Meine erste Düsseldorf-Reise 1987

Was dachte der DDR Bürger über den deutschen in der Bundesrepublik. Was hielt der Bundesdeutsche vom DDR Einwohner? Unterschiedliche Ansichten bestehen heute noch. Was drücken sie aus, was wird erwartet?

Re: Meine erste Düsseldorf-Reise 1987

Beitragvon Wosch » 24. Mai 2012, 18:17

karnak hat geschrieben:lies mal was ich dazu geschrieben habe,Wosch.Und dafür lege ich meine Hand ins Feuer,was die Wahrheit angeht,denn ich bin in jedem Urlaub in so einem Zug gefahren.



Ich hatte das überhaupt nicht angezweifelt. Allerdings mit den Zügen in denen ich von Bhf Friedrichsstraße nach Hause gefahren bin kam ein normaler Ossi nur rein wenn er entsprechende Erlaubnis zum Betreten des Bahnsteiges hatte. Im Winter war es meistens eiskalt im Zug, wenn dann aber in Helmstedt eine westdeutsche Lok vorgespannt wurde konnte man sogar die Jacke ausziehen. Wenn ich dagegen von Ludwigslust nach Hamburg fuhr, der Zug kam m. E. von Berlin, hielt unter anderem auch in Wittenberge und wer weiß noch und in Hagenow mußten die letzten "Ossis" ohne "Durchfahrberechtigung" aussteigen. So jedenfalls ist meine Erinnerung.
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Re: Meine erste Düsseldorf-Reise 1987

Beitragvon karnak » 24. Mai 2012, 18:21

Dann war das also der hier schon beschriebene Unterschied zwischen Transit und Interzonenzug.Das heist wir hätten uns nie begegnen können, Wosch.
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Re: Meine erste Düsseldorf-Reise 1987

Beitragvon Wosch » 24. Mai 2012, 18:29

karnak hat geschrieben:Dann war das also der hier schon beschriebene Unterschied zwischen Transit und Interzonenzug.Das heist wir hätten uns nie begegnen können, Wosch.



Doch hätten wir uns begegnen können wenn Du nach Hagenow gewollt hättest und z.B. in diesen Zug in Wittenberge eingestiegen wärst. Ich spreche von der Zeit so um 1982 bis???. In diesem Zug fuhren aber auch immer ein paar "Zivilisten" mit, die getarnt als Reisende sich unters Volk mischten um zu "horchen" und "gucken".
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Re: Meine erste Düsseldorf-Reise 1987

Beitragvon icke46 » 24. Mai 2012, 18:47

Wosch hat geschrieben:
Doch hätten wir uns begegnen können wenn Du nach Hagenow gewollt hättest und z.B. in diesen Zug in Wittenberge eingestiegen wärst. Ich spreche von der Zeit so um 1982 bis???. In diesem Zug fuhren aber auch immer ein paar "Zivilisten" mit, die getarnt als Reisende sich unters Volk mischten um zu "horchen" und "gucken".
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Nur mal ne Frage: War seinerzeit tatsächlich Hagenow Endstation für DDR-Bürger? Immerhin hat es wohl welche gegeben, die noch nach Boizenburg weiter wollten, was zwar grenznah lag, aber meines Wissens in den 80ern aus dem Sperrgebiet rausgenommen wurde. Oder war seinerzeit die Streckenführung eine andere? Letzte Station auf DDR-Gebiet war ja sicher Schwanheide.

Interessiert mich deshalb, weil ich die Gegend ja nun seit mittlerweile 11 Jahren wie meine Westentasche kenne, und so auch miterlebt habe, wie die Spuren der Zweistaatlichkeit in der Ecke immer weniger werden. Bestes Beispiel sind die Gebäude des ehemaligen Grenzübergangs Lauenburg, die wohl bald nicht mehr zu sehen sind - bei dem Gegenstück Horst braucht man auch schon einige Fantasie, um Spuren auszumachen. Immerhin existiert zwischen Zahrensdorf und Neu Gülze noch die VP-Kontrollstelle, die seinerzeit den Beginn des Sperrgebiets markierte, mittlerweile ist es ein Wohnhaus, und wenn ich nicht seinerzeit einen Artikel in der Schweriner Zeitung über den Bau gelesen hätte, wüsste ich das heute auch nicht.

