Die Schlussakte von Helsinki-Anspruch und Wirklichkeit in der DDR

Dokumente über die Zeit der Wende

Re: Die Schlussakte von Helsinki-Anspruch und Wirklichkeit in der DDR

Beitragvon Spartacus » 15. April 2013, 18:08

Ja, ja, die Akte von Helsinki die Honecker 1975 großspurig ratifiziert hatte.

http://de.wikipedia.org/wiki/Konferenz_ ... _in_Europa

Nur mal grob, was da so stand: Freizügikeit in ganz Europa, freie Wahl des Wohn und/oder Arbeitsplatzes
und der gleichen Nettigkeiten. Im übrigen sollte die Akte laut Vertrag der Bevölkerung in schriftlicher Form kundgetan werden. Honecker kam dieser Pflicht nach indem er einige tausend Exemplare drucken lies, die
allesamt im den UNI - Bibliotheken verschwanden. Gott sei Dank hatte ich einen Kumpel der studierte,
freien Zugang zur Bibliothek hatte und ein Exemplar rausschmuggelte.

Ich habe den Inhalt damals förmlich in mich aufgesaugt. [smile]

Die Akte war wie eine Waffe in meinen Händen und brachte meine Vernehmer mehr als einmal zum schwitzen
und schließlich zur Weisglut, da sie mir nichts mehr entgegenzusetzen hatten.
Damals lernte ich die Bedeutung des Begriffs: " das geschriebene Wort kann schärfer als ein Schwert sein" kennen und schätzen.

Und ja, allein die Verfassung der DDR und eben auch die spätere Akte von Helsinki entlarvte die Diktatur
als scheindemokratisches Konstrukt.

LG

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Re: Das Niveau im Forum

Beitragvon karnak » 15. April 2013, 18:23

Spartacus hat geschrieben: Im übrigen sollte die Akte laut Vertrag der Bevölkerung in schriftlicher Form kundgetan werden. Honecker kam dieser Pflicht nach indem er einige tausend Exemplare drucken lies, die
allesamt im den UNI - Bibliotheken verschwanden.

Ich will es jetzt nicht beschwören,ist lange her,aber ich möchte behaupten die Schlussakte gab es als Paperback in so einem weißen Umschlag und die lagen in den Geschäften rum wie sauer Bier und auch das ND hat sie seitenweise abgedruckt.Ich glaube mich erinnern zu können,die Westmedien haben berichtet,der DDR bleibt nichts anders übrig.Aber wie gesagt,ich kann mich täuschen,vielleicht hat jemand eine bessere Erinnerung als ich.
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Re: Die Schlussakte von Helsinki-Anspruch und Wirklichkeit in der DDR

Beitragvon Janko » 15. April 2013, 18:35

Werter "ABV", so entstehen Gerüchte....es war eine Orientierung des weiteren politischen, wirtschaftlichen und kulturellen miteinander, keinesfalls ein Dekret....

In der Schlußakte der "KSZ in Europa" einigten sich die Teilnehmerländer (Unterzeichner) auf einzuhaltende Grundprinzipien eben der erwähnten Sicherheit-und Zusammenarbeit, an denen sich die Staaten zukünftig orientieren.
Allerdings und das ist richtig, wird im Korb III auf die Einhaltung der Menschenrechte hingewiesen.
Gleichfalls ist es eine Mär, dass der Text in Unibibliotheken "verschwand". Er wurde in vollem Umfang im ND abgedruckt ! Das war u.a. auch eine Vereinbarung die getroffen wurde.
Natürlich ging es um Anerkennung, aber eben auch um Anerkennung der Nachkriegsgrenzen in Europa.
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Re: Die Schlussakte von Helsinki-Anspruch und Wirklichkeit in der DDR

Beitragvon Spartacus » 15. April 2013, 18:43

Janko

Fakt ist das ich von meinem Freund die Akte direkt aus der UNI erhielt und das
es die Akte nicht zu kaufen gab. Hab ich damals nämlich versucht!

Wie kommst Du dann auf eine "Mär"?

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Re: Die Schlussakte von Helsinki-Anspruch und Wirklichkeit in der DDR

Beitragvon Janko » 15. April 2013, 19:15

Ja dann hättest du dir das ND kaufen müssen !!
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Re: Die Schlussakte von Helsinki-Anspruch und Wirklichkeit in der DDR

