Passkontrolleinheiten - PKE

Die innerdeutsche Grenze. Alles was in das Thema Grenze, Grenztruppen, BGS, Zoll, Fluchten, Teilung, Leben im Sperrgebiet, usw.

Re: Passkontrolleinheiten - PKE

Beitragvon Bahndamm 68 » 20. November 2016, 18:56

Vielleicht bringt dies etwas Licht in den Tunnel, ich war 2014 da unten.
Tunnel-01.jpg

Tunnel-02.jpg

Tunnel-03.jpg

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Re: Passkontrolleinheiten - PKE

Beitragvon karnak » 20. November 2016, 19:03

Und wie dort hingekommen, über die Tür im Stabsgebäude oder über eine Leiter der Einstiegsluken? Was für einen Eindruck nacht das Ganze, was den Sinn dieses Bauwerks angeht?
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Re: Passkontrolleinheiten - PKE

Beitragvon pentium » 20. November 2016, 19:15

Vielleicht sollten sich unsere Hobby-Tunnel-Forscher hier einmal Rat holen...
http://erdstall.de/

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Re: Passkontrolleinheiten - PKE

Beitragvon ratata » 20. November 2016, 19:25

https://bunker-nrw.de/php/viewtopic.php?t=6911&p=115911
Ne dort ist es interessanter. ratata


@Pentium , nervt dieses Thema ???????? [peinlich]
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Re: Passkontrolleinheiten - PKE

Beitragvon ratata » 20. November 2016, 19:28

ratata hat geschrieben:https://bunker-nrw.de/php/viewtopic.php?t=6911&p=115911
Ne dort ist es interessanter. ratata


@Pentium , nervt dieses Thema ???????? [peinlich]



Hallo Hermann , danke für deine Bilder , MfG ratata
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Re: Passkontrolleinheiten - PKE

Beitragvon pentium » 20. November 2016, 19:34

ratata hat geschrieben:
@Pentium , nervt dieses Thema ????????


Nerven, nö! Eher langweilen, immer wieder irgendwelche Fotos von Gängen. Diese Gänge kann ich auch bei meinem Bruder anschauen, der Wohnt noch im "Heckert-Gebiet" und welcher Zufall ist bei der enviaM beschäftigt, wenn ich also Bedarf habe mir irgendwelche Versorgungsschächte bzw. Kollektorgänge anzuschauen, dann kann ich es mit meinem Bruder tun...

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Re: Passkontrolleinheiten - PKE

Beitragvon Interessierter » 20. November 2016, 19:40

Mein lieber steffen ( pentium ), es mag Dich ja langweilen, aber etliche User anscheinend nicht. Vielleicht solltest Du das einfach ohne derartige Kommentare respektieren.
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Re: Passkontrolleinheiten - PKE

Beitragvon augenzeuge » 20. November 2016, 19:42

Es geht mir nur noch um eine Frage. Unzweifelhaft ist, dass es ein kilometerlanges System, gut begehbar, gut beschriftet, dort gab, in dem man alle Gebäude erreichen konnte.
Wie viele Ein- oder Ausstiegspunkte gab es wirklich, und welcher Art waren die?
AZ
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Re: Passkontrolleinheiten - PKE

Beitragvon Bahndamm 68 » 20. November 2016, 19:45

pentium hat geschrieben:Vielleicht sollten sich unsere Hobby-Tunnel-Forscher hier einmal Rat holen...
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Ich glaube leicht am Thema vorbeigeschossen.

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Re: Passkontrolleinheiten - PKE

Beitragvon Nostalgiker » 20. November 2016, 19:52

Ja pentium, nimmst du dem Interessierten jeglichen Grusel und das unerklärliche Kribbeln zwischen den ...... wenn er mit den menschenverachtenden Kollektorgängen konfrontiert wird wo die Stasi Versteck spielte ........

Trennung

Augenzeuge, fahre einfach hin und zähle sie wenn es dich so brennend interessiert.

