Wie war das - als die Russen kamen ?

Re: Wie war das - als die Russen kamen ?

Beitragvon Volker Zottmann » 29. September 2016, 12:18

So wie es Akku schildert, erging es auch dem Harzgeröder Heimatmaler Uckermann, der in der Münzstzraße wohnte.
Von ihm stammen 2 Ölbilder unseres alten Hauses, welches er in den 30er Jahren als Auftragsarbeit malte. Anlässlich meines Hausflohmarktes standen die Bilder mit zum Verkauf. Ein Harzgeröde Heimatforscher fragte mich nach Uckermannbilden und so schenkte ich im eines für die Heimatstube. Tags drauf war er mit einem weiteren Interessierten da und der bekam gegen Bares den 2. Schinken. So kamen wir auf den Maler zu sprechen, von dem heute nur wenig bekannt ist. Er wurde im Sommer 1945 denunziert eine Pistole zu besitzen und wurde sogleich von den Russen abgeholt. Der Mann verschwand auf Nimmer-Wiedersehen.

Mehr "Glück" hatte da der als Wehrwolf denunzierte Jugendliche Bäckerjunge Hecht aus Gernrode im Harz. Er wurde abgeholt und bekam "nur" 25 Jahre Workuta aufgebrummt und überlebte durch allerlei dortige "glückliche" Umstände.
Bäckermeister Hecht hat seine Leidensgeschichte niedergeschrieben und die Mitteldeutsche Zeitung hat die wochenlang in Folge abgedruckt.
Ihm stahlen die Russen grundlos die gesamte Jugend.... aber er lebt!

Gruß Volker
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Re: Wie war das - als die Russen kamen ?

Beitragvon Nov65 » 29. September 2016, 19:38

Ich bin am 27. Mai 45 geboren. Wenige Tage danach kamen die Russen auch in meinen Geburtsort. Meine Mutter erzählte mir, dass mich ein bärtiger Russe aus dem Bett nahm und herzte und küsste.
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Re: Wie war das - als die Russen kamen ?

Beitragvon Ari@D187 » 29. September 2016, 20:33

augenzeuge hat geschrieben:
Rüganer hat geschrieben:Beklagenswert ist jedoch die Meinung, dass die Deutschen selber Schuld wären und noch beklagenswerter, ja in meinen Augen zynisch und verlogen ist, dass in der offiziellen sozialistischen Geschichtsschreibung nur die Deutschen verbrechen verübten, die andern waren Befreier.


Vollste Zustimmung!!

AZ

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Re: Wie war das - als die Russen kamen ?

Beitragvon Interessierter » 1. Oktober 2016, 09:10

Erinnerung an ein Verhörzentrum
Veröffentlicht am 30. September 2016 von Aro Kuhrt in Denkmäler

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Nach der Befreiung vom Faschismus richtete die sowjetische Besatzungsmacht in ganz Ostdeutschland Lager ein, in denen Kriegsverbrecher interniert wurden. Doch nicht nur Soldaten und führende Nazis wurden verhaftet, sondern auch andere politisch Missliebige. Christen, Sozialdemokraten und nicht-stalinistische Kommunisten kamen zu Tausenden in die großen Lager, die vorher von den Nazis als KZs errichtet wurden, vor allem nach Buchenwald und Sachsenhausen. Daneben gab es auch viele kleinere Lager und Verhörzentren, u.a. in den Gebäuden des Bezirksamts Prenzlauer Berg in der Fröbelstraße, gleich an der Prenzlauer Allee.

In den Kellerräumen von Haus 3 hatte der russische Geheimdienst NKWD 40 Zellen eingerichtet, in denen hunderte oder tausende oft unschuldige Menschen eingesperrt wurden. Die meisten wurden dort gefoltert, viele starben. Von 1950 bis 1985 befand sich dort die Bezirksverwaltung der Staatssicherheit, die die Zellen noch bis 1956 nutzte.

In der Regel handelte es sich bei den Inhaftierten in der Fröbelstraße nicht, wie von der Staatsführung behauptet, um NS-Täter, sondern um Menschen, die dem SED-Regime oppositionell gegenüber standen. Der als besonders gewalttätig berüchtigte Bruno Beater, Chef der Abteilung der Stasi-Hauptabteilung V zur Bekämpfung der angeblichen Staatsfeinde, machte hier Karriere. Er stieg bis zum Stellvertreter des Stasi-Chefs Erich Mielke auf.

In diesem Verhörzentrum gab es auch sogenannte „Stehzellen“, in denen die Häftlinge an Handschellen gefesselt wurden, die weit oben in der Wand eingemauert waren. So mussten sie teilweise mehrere Tage ohne Pause stehen.
Nach 1956 diente der Komplex noch fast 30 Jahre lang der Staatssicherheit. Hier wurden Zerstetzungsmaßnahmen und sogar Anschläge gegen Oppositionelle geplant.

