Mai 2019, 18:02

Nostalgiker sollte einfach den Beethoven um eine ehrliche Antwort bitten. Der kennst sich aus. Nicht das noch einer behauptet, die Grenzstreifen gabs gar nicht. [flash]
AZ
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Re: Urlaub in der DDR

Beitragvon Grenzwolf62 » 16. Mai 2019, 20:37

An der grünen Grenze durften wir als Freundwärtsstreife, also vor dem ersten Grenzzaun im Grenzdorf, Kontrollen durchführen, ich sage mal von verdächtigen Personen, mit Verlangen des Ausweises.
Das war aber das Sperrgebiet wo das möglich war, es gab für dieses spezielle Gebiet diese Regelung.
Der Dienstgradhöchste bei den zwei Soldaten die da unterwegs waren, war dabei nur ein Gefreiter.
Wie das an der Küste geregelt war können die wissen die dort gedient haben, aber die normale Küste dürfte kein Sperrgebiet gewesen sein, weil für den Aufenthalt in diesem Gebiet zwingend ein Passierschein vorgeschrieben war.
Im Harz gab es Bereiche wo Urlaub im Sperrgebiet möglich war, dort mussten die Urlauber aber auch Passierscheine mitführen.
Außerhalb des Sperrgebietes durften einfache Soldaten keine Kontrollen durchführen da sich die Zuständigkeit der Grenztruppen nur bis zur Sperrgebietsgrenze erstreckte, also Personen außerhalb, wozu wohl die Ostseestrände weitestgehend gehörten, sind sicherlich von der VP kontrolliert worden und nicht von AGT.
Ich habe mich nun auch entschlossen für eine bessere Welt Verzicht zu üben.
Als erstes verzichte ich auf zu viele Kommas.
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Re: Urlaub in der DDR

Beitragvon Volker Zottmann » 16. Mai 2019, 21:03

Das Harzer Sperrgebiet wurde ja wie fast überall in den 1970er Jahren auch schmaler. Trotzdem waren auch Kurorte in diesem, wie Schierke. Die Urlauber waren ja im Vorfeld schon handverlesen. Alle, bei denen man die Pilzsucher westwärts annahm, bekamen weder den Urlaubsplatz, noch den Passierschein.
Diese Urlauber durften tatsächlich im Wald, also auf den wenigen Wegen, wandern. Auch etwas Richtung Brocken. Nur waren diese Wege genauestens in den Heimen bekanntgegeben, so dass nie ein Urlauber bei konformen Verhalten je den Letzten Zaun gesehen hätte.
In Benneckenstein hatten viele Bewohnenr einen Rochus auf den Staat. Wurde doch der Ort aus dem Sperrgebiet gelöst. Einerseits nun Freiheit, man konnte jederzeit ohne Anmeldung Besuch empfangen, andererseits entfiel die Sperrgebietszulage.
Wenn die Bewohner nun in ihrer Gärtnerei was einkaufen wollten, benötigten sie einen Passierschein, weil die Gewächshäuser noch im Sperrgebiet standen. Der Gärtner "durfte" nun alltags seine Ware aufladen und in den Ort kutschieren....sonst wäre er wohl mit staatlicher "Hilfe" pleite gegangen.
Er waren auch DDR, der doofe Rest!

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Re: Urlaub in der DDR

Beitragvon Grenzwolf62 » 16. Mai 2019, 21:14

Ja, so war das.
Ich habe mich nun auch entschlossen für eine bessere Welt Verzicht zu üben.
Als erstes verzichte ich auf zu viele Kommas.
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Re: Urlaub in der DDR

Beitragvon karnak » 17. Mai 2019, 05:27

Volker Zottmann hat geschrieben:In Benneckenstein hatten viele Bewohnenr einen Rochus auf den Staat. Wurde doch der Ort aus dem Sperrgebiet gelöst. Einerseits nun Freiheit, man konnte jederzeit ohne Anmeldung Besuch empfangen, andererseits entfiel die Sperrgebietszulage.