Aber wie gesagt, die Stationen, die Du ab Hagenow Richtung Hamburg passiert hast, würden mich schon interessieren.

Gruss

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Re: Meine erste Düsseldorf-Reise 1987

Beitragvon Luchs » 24. Mai 2012, 18:50

karnak hat geschrieben:Das heist also Transitzüge fuhren durch,hielten nicht auf dem Gebiet der DDR,dann konnte natürlich auch kein DDR-Bürger einsteigen.Dann bin ich also mit Interzonenzügen gefahren,die in der DDR halt machten in dem aber dann BRD und DDR Bürger gemischt gefahren sind,sonst hätten ja die Biebüchsen nicht in den Zug gelangen können.Und das die dort in Mengen herumlagen weiss ich genau.


Doch doch, sie hielten auf DDR-Gebiet. Von Helmstedt ausgehend hielten sie in Marienborn. Dort musste ja zumindest die PKE rein. Irgendwo mussten sie auch wieder raus. Wer sonst noch einsteigen konnte weiß ich natürlich nicht, aber unsere Transitzüge (ab Bf Helmstedt) fuhren nach Warschau und Moskau. Dorthin und wieder zurück durften ja im Allgemeinen auch DDR-Bürger reisen.

Auch die Züge nach und von Berlin (ich bin nicht sicher, aber hießen die nicht auch Transitzüge?) wurden kontrolliert. Jeden Morgen Fuhr ein Zug von Hannover nach Berlin Zoologischer Garten und am Abend wieder zurück. Mit diesen Zügen fuhr ich immer vom Bf Helmstedt nach Hannover Hbf zur Nachtschicht und morgens wieder zurück. Dabei unterhielt ich mich oft mit der DSG-Besatzung (DSG = Deutsche Schlaf- und Speisewagengesellschaft. Mitropa der Bundesbahn) im Speisewagen. Soweit ich mich erinnern kann, sagten die mir damals mal, dass der Zug auch in Magdeburg hielt.
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Re: Meine erste Düsseldorf-Reise 1987

Beitragvon Dille » 24. Mai 2012, 22:18

Richtig, in den Fahrplänen hieß es bei den Interzonenzügen "bis xxxx für den Binnenverkehr freigegeben...", die Transitzüge kenne ich nur so, daß diese in Bhf. Friedrichstraße (leer bzw. von Warschau/ Moskau kommend nach Paris) einfuhren ,dann Bhf. Zoo hielten, dann stieg Griebnitzsee die PKE zu und ohne (fahrplanmäßigen) Halt ging es dann bis z.B. Probstzella, wo dann die Genossen der PKE ausstiegen und durchgezählt wurden.
Geldwechsler sind mir im "Transit"zug nie begegnet, wohl aber Geldeintreiber für das Transitvisum, sofern dieses nicht pauschal mit der von der Bundesregierung beglichenen "Transitpauschale" abgegolten war, z.B. bin ich mal mit einer amerikanischen Freundin gefahren, die mußte das bezahlen.

Gruß, Dille
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Re: Meine erste Düsseldorf-Reise 1987

Beitragvon Volker Zottmann » 24. Mai 2012, 22:26

Schön beschrieben dille, danke. Nun erfährt Icke 46 von anderer Seite auch, das der Mann mit dem Geldbauchladen mitfuhr...
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Re: Meine erste Düsseldorf-Reise 1987

Beitragvon Dille » 24. Mai 2012, 22:42

Auf dem Weg zu noch einem Bier ist mir eben noch eingefallen :

Es gab auch zumindest einen Zug in das sozialistische Ausland, den "Vindobona- Expreß" (Ost- Berlin - Prag - Wien), der ebenfalls nicht für den Binnenverkehr freigegeben war (möglicherweise auch noch der "Hungaria"), als Student (in Dresden) bin ich gern mit dem "Vindobona" gefahren. Nein -- das ist jetzt kein Widerspruch ("nicht für den Binnenverkehr freigegeben" und Student in Dresden), mit einer Reiseanlage für die CSSR oder Ungarn konnte man problemlos eine internationale Fahrkarte lösen (z.B. bis Decin), das war unwesentlich teurer (internationaler Tarif) als der Studententarif Ost- Berlin - Dresden, Vorteil war immer, daß es ausreichend gescheites Bier gab, kein Gedrängel im Zug, interessante Gesprächspartner, immer auch mal 'ne andere Zeitung -- und in Dresden ist man dann eben ausgestiegen.
Zurück ging das auch -- allerdings nur mit einer internationalen Fahrkarte aus dem Ausland, d.h. auf der Rückfahrt von Prag "unterbrachen" wir in Dresden und setzten die Fahrt innerhalb der Geltungsdauer der Fahrkarte dann fort.