Ich frag mich wieso kann man sich an Kollektorgängen so dermaßen aufgeilen und ihnen alles mögliche andichten aber ihre ursächliche Aufgabe, nämlich Versorgungsschächte, Tunnel oder Gänge zu sein völlig außen vor lässt.
Und die "Beschriftung" kann auch aus der Neuzeit stammen und da diese Gänge auf den Bildern keinen verlotterten, seit 27 Jahren nicht mehr genutzt und instandgehalten, Eindruck machen, erfüllen sie vielleicht noch Heute eine Funktion, nämlich penetrante Besucher, welche da irgendwelche "Schweinereien der Stasi wittern" schnell, schmerzlos, geheim und geschützt vor den Blicken anderer ahnungsloser Besucher abzutransportieren auf das sie im Orkus verschwinden .......
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Re: Passkontrolleinheiten - PKE

Beitragvon Bahndamm 68 » 20. November 2016, 19:58

augenzeuge hat geschrieben:Es geht mir nur noch um eine Frage. Unzweifelhaft ist, dass es ein kilometerlanges System, gut begehbar, gut beschriftet, dort gab, in dem man alle Gebäude erreichen konnte.
Wie viele Ein- oder Ausstiegspunkte gab es wirklich, und welcher Art waren die?
AZ

Darauf kann ich dir auch keine ausreichende Antwort geben. Ich bin im ehemaligen Stabsgebäude hinein gegangen. 2 x rechts gelaufen, insgesamt nicht mehr wie 150m.
Gut begehbar kann ich bestätigen. Sollte es jedoch im Alarmfall genutzt werden, kann ich mir das in voller Montur im Laufschrift jedoch nicht vorstellen.
Was es heute für eine Funktion hat, sollte auch vor dem Mauerfall gewesen sein, ein Versorgungsschaft der Technikanlagen. Aber es wird auch davon erzählt, dass Soldaten bzw Offiziere von einem Gebäude zum anderen gelaufen sind. Warum auch immer?
Über die Ein- oder Ausstiegspunkte kann ich auch keine Aussage machen.

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Re: Passkontrolleinheiten - PKE

Beitragvon augenzeuge » 20. November 2016, 19:58

Nostalgiker, ich hatte dir doch gesagt "weiter so". Warum verfällst du wieder auf dieses billige Niveau? Oder sollte das witzig sein? [blush]
Schade, dass ich dich nicht nicht als Dozent kennen gelernt habe. Ich würde dir sonst mal zeigen, wie es besser geht.
AZ
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Re: Passkontrolleinheiten - PKE

Beitragvon Nostalgiker » 20. November 2016, 20:20

Natürlich sollte das witzig sein, was sonst [mad]

Sei froh das wir uns in dieser Form nicht begegnet sind, wer im Unterricht meinte nicht mitmachen zu wollen hatte bei mir nicht viel Spass .........
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Re: Passkontrolleinheiten - PKE

Beitragvon SkinnyTrucky » 20. November 2016, 20:41

augenzeuge hat geschrieben:Nostalgiker, ich hatte dir doch gesagt "weiter so". Warum verfällst du wieder auf dieses billige Niveau? Oder sollte das witzig sein? [blush]
Schade, dass ich dich nicht nicht als Dozent kennen gelernt habe. Ich würde dir sonst mal zeigen, wie es besser geht.
AZ


Er kann halt nicht aus seiner Haut Jörg auch wenn man ihm zugute halten muss, das er es doch manchmal probiert.... [wink]


groetjes

Mara
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Re: Passkontrolleinheiten - PKE

Beitragvon Interessierter » 29. November 2016, 11:39

karnak hat geschrieben:
augenzeuge hat geschrieben:Stimmt, Karnak, das mit dem wenigen Respekt muss man mal an einer US Grenze machen.....da ist es ähnlich. [angst]

Sag mal Karnak, wie war das denn nun mit den Schallplatten? Ging das oft nach Gefühl? So wie mit den Zeitschriften?
AZ

[grin] Ich war nicht beim Zoll, aber die waren natürlich wichtige "Zuträger" für mich und so weiß ich schon wie die agierten. EIGENTLICH durften nur Tonträger und Druckerzeugnisse nicht eingeführt werden die der DDR nicht in den Kram passten. In den Zollbestimmungen wurde das natürlich geschönt umschrieben. In der Praxis sah das so aus, der Zöllner begründete das Einfuhrverbot damit, dass er keine Möglichkeit und Zeit hat zu überprüfen ob auf der Platte oder im Buch wirklich der Inhalt ist der in der Hülle angegeben wird. Gleichzeitig hatte er eine gewisse Ermessensfreiheit, er konnte schon mal einer Einfuhr stattgeben.