[flash] Ich denke die Freiheit war immer wichtiger als der schnöde Mammon?
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Re: Urlaub in der DDR

Beitragvon AkkuGK1 » 17. Mai 2019, 09:00

Wenn man im Dienst war, konnte man jederzeit kontrollieren.
König von Deutschland, das kann ich mir richtig vorstellen, die Gefängnisse wären voll mit Gesperrten - ich bin raus.
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Re: Urlaub in der DDR

Beitragvon augenzeuge » 17. Mai 2019, 09:21

AkkuGK1 hat geschrieben:Wenn man im Dienst war, konnte man jederzeit kontrollieren.

Na klar, denk mal an die Verkehrskontrollen. Ich staune, was man heute alles bezweifeln kann. [flash]

AZ
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Re: Urlaub in der DDR

Beitragvon Volker Zottmann » 17. Mai 2019, 09:34

karnak hat geschrieben:
Volker Zottmann hat geschrieben:In Benneckenstein hatten viele Bewohnenr einen Rochus auf den Staat. Wurde doch der Ort aus dem Sperrgebiet gelöst. Einerseits nun Freiheit, man konnte jederzeit ohne Anmeldung Besuch empfangen, andererseits entfiel die Sperrgebietszulage.

[flash] Ich denke die Freiheit war immer wichtiger als der schnöde Mammon?


Gewiss wird das so sein, doch wer im Hungerharz die paar Mark (wie viel, weiß ich nicht genau, 50.-Mark?) auf einem mal nicht mehr im Portemonaie hatte, merkte es deutlich. Das ist nun aber wirklich Hörensagen, denn ich bekam nie Zulagen mit 40 km Entfernung.

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Re: Urlaub in der DDR

Beitragvon Dr. 213 » 17. Mai 2019, 09:51

karnak hat geschrieben:
Volker Zottmann hat geschrieben:In Benneckenstein hatten viele Bewohnenr einen Rochus auf den Staat. Wurde doch der Ort aus dem Sperrgebiet gelöst. Einerseits nun Freiheit, man konnte jederzeit ohne Anmeldung Besuch empfangen, andererseits entfiel die Sperrgebietszulage.

[flash] Ich denke die Freiheit war immer wichtiger als der schnöde Mammon?


Die Mischung muß stimmen, und da konnte die DDR beim Thema Geld schonmal nicht liefern.
Freiheit wollten die Genossen auch nicht zulassen, außer vielleicht bei den Geschäften im Menschenhandel.

Bei Volkers Ausführungen denke ich mir, wie unnötig doch mit dem Wissen von heute die Abriegelung
eines sehr schönen Ausflugsziels für die Bevölkerung war.
Die "Werktätigen" wären nach der Übererfüllung der Pläne sicher in ihrer Freizeit auch mal gerne
dort auf den Berg gewandert.
So wie sie sicher auch liebend gerne die Fähren nach Dänemark und Schweden für Kurzreisen benutzt hätten.

Herzlichst
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Re: Urlaub in der DDR

Beitragvon Transitfahrer » 17. Mai 2019, 20:14

Dr. 213 hat geschrieben:
karnak hat geschrieben:
Volker Zottmann hat geschrieben:In Benneckenstein hatten viele Bewohnenr einen Rochus auf den Staat. Wurde doch der Ort aus dem Sperrgebiet gelöst. Einerseits nun Freiheit, man konnte jederzeit ohne Anmeldung Besuch empfangen, andererseits entfiel die Sperrgebietszulage.

[flash] Ich denke die Freiheit war immer wichtiger als der schnöde Mammon?


Die Mischung muß stimmen, und da konnte die DDR beim Thema Geld schonmal nicht liefern.
Freiheit wollten die Genossen auch nicht zulassen, außer vielleicht bei den Geschäften im Menschenhandel.