Waren kleine Tricks -- nicht alle kannten die !

Gruß, Dille
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Re: Meine erste Düsseldorf-Reise 1987

Beitragvon icke46 » 24. Mai 2012, 22:52

Ich weiss nun nicht, warum Du mich persönlich anmachen musst - wenn Du den Verlauf dieses Threads verfolgt hättest, wäre Dir nicht entgangen, dass der Unterschied zwischen Transit- und Interzonenzügen hinreichend geklärt worden ist.

Die einzige Gelegenheit, bei der ich im Transitzug Geld losgeworden bin, waren 10 DM an die Trapo wegen einer weggeworfenen Zigarette - und der hatte keinen Geldbauchladen dabei - aber immerhin einen Quittungsblock [laugh] .

Nun klinke ich mich hier aus - die Diskussion ist mir einfach zu blöd - immer wieder erklärt einer dasselbe, was schon eine Seite vorher erklärt wurde. Ob das vielleicht daran liegt, das man sich selbst so gerne liest, und weniger das, was andere schon zu der Diskussion begetragen haben???

Gruss

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Re: Meine erste Düsseldorf-Reise 1987

Beitragvon Volker Zottmann » 24. Mai 2012, 22:58

sorry Icke 46 , so war das nicht gemeint...
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Re: Meine erste Düsseldorf-Reise 1987

Beitragvon Wosch » 25. Mai 2012, 12:15

icke46 hat geschrieben:
Wosch hat geschrieben:
Doch hätten wir uns begegnen können wenn Du nach Hagenow gewollt hättest und z.B. in diesen Zug in Wittenberge eingestiegen wärst. Ich spreche von der Zeit so um 1982 bis???. In diesem Zug fuhren aber auch immer ein paar "Zivilisten" mit, die getarnt als Reisende sich unters Volk mischten um zu "horchen" und "gucken".
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Nur mal ne Frage: War seinerzeit tatsächlich Hagenow Endstation für DDR-Bürger? Immerhin hat es wohl welche gegeben, die noch nach Boizenburg weiter wollten, was zwar grenznah lag, aber meines Wissens in den 80ern aus dem Sperrgebiet rausgenommen wurde. Oder war seinerzeit die Streckenführung eine andere? Letzte Station auf DDR-Gebiet war ja sicher Schwanheide.

Interessiert mich deshalb, weil ich die Gegend ja nun seit mittlerweile 11 Jahren wie meine Westentasche kenne, und so auch miterlebt habe, wie die Spuren der Zweistaatlichkeit in der Ecke immer weniger werden. Bestes Beispiel sind die Gebäude des ehemaligen Grenzübergangs Lauenburg, die wohl bald nicht mehr zu sehen sind - bei dem Gegenstück Horst braucht man auch schon einige Fantasie, um Spuren auszumachen. Immerhin existiert zwischen Zahrensdorf und Neu Gülze noch die VP-Kontrollstelle, die seinerzeit den Beginn des Sperrgebiets markierte, mittlerweile ist es ein Wohnhaus, und wenn ich nicht seinerzeit einen Artikel in der Schweriner Zeitung über den Bau gelesen hätte, wüsste ich das heute auch nicht.

Aber wie gesagt, die Stationen, die Du ab Hagenow Richtung Hamburg passiert hast, würden mich schon interessieren.