Die Künstlerin Karla Sachse hat zur Erinnerung an diese dunkle Zeit ein ungewöhnliches Denkmal geschaffen: Ein schwarzes Band aus Acryl zieht sich um das Haus, direkt über den zugemauerten Kellerfenstern hinweg. In dieses Band sind 60 Fragen eingelassen, die der Künstlerin bei der Beschäftigung mit der Geschichte dieses Ortes gekommen sind: „Wieviel Schweigen ertrug das Ohr?“, „Wann weinten die Männer?“. Karla Sachse hatte Gelegenheit, Verhörprotokolle aus diesem Gebäude zu lesen und schrieb ihre Gedanken und Fragen auf.

Ehemalige Funktionäre der SED und Angehörige der Stasi haben protestiert, dass der Senat dieses Denkzeichen mit 45.000 Euro unterstützt. Sie sehen die Aktion als „politische Provokation“.

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Re: Wie war das - als die Russen kamen ?

Beitragvon Nov65 » 1. Oktober 2016, 11:21

Ja, wie kann man für eine solche Provokation auch 45.000 € öffentliche Gelder einsetzen? Unerhört!
"Klartext" von Andreas
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Re: Wie war das - als die Russen kamen ?

Beitragvon Volker Zottmann » 1. Oktober 2016, 12:26

Das Geld ist gut angelegt.
Besser als jede andere Gedenkstätte regt es im Vorbeigehen schon zum Fragen an.
Die sich darüber aufregen, können doch 45000 € sammeln, um den Senat zu entlasten. Der Staat hätte wesentlich mehr Geld dauerhaft gespart, wenn er all die Peiniger lebenslang auf Mindestrente gesetzt hätte, oder gar zu Mehreren in diesem Haus als "Kellerbewohner" einquartiert hätte...

Gruß Volker
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Re: Wie war das - als die Russen kamen ?

Beitragvon Interessierter » 19. Februar 2017, 10:05

US-Herrschaft über Leipzig verunsicherte die DDR

Bild
Offizielle Übergabe: Am 2. Juli 1945 übernahmen sowjetische Offiziere in Leipzig die Besatzung. Die Amerikaner zogen ab
Quelle: National Archives

In der DDR galt der 8. Mai 1945 zwar als „Tag der Befreiung“. Das aber galt für Leipzig nur mit großen Einschränkungen. Denn dort hatten US-Truppen bis zum Juli noch das Sagen.

Wahrheit ist eine Sache der Definition. Jedenfalls gilt das für Diktaturen, besonders für total von einer Ideologie dominierte Staaten wie die DDR. Da jede freie Meinungsbildung für solche Gesellschaften gefährlich ist, werden schon in den Schulen den heranwachsenden Untertanen Lügen beigebracht.

In der Unterrichtseinheit 4.2 im Fach Heimatkunde der dritten Klasse ging es in DDR-Schulen um den 8. Mai 1945 als „Tag der Befreiung“. Den Lehrern war aufgegeben, drei Unterrichtsstunden dem „Heldentum und den Opfern der Sowjetsoldaten bei der Befreiung ihres Landes und der Zerschlagung des Faschismus zu widmen“.

In den Begleitmaterialien hieß es dazu erläuternd: „Örtliche Beispiele der Befreiung durch die Sowjetarmee sind nur östlich der Elbe möglich. Für die Schulen westlich der Elbe ist bei der Einbeziehung örtlichen Materials herauszuarbeiten, dass die direkte militärische Befreiung durch Armeen anderer Länder erfolgte.“ Das war so weit noch korrekt, denn Thüringen, das westliche Sachsen und Sachsen-Anhalt waren im April 1945 von US-Truppen besetzt worden, große Teile Mecklenburgs von britischen und kanadischen Einheiten.

Dann aber folgte eine Festlegung, gegen die kein DDR-Lehrer verstoßen durfte, wenn er seinen Arbeitsplatz behalten wollte: „Die tatsächliche Befreiung fand erst durch den Einzug der Sowjetarmee statt, weil von da an die Antifaschisten die Möglichkeit erhielten, ein wirklich neues Leben aufzubauen.“

Am Beispiel seiner Stadt stellt jetzt das sehr rührige Bürgerkomitee Leipzig e.V., hauptsächlich bekannt als Betreiber des unabhängigen Stasi-Museums in der „Runden Ecke“ am Dittrichring, dieser bei vielen Ostdeutschen noch immer verankerten Unwahrheit die Wirklichkeit gegenüber. In einer kleinen Wechselausstellung zeigen Gedenkstättenleiter Tobias Hollitzer und sein Team, was tatsächlich in Leipzig in den Wochen zwischen dem Kriegsende Mitte April und dem Wechsel der Besatzungsmacht Anfang Juli 1945 geschehen ist.