Beitragvon Wosch » 15. April 2013, 19:18

Auch ich habe mit der "Schlußakte" von Helsinki so meine Erfahrungen machen können.
Es ist wohl war, sie wurde im ND großflächig abgedruckt, EINMAL und dann verschwand sie doch aus dem öffentlichen Blickfang. Als ich ab 1982 wieder regelmäßig in die DDR, bzw. noch der "Hauptstadt der Deutschen Demokratischen Republik" einreiste, sollte ich für meinen Bruder, der einen Ausreiseantrag laufen hatte, solch eine Abschrift mitbringen. Ich sagte das brieflich zu, aber nahm dann doch davon Abstand da mir bekannt war, daß unsere Post vom MfS "gelesen" wurde. Bei meiner darauffolgenden Einreise wurde ich übrigens peinlichst kontrolliert, durfte aber nach ca 30 Minuten weiterfahren. Die "Schlußakte" von Helsinki holte ich mir dann aus der Ständigen Vertretung der BRD in der Hannoverschen Straße. Obwohl mein Bruder als Diplomingenier nicht gerade auf dem Kopf gefallen war konnte er sich nirgends ein solches Dokument besorgen. Die alten "ND´s" in denen das einmal abgedruckt waren lagen im Jahre 82/83 leider nicht in dem Umfang herum, wie sie zur Begründung der Antragstellungen von nöten gewesen wären. Mir braucht wirklich Keiner erzählen zu wollen, daß man die "Schlußakte" ohne Probleme überall einsehen konnte, dann hätte ich nämlich nicht in die Ständige Vertretung gemußt. Übrigens, als ich da wieder raus kam wurde ich von so einem "grünen" Männchen" nach der ersten Ecke angehalten und nach den Personalien befragt. Hörte sich etwa so an: "Sie heißen also Woschi-Woschi, wohnen in Kassel (BRD), wohnen zur Zeit im Palast-Hotel, wünsche ihnen einen schönen Aufenthalt". An seiner Brust hing ein Mikrofon, ob es an war weiß ich leider nicht.
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Re: Die Schlussakte von Helsinki-Anspruch und Wirklichkeit in der DDR

Beitragvon karnak » 15. April 2013, 20:03

Wosch hat geschrieben: Mir braucht wirklich Keiner erzählen zu wollen, daß man die "Schlußakte" ohne Probleme überall einsehen konnte, dann hätte ich nämlich nicht in die Ständige Vertretung gemußt.

Ich kann es nicht ändern,neben dem Abdruck im ND wurde die Schlussakte in der DDR 2 Millionen mal gedruckt und in den Vertrieb gebracht.Es war eine weiße Paperbackausgabe.Ich bin mir ziemlich sicher,dass die wie sauer Bier in den Läden lagen.Wir mussten sie kaufen,weil sie im Parteilehrjahr diskutiert werden sollte.Sicher hat das die SED nicht gerne zugelassen,aber wahrscheinlich blieb ihr nichts anderes,weil sie sich als DDR dazu verpflichtet hatte.Und wie gesagt,gekauft hat die Broschüre kaum einer.Tut mir leid,so war es einfach.Ob es die Broschüre dann Jahre später noch zu kaufen gab, weiß ich nicht,aber Du hättest vielleicht einfach mal in einer Bücherei fragen sollen,statt in die ständige Vertretung zu gehen.In einem gebe ich Dir recht,Du hättest Dich in beiden Fällen verdächtig gemacht. [wink]
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Re: Die Schlussakte von Helsinki-Anspruch und Wirklichkeit in der DDR

Beitragvon Wosch » 15. April 2013, 20:19

karnak hat geschrieben:
Wosch hat geschrieben: Mir braucht wirklich Keiner erzählen zu wollen, daß man die "Schlußakte" ohne Probleme überall einsehen konnte, dann hätte ich nämlich nicht in die Ständige Vertretung gemußt.

Ich kann es nicht ändern,neben dem Abdruck im ND wurde die Schlussakte in der DDR 2 Millionen mal gedruckt und in den Vertrieb gebracht.Es war eine weiße Paperbackausgabe.Ich bin mir ziemlich sicher,dass die wie sauer Bier in den Läden lagen.Wir mussten sie kaufen,weil sie im Parteilehrjahr diskutiert werden sollte.Sicher hat das die SED nicht gerne zugelassen,aber wahrscheinlich blieb ihr nichts anderes,weil sie sich dazu verpflichtet hatte.Und wie gesagt,gekauft hat die Broschüre kaum einer.Tut mir leid,so war es einfach.Ob es die Broschüre dann Jahre später noch zu kaufen gab, weiß ich nicht,aber Du hättest vielleicht einfach mal in einer Bücherei fragen sollen,statt in die ständige Vertretung zu gehen.In einem gebe ich Dir recht,Du hättest Dich in beiden Fällen verdächtig gemacht. [wink]



Karnak, Nichi ich sondern mein Bruder benötigte dieses Schriftstück und wie ich schon schrieb, selbst als "Studierter" war es ihm nicht möglich so etwas zu ergattern Daß war 82/83 und daß es Bibliotheken in Berlin gab wußte er auch.
Daß mit dem Kaufen der Broschüren, das hast Du schön geschrieben, man könnte fast denken, das MfS hatte Alle aufgekauft damit nichts mehr im Handel war. Also in den 80ern lag das nicht wie Sauerbier rum und mit dem "ND" wurde sich gewöhnlich schon mal der Hintern abgewischt, ohne daß man es las. Ansonsten war es auch nicht gerade die Standardlektüre der Ausreisewilligen.