Dazu passend nachstehend das Erlebte des Zeitzeugen Aro Kuhrt.

Horchen und kucken

Bild

Als junger Westler war ich natürlich irgendwann auch mal neugierig, wie das Leben auf der anderen Seite der Mauer so aussah. Über die Musik bekam ich Kontakt nach Ost-Berlin, zu anderen Jugendlichen und zu Künstlern. In den 80er Jahren durfte ich dann auch ohne Zwangsumtausch ganz offiziell auf „Geschäftsreise“ in die DDR, besuchte Musiker und Konzerte von Rostock bis Karl-Marx-Stadt1.
Politisch war ich in Bezug auf die DDR sehr naiv. Ich fand in Ost-Berlin Freunde, mit denen ich durch die Gegend zog, Parties feierte und nachts am Strand des Müggelsees Sex hatte. Zwar war ich „bei mir im Westen“ politisch aktiv, mit Hausbesetzungen und in der autonomen Szene. Aber in Bezug auf die DDR war ich erschreckend naiv. Ich konnte es gar nicht verstehen, dass die Grenzler meine Musikcassetten mit Liedern von Wolf Biermann nicht so toll fanden, dabei war er doch auch aus der DDR…

Für meine Freunde brachte ich vor allem Schallplatten von Udo Lindenberg mit. Nachdem sie mir aber an der Grenze auch die abgenommen haben, wurde ich konspirativer. Ich besorgte mir Klassik-Platten, die waren unverdächtig, und löste von denen die Label ab. Die kamen über die Aufkleber der Lindenberg-Platten und auch das Cover wurde ausgetauscht.

Ursprünglich ging ich über den Grenzübergang Friedrichstraße, weil ich das Durcheinander der Gänge so spannend fand. Doch eines Tages wurde ich wieder mal in einen extra Raum geführt. Ich musste alles abgeben, mich nackt ausziehen und in allen Körperöffnungen untersuchen lassen. Dann ging es zum Verhör, wen ich denn treffen wollte und warum, wer meine Schallplatten bekommen sollte usw. Ich antwortete wahrheitsgemäß, fühlte mich etwas schuldig, aber nicht wirklich kriminell. Zum Schluss wurde mir eröffnet, dass man die Schallplatten konfisziert hat, ich aber einreisen dürfte. Ich hatte ja in West-Berlin schon öfter Ärger mit der Polizei gehabt, Verhöre und auch Schläge waren mir nicht ganz unbekannt. An diesem Tag erfuhr ich aber das erste Mal, wie es ist, wenn man nach der Freilassung auch noch verfolgt wird – und zwar so offen, dass ich es merken musste. Mein Freund Ralf in Lichtenberg hatte ein Telefon und so konnte ich ihm die Lage erklären. Wir trafen uns am Alexanderplatz und er nahm mich dort demonstrativ in den Arm und küsste mich. Dann setzten wir uns an den Brunnen der Völkerfreundschaft und zählten ganz offen all die Kameras, die von den umliegenden Gebäuden den Platz beobachteten. Das war schon auffällig genug und als wir dann herumliefen, konnten wir sehen, wie die steuerbaren Kameras uns folgten und andere uns ins Visier nahmen. Ralf fragte mich, ob ich den Roman „1984“ kenne und dass der auch in der DDR spielen könnte. Nach dem Besuch habe ich ihn gelesen.

Seitdem reiste ich nur noch über die Oberbaumbrücke ein. Die lag nicht nur näher an meinem Wohnhaus, sondern die Grenzübergangsstelle war auch viel kleiner als am Bahnhof Friedrichstraße. Die Kontrollen dort kamen mir anfangs tatsächlich weniger scharf vor, doch auch dort gab es natürlich die Stasi-Leute.