Zufälligerweise ausgerechnet in der „Runden Ecke“, die später der SED-Geheimpolizei als regionale Zentrale diente, amtierte die unterbesetzte US-Militärregierung in den ersten Wochen; nur ein einziger dafür ausgebildeter Offizier stand zur Verfügung. Der erste Kommandant, Colonel Jim Dan Hill, berief Wilhelm Johann „Hans“ Vierling, einen deutschnationalen Rechtsanwalt, zum neuen Bürgermeister der Stadt. Ihm zur Seite gestellt wurde ein Beirat, der die verschiedenen gesellschaftlichen Gruppen repräsentieren sollte, darunter auch die Arbeiterschaft. Polizeipräsident wurde der Sozialdemokrat Heinrich Fleißner, der dieses Amt bereits seit 1923 innegehabt hatte und von den Nazis 1933 abgesetzt worden war.

Parteipolitische Betätigung war zwar verboten, aber der zweite und letzte US-Stadtkommandant Major Richard Eaton bemühte sich, Vertreter des eindeutig kommunistischen Nationalkomitees Freies Deutschland in den Neuaufbau der Stadtverwaltung einzubeziehen. Doch gleichzeitig begannen Kommunisten, gegen Vierling zu hetzen. Auf Flugblättern forderten sie die Ablösung des Bürgermeisters, der nie Nationalsozialist gewesen war.

Parallel mit der Sicherung der Lebensgrundlagen in der von Bomben und Straßenkämpfen schwer gezeichneten Stadt begann die US-Besatzungsmacht, NS-Täter zu verfolgen. Zuständig war der Army-Nachrichtendienst Counter Intelligence Corps. Auf deutscher Seite wurde als Unterstützung bei der neu aufgebauten Polizei ein Kommissariat für Sonderaufgaben eingerichtet, das sich auch der Hilfe des Nationalkomitees bediente.

Auf der Konferenz von Jalta im Februar 1945 war vereinbart worden, dass zum 1. Juli die festgelegten Besatzungszonen eingerichtet werden sollten. Weil sich die Rote Armee auf die Eroberung Berlins konzentriert hatte, mussten die westlichen Alliierten große Teile der von ihnen besetzten Gebiete an die sowjetischen Truppen abgeben – ansonsten hätten sie ihre Sektoren in der von der Roten Armee besetzten früheren Reichshauptstadt nicht übernehmen können. Das war aber notwendig, weil für Mitte Juli die Potsdamer Konferenz der „Großen drei“, Josef Stalin, Winston Churchill und Harry S. Truman, angesetzt war.

Bild
Leipziger und zwei US-Militärpolizisten beobachten den Einzug der Roten Armee
Quelle: picture-alliance / akg-images

„Mit dem Besatzungswechsel begann für die Stadt Leipzig der Weg in eine neue Diktatur“, heißt es in der Ausstellung treffend. Schon unmittelbar nach dem Abzug der US-Truppen wurde Polizeipräsident Fleißner zum zweiten Mal abgesetzt. Gleichzeitig verhandelten Leipziger Kommunisten ohne Mandat mit den Sowjets. Ihr Ziel war es, die bereits neu aufgebaute Spitze der Leipziger Stadtverwaltung schnell in ihrem Sinne umzugestalten. Als eine der ersten Amtshandlungen löste der neue sowjetische Stadtkommandant Generalleutnant Nikolai Trufanow am 14. Juli 1945 Vierling als Bürgermeister ab.

https://www.welt.de/geschichte/article1 ... e-DDR.html
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Re: Wie war das - als die Russen kamen ?

Beitragvon augenzeuge » 19. Februar 2017, 11:33

„Die tatsächliche Befreiung fand erst durch den Einzug der Sowjetarmee statt, weil von da an die Antifaschisten die Möglichkeit erhielten, ein wirklich neues Leben aufzubauen.“


Diese Argumentation hatte ich noch nie so gehört. Oder ich hab es vergessen.... [blush]

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Re: Wie war das - als die Russen kamen ?

Beitragvon Werner Thal » 19. Februar 2017, 15:12

1. Juli 1945 - Die Westalliierten Truppen zogen sich entsprechend der Regelungen der
European Advisory Commission und der Jalta-Konferenz aus Mecklenburg, Sachsen-Anhalt
und Thüringen zurück. Sie waren dafür in die drei West-Sektoren von Berlin eingezogen.


Die Demarkationslinie verlief bis Ende Juni 1945 östlich von Wismar, entlang des
Wallenstein-Grabens, entlang des Ostufer des Schweriner (Außen- und Innen-) Sees,
Am Störkanal und der Elde (?), die Elbe entlang bis etwa Dessau, weiter südlich entlang an
Leipzig vorbei, westlich an Zwickau vorbei bis zum Erzgebirge.

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Re: Wie war das - als die Russen kamen ?

Beitragvon augenzeuge » 19. Februar 2017, 16:38

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Re: Wie war das - als die Russen kamen ?

