Pfui- Die DDR-Schweinetonne

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Pfui- Die DDR-Schweinetonne

Beitragvon Volker Zottmann » 17. Oktober 2015, 11:17

Direkt mit der Wende verschwand sie ganz schnell, fast unbemerkt. Die Futtertonne, die allerorten "Bio" aus den Haushalten sammelte und dann abgefahren, der Schweinemast zugeführt wurde.
Im Harz war vieles etwas anders.
So wie DDR-weit Futter für die LPGs gesammelt wurde, durfte in Harzgerode ein normalsterblicher Bürger in wöchentlichen Rhythmus die Biotonnen abfahren und in Feierabendtätigkeit 10 Schweine im Wohngebiet mästen.
Er benutzte dazu ein umgebautes AWO-Gespann. Statt eines Beiwagens hatte er eine blecherne Badewanne aufgeschraubt. Darein kippte er, was von den Anwohnern an Abfällen gesammelt wurde.
Gegenüber unserem Haus stand solch ein stinkendes Holzfass, indem neben allen Küchenabfällen besonders auch im Hochsommer sich tausende Maden tummelten. Ekelerregend war das meist. Es hielt ihn aber nicht ab, regelmäßig damit seine Schweine zu füttern.

Neben seinem Hobby, in der Freizeit gegen Bezahlung auf Feiern seine Ziehharmonika zu strapazieren, brachte ihm die Schweine nochmals jedes Jahr zwischen 1000 und 1200 Mark pro Tier. Recht einträglich war diese Beschäftigung. Mit Hygiene hatte es aber nichts zu tun. Besonders seine Nachbarn hatten regelmäßig mit Mäusebefall zu kämpfen.
Nun, wie war es bei Euch Ostdeutschen in Thüringen, Sachsen oder Brandenburg? Wer fuhr dort die "Speckitonnen" ab?

Gruß Volker
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Re: Pfui- Die DDR-Schweinetonne

Beitragvon SkinnyTrucky » 17. Oktober 2015, 18:54

Wir sammelten zu Hause auch alle Küchenabfälle für die Schweine....aber richtig jeck waren se auf Innereien der Nutrias, die wir jedes Wochenende schlachteten....da müsste ich richtig aufpassen wenn ich das Schwenkgitter zurück nahm über den grad frisch gefüllten Schweinetrog....die waren echt wie wild da drauf....


groetjes

Mara
Wenn es heute noch Menschen gibt, die die DDR verklären wollen, kann das nur damit zusammenhängen, dass träumen schöner ist als denken.... (Burkhart Veigel) Bild
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Re: Pfui- Die DDR-Schweinetonne

Beitragvon ratata » 17. Oktober 2015, 19:40

Als ich noch zu Hause vor 50 Jahren lebte , fütterten wir auch immer im Jahr ein Schwein , Futter für das Vieh gab es für von den Einheiten, die die LPG für die Eltern zahlte . Kartoffeln mußte jetzt im Oktober aufgesucht werden .
Als dann hier in die Stadt kam , erlebte ich es wie man ,das übriggebliebene Essen der Kindergärten und der Betriebskantine in Milchkannen an den Fahrrädern nach Hause schleppte .
Meine Cousine reinigte in der Stadt die Kaufhalle , was die da an Backwaren nach Hause schleppte , Brot und Brötchen für die Schweine ,
So konnte man dann " 2 " Schweine , zusätzlich an den Schlachte Hof abgeben . Das waren fast immer 1500 Mark nebenbei .
Im polytechnischen Unterricht in der Produktion , arbeiteten wir auch zig mal im Schweinstall der LPG . In der Futterecke kippte die Hühnerfarm immer die nicht ausgebrüteten Eier der Hühnerfarm ab . Aber wenn wir die Eier in die Futtertröge füllten , piepten noch lebendige Küken in den Eierberg herum , die Schweine fraßen auch die lebenden Küken .
Für die DDR Schweinetonne gab es in den Eingängen der Plattenbauten diese Behältnisse . Aber viele Tonnen brauchten von der LPG nicht geleert zu werden ,denn dafür sorgten schon andere Abnehmer . ratata
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Re: Pfui- Die DDR-Schweinetonne

Beitragvon Volker Zottmann » 17. Oktober 2015, 21:06

Und? Maden? Hygiene?

Ist klar, dass dies bei Mara nie vorkommen konnte, denn frische Abfälle verfüttert wohl jeder Bauernhof. Logisch.
Ebenso Ratatas Bericht. Doch was war mit den Ekelstonnen in den Wohngebieten?