Keinen Joint in Marokko, nur Pfefferminztee, versprochen?? Ich bin ja über Tetuan nicht hinausgekommen, war ganz lustig. [laugh]
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Re: Die Schlussakte von Helsinki-Anspruch und Wirklichkeit in der DDR

Beitragvon karnak » 15. April 2013, 20:46

Pfefferminztee trinke ich nur wenn ich krank bin.Die richtigen Getränke stehen für mich dort schon bereit,wurde mir glaubhaft versichert. [wink] Und das mit der Broschüre,es sind nur meine Erinnerungen.Und wenn Du ehrlich bist,wenn man die Schlussakte dringend und bedürftig lesen wollte,es wäre kein Problem gewesen,zumindest über das ND.Und nun sage nicht auch noch,die Stasi hat auch diese Ausgabe komplett aufgekauft. [grin] Also irgendwas stimmt an der Geschichte nicht und wenn ich ehrlich bin,ich weiß auch was,die große Masse der DDR-Bürger hat sich nur bedingt für die Broschüre interessiert,deswegen lag sie eben auch eine ganze Weile als Ladenhüter in den Geschäften rum.Das man sie später "diskret"hat verschwinden lassen will ich aber gerne glauben.Aber ich brauchte da keine mehr,ich musste ja eine kaufen. [wink]
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Re: Die Schlussakte von Helsinki-Anspruch und Wirklichkeit in der DDR

Beitragvon vs1400 » 15. April 2013, 21:49

Janko hat geschrieben:Ja dann hättest du dir das ND kaufen müssen !!


hm, da war er 15,
als sie im nd abgedruckt wurde. [denken]

gruß vs [hallo]
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Re: Die Schlussakte von Helsinki-Anspruch und Wirklichkeit in der DDR

Beitragvon icke46 » 15. April 2013, 22:11

vs1400 hat geschrieben:
Janko hat geschrieben:Ja dann hättest du dir das ND kaufen müssen !!


hm, da war er 15,
als sie im nd abgedruckt wurde. [denken]

gruß vs [hallo]


Ich gehe aber mal davon aus, dass das ND jugendfrei war - man durfte es sicher auch unter 18 Jahren kaufen [laugh] .
Das war nu ein kleiner Scherz (mittlerweile muss man das ja dazu sagen), aber es wäre ja in dem Fall die Zeitschiene
interessant, wann er nun die gedruckte KSZE-Schlussakte bekommen wollte.

Gruss

icke
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Re: Die Schlussakte von Helsinki-Anspruch und Wirklichkeit in der DDR

Beitragvon vs1400 » 15. April 2013, 22:18

icke46 hat geschrieben:
vs1400 hat geschrieben:
Janko hat geschrieben:Ja dann hättest du dir das ND kaufen müssen !!


hm, da war er 15,
als sie im nd abgedruckt wurde. [denken]

gruß vs [hallo]


Ich gehe aber mal davon aus, dass das ND jugendfrei war - man durfte es sicher auch unter 18 Jahren kaufen [laugh] .
Das war nu ein kleiner Scherz (mittlerweile muss man das ja dazu sagen), aber es wäre ja in dem Fall die Zeitschiene
interessant
, wann er nun die gedruckte KSZE-Schlussakte bekommen wollte.

Gruss

icke


genau icke,
mehr wollte ich damit nicht sagen und wenn er von freunden an der uni schreibt, war er mindestens 18-19jahre.

gruß vs [hallo]
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Re: Die Schlussakte von Helsinki-Anspruch und Wirklichkeit in der DDR

Beitragvon Wosch » 16. April 2013, 13:31

Redet hier doch nicht um den heißen Brei herum und @Karnak, damit meine ich vor allen Dingen auch Dich. Die Veröffentlichung dieser "Schlußakte im "ND" war wohl etwa um 1975 rum (@Icke, Du bist doch immer so schlau, vielleicht kannst Du das bestätigen) ,aber zur Zeit der tausendfachen Antragsstellungen (Ausreisewelle) in den späten 80er Jahren gab es diese alten Exemplare so gut wie nirgendwo. Und bei Nachfragen in den Bibliotheken waren diese eben immer mal gerade nicht "frei". Mein Bruder hatte über ein Jahr versucht, zur Begründung seines Antrages Einsicht in ein solches Exemplar zu erlangen, ohne Erfolg. Seine Anträge wurden teils zurückgewiesen, nicht bearbeitet und erst nach dem ich den Wortlaut aus der Ständigen Vertretung der BRD erworben hatte, nahmen sie seinen Antrag zum ersten Male etwas ernster. An der Begründung konnten selbst die vom "Inneren" nicht vorbei, hatte doch der Honecker dieses Papier selbst unterschrieben. Fehlte bloß noch @Karnak, daß Du behaupten würdest, die Abteilung "Inneres" beim Rat des Kreises hätte den Antragstellern mit dem Wortlaut der Schlußakte "ausgeholfen". Es ist zwar schon ein Weilchen her, aber ein bißchen "Erinnerungsvermögen" sollte eigentlich dasein.
Schönen Gruß aus Kassel. [hallo]