Gruss

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Also Icke, wenn ich in Ludwigslust eingestiegen bin um nach Hamburg zu fahren, dann war in Hagenow für die "Ossi´s" ohne "Visa" in der Regel Ende. Danach hielt er nur noch im Grenzbahnhof "Schwanheide". Dort stiegen auch Zoll, PKE und einige "auffällige unauffällige" Zivilisten aus, denen man schon von weitem ansah, daß sie zu der "Firma" gehörten. Ob und wie man nach Boizenburg von Hagenow oder Schwanheide aus weiter kam ist mir nicht bekannt.
Zwischen Hagenow und Schwanheide gab es jedenfalls kein Halt mehr. Am kommenden Mittwoch fahre ich mit der Bahn wieder über HH nach LWL. Von Hamburg fährt der Zug allerdings über Schwerin.
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Re: Meine erste Düsseldorf-Reise 1987

Beitragvon Edelknabe » 25. Mai 2012, 12:33

Muss ich mal leicht Einwand einlegen Wolfgang. Meine Frau meinte gerade"also immer wenn ich dich(damit meinte sie mich, ihren Lieblingsgatten) in Boizenburg besucht hatte Ende der 70er jahre damals zu deiner Zeit an der Grenze war das ein Zug, der mit Reisenden gut gefüllt war, die also weiter gen Westen fuhren über Schwanheide.

Nur wurde vorher schon kontrolliert (wohl Transportpolizei da ist sie sich heute nicht mehr sicher) bzw. gefragt nach dem Zweck ihres Besuches in Boizenburg mit dem freundlichen aber sehr bestimmten Hinweis "Bitte achtgeben junge Frau, das Sie nicht den Ausstieg in B.verpassen)

Rainer-Maria und für die Grenzer/Urlaubsrückkehrer war in Schwanheide Endstation. Meistens aber früh um zwei Uhr.
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Re: Meine erste Düsseldorf-Reise 1987

Beitragvon SanGefr » 21. August 2012, 18:48

Ich habe in meiner Zeit als Zugbegleiter (Zugfüher/Zugschaffner) beim Bahnhof Hannover Hbf (1983-1992) sehr oft Züge des DB/DR-Verkehrs (sprich Interzonenzüge oder Mumienexpress (auch diese Bezeichnung war uns geläufig) begleitet. In Köln Betriebsbahnhof haben wir uns bei der Betriebsaufsicht mit "Honecker zum Dienst" gemeldet. Der Fahrdienstleiter oder die Aufsicht wußte dann, dass wir das Zugpersonal für den D 441 (Köln-Dresden mit Kurswagen nach Krakau) waren. Alle Züge des DB/DR-Verkehrs (Köln)-Hannover-DDR (Interzonenzüge etc.) bestanden fast ausschließlich aus einem Wagenpark, den die Deutsche Reichsbahn gestellt hatte und fuhren grundsätzlich ab Hannover über Wolfsburg-Oebisfelde. In Oebisfelde mußten wir aussteigen und den Zug dem Personal der Deutschen Reichsbahn übergeben. In diesen DR-Reisezugwagen waren wirklich, wie Luchs es beschrieben hatte, (besser hätte ich es nicht erklären können) Platz für 8 Personen zugelassen. Das man 10 Personen "hineinpferchte", habe ich nicht feststellen können, da die Abteile mit 8 Personen schon mehr als voll und unbequem waren. Dabei ist zu beachten, dass kein Fahrgast die Figur eines der Wildecker Herzbuben haben durfte. [flash] Ganz selten wurden ersatzweise alte DB-Wagen in den Zug eingestellt, weil der eine oder andere Wagen der DR herausgenommen werden mußte. Die Beistellung von DB-Wagen ging aber eigentlich nur mit Zustimmung der DR. Das war eigentlich kein Problem, da die Beistellung von DB-Wagen vorher mit Fernschreiben angekündigt wurden. Peinlichst wurde seitens der DB darauf geachtet,(obwohl mehr oder weniger Schrottwagen) dass diese DB-Wagen wieder den Heimatbahnhof Köln Bbf wiedersahen, sei es mit dem nächsten Umlauf oder als Leerwagen in einem Güterzug. Da die DB-Platzreservierungscomputer nur Abteile mit bis zu 6 Personen kannten, wurde jedes Abteil rechnermäßig auch nur mit 6 Personen gebucht, während aus Richtung DDR rechnermäßig die Abteile oft mit 8 Personen gebucht wurden. In den 3 PKP-Kurswagen nach Krakau herrschte spätestens ab Bahnhof Hamm Katastrophenstimmung, da hier mehr große Gepäckstücke als Fahrgäste drin waren. Und viele Fahrgäste kamen noch in Bielefeld, Herford, Minden, Hannover und Wolfsburg mit ihrem (Reise-) Gepäck, die teilweise aus Elektrogeräten, fast zum bersten gefüllte Koffer und anderen großen und kleinen Paketen bestanden. Die Transitzüge aus Richtung (Köln-) in Richtung Hannover-Berlin (Stadtbahn) fuhren grundsätzlich ab Hannover über Braunschweig-Helmstedt-Marienborn. Diese Züge bestanden aus Wagen der Deutschen Bundesbahn der jüngeren Generation mit zentraler Türschließeinrichtung, Stoffsitzen, Scheibenbremsen etc. Dabei war immer ein Speisewagen der DSG, wenn diese Züge tagsüber fuhren. So etwa D 347 ab Köln, ich glaube Abfahrt 10.08 Uhr. 13 Wagen durchgehend bis Berlin (Stadtbahn) und 2 Kurswagen nach Bad Harzburg. Speisewagen der Mitropa waren meines Wissens im Zugpaar D 246/247 und D 242/243 vorhanden. Im D 246 haben wir zwischen Gütersloh und Hamm immer zu Mittag gegessen und mit einem leckeren Radeberger "nachgespült". Die Transitzüge mußten wir in Helmstedt dem Personal der DR, welches aus Westberliner, "kurz angebundenen" Personal bestand, übergeben. Gruß/Bekanntgabe der Reisendenzahl (wenn auch gelogen)/evtl. Besonderheiten, falls der eine oder andere Fahrgast noch eine Fahrkarte brauchte/und tschüß. In Helmstedt kam dann auch die Lok der DR vor dem Zug gespannt. Meines Wissens hielten diese Transitzüge logischerweise nur noch in Marienborn für Pass und Zoll und fuhren dann, zumindest fast ohne Halt, bis zur Berliner Grenze.
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Re: Meine erste Düsseldorf-Reise 1987