Bei Volkers Ausführungen denke ich mir, wie unnötig doch mit dem Wissen von heute die Abriegelung
eines sehr schönen Ausflugsziels für die Bevölkerung war.
Die "Werktätigen" wären nach der Übererfüllung der Pläne sicher in ihrer Freizeit auch mal gerne
dort auf den Berg gewandert.
So wie sie sicher auch liebend gerne die Fähren nach Dänemark und Schweden für Kurzreisen benutzt hätten.

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Und wieder zurück gekehrt wären. Warum auch nicht? Aber der demokratische Staat hat doch nicht soviel Vertrauen in die sozialistische Bevölkerung gehabt. [shocked]
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Re: Urlaub in der DDR

Beitragvon Volker Zottmann » 17. Mai 2019, 21:05

Eben @Transitfahrer.
Bei vielen Widrigkeiten bleibt trotzdem die Heimat die Heimat. Und hätten die Menschen frei reisen dürfen, glaube ich nie und nimmer an den sofortigen Exodus.
Die Gründe dafür waren doch eher die Misswirtschaft.
Polen und Tschechen, denen es meist noch schlechter als uns ging, durften doch auch fast uneingeschränkt reisen und kamen wieder. Polen haben schon lange vor der Wende in Dänemark und Norwegen arbeiten können.

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Re: Urlaub in der DDR

Beitragvon Spartacus » 19. Mai 2019, 15:31

Polen und Tschechen, denen es meist noch schlechter als uns ging, durften doch auch fast uneingeschränkt reisen und kamen wieder.


Schon, aber das waren eben keine Deutsche. Macht schon einen gewaltigen Unterschied Volker. Wenn du drüben warst, warst du ja auch sofort ein vollwertiger
BRD Bürger, mit allen Rechten. Pass, Ausweis und Arbeitslosengeld gab es im Handumdrehen. Niemand von denen die ich in Gießen getroffen habe, dachte an
eine Rückkehr. Wenn die Staatsführung es wirklich zugelassen hätte, dass DDR Bürger frei reisen dürfen, hätten sie die selbe Situation wie in den späten 50iger
Jahren bekommen.

Denke ich wenigstens. [hallo]

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Re: Urlaub in der DDR

Beitragvon karnak » 19. Mai 2019, 15:55

Genauso und es hätte sehr wahrscheinlich beide Gesellschaften in Schwierigkeiten gebracht.
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Re: Urlaub in der DDR

Beitragvon Nostalgiker » 19. Mai 2019, 15:58

Da hast du Recht Sparta, allerdings wird diese "kleine" Besonderheit beim Wehklagen über die Unfreiheit und beschränkte Reisemöglichkeit in den Westen gerne übersehen.

Für einen Polen, Tschechen oder Ungarn gab es diesen "Komfort nicht das er kaum im Westen angekommen in die nächste Meldestelle gehen konnte um sich den Pass/Ausweis des Landes abzuholen in dem er gerade weilte weil das Land ihn automatisch als seinen Bürger betrachtete der dummerweise nur wo anders lebte.
Wenn sie bleiben wollten mußten sie Asyl beantragen und ob das in jedem Fall genehmigt wurde, wer weiß.
Ich bin nicht auf der Welt, um so zu sein, wie andere mich gerne hätten.

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Re: Urlaub in der DDR

Beitragvon pentium » 19. Mai 2019, 15:58

Volker Zottmann hat geschrieben:Eben @Transitfahrer.
Bei vielen Widrigkeiten bleibt trotzdem die Heimat die Heimat. Und hätten die Menschen frei reisen dürfen, glaube ich nie und nimmer an den sofortigen Exodus.
Die Gründe dafür waren doch eher die Misswirtschaft.
Polen und Tschechen, denen es meist noch schlechter als uns ging, durften doch auch fast uneingeschränkt reisen und kamen wieder. Polen haben schon lange vor der Wende in Dänemark und Norwegen arbeiten können.