PS: Wenn die Dinger wie "Sauerbier" rumgelegen hatten, wieso gab es sie dann in den 80er Jahren nicht mehr zu kaufen???
Hat man sie denn etwa wegen "Unverkäuflichkeit" aus dem Programm genommen, oder mußtet Ihr vom MfS vielleicht gleich mehrere Exemplare kaufen?
Wieso hat man, nachdem sie aus den Läden verschwunden waren keine Neuauflage herausgegeben?
War diese Paperback-Ausgabe vielleicht gar nicht für den betroffenen Personenkreis gedacht, sondern gleich für die Mitarbeiter der staatlichen Organe?
Wer hat noch so eine Ausgabe aufgehoben, @Karnak Du vielleicht, wenn ja kannst Du mal ein Bild davon einscannen? [wink]
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Re: Die Schlussakte von Helsinki-Anspruch und Wirklichkeit in der DDR

Beitragvon Dille » 16. April 2013, 13:50

Nun @Wosch, noch interessanter würde ich ja die Frage finden, warum hast Du kein Exemplar in Kassel besorgt ?? Mich würde hier jetzt interessieren, wie die "zuständigen Organe" dann bei der Einfuhr in die DDR reagiert hätten, denn so richtig "gegen den Frieden gerichtet" war dieses Papier ja wohl nicht, so daß man es hätte konfiszieren können ?? Den Gen. Honecker als "Druckerzeugnis" beschlagnahmen, das hätte einen gewissen Charme gehabt !

Gruß, Dille
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Re: Die Schlussakte von Helsinki-Anspruch und Wirklichkeit in der DDR

Beitragvon Wosch » 16. April 2013, 14:09

Dille hat geschrieben:Nun @Wosch, noch interessanter würde ich ja die Frage finden, warum hast Du kein Exemplar in Kassel besorgt ?? Mich würde hier jetzt interessieren, wie die "zuständigen Organe" dann bei der Einfuhr in die DDR reagiert hätten, denn so richtig "gegen den Frieden gerichtet" war dieses Papier ja wohl nicht, so daß man es hätte konfiszieren können ?? Den Gen. Honecker als "Druckerzeugnis" beschlagnahmen, das hätte einen gewissen Charme gehabt !

Gruß, Dille



Deine Frage ist durchaus berechtigt, allerdings hatte ich den Grund dafür schon in einem anderen Post mitgeteilt. Also noch mal: "Die Korrespondenz zwischen mir und meinem Bruder wurde vom MfS kontrolliert, meine schriftliche Zusage, ein Exemplar bei meiner nächsten Einreise mitzubringen, fand ich deswegen nicht dem Zwecke dienend weil ich vermeiden wollte daß das Papier in die "falschen" Hände gelangt. Außerdem wollte ich mir unnötige Schwierigkeiten ersparen, wurde ich doch eh schon genug schikaniert. Der Umweg über die Ständige Vertretung war nach meiner Einschätzung der sichere Weg und meinem Bruder war es egal, woher er die Vorlage für seine Anträge bekam.
Was den "gewissen Charme" bei einer eventuellen Beschlagnahme dieses "Druckerzeugnisses" betrifft, auf den hätte ich dankend verzichten können, ich wählte lieber den "sicheren" Weg.

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Re: Die Schlussakte von Helsinki-Anspruch und Wirklichkeit in der DDR

Beitragvon Spartacus » 16. April 2013, 17:17

vs1400 hat geschrieben:
Janko hat geschrieben:Ja dann hättest du dir das ND kaufen müssen !!


hm, da war er 15,
als sie im nd abgedruckt wurde. [denken]

gruß vs [hallo]


Genau so isses und es hat mich damals auch nicht wirklich interessiert. Das ND schon gleich gar nicht.
Wie richtig vermutet, wollte ich die Akte erst mit 20 haben und so sah sie damals aus:

Bild

Wie Wosch richtig schrieb, war die Akte unter anderem Sprengstoff in der Hand von Ausreisewilligen, denn
wie sollte denn "Das Innere" den Antrag ablehnen, wenn man mit dem Inhalt der Akte argumentierte?