Beitragvon SanGefr » 21. August 2012, 19:34

BGS und Zoll kontrollierten die Transitzüge ab Braunschweig bis Helmstedt und umgekehrt (35 km) und stiegen dann wieder aus. BGS und Zoll ab Hannover oder Wolfsburg fuhren bis Wolfsburg oder Hannover mit. Obwohl BGS/Zoll auch zur Braunschweiger Dienststelle gehörten, waren die Fahrten mit diesen zwischen Hannover und Wolfsburg und umgekehrt die wesentlich angenehmeren. Da die Kontrolle aus dem Munienexpress aus älteren, ruhigeren, erfahreneren, meist mit dem höchsten Dienstgrad ausgestatteten und wesentlich viel gesprächigeren Personal bestand, als ihre zum Teil noch ziemlich jungen, 100 % die Vorschriften beachtend und auf Beförderung hoffenden und wartenden Kollegen der Transitzüge.

@volker zottmann
Es stimmt, wenn Pass und Zoll und die "Leiterbrigarde" in Oebisfelde nicht den Gang hin- und hergehen konnten, so hätten die Fahrgäste, die keinen Platz gefunden haben, in Oebisfelde den Zug verlassen - und zur Pass- und Zollkontrolle ins Gebäude gehen müssen. Auch wenn der Zug rappelvoll war, hat bei der Pass- und Zollkontrolle jeder einen Sitzplatz gefunden, selbst wenn man mit wirklich 10 Personen in einem Abteil eingezwängt war. Aber für die 40 Minuten Gesamtkontrolle mußte es gehen - und, welch Wunder- es ging tatsächlich. So gesehen kann das mit den 10 Personen in einem Abteil, zumindest für die 40 Minuten Standzeit, schon möglich sein; denn ich habe keinen Fahrgast gesehen, der (mit Gepäck) den Zug verlassen hat, um im Kontrollgebäude das Prozedere der Pass- und Zollkontrolle über sich ergehen zu lassen, und dann anschließend wieder mühsam in den Zug einzusteigen. So gesehen, ergibt das mit den 10 Personen, zumindest zeitweise, in einem Abteil schon einen Sinn und könnte der Wahrheit entsprechen. Da wir den Zug während der Kontrolle nicht betreten durften, kann ich es aber nicht mit Bestimmtheit sagen, aber es könnte der Realität ziemlich nahe kommen.
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Re: Meine erste Düsseldorf-Reise 1987