Gruß Volker


Wo bitte durften die Tschechen und Slowaken fast uneingeschränkt reisen? Nach dem Ende des Prager Frühlings durften private Einzelreisende nur noch nahe Verwandte besuchen, soweit sie nicht "verdächtig" waren zu Ausgereisten der Dubcek-Ära zählen, die nicht zurückgekehrt sind, also diese Verwandten....
*Dos Rauschen in Wald hot mir'sch ageta, deß ich mei Haamit net loßen ka!* *Zieht aah dorch onnern Arzgebirg der Grenzgrobn wie ene Kett, der Grenzgrobn taalt de Länder ei, ober onnere Herzen net!* *Waar sei Volk verläßt, daar is net wert, deß'r rümlaaft of daaner Erd!*
Anton Günther

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Re: Urlaub in der DDR

Beitragvon Sperrbrecher » 19. Mai 2019, 17:09

pentium hat geschrieben:Wo bitte durften die Tschechen und Slowaken fast uneingeschränkt reisen?
Als ich 1969 in die Bundesrepublik kam, arbeiteten auf meiner Arbeitsstelle
etliche Slowaken als befristete Gastarbeiter für ein oder zwei Jahre.

Ein Arbeitskollege in der DDR heiratete (obwohl er stockschwul war) Mitte der 60er
Jahre eine Tschechin, zog nach Prag und konnte kurze Zeit später nach West-Berlin
reisen, von wo er logischerweise nicht wieder zurückkehrte.

Auch Polen konnten erheblich einfacher in die Bundesrepublik und andere
westliche Länder reisen. Mein Bruder, der mit mir zusammen 1969 aus der DDR
in die Bundesrepublik geflüchtet war, heiratete 1973 in Polen seine langjährige
Freundin. Sie konnte problemlos in die Bundesrepublik ausreisen und viele ihrer Familienangehörigen kamen sie häufig besuchen.

Diese strikten Reisebeschränkungen für Normalbürger gab es nur in der DDR.
Zuletzt geändert von Sperrbrecher am 19. Mai 2019, 17:16, insgesamt 3-mal geändert.
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Re: Urlaub in der DDR

Beitragvon Volker Zottmann » 19. Mai 2019, 17:11

Danke pentium, für Deine Richtigstellung.
Ich hatte es anders wahrgenommen. Ob die nun einzeln oder gemeinsam reisen durften weiß ich ja auch nicht. Nur haben meine Verwandten zu etlichen Tschechen, keine Slowaken, guten Kontakt, und den viele Jahre bevor wir wieder ansatzweise reisen konnten.

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Re: Urlaub in der DDR

Beitragvon Sperrbrecher » 19. Mai 2019, 17:25

Sperrbrecher hat geschrieben:Diese strikten Reisebeschränkungen für Normalbürger gab es nur in der DDR.

Eine mir bekannte Italienerin hatte vor oder im Krieg einen Deutschen
geheiratet und lebte mit ihm in Dresden. Als der Mann 1961 starb, wollte
sie wieder nach Italien zurückkehren, zusammen mit ihren Sohn der noch
minderjährig war. Es hat Jahre gedauert, bis man den beiden endlich die
Ausreise aus der DDR nach Italien gestattete.
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Re: Urlaub in der DDR

Beitragvon Sperrbrecher » 19. Mai 2019, 17:30

Volker Zottmann hat geschrieben:Ob die nun einzeln oder gemeinsam reisen durften weiß ich ja auch nicht.

Die (polnischen) Schwiegereltern meines Bruders kamen meistens gemeinsam.
Rentner waren sie beide noch nicht.
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Re: Urlaub in der DDR

Beitragvon augenzeuge » 19. Mai 2019, 18:13

Sperrbrecher hat geschrieben:
Sperrbrecher hat geschrieben:Diese strikten Reisebeschränkungen für Normalbürger gab es nur in der DDR.