Eine Ablehnung musste ja, so viel ich weiß, begründet werden.

So eine Begründung hätte ich dann gerne mal gelesen [grins]

"Die Akte können Sie nicht als Argument anbringen, da Sie die eigentlich gar nicht kennen dürften." [laugh]

Grüsse

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Re: Die Schlussakte von Helsinki-Anspruch und Wirklichkeit in der DDR

Beitragvon augenzeuge » 17. April 2013, 07:53

ABV hat geschrieben:Zum Beispiel als in einem Beitrag die Wohnung eines Arbeitslosen gezeigt wurde. Nun ja, der " arme Arbeitslose", konnte sich trotz seines "Elends", Farbfernseher, Videorekorder und Telefon leisten. Dinge von denen der " hochzufriedene vollbeschäftigte" Arbeiter in der DDR oft nur träumen konnte.
Gruß an alle
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Der "hochzufriedene" träumte davon nicht, er brauchte diesen kapitalistischen unnötigen Luxus gar nicht. [flash]

Übrigens, das Verbreiten von Kopien war in der DDR nicht unbedingt erlaubt, man stelle sich nur mal vor, hier zeichnete einer Kennzeichen D auf und verbreitete das....
[blush]
AZ
Freiheit ist ein Gut, das durch Gebrauch wächst und durch Nichtgebrauch dahinschwindet. Keiner darf für sich den Besitz der Wahrheit beanspruchen, sonst wäre er unfähig zu Kompromiß und überhaupt zu Zusammenleben.
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Re: Die Schlussakte von Helsinki-Anspruch und Wirklichkeit in der DDR

Beitragvon Spartacus » 17. April 2013, 18:20

ABV hat geschrieben:Wenn mich meine Erinnerung nicht täuscht, wurde seitens der DDR immer wieder Vollbeschäftigung und billige Mieten als Indiz für die Einhaltung der Menschenrechte ins Feld geführt. Es gab da so eine Sendung, " Alltag im Westen"?", ich glaube so hieß sie, in der immer wieder Schicksale von Arbeitslosen in der Bundesrepublik, an Hand konkreter Beispiele, aufgezeigt wurden.
Wobei es hin und wieder zu " unfreiwillig komischen" Momenten kam. Zum Beispiel als in einem Beitrag die Wohnung eines Arbeitslosen gezeigt wurde. Nun ja, der " arme Arbeitslose", konnte sich trotz seines "Elends", Farbfernseher, Videorekorder und Telefon leisten. Dinge von denen der " hochzufriedene vollbeschäftigte" Arbeiter in der DDR oft nur träumen konnte.

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Das einschneidenste Erlebnis nach meiner Ankunft im Westen 1984, war für mich - nach dem Kulturshock - das
Sozialsystem, dass der DDR nicht nur ebenbürtig war, sondern sogar besser.
Damals war praktisch alles umsonst, was das Gesundheitssystem betraf. Arbeitslosengeld bekam ich 850 DM,
obwohl ich in der DDR nur 625 Mark verdiente und so weiter.

Erst später durchschaute ich das Spiel, als man nämlich die (Schein) Überlegenheit nach der Wende peu a peu
zurückfuhr und letztendlich dann da landete, wo man heute ist.

Raubtierkapitalismus, halt!

Auch so was ist Realität, wie die Bundesbürger zu ihrem Erstaunen dann lernen mussten.

LG

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Re: Die Schlussakte von Helsinki-Anspruch und Wirklichkeit in der DDR

Beitragvon zonenhasser » 17. April 2013, 22:30

Spartacus hat geschrieben: da landete, wo man heute ist. Raubtierkapitalismus, halt!
Lächerlich! Deutschland ist das einzige große europäische Land, in dem die Wirtschaft noch ordentlich funktioniert. Auch und vor allem dank der Hartz-Reformen.
Die “Rote Fahne” schrieb noch “wir werden siegen”, da hatte ich mein Geld schon in der Schweiz.
Bert Brecht
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Re: Die Schlussakte von Helsinki-Anspruch und Wirklichkeit in der DDR

Beitragvon vs1400 » 17. April 2013, 22:45

zonenhasser hat geschrieben:
Spartacus hat geschrieben: da landete, wo man heute ist. Raubtierkapitalismus, halt!
Lächerlich! Deutschland ist das einzige große europäische Land, in dem die Wirtschaft noch ordentlich funktioniert. Auch und vor allem dank der Hartz-Reformen.


hi zonenhasser,
ist zwar ot, doch irgendwie hast du wohl den Bild vergessen. [blush]

fakt ist jedoch, um beim thema zu bleiben und dass kann man nicht bestreiten,
die benannte schlussakte wurde unterschrieben , der bevölkerung bekannt gegeben und dann, bewusst, unterschlagen.
marx, engels und lenin konnte man jeder bücherei entnehmen, nur diese akte nicht.