Gruß Volker
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Re: Pfui- Die DDR-Schweinetonne

Beitragvon Jago » 17. Oktober 2015, 21:49

Volker
Ekelstonnen ist wol eher ein humaner Ausdruck , was dem Städter da zugemutet wurde . Sie wurden warum auch immer genutzt um alles auch nicht Essbares rein zu werfen . Wir hatten in Quaschwitz eine rießen Schweinemastanlage , da kamen die entlehrten Kübel hin . Das ganze Zeug mußte erst unter Magneten durch laufen . Da wurden Rasierklingen und andere Metallgegenstände entfernt . Die große Hyginische Sauerei waren aber die Kübel in der Stadt selber . Mein lieber Schwan wie das gestunken hat im Sommer . Im Winter hat der Frost den Holzkübeln den Boden platzen gelassen und da konnte im Frühjahr und den ganzen Sommer die Suppe über den Bürgersteig laufen und die Maden hinterher . Aber das war des kleinere Übel , man war es auch gewöhnt durch die Scheishausrohre wo die Maden hochkrochen . Katastrophaler waren da doch die Ratten die im dunkeln sich da jagten und quitschten . Aber es gab ja ein hervorragendes Gesundheitssystem da mußte man sich doch keine Sorgen machen . Ein toter Rentner war ein guter Rentner .

Gruß Jago
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Re: Pfui- Die DDR-Schweinetonne

Beitragvon Volker Zottmann » 17. Oktober 2015, 22:06

Danke Jago auch für Deine Wortmeldung.
Ich habe meine Story heute schon einem User erzählt....

Als damals Herr S. mit seinem Motorrad vorfuhr, saß sehr oft sein kleiner Enkel auf dem Badewannenrand, meist noch mehr drinnen. Er mag 3 oder 4 gewesen sein und "half" schon dem Opa beim Abtransport des leckeren Tonneninhalts. Berührungsängste hatte der Junge nie. Hatte Gummistiefel an und stak in der Madenbrühe..... Das haben wir zig mal gesehen.
Heute ist der kleine Junge weit in den 30ern. Gut 2 Zentner schwer.... Wie sagt man? Er stand gut im Futter! [laugh]

Gruß Volker (Um so älter ich werde, um so mehr liebe ich die DDR-Geschichten und dass es vorbei ist.)
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Re: Pfui- Die DDR-Schweinetonne

Beitragvon karnak » 18. Oktober 2015, 06:28

Mein Vater hat in einer LPG 30 Jahre lang eine Schweinezucht betrieben,auch dort wurden die Küchenabfälle verfüttert,neben altem Brot,Kuchen,Torte aus der Großbä kerei und Abfälle aus der Brauerei. Dieses ganze Zeug wurde aber in einem riesen Elektrokessel gekocht.Was auch eine riesen Sauerei war,aber der LPG war das Risiko viel zu hoch war,dass die Tiere sonst erkranken.Und so glaube ich eigentlich nicht,dass jemand der von der Sache auch nur etwas Ahnung hatte,dass Zeug ungekocht verfüttert hat.Selbst Futterkartoffeln wurden normalerweise gekocht,weil die Schweine sie dann viel besser verwerten können.
Wie jeder weiß,98%des Genmaterials von Mensch und Schwein sind identisch. [flash]
Übrigens ist in Potsdam gerade ein Feldversuch gestartet,die braune Biotonne.Das Zeug soll wohl heute an die Biogasanlagen verkauft werden.Zum Glück sind wir nur zwei Mietparteien im Haus,wir sabotieren diese Sauerei.
" Denn sie hassen am Andersdenkenden nicht nur die andere Meinung, zu der er sich bekennt,sondern auch die Vermessenheit, selbst urteilen zu wollen. Was sie ja doch selbst nie unternehmen und im Stillen sich dessen bewusst sind."
Schoppenhauer
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Re: Pfui- Die DDR-Schweinetonne

Beitragvon Volker Zottmann » 18. Oktober 2015, 08:59

Für mich war selbstverständlich, dass die Abfälle zuvor abgekocht werden. Darum habe ich das nicht extra erwähnt. Obwohl wir ja nie dabei waren, aber das ist wohl sicherheitshalber jedem Züchter klar gewesen.
Beim Opa wurden die Küchenabfälle auch gekocht und erst dann verfüttert. Außer Salatabfällen, die die Hühner roh verspeisten.

Gruß Volker
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Re: Pfui- Die DDR-Schweinetonne

Beitragvon Volker Zottmann » 18. Oktober 2015, 09:12

Heute wandern die gesamten organischen Küchenreste, wie auch meine Gartenabfälle in den "antifaschistischen Schutzwall", derer ich 2 Stück besitze.
2 Streckmetallplatten 1000 x 3000 bestens verzinkt, habe ich seit dem Grenzabriss bei Sorge in meinem Garten jeweils kreisrund verschraubt stehen. Ca. 90 cm Durchmesser. Man soll es kaum glauben, der Honecker hatte recht!
Die könnten noch 100 Jahre unverrottbar so gestanden haben. Kein Vergang festzustellen. Da hat damals der Klassenfeind beste Westware verkauft.
Die Ringe benutze ich immer zeitversetzt. Ein Jahr wird in einem gesammelt und der andere kompostiert. Um den Komposter stelle ich alten weißen Rollladenpanzer (soll ja auch schön aussehen) genau einem Meter hoch und oben ein runder Deckel drauf. So gewinne ich für meinen Minihausgarten 15 bis 20 Eimer Komposterde pro Jahr.
Und stinken tut da absolut nichts.

Gruß Volker
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