100. Jahrestag der Weimarer Reichsverfassung

100. Jahrestag der Weimarer Reichsverfassung

Beitragvon pentium » 5. Februar 2019, 10:02

Vor 100 Jahren wurde die Weimarer Republik gegründet. Unter extrem schwierigen Rahmenbedingungen erstritten und erkämpften mutige Männer und Frauen Deutschlands erste Demokratie. Mit der Republik waren große Hoffnungen verbunden auf eine freiheitliche, gerechte, solidarische und friedliche Gesellschaft. Unzählige Neuerungen auf allen Gebieten des täglichen Lebens wurden angeschoben, sie haben sich größtenteils bis heute erhalten und gelten uns als Selbstverständlichkeiten. Doch die Feinde der Demokratie waren von Anfang an sehr stark, erbittert bekämpften sie die Republik - und zerstörten sie schließlich. Nach 14 Jahren ging die erste deutsche Demokratie unter und wurde von der NS-Diktatur abgelöst. Dieses traurige Ende ist uns auch heute noch eine Mahnung.
https://www.weimarer-republik.net/659-0-Jubilaeum.html

Anlässlich des Festaktes zum 100. Jubiläum der Weimarer Reichsverfassung am 6. Februar 2019 in Weimar betonen Landtagspräsidentin Birgit Diezel und Ministerpräsident Bodo Ramelow die überragende historische Bedeutung des Ereignisses für die Entwicklung der Demokratie in unserem Lande.

Ministerpräsident Bodo Ramelow:
„Die Weimarer Reichsverfassung war ein Meilenstein für die Entwicklung der Demokratie in unserem Land. Die Verankerung von Grundrechten in der Verfassung, die Anerkennung des Volkes als Souverän und die Gleichberechtigung der Geschlechter können in ihrer Bedeutung gar nicht hoch genug eingeschätzt werden. Darüber hinaus verpflichtete die Verfassung den Staat erstmalig darauf, allen Bürgerinnen und Bürgern ein menschenwürdiges Dasein zu ermöglichen. Mit dem Ziel, die Gleichheit der Lebensverhältnisse herzustellen, wurden weitreichende sozial- und wirtschaftspolitische Bestimmungen in der Verfassung verankert. Dazu gehören zum Beispiel die Anbindung des Wirtschaftslebens an das Gemeinwohl und das Recht auf Arbeit. Mit der Vereinigungsfreiheit, der Tarifautonomie und den Ansätzen zur betrieblichen Mitbestimmung wurde das Fundament unseres modernen Sozialstaats entscheidend erweitert. Es bleibt dauerhafte Pflicht aller Demokratinnen und Demokraten, politische Freiheit und soziale Gerechtigkeit zusammen zu denken und in Übereinstimmung zu bringen.“

Landtagspräsidentin Birgit Diezel:
„Vor 100 Jahren gewann die Idee eines demokratischen Verfassungsstaates auf deutschem Boden konkrete Gestalt. In Weimar versammelten sich die Abgeordneten der Nationalversammlung, um in einer Zeit des Umbruchs den demokratischen Aufbruch zu gestalten. Damit rückte die Stadt an der Ilm für vier Monate in den Mittelpunkt der nationalen und internationalen Aufmerksamkeit. Dass die Wahl auf Weimar fiel, hatte verschiedene Ursachen, z. B. Sicherheitserwägungen und die verkehrstechnisch günstige Lage. Aber diese Wahl stellte auch ein Symbol dar, denn Weimar war und ist – wie ganz Thüringen – ein Zentrum deutscher Kultur und ein Brennpunkt europäischer Einflüsse, eine Stadt der Vielfalt und damit auch ein Spiegel der Vielfalt der deutschen Länder mit ihren verschiedenen Prägungen, die hier in einer demokratischen Verfassung zusammengefügt wurden. Auch heute ist die Vielfalt unserer Regionen und die Eigenständigkeit der Länder ein Kernelement deutscher Staatlichkeit. Der Föderalismus, im Sinne einer auf gemeinsames Handeln ausgerichteten Balance zwischen Bund und Ländern, stellt eine sichernde Stütze unserer Demokratie dar und ist für unsere demokratische Verfassung von unschätzbarem Wert.“

https://www.thueringer-landtag.de/servi ... erfassung/

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Re: 100. Jahrestag der Weimarer Reichsverfassung

Beitragvon pentium » 6. Februar 2019, 18:54

„Schwarz-Rot-Gold sind unsere Farben“: Die Rede von Bundespräsident Steinmeier im Wortlaut

Anlässlich des Festaktes zu 100 Jahren Weimarer Nationalversammlung mahnte Frank-Walter Steinmeier, den Patriotismus in Deutschland nicht den Falschen zu überlassen.
https://www.thueringer-allgemeine.de/we ... 2013101050

Ist es nicht historisch absurd, wenn diese schwarz-rot-goldene Fahne heute am Auffälligsten ausgerechnet von denen geschwungen wird, die einen neuen nationalistischen Hass entfachen wollen? Nein, Schwarz-Rot-Gold, das waren immer die Farben von Einigkeit und Recht und Freiheit!

Schwarz-Rot-Gold ist das stolze Band, das sich von Hambach über die Frankfurter Paulskirche bis nach Weimar zieht; das zerriss über dem Abgrund des Nationalsozialismus, doch neu geknüpft wurde vor 70 Jahren; das herüberwehte nach Bonn und nach Berlin ; das vor 30 Jahren auf den Straßen und Plätzen Ostdeutschlands leuchtete und heute in unserem ganzen wiedervereinten Land.

Schwarz-Rot-Gold, das sind unsere Farben! Sie sind das Wahrzeichen unserer Demokratie! Überlassen wir sie niemals den Verächtern der Freiheit!

Ein aufgeklärter, auch ein patriotischer Blick auf unser Land darf die Widersprüche und Irrwege niemals ausblenden. Licht und Schatten sind im Werden dieser bundesdeutschen Demokratie untrennbar verwoben. Die Erinnerung an Diktatur, Krieg und den Abgrund der Shoah – sie gehört nicht nur dazu, nein, sie ist konstitutiv für diese Demokratie.

Ein demokratischer Patriotismus in unserem Land kann also immer nur ein Patriotismus der leisen Töne und der gemischten Gefühle sein. Gerade hier in Weimar wird uns das besonders bewusst. Gerade hier können wir erleben, wie dicht Licht und Schatten beieinanderliegen – Dichter und Verbrecher, Humanität und Barbarei, Demokratie und Diktatur.


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