gruß vs
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Re: Die Schlussakte von Helsinki-Anspruch und Wirklichkeit in der DDR

Beitragvon Wosch » 18. April 2013, 11:19

vs1400 hat geschrieben:
zonenhasser hat geschrieben:
Spartacus hat geschrieben: da landete, wo man heute ist. Raubtierkapitalismus, halt!
Lächerlich! Deutschland ist das einzige große europäische Land, in dem die Wirtschaft noch ordentlich funktioniert. Auch und vor allem dank der Hartz-Reformen.


hi zonenhasser,
ist zwar ot, doch irgendwie hast du wohl den Bild vergessen. [blush]

fakt ist jedoch, um beim thema zu bleiben und dass kann man nicht bestreiten,
die benannte schlussakte wurde unterschrieben , der bevölkerung bekannt gegeben und dann, bewußt unterschlagen.
marx, engels und lenin konnte man jeder bücherei entnehmen, nur diese akte nicht.


gruß vs



Mit wenigen Worten hast Du es auf den Punkt gebracht!!!!
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Re: Die Schlussakte von Helsinki-Anspruch und Wirklichkeit in der DDR

Beitragvon Spartacus » 18. April 2013, 18:35

Entschuldigung, ja ich war OT.

Hier mal ein wichtiger Ausschnitt aus der Akte:

" Sie bestätigen das Recht des Individuums, seine Rechte und Pflichten auf diesem Gebiet
zu kennen und auszuüben.

Auf dem Gebiet der Menschenrechte und Grundfreiheiten werden die Teilneh-
merstaaten in Übereinstimmung mit den Zielen und Grundsätzen der Charta der Vereinten
Nationen und mit der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte handeln. Sie werden ferner
ihre Verpflichtungen erfüllen, wie diese festgelegt sind in den internationalen Erklärungen und
Abkommen auf diesem Gebiet, soweit sie an sie gebunden sind, darunter auch in den
Internationalen Konventionen über die Menschenrechte. "

LG

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Re: Die Schlussakte von Helsinki-Anspruch und Wirklichkeit in der DDR

Beitragvon Interessierter » 21. April 2013, 16:42

Der Status der DDR als souveräner Staat war auch in den 1970er Jahren noch ein prekärer. Zwar hatte die Bundesrepublik Ende der 1960er Jahre die Hallstein-Doktrin aufgeben müssen, die besagte, dass die diplomatischen Beziehungen mit jedem Staat abgebrochen würden, der die DDR völkerrechtlich anerkannte. Zeit ihrer Existenz erkannte die BRD die DDR niemals offiziell völkerrechtlich an, obgleich sie es de facto tat. Der ostdeutsche Staat lebte in ständiger Furcht vor einer Revision, und außenpolitisch war sein wichtigstes Ziel die Anerkennung durch den Westen und besonders der BRD. Damit verbunden wäre auch die ersehnte Aufnahme in die Uno, die dieser Anerkennung bildlichen Ausdruck bringen würde. Die Verhandlungen der Konferenz für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa KSZE, an der neben den USA und Kanada praktisch alle europäischen Staaten inklusive der UdSSR teilnahmen, schienen dieses Ziel endlich in greifbare Nähe zu rücken. Die DDR hatte zwei zentrale Verhandlungsziele auf der KSZE, die sie mit der Sowjetunion teilte: die Anerkennung der Grenzen des Ostblocks und damit des status quo seit dem Zweiten Weltkrieg, den die BRD in einer Reihe einseitiger Verträge im Rahmen der Ostpolitik teilweise durchgesetzt hatte und die nun institutionell abgesichert werden sollte, und eine Reihe von Handelsverträgen, die endlich besseren Zugang zu den Märkten des Westens bieten sollten. Das Verhandlungsziel des Westens, die Festschreibung von Menschenrechten, war man dabei zu schlucken bereit, weil man ihm wenig praktische Bedeutung beimaß.

Diese Einschätzung war wohl der größte Fehler, den die politischen Führer des Ostblocks in seiner 45jährigen Bestehensgeschichte leisteten. Sie hielten die Menschenrechtserklärungen ("Korb III") für ein weiteres mit schönen Absichtserklärungen bedrucktes Stück Papier, das sie zu ignorieren sich leisten konnten. In Wirklichkeit bekam damit die innere Opposition in den Ostblockstaaten erstmals rechtlich zumindest theoretisch bindende Garantien in die Hand, auf die sie sich in ihrem Dissens berufen konnten. Dies schützte sie freilich nicht vollständig vor Repression; es verschaffte ihnen jedoch Legitimation und delegitimierte ein Regime, das an Legitimation nicht gerade überreich gesegnet war noch weiter. Für die DDR wurde es in Zukunft bequemer, Dissidenten einfach auszubürgern, anstatt sie zu unterdrücken - was sie zwar von der DDR-Bühne entfernte, das Problem jedoch nur verlagerte und einmal mehr den moralischen Bankrott des Regimes offenkundig werden ließ (die plakativste Zurschaustellung dieses Bankrotts war die weithin beobachtete Ausbürgerung Wolf Biermanns 1976). Viele Intellektuelle gingen mehr und mehr auf Distanz zu der reformunfähigen DDR.