Eine mir bekannte Italienerin hatte vor oder im Krieg einen Deutschen
geheiratet und lebte mit ihm in Dresden. Als der Mann 1961 starb, wollte
sie wieder nach Italien zurückkehren, zusammen mit ihren Sohn der noch
minderjährig war.
Es hat Jahre gedauert, bis man den beiden endlich die
Ausreise aus der DDR nach Italien gestattete.


Mittlerweile war sie ohne es zu ahnen zum Eigentum der DDR geworden....der Sohn war es durch die Geburt eh..... [angst]
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Re: Urlaub in der DDR

Beitragvon Volker Zottmann » 19. Mai 2019, 22:27

Genauso wars auch im Empfinden derer, die Verwandte in gleicher Verstrickung kannten:

Meine Schwiegermutter (Polin) durfte 1954 nicht zu Besuch nach Polen. Als ihre Oma starb, wurde ihr zynisch gesagt, dass nun ein Besuch auch keinen Wert mehr hätte.

Den französischen junge Witwer meiner Cousine ließ man nicht sofort mit den leiblichen Kindern ausreisen. Er ja, die Kinder aber waren wohl auch Staatseigentum geworden. Hat fürchterlich lange Monate und zahlloser Proteste bedurft, bis der einst freiwillig in die DDR Gekommende enlch nach dem Tod meiner Cousine nach Frankreich "auswandern" durfte.

Da reden hier aber immer wieder welche, wie freizügig die DDR doch war....

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Re: Urlaub in der DDR

Beitragvon Sperrbrecher » 20. Mai 2019, 08:41

augenzeuge hat geschrieben:Mittlerweile war sie ohne es zu ahnen zum Eigentum der DDR geworden....der Sohn war es durch die Geburt eh.....

Nein, nicht unbedingt, denn bis zum Erlass des Staatsangehörigkeitsgesetzes der
DDR 1967 http://www.chronik-der-mauer.de/materia ... bruar-1967 galt das alte
deutsche Staatsangehörigkeitsgesetz von 1913. Das sah den Erhalt der deutschen Staatsangehörigkeit nach Geburtsort (ius soli) nicht vor, es galt nur das Prinzip der
Abstammung (ius sanguinis), wonach ein Kind die Staatsangehörigkeit seiner Eltern erhielt.

In der DDR galt das Reichs- und Staatsangehörigkeitsgesetz unverändert
bis 1967 fort. Auch die Verfassung der DDR von 1949 kannte ausdrücklich
nur eine deutsche Staatsangehörigkeit, in den DDR-Ausweispapieren und
Reisepässen stand „Staatsangehörigkeit: Deutsch“. 1967 führte die DDR
dann aber mit dem Gesetz über die Staatsbürgerschaft der Deutschen
Demokratischen Republik eine eigene Staatsangehörigkeit ein, die alle
Deutschen umfasste, die bei Gründung der DDR auf deren Territorium
wohnten.
(aus Wikipedia)

In einem Rechtsstaat darf es keine Rückwirkung von neu eingeführten
Gesetzen geben. Das Rückwirkungsverbot ist eines der grundlegenden
Rechte eines Staatsbürgers. - Nulla poena sine lege -
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Re: Urlaub in der DDR

Beitragvon zoll » 20. Mai 2019, 11:38

Aus euren Berichten über Reisemöglichkeiten im Ostblock geht ganz klar hervor, dass die DDR ein Staat mit einer total abgesicherten Außengrenze war. Man könnte im nach hinein dieses Land auch als Gefängnis bezeichnen.
Nach dem abgedruckten Gesetzestext über die Staatsangehörigkeit hatte man immer mit Lebenslänglich zu rechnen. Da gab es keine mildernden Umstände, es half nur noch Geld vom reichen Westen. Grausam. [mad]
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