Beitragvon Volker Zottmann » 19. Februar 2017, 19:00

Als der Krieg zu Ende ging, lebten die Familie meines Onkels und seines Schwagers nicht mehr in Düsseldorf, sie waren vor dem Bombenhagel nach QLB geflüchtet. Hatten jeweils eine kleine Reihenhauswohnung in der Süderstadt. Onkel und sein Schwager waren schnell aus Gefangenschaft gekommen und schon fleißig am Werkeln.
Doch nun tauschte die Besatzer. Aus dem weißen wurde ein roter Stern. Alle Häuser der ab 1933 gebauten Siedlung wurden requiriert. Je haus dufte eine familie wohnen bleiben, wenn sie meit dem nackten dachboden Vorlieb nahm. So sind die 2 Familien nach oben gezogen, haben eine Brandwand durchstoßen und zusammen gewohnt, gehaust! Nackte Dachziegeln, keineswegs alle dicht.
Mit den Russen kamen sie aber aufgrund kleiner "Dienstleistungen" gut zurecht. So pressten sie auch für die Russen schwarz Öl und die Frauen wuschen deren Klamotten.
Um 1948 konnten sie ihre Wohnung wieder beziehen. 1949 verabschiedeten sich beide Familien während einer Nacht-und Nebelaktion Richtung Düsseldorf. Da meine Oma wohnen blieb und meine Eltern eine "Blitzhochzeit" organisierten, konnten sie den Wohnraum erstmal behalten.

Gruß Volker
PS: Wäre kein Gebietsaustausch erfolgt, schrieben eine ganze Reihe User heute andere Texte, davon können wir ausgehen.
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Re: Wie war das - als die Russen kamen ?

Beitragvon Merkur » 19. Februar 2017, 19:10

Volker Zottmann hat geschrieben: 1949 verabschiedeten sich beide Familien während einer Nacht-und Nebelaktion Richtung Düsseldorf. Da meine Oma wohnen blieb und meine Eltern eine "Blitzhochzeit" organisierten, konnten sie den Wohnraum erstmal behalten.
Gruß Volker


Da hatte doch bestimmt Opa als Gründervater der Staatssicherheit seine Finger im Spiel. [wink]
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Re: Wie war das - als die Russen kamen ?

Beitragvon Werner Thal » 19. Februar 2017, 20:03

Bekanntlich sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt:

Ja, was wäre und wie wäre es bekommen und hätte sich anders entwickelt:

Die Alliierten hätten ihre eingenommenen Gebiete (Stand Mai 1945) behalten

und sie ausgebaut. Und sie - die Alliierten - wären nicht im Austausch weiter nach Berlin gezogen?

Möglicherweise hätten sich auch koreanische Zustände in Deutschland entwickeln können.

Aber das alles sind eben Spekulationen!!

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Re: Wie war das - als die Russen kamen ?

Beitragvon Volker Zottmann » 19. Februar 2017, 20:10

Merkur hat geschrieben:
Volker Zottmann hat geschrieben: 1949 verabschiedeten sich beide Familien während einer Nacht-und Nebelaktion Richtung Düsseldorf. Da meine Oma wohnen blieb und meine Eltern eine "Blitzhochzeit" organisierten, konnten sie den Wohnraum erstmal behalten.
Gruß Volker


Da hatte doch bestimmt Opa als Gründervater der Staatssicherheit seine Finger im Spiel. [wink]


Würde ich auch denken.
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Re: Wie war das - als die Russen kamen ?

Beitragvon Volker Zottmann » 19. Februar 2017, 20:12

Werner Thal hat geschrieben:Bekanntlich sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt:

Ja, was wäre und wie wäre es bekommen und hätte sich anders entwickelt:

Die Alliierten hätten ihre eingenommenen Gebiete (Stand Mai 1945) behalten

und sie ausgebaut. Und sie - die Alliierten - wären nicht im Austausch weiter nach Berlin gezogen?

Möglicherweise hätten sich auch koreanische Zustände in Deutschland entwickeln können.

Aber das alles sind eben Spekulationen!!

W. T.



Stimmt Werner,
Und wir haben es ja überstanden. Ich bin sehr zufrieden.

Gruß Volker
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Re: Wie war das - als die Russen kamen ?

Beitragvon Interessierter » 29. Juni 2017, 10:37

Von Panzern überrollt, nach Sibirien verschleppt - Ein Ostdeutsches Schicksal

Am 30. Juli 1928 wurde ich in Lobeofsund südlich Fehrbellin im Havelland geboren, wohnte als Kind in Osterwalde östlich von Königswalde bei Schwerin an der Warthe, Kreis Ost-Sternberg (ehemalige Neumark, östliche Mark Brandenburg zwischen Pommern und Schlesien). Unsere Familie, meine Eltern und sechs Kinder, lebten als Landarbeiter auf dem Gut der Familie von Waldow in Osterwalde (heute: Pniewo), einem Vorwerk östlich von Königswalde (heute: Lubniewice) im Kreis Schwerin an der Warthe. Meine Brüder wurden teilweise schon vor dem Kriegsbeginn zur Wehrmacht einberufen, die älteren Schwestern arbeiteten schon an anderen Orten im Haushalt und in der Landwirtschaft. Wir besaßen eine eigene Kuh und hatten Schweine und Hühner. Der Lübben-See, an dem Königswalde lag, gehörte zum Gut, es gab einmal im Jahr einen großen Fischfang, an dem auch die Gutsarbeiter Anteil hatten.