Ein Auszug aus:
http://geschichts-blog.blogspot.de/2011 ... abruf.html

Mit " Helsinki " schaufelte die DDR sich ihr eigenes Grab. Dazu ein Wirtschaftssystem, daß diese Diktatur längst in die Pleite getrieben hatte und nur durch " Westkredite " am Leben erhalten wurde.

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Re: Die Schlussakte von Helsinki-Anspruch und Wirklichkeit in der DDR

Beitragvon Spartacus » 22. April 2013, 10:46

Ja Danke Interessierter,

natürlich wird weiter darüber debattiert, wobei ich aber das Gefühl habe, dass man
- egal wer eigentlich - sich nur auf unsere Kosten profilieren will, da momentan ja nichts
entscheidendes mehr passiert.

Liebe Grüße

Spartacus


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Re: Die Schlussakte von Helsinki-Anspruch und Wirklichkeit in der DDR

Beitragvon Interessierter » 28. Juli 2015, 09:09

40 Jahre Schlussakte von Helsinki

Menschenrechte im Visier der Stasi

Mit der Unterzeichnung der Schlussakte der Konferenz für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (KSZE) bekannte sich die DDR, die als souveräner Staat daran teilnahm, öffentlich zur Einhaltung der Menschenrechte. Die Folgen dieser Teilhabe an einem multinationalen Verständnisprozess zwischen Ost und West in Zeiten der Systemkonfrontation sollten langanhaltend sein. In direkter Reaktion wirkte die Unterschrift innerhalb der DDR wie ein erneutes Startsignal für verstärkte Aktivitäten der Stasi gegen die eigenen Bürger.


Im Prinzip VII der Schlussakte hatten sich alle Teilnehmerstaaten verpflichtet, die Menschenrechte zu achten. Der dritte Teil der Schlussakte oder der sogenannte Korb III beinhaltete Absichtserklärungen über menschliche Kontakte, menschliche Erleichterungen und Informationsaustausch zwischen den Teilnehmerstaaten. Für die Bundesrepublik war dies ein besonderes Anliegen, da es einer Erweiterung der Kontakte zwischen Menschen in Ost- und Westdeutschland dienen sollte.

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http://www.bstu.bund.de/DE/Presse/Theme ... sinki.html
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Re: Die Schlussakte von Helsinki-Anspruch und Wirklichkeit in der DDR

Beitragvon Interessierter » 31. Juli 2015, 09:35

Für die SED-Führung war der KSZE-Prozess daher ein zweischneidiges Schwert. Auf der Habenseite stand die internationale Anerkennung. Die vom Westen angestrebten Liberalisierungen bedeuteten dagegen eine latente Gefahr für die Macht der SED. Honeckers rückblickende Betrachtung steht im Gegensatz zu seiner Begeisterung bei der Unterzeichnung der KSZE-Schlussakte in Helsinki. Im Jahr 1992 betonte er, die SED habe zwar auf die von „Korb III ausgehenden Gefahren gegnerischer Einwirkungen aufmerksam gemacht“, ihre innenpolitische „Langzeitwirkung“ hingegen wohl unterschätzt.[8] Kurzfristig versprach die KSZE politische Gewinne für die DDR. Auf lange Sicht barg der KSZE-Prozess jedoch erhebliche Risiken, die an den Grundfesten des SED-Regimes rührten.


http://www.bundesarchiv.de/fachinformat ... ex.html.de

Auf den Punkt gebracht, hatte Honecker damit die ersten Spatenstiche für den Untergang der DDR selbst gemacht, ohne es am Anfang überhaupt zu bemerken. Eine Schande für die ganze Dachdeckerinnung [grin] , aber wunderbar für die Deutschen in Ost und West.
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Re: Die Schlussakte von Helsinki-Anspruch und Wirklichkeit in der DDR

Beitragvon augenzeuge » 31. Juli 2015, 14:51

Interessierter hat geschrieben:Auf den Punkt gebracht, hatte Honecker damit die ersten Spatenstiche für den Untergang der DDR selbst gemacht, ohne es am Anfang überhaupt zu bemerken. Eine Schande für die ganze Dachdeckerinnung [grin] , aber wunderbar für die Deutschen in Ost und West.