Beitragvon SanGefr » 21. August 2012, 20:20

@ Volker Zottmann

Mit Schritttempo fuhren wir nicht durch die Grenzanlagen. Wir hatten schon (bei der Ausfahrt bis hinter den letzten Weichen 40 km/h) und bei Verlassen der Staatsgrenze 60 km/h drauf. Aber jeder fühlt es halt anders, gerade auch dann, wenn man zum erstenmal durch Grenzanlagen fährt, die man vorher nie sehen durfte.
Amüsiert haben wir uns immer:
1.) Beim Verlassen der Staatsgrenze kamen schlagartig Gespräche der Fahrgäste untereinander auf. Jeder redete mit jedem.
2.) Im Gegenzug ab Wolfsburg Richtung Oebisfelde wurde das "Geschnatter" immer leiser und weniger, je mehr mehr wir uns der Staatsgrenze näherten. Beim Halt im Bahnhof Oebisfelde herrschte eine regelrechte Grabesruhe im Zug.
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Re: Meine erste Düsseldorf-Reise 1987

Beitragvon Volker Zottmann » 21. August 2012, 20:48

Hallo SanGefr,
Es ist für mich sehr interessant, das alles mal aus Deiner Pespektive zu hören.
Der nette Reichsbahner, der mich mit ins volle 6er-Abteil zwängte, forderte ja bestimmt aber einleuchtend, warum wir zu 8, notfalls bis 10 Personen zusammen rücken sollten.
Schön, dass mal bestätigt wird, dass man sonst wegen der Leiterbrigade den Zug hätte verlassen müssen.

Mit dem Schweigen im Zug war es bei mir noch krasser. Schon ab Magdeburg hat keiner mehr geredet. Jeder wollte rüber und niemand kannte seinen Nebenmann. Da war ein seltsames Misstrauen. Vorsicht war angesagt.
Als aber der Zug aus den Federn hob, weil nach der Abfertigung wir alle weiterreisen durften und die Steine von unseren Herzen purzelten, ging das Schnattern los und hörte auch nicht mehr auf. Jeder in unserem Abteil schimpfte nun oder erzählte von zuvor erlittenen Schikanen oder Demütigungen. Aber das ist ja nun bekannt.

Den Bahnhof Oebisfelde wurde mir auch mal beim Umsteigen zur Zollfalle. Da musste ich blechen. Aber das schrieb ich hier schon...

Gruß Volker
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Re: Meine erste Düsseldorf-Reise 1987

Beitragvon SanGefr » 21. August 2012, 21:32

Hallo Volker Zottmann!
Ja, die Abteile DR-Reisezugwagen der Gattung (A)Bvm waren wirklich für 8 Personen ausgelegt, wie es Luchs schon richtig beschrieb. Die Abteile DB-Reisezugwagen der Gattung (A)Bm hatten und haben, falls es sie noch in der Ausführung gibt, nur Plätze für höchstens 6 Personen. Das liegt an den Armlehnen und an den Kopflehnen zwischen den Sitzen. Die Abteile DR-Reisezugwagen hatten keine Kopflehnen und die Armlehne konnte bündig in die Rückenlehne zurückgelegt werden. Außerdem war das DR-Abteil ein wenig breiter, der Gang dafür ein wenig schmaler. Trotz alledem war aus meiner Sicht eine Besetzung mit 8 Personen in einem Abteil eine Zumutung. Und wie geschrieben-nicht jeder war ein Schmalhans. Wenn da eine korpulente "Magda" zwischensaß, konnte es ganz schon eng werden. Aber wir und BGS/Zoll hatten ja unsere Dienstabteile. [grins]
In Oebisfelde waren die Schlimmsten die Weiber, die uns auf dem Bahnsteig mit dem Allerwertesten nicht angeschaut, geschweige denn, gegrüßt haben. Bei denen hätte ich gerne mal während der Pass- und Zollkontrolle "Mäuschen gespielt". Dagegen waren die Kerle oft lockerer und den Tagesgruß haben fast alle erwidert, vielleicht der eine oder andere Kerl etwas brummelig, aber immerhin.... .
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Re: Meine erste Düsseldorf-Reise 1987