Es war wie immer: Von der Kreuzberger Seite aus ging ich neben dem niedrigen Wachturm durch die Gittertür und überquerte die Spree. Am Ende, kurz vor der Mühlenstraße, stand ein zweistöckiges Gebäude, über die gesamte Breite der Brücke. Ein tiefes Durchatmen, dann betrat ich den Vorraum. Ausweiskontrolle wie immer, dann wollte ich weiter nach hinten zum Zoll. Stattdessen aber stellten sich mir zwei Herren in Uniform in den Weg. Sie führten mich in ein kleines Zimmer, und nach der gewohnten Durchsuchung von Taschen und Körper bekam ich plötzlich andere Kleidung gereicht. Meine Klamotten kämen zur genaueren Kontrolle etwas später.

Diesmal gab es ein Verhör, das wesentlich aggressiver war als alles, was ich bis dahin an der Grenze erlebt hatte. Man warf mir vor, in der DDR kriminelle Handlungen vorgenommen zu haben, staatsgefährdende Hetze und Schmuggel. Natürlich war ich völlig aufgelöst und ängstlich, die Vernehmer schrien mich an, drohten mit Gefängnis und dass im Westen niemand etwas davon erfahren würde.

Sie wollten unbedingt Namen und Kontakte erfahren, die ich in der DDR hatte. Vorher hatte ich mir nie etwas dabei gedacht und meine Freunde wussten auch ganz genau, dass ihre Behörden von unseren Kontakten wissen. In dem Verhör wurden sie nun aber auch als Staatsfeinde hingestellt und ich spürte eine Verantwortung für sie. Trotz der Drohungen fühlte ich als Westbürger eine gewisse Sicherheit, ich nahm tatsächlich an, dass sie mich gar nicht für längere Zeit einsperren könnten. Deshalb mauerte ich und zählte nur noch die Leute auf, bei denen ich wusste, dass sie von dem Kontakt wissen.

Mitten in der Vernehmung musste ich dann in einen winzigen, etwa einen Quadratmeter kleinen Raum, der kein Fenster hatte, nur einen Stuhl. Hier saß ich gefühlte zwei bis drei Stunden ohne jeden Kontakt. Dann wurde ich nochmal den Vernehmern vorgeführt, die mich fragten, ob ich noch eine Aussage zu machen hätte. Gleichzeitig warfen sie mir meine Kleidung zu und ich musste mich vor ihren Augen umziehen, während ich rumstotterte, dass ich nichts weiter zu sagen habe. Sie fassten mich an beide Arme und brachten mich zu der Tür, an der ich Stunden zuvor das Gebäude betreten hatte. Dort wurde mir mitgeteilt, dass ich als „unerwünschte Person“ nicht mehr in die DDR einreisen dürfte.

Als ich über die Brücke zurück nach Kreuzberg lief, war ich nicht nur total frustiert, sondern auch froh, der so bedrohlichen Situation endlich entgangen zu sein. Vor allem aber machte ich mir Sorgen. Meine Freunde konnten ja nicht einfach über diese Brücke gehen und ich war mir sicher, dass sie ebenfalls Ärger bekommen haben.
Erst viel später erfuhr ich über indirekte Kontakte, dass sie Ralf tatsächlich zum Verhör geholt hatten. Aber danach passierte nichts mehr, außer dass er im Betrieb noch mehrmals auf seine „verbotenen Kontakte“ angesprochen wurde. Wahrheitsgemäß konnte er aber antworten, dass er mich seitdem nicht mehr getroffen hat.

In den folgenden fünf Jahren versuchte ich immer wieder, ein Visum zu bekommen. Ungefähr alle sechs Monate stellte ich beim „Büro für Besuchsangelegenheiten“ am Waterlooufer einen Antrag, doch fast immer wurde er abgelehnt. Nur einmal erhielt ich ein Visum, dabei wollte ich nur testweise einreisen, ohne Ralf oder jemand anderes zu besuchen. Doch am Grenzkontrollpunkt wurde ich wieder zurückgewiesen, die Erteilung des Visums war wohl ein Fehler oder eine Schikane. Erst im Herbst 1989, zwei Monate vor dem Mauerfall, erhielt ich ohne Probleme ein Visum und wurde auch nach Ost-Berlin durchgelassen. Zwar gab es eine scharfe Kontrolle, mehr aber nicht. Es war, als wäre vorher nie etwas geschehen.