Zu Jahresbeginn 1945 waren die Straßen in den östlichen deutschen Landesteilen bereits chaotisch mit Flüchtlingstrecks überfüllt. Am 31. Januar trafen in Osterwalde die letzten deutschen Soldaten zu Fuß in Schneehemden ein, die übermüdet und hungrig bei uns übernachteten, aber am nächsten Tag gen Westen weiterliefen. Wir selbst wussten nicht, wohin wir flüchten sollten, wir hatten keine Verwandten weiter westlich im Deutschen Reich und blieben so in unserem Dorf. Es gab keine Aufklärung über die Kriegssituation und keinerlei Anweisungen. Ein Tag später, am 1. Februar 1945, erreichten russische Panzereinheiten unser Dorf. Alle Häuser wurden von Soldaten und ehemaligen russischen Zwangsarbeitern, die auf dem Gut gearbeitet hatten, durchkämmt und durchsucht. Viele wertvolle Dinge wurden uns sofort abgenommen, wie die für unsere mögliche Flucht vorbereiteten Koffer mit Kleidung usw., mein neues Fahrrad, das Grammophon und anderes mehr, meinem Vater wurde die Uhr abgenommen.

Es blieb dann etwa 14 Tage ruhig, plötzlich kamen Russen mit festgenommenen Deutschen, die das letzte Vieh aus den Ställen holten und in östliche Nachbardörfer treiben mussten. Dann kamen sie ein weiteres Mal, als alle, die als arbeitsfähig eingestuft wurden, täglich in das etwa drei km südlich gelegene Dorf Oscht (heute: Osiecko) laufen mussten, um dort die zahlreichen gestohlenen Pferde zu versorgen. Rinder und Schweine waren schon verschwunden.

Der Zeitzeugenbericht geht hier weiter:
http://www.ewnor.de/ht/884_ht.php
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Re: Wie war das - als die Russen kamen ?

Beitragvon Volker Zottmann » 29. Juni 2017, 11:50

Unvorstellbar, was so verschleppte Mädchen und Frauen nach Hitlers Krieg erleiden mussten.
Vater abgeholt, verschollen und selbst dann nach Nordosten bis zum Polarkreis.... Ich stelle mir die Angst und Verzweiflung vor. Und es ist nur eine von abertausenden Nachkriegstragödien.

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Re: Wie war das - als die Russen kamen ?

Beitragvon Hamiota » 29. Juni 2017, 21:39

Bevor die Russen nach Deutschland kamen, rollte die Großdeutsche Wehrmacht nach Russland, im Schlepptau die SS-Einsatzgruppen! Da der Ostfeldzug dummerweise verloren ging, und das Kriegspendel in Form der Roten Amee dann zurückschlug, und die Russen dann über das Land kamen welches der Auslöser diese größten Völkermordens in der Menschheitsgeschichte war, ist dem Interessierten offensichtlich vollkommen schnuppe!

Wer verstehen will, was nicht heißt akzeptieren der gutheißen, warum russischen Soldaten evtl. so handelten, der sollte " Ein Menschenschicksal" lesen. Dann können wir weiter diskutieren!

https://de.wikipedia.org/wiki/Ein_Menschenschicksal

der Peter [hallo]
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Re: Wie war das - als die Russen kamen ?

Beitragvon Wosch » 29. Juni 2017, 22:19

Hamiota hat geschrieben:Bevor die Russen nach Deutschland kamen, rollte die Großdeutsche Wehrmacht nach Russland, im Schlepptau die SS-Einsatzgruppen! Da der Ostfeldzug dummerweise verloren ging, und das Kriegspendel in Form der Roten Amee dann zurückschlug, und die Russen dann über das Land kamen welches der Auslöser diese größten Völkermordens in der Menschheitsgeschichte war, ist dem Interessierten offensichtlich vollkommen schnuppe!

Wer verstehen will, was nicht heißt akzeptieren der gutheißen, warum russischen Soldaten evtl. so handelten, der sollte " Ein Menschenschicksal" lesen. Dann können wir weiter diskutieren!

https://de.wikipedia.org/wiki/Ein_Menschenschicksal

der Peter [hallo]




Na, das am Anfang dieses Voelkermordens Dein sowjetischer "Busenfreund" was Polen betrifft mit aehnlichen Einsatztruppen mitgemischt hatte will ich mal hinzu fuegen, denn die Toten von Katyn waren auch nicht ganz ohne.
Ja Ich weiss das wir den Krieg gegen die SU angefangen haben, ich weiss auch das wir den verloren hatten und ich weiss auch das der Gewinner immer recht hat, selbst wenn er in seinem Wesen nicht besser ist als der Agressor.
Und nun kannst Du gerne alles aufzaehlen was Dir auf dem Herzen liegt, als ob wir es nicht selber wuessten.


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Re: Wie war das - als die Russen kamen ?