Beitragvon Volker Zottmann » 21. August 2012, 21:52

@SanGefr, ja sicher war das eine Zumutung! Aber versetz Dich mal in die Lage der dort damals Reisenden. Ich machte ja als dreieinhalb-Jähriger schon 1954 erstmals diese Reise.
1987 durfte ich dann endlich wieder ´gen Düsseldorf. Da waren mir und auch Anderen die engen Begleitumstände Wurst. Ich wäre auch im Gepäckwagen ohne Fenster gefahren und zufrieden gewesen. So ging es bestimmt in der damaligen Gefühlslage den Meisten.
Viel quälender für mich war, dass ich allein fahren musste. Die eigene Familie als Geiseln in der angestammten Heimat, so waren die Büttel sicher, halbwegs sicher, dass ich wiederkam. Ich wäre ohnehin zurückgekommen, denn wir hatten uns auch was geschaffen. Nicht jeder war gewillt, dann noch mal alles aufzugeben.
Das uns allen entgegengebrachte Misstrauen von "unseren" Staatsorganen war oft total unbegründet.

Gruß Volker
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Re: Meine erste Düsseldorf-Reise 1987

Beitragvon Dille » 21. August 2012, 21:53

Ich will hier noch einen Punkt zufügen : meine Eltern konnten mich ja nach meinem "ungesetzlichen Grenzübertritt" auch ab 1973 wieder besuchen kommen, fuhren von Ost- Berlin über Probstzella nach München, im Liegewagen, so um die 10 Stunden damals.
In Briefen habe ich damals auch meine Eindrücke von dieser Seite geschildert und u.a. auch über's Bahnfahren, daß es bequemer sei und die Züge ruhiger fahren. Meine Mutter erzählte mir später, daß sie damals glaubten, jetzt fange ich auch langsam an zu spinnen, nicht nur die Städte sehen freundlicher aus, sondern auch die Bahn fährt ruhiger.
Bis sie dann ihre erste Fahrt im Liegewagen Richtung München hinter sich hatten ---- "Junge, sagtes ie zu mir, bis zur Grenze hatte sie überhaupt nicht schlafen können, und auf einmal glitt der Zug so dahin..."
Lag wohl an den ausgegurkten Gleisen auf Ostseite, und dann den geschweißten Schienen hinter der Grenze...., später kannten sie den Effekt dann, aber es war ihnen immer wieder ein Spaß.....

Gruß, Dille
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Re: Meine erste Düsseldorf-Reise 1987

Beitragvon Volker Zottmann » 21. August 2012, 22:04

Ja Dille, das schrieb ich schon in meinem Lebenslauf. So war es 1954 schon auf der Strecke Oebisfelde gen Westen. Ab der Grenze geschweißte Gleise. Das habe ich als Kind schon gespürt. Das wurde mir immer wieder vom Vater erzählt, der mich wieder abholte. Kaum über die Grenze soll ich gesagt haben, "gleich" sind wir wieder zu hause... Die Schienen ratterten wieder.

Gruß Volker.
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Re: Meine erste Düsseldorf-Reise 1987

Beitragvon augenzeuge » 22. August 2012, 07:45

Das hat mir damals jeder erzählt, der mit der Bahn über die Grenze fuhr. Auch wenn man es nicht glauben wollte...

Bei gewissen Autobahnen ist das heute umgedreht....
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Re: Meine erste Düsseldorf-Reise 1987

Beitragvon Volker Zottmann » 22. August 2012, 08:49

Bei den heutigen zweckentfremdeten Steuern können wir und über diese "ausgleichende Gerechtigkeit" aber nicht freuen...

Gruß Volker
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Re: Meine erste Düsseldorf-Reise 1987

Beitragvon Volker Zottmann » 22. August 2012, 10:58

Volker Zottmann hat geschrieben:Bei den heutigen zweckentfremdeten Steuern können wir UNS über diese "ausgleichende Gerechtigkeit" aber nicht freuen...

Gruß Volker


so sollte es heißen.
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