Ich denke, seine Berater wird auch er gehabt haben...müssen. Und da muss es auch vorher Debatten gegeben haben...mindestens mit Mielke.
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Re: Die Schlussakte von Helsinki-Anspruch und Wirklichkeit in der DDR

Beitragvon Interessierter » 2. August 2015, 08:00

DIE SPRENGKRAFT DER MENSCHENRECHTE

Die KSZE-Schlussakte von Helsinki sollte im Kalkül der Kommunisten die Teilung Europas betonieren. Doch sie unterschätzten die Brisanz der dort verbrieften Garantien.


Dafür hatten die Ostblock-Führungen allerdings eine Kröte geschluckt, die sich als unverdaulich erweisen sollte: Im "Korb III" der Schlussakte sicherten sie feierlich zu, "die Menschenrechte und Grundfreiheiten, einschließlich der Gedanken-, Gewissens-, Religions- oder Überzeugungsfreiheit für alle ohne Unterschied der Rasse, des Geschlechts, der Sprache oder der Religion" zu achten.

Harter Tobak für kommunistische Diktatoren. Doch sie glaubten, sich die hehren Worte leisten zu können. Denn zum einen war die Schlussakte kein völkerrechtlich verbindlicher Vertrag. Zum anderen hatten sie nach ihrer Überzeugung ihre Gesellschaften fest genug im Griff, um mit aufmüpfigen Individuen oder Gruppen geräuschlos fertig zu werden.

Die Aufstände in Ost-Berlin 1953 und in Budapest 1956 sowie der Prager Frühling von 1968 schienen vergessen. Ein folgenschwerer Irrtum: 14 Jahre nach Helsinki brach der Kommunismus in Osteuropa zusammen - nicht zuletzt, weil die Regime die Sprengkraft der Menschenrechte unterschätzt hatten.

Der Wittenberger Pfarrer Friedrich Schorlemmer, in den achtziger Jahren einer der Anführer des zivilen Widerstands in der DDR, ist überzeugt: "1989 wäre nicht passiert, wenn es 1975 nicht gegeben hätte." Helsinki habe den Mächtigen Angst gemacht. Und Ex-Außenminister Hans-Dietrich Genscher resümierte zum 25. Jahrestag von Helsinki: Die KSZE habe die östlichen Länder grundlegend verändert und die Umwälzungen des Jahres 1989 möglich gemacht.

http://www.spiegel.de/spiegel/spiegelsp ... 08503.html

Da hatte dann nicht nur die DDR, sondern der gesamte Ostblock falsche Berater.. [grin]
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Re: Die Schlussakte von Helsinki-Anspruch und Wirklichkeit in der DDR

Beitragvon augenzeuge » 2. August 2015, 09:27

Interessierter hat geschrieben: Der Wittenberger Pfarrer Friedrich Schorlemmer, in den achtziger Jahren einer der Anführer des zivilen Widerstands in der DDR, ist überzeugt: "1989 wäre nicht passiert, wenn es 1975 nicht gegeben hätte." Helsinki habe den Mächtigen Angst gemacht. Und Ex-Außenminister Hans-Dietrich Genscher resümierte zum 25. Jahrestag von Helsinki: Die KSZE habe die östlichen Länder grundlegend verändert und die Umwälzungen des Jahres 1989 möglich gemacht.


Das ist Unsinn. Bei Schorlemmer ist man das ja gewohnt, aber nun auch Genscher? [shocked]

Wenn ein Land durch sein Volk so in die Enge getrieben wird, so wirtschaftlich am Ruin steht, wie die DDR 1989, interessieren solche Verträge gar nicht. Es ist dann nur eine Frage der Macht, des willigen Militärs. Und entscheidend war die Absage der militär. Unterstützung durch Gorbi, nicht das Papier aus Helsinki. Ein Putin zur gleichen Zeit am Ruder, und alles wäre ganz anders ausgegangen. Oder glaubt einer, Putin hätte sich an Helsinki gehalten....? [flash]

AZ
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Re: Die Schlussakte von Helsinki-Anspruch und Wirklichkeit in der DDR

Beitragvon Volker Zottmann » 2. August 2015, 11:52

Nicht ganz Augenzeuge. Die Helsinkiakte hat sehr wohl damit zu tun.
Erst dadurch wurde doch tröpfchenweise die Grenze geöffnet. Einzeln, mit Geiseln in der Heimat, durften Erste reisen... Es wurden mehr...
Und was ursprünglich als Ventil gedacht war, entpuppte sich dann als Bumerang. Diese "großzügigen Reiserleichterungen" schürten doch immer größere Unzufriedenheit, immer mehr menschliche Begehrlichkeiten. Die haben letztlich den Topf "DDR" schneller brodeln lassen.

Gruß Volker
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Der Große sieht ihn breiter, der Kleine leider nicht.
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