Beitragvon Hamiota » 30. Juni 2017, 07:46

Wosch hat geschrieben:Na, das am Anfang dieses Voelkermordens Dein sowjetischer "Busenfreund" was Polen betrifft mit aehnlichen Einsatztruppen mitgemischt hatte will ich mal hinzu fuegen, denn die Toten von Katyn waren auch nicht ganz ohne.


der Wolfgang


Katyn war in Ort von mehreren an welchem auf Befehl Stalins, tausende polnische Offiziere, Polizisten und Beamte erschossen wurden. Ein schlimmes Verbrechen ohne Zweifel! Hier aber zu behaupten die Russen hätten ähnliche Einsatzgruppen in Polen gehabt wie die Deutschen später in Russland ist schlicht übelste Geschichtsfälschung und steht auf dem selben Level wie die Verleugnung des Holocaust !

Juden, Zigeuner, Kommunisten, angebliche Partisanen, Saboteure und Unruhstifter, Homosexuelle und schlicht Kranke, Männer, Frauen und Kinder, wurde geplant, mit System, grausam und brutal, in riesigen Massenerschießungen und im kleinen, viehisch ermordet.

Die Einzigartigkeit dieser monströsen Verbrechen in der Menscheitsgeschichte wurde zu Recht in den Nürnberger Prozessen festgestellt und dokumentiert!

Jeder kann sich über Katyn und über die Verbrechen der Deutschen im Ostfeldzug gegen Russland im Internet informieren! Um so schlimmer solch eine fürchertliche Geschichtsfäschung in diesem Forum.
Mir fehlen einfach weitere Worte und man sollte sich überlegen ob man in einem Forum wo solches geschrieben wird, überhaupt noch aktiv schreibt!

Das Wosch mir offensichtlich unterstellen will dass der Massenmörder Stalin mein "Busenfreund" sei, ist schlicht unverschämt!

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„Die sogenannten ‘whataboutists’ stellen das bisher nicht in Frage Gestellte infrage und bringen Widersprüche, Doppelstandards und Heuchelei ans Tageslicht. […], es ist die Herausforderung, kritisch über die (manchmal schmerzhafte) Wahrheit unserer Stellung in der Welt kritisch nachzudenken." (Christian Christensen, Professor für Journalismus in Stockholm)
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Re: Wie war das - als die Russen kamen ?

Beitragvon Beethoven » 30. Juni 2017, 08:28

Melde mich, gestählt für den hier statt findenden Glaubenskampf, zurück.

Dieses Bild oben, ist in meinen Augen eines der fürchterlichsten Bilder die ich kenne.
Ein deutscher Soldat, durchaus auch ein Vater, tötet eine Mutter mit Kind.

Man glaubt nicht, wie tief menschliche Individuen sinken können. Ähnlich der bewegten Bilder, wo ein kleines Kind
hinter seiner Mutter her läuft, die gerade von deutschen Soldaten abtransportiert wird und der Soldat das Kind weg schuppst.

Sicher haben auch die russischen Soldaten Verbrechen auf deutschem Boden begangen. Nur wären sie dort nie hingekommen,
wenn nicht erst die Deutschen, diesen Krieg entfacht hätten.
Demokratie ist die Notwendigkeit, sich gelegentlich den Ansichten anderer Leute zu beugen.
Sie ist die schlechteste aller Staatsformen, ausgenommen alle anderen.

Winston Churchill

Quo quisque stultior eo magis insolescit, gelle Herr F.?

Achte mehr auf Deinen Charakter, als auf Deinen Ruf.
Dein Charakter ist das, was Du wirklich bist, doch Dein Ruf ist nur das, was andere von dir halten.
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Re: Wie war das - als die Russen kamen ?

Beitragvon Kumpel » 30. Juni 2017, 09:34

Beethoven hat geschrieben: Nur wären sie dort nie hingekommen,
wenn nicht erst die Deutschen, diesen Krieg entfacht hätten.



So einfach sollte man es sich dann doch nicht machen mit der Begründung von Gräueltaten sowjetischer Soldaten.
Ignorierte User: keine :)
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Re: Wie war das - als die Russen kamen ?

Beitragvon Wosch » 30. Juni 2017, 09:48

Hamiota hat geschrieben:
Die Einzigartigkeit dieser monströsen Verbrechen in der Menscheitsgeschichte wurde zu Recht in den Nürnberger Prozessen festgestellt und dokumentiert!


der Peter



Wird von mir auch ueberhaupt nicht angezweifelt!
Ueber Katyn durfte auf Bestreben der Vertreter der sowjetischen "Mordbuben" allerdings dort nicht geredet werden. Dahingehende Antraege der Verteidigung wurden abgelehnt.
Statt dessen wurden die russischen Katyn-Morde von sowjetischer Seite bis zur politischen Wende wahrheitswidrig den Deutschen zugeschrieben. Das nur mal zur Erlaeuterung.


In dem Zusammenhang sich ueber den Begriff "Busenfreund" zu mokieren dient wohl eher Deinem Hang zum "wer weiss was".

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Re: Wie war das - als die Russen kamen ?

Beitragvon HPA » 30. Juni 2017, 09:58

Timothy Snyder: "Bloodlands"

http://www.zeit.de/2011/29/L-Snyder-Blo ... ettansicht

Steht bei mir neben Alexander Solschenyzins " Der erste Kreis der Hölle" und "Der Archipel Gulag"
Bild

Wenn du lange genug am Fluss sitzt, siehst du irgendwann die Leiche deines Feindes vorbeischwimmen. (Sun Tzu)

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Re: Wie war das - als die Russen kamen ?

Beitragvon Wosch » 30. Juni 2017, 10:19

Hamiota hat geschrieben:Das Wosch mir offensichtlich unterstellen will dass der Massenmörder Stalin mein "Busenfreund" sei, ist schlicht unverschämt!

der Peter




Sind wir nicht Alle ein bisschen unverschaemt?????


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Re: Wie war das - als die Russen kamen ?

Beitragvon Hamiota » 30. Juni 2017, 16:28

Wahre Geschichte aus einem kleinen Dorf in Thüringen 1945. Als die Amerikaner im Juni 45 abzogen, kam die russische Besatzungsmacht in Form von Panjewagen und Pferden ins Land. Im September wurde ein Bauer mit seinem Pferdegespann auf dem Weg nach Hause von 3 russischen Soldaten in einem LKW angehalten.
Keiner weiss was geschah oder gesprochen wurde, auf alle Fälle wurde der Bauer am Straßenrand erschossen. Da die 3 offensichtlich angetrunken Soldaten danach durch das Dorf fuhren, wurden sie gesehen! Der Bürgermeister unterrichtete die russische Komantantur in der nächsten Stadt. Am nächsten Tag erschienen Komantantursoldaten mit einem Offizier und den 3 gefesselten Mördern! Als sie von den Bewohnern identifiziert wurden, nickte der Offizier einem Sergeanten zu. Dieser führte die 3 vor den Ort wo sie sofort erschossen wurden. Die Leichen wurden auf den LKW geworfen und in den Wald gefahren wo man sie offensichtlich verscharrte!

Nach allem was in Nürnberg heraus kam, gingen die Deutschen in Russland anders vor! In der Ukraine, Weißrussland und Russland wurden im Rücken der Front tausende Dörfer und Siedlungen buchstäblich ausradiert, nur all zu oft mit den Bewohnern. Das ist historische Wahrheit.

Ein Soldat der tausende Kilometer durch seine Heimat zog und nur Verwüstung und Tot, ermordete Zivilisten und unendliches Leid sah, der oftmals seine eigene Familie, seine Kameraden alle verloren hatte, der auch KZ's und Gefangenenlager gesehen hatte, der war eben nicht immer so moralisch gefestigt und sauber wenn er einmal im Land des Feindes war, wie einige User hier von sich selbst glauben machen wollen. Obwohl genau diese in manchen Beiträgen geradezu hysterisch ihre "traumatischen Erfahrungen" in der DDR projizieren.

Kein von russischen Soldaten begangenes Verbrechen sollte entschuldigt werden, aber wer dies nicht im Kontext der historischen Ereignisse sieht, dem steht einfach nicht zu hier so selbstgefällig und arrogant zu urteilen!

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Re: Wie war das - als die Russen kamen ?

Beitragvon Hamiota » 30. Juni 2017, 17:30

Wie war das- als die Russen kamen? lautete das Thema!

Nun, was Jahre vorher im Osten geschah bevor die Russen kamen zeigt schockierend ein Film der in der Bundesrepublik nie den Weg in die Kinos fand, obwohl er unstrittig wahre Ereignisse, welche so oder so ähnlich zu tausenden stattfanden zeigt. Im Internet ist folgende Rezension eines Jugendlichen zu lesen:

"Nun gut, ein paar Tage später hatte ich diesen Film dann und dachte, den kännte ich mir mal so locker reinziehen, da ich mich ja auch oft im Horrorgenre rumtreibe, und daher dachte, dass mein Kumpel hier übertreibt: Denkste!
Wenn in "Apocalypse Now" (auch ein toller Film zum Thema Krieg) vom "Grauen" die Rede ist, dann wird nur darüber geredet, während "Komm und sieh" das Grauen zeigt. In all seiner Hässlichkeit und all seiner Härte. Diese Film ist eigentlich nicht in Worte zu fassen, also entschuldigt bitte, wenn ihr aus diesem Review nicht sehr schlau werdet.

Dieser Film ist ein furchtbarer Trip in die Hölle. Hier wird gezeigt, was für Monster doch in Menschen stecken und wie ein kleiner, unschuldiger Junge die Hölle sieht und selbst ein Teil von ihr wird. Ich hatte mir den Film lustig wie ich bin mit ner Tüte Chips und ein paar Bier nachts um 2 Uhr reingezogen. Und ich muss sagen, mir wären Chips und Bier vor Schock schier im Hals stecken geblieben... Was hier gezeigt wird, fühlt sich, obwohl es nur Bilder sind, für den Zuschauer an, als würde ihm permanent in die Fresse, die Eier und den Bauch getreten, geprügelt, geboxt, usw... Als der Film vorbei war, war es schon wieder früh am Morgen, doch pennen konnte ich auf keinen Fall nach diesem Film. Oder besser gesagt, diesem Erlebnis, dieser Wucht, diesem - und diesmal stimmt es wirklich - Grauen. Noch nie wurde mir so drastisch der Schrecken des Kriegs vor Augen geführt!

Für mich unangefochten der beste Antikriegsfilm aller Zeiten. Vergesst "Apocalypse Now", "Full Metal Jacket", "Platoon", usw... die sind "Feel Good Movies" im Vergleich zu diesem Wahnsinnsfilm "Komm und sieh". Dieser Film sollte meiner Meinung nach an Schulen gezeigt werden, dann wird es in ein paar Jahren wohl auch keine Kriege mehr geben. Denn wer nach diesem Film Krieg auch nur noch in irgendeiner Form für legitim hält, dem ist wirklich nicht mehr zu helfen...."


Den Film "Geh und sieh" sollten sich alle mal ansehen um zu verstehen von was wir reden!

https://www.youtube.com/watch?v=gi_UZWaZu2c
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Re: Wie war das - als die Russen kamen ?

Beitragvon Volker Zottmann » 30. Juni 2017, 21:08

Im Buch von Paul Küch "Ich hatte einen Schießbefehl" reißt dieser kurz Gespräche mit seinem Vater an.
Dieser war in der Wehrmacht in Richtung Osten unterwegs. Er berichtet seinem Sohn, dass er selbst damals dabei war, als hunderte Dörfer wie Lidice ausradiert wurden.
Insofern stimmen Deine Gedanken Hamiota, (30. Juni 2017, 17:28), man sollte die Trauer und schleichende Verrohung der damaligen sowjetischen Soldaten auch bedenken.
Wer sich in solche ein Soldatenleben reinversetzt, kann unter Umständen nachempfinden.
Mir gelang das, ohne dass ich es vor hatte. Bei einer Filmvorführung eines russisch gesprochenen, unsynchronisierten Films in der CA-Kaserne in Jüterbog /Altes Lager war ich dabei. Der Film handelte nur über den "Großen Vaterländischen Krieg", wie die Russen ihren 2. Weltkrieg nennen. Ohne auch nur ein Wort zu verstehen, habe ich aber die grausamsten Bilder und die Reaktionen der jungen gleichaltrigen Russen erlebt....
Vorstellen kann ich mir, wie es zu so manchen Gräueltaten, auch oder gerade durch die Russen kam.

Gruß Volker
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Die Weite Deines Horizonts ist Frage Deiner Sicht.
Der Große sieht ihn breiter, der Kleine leider nicht.
(Volker Zottmann)
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Re: Wie war das - als die Russen kamen ?

Beitragvon Beethoven » 1. Juli 2017, 06:47

"Komm und sieh" habe ich mir auch (in russischer Sprache) angesehen.
Ein echt erschütternder Film.

Die fünf Teile von "Befreiung" sind in meinen Augen ebenfalls ein hervorragendes Werk. Mal von den Darstellern abgesehen, die toll sind, ist der rein geschichtliche Ablauf in keinem anderen Film den ich kenne, so gut dargestellt.
Demokratie ist die Notwendigkeit, sich gelegentlich den Ansichten anderer Leute zu beugen.
Sie ist die schlechteste aller Staatsformen, ausgenommen alle anderen.

Winston Churchill

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Dein Charakter ist das, was Du wirklich bist, doch Dein Ruf ist nur das, was andere von dir halten.
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Re: Wie war das - als die Russen kamen ?

Beitragvon Kumpel » 1. Juli 2017, 07:30

Irgendwie kann ich mich des Eindruckes nicht erwehren , die Gräuel der sowjetischen Soldaten an wehrlosen deutschen Frauen und Mädchen soll
mit der Rache für die verübte Gräuel der deutschen in der Sowjetunion legitimiert und als eine folgerichtige Fortsetzung des Kampfes der Sowjetsoldaten dargestellt werden.
Dabei waren es doch nur niederste Instinkte welche zu diesen Handlungen führten.

Das wichtigste Motiv aber war wohl die Situation der absoluten Macht über wehrlose Opfer. Die schiere Möglichkeit der praktisch risikolosen Befriedigung sorgte dafür, dass zahlreiche Männer sexuelle Gewalt ausübten. Das allerdings ist nicht ungewöhnlich, sondern gehört seit Menschengedenken zu fast jedem Krieg. Schrecklicherweise.

Und ob es nicht zu diesem Ausmaß an Übergriffen durch sowjetische Soldaten gekommen wäre wenn die deutschen Truppen in der Sowjetunion
nicht in diesem Maße Gräuel verübt hätten wie sie es getan haben ist natürlich offen.
Wenig Empathie hatten die Russen zumindest für die sowjetischen Kriegsgefangenen und Zwangsarbeiter in Deutschland. Diese wurden nach dem Krieg in ihrer Heimat oftmals stigmatisiert und galten als Verräter.
Ignorierte User: keine :)
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