http://www.berlinstreet.de/5021

Welch riesige Angst und Unsicherheit musste eigentlich dieses Regime gehabt haben, wenn man wie hier, beispielsweise schon in Schallplatten eine Gefahr sah und den Besitzer somit zum Staatsfeind erklärte?
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Re: Passkontrolleinheiten - PKE

Beitragvon karnak » 29. November 2016, 16:49

In den Schallplatten an sich wird man nicht die Gefahr gesehen haben, man mochte es nur nicht wenn jemand vorsätzlich gegen geltende Bestimmungen verstieß und das noch auf dem Niveau von Austrixerei. Und dann war die Führung auch noch arg spießig, Schwule mochte man ganz und gar nicht. Damit war eine Einreisesperre vorprogrammiert.
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Re: Passkontrolleinheiten - PKE

Beitragvon Werner Thal » 29. November 2016, 17:25

Grundsätzlich wurden bis etwa 1978 Tonträger konfisziert, die nicht dem 'kulturellen Erbe' entsprachen.
Das haben wir bis zu dieser Zeit einige Male erleben müssen. Mit dem schriftlichen Hinweis, dass der jeweilige Tonträger aus einem Paket herausgenommen, einer gesellschaftlichen Zuführung zugestellt wurde,
d. h. Discotheken übergeben wurden. Aber natürlich nur zum privaten Schutz vor dekadenten
westlichen Einflüssen. [laugh]

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Re: Passkontrolleinheiten - PKE

Beitragvon Nostalgiker » 29. November 2016, 17:52

Also das Diskotheken bzw. 'Schallplattenunterhalter' wie die DJ offiziell hießen nun mit konfiszierten LP's vom Zoll "versorgt" wurden höre ich so zum ersten mal .....

Und konfisziert wurde auch nur wenn kontrolliert wurde .....
Da frage ich mich doch glatt wie wir Mitte der 60ger Jahre und später an die begehrten Platten gekommen sind .......
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Re: Passkontrolleinheiten - PKE

Beitragvon karnak » 29. November 2016, 18:01

"Schallplattenunterhalter" in der DDR haben nicht mit Schallplatten gearbeitet, wie denn auch, sie hätten das vom Publikum erwartete und geforderte Programm gar nicht bieten können, trotz der ganzen konfiszierten Platten [flash] , sie haben mit Tonbandaufzeichnungen gearbeitet.
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Re: Passkontrolleinheiten - PKE

Beitragvon Nostalgiker » 29. November 2016, 18:17

Ich weiß ja nicht in welchen Diskotheken Du Dich rumgetrieben hast karnak.
Es war der Stolz eines jeden Diskothekers seine Vinyl Schätze sichtbar aufzubauen und auch Titel davon zu spielen. Je nach dem wie viele Platten er hatte konnte er einen Großteil des Musikprogramms davon bestreiten.
Mir sehr gut bekannten DJ habe ich auch ab und an mit LPs "ausgeholfen" und damit meine ich nicht Amiga LPs oder Quartett-Singles .....
Das war allerdings in der Zeit so um '70 bis in die zweite Hälfte der 70ger. Danach bin ich nicht mehr in Diskotheken gegangen, die sogenannte 'Disko' Musik war nicht meins und ich habe es auch nie verstehen können wieso Leute für Platten mit dieser Musik einen Haufen Geld ausgeben konnten ......

Ansonsten wurde mit Tonband "gearbeitet". Nur dass das Musikmaterial meistens von Platte überspielt war .......
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Re: Passkontrolleinheiten - PKE

Beitragvon karnak » 29. November 2016, 18:35

[grin] Ich habe mich nur ungern in Diskotheken rumgetrieben, nur wegen der Mädels war ich mal dort, ich war ein Konzert und Ostrockfan. In denen ich war lief die Musik jedenfalls vom Band. Eben die Musik die das Publikum hören wollte.
Mir ist es völlig unerklärlich wie der Zoll der DDR und die Schmuggler so viele entsprechende Platten in die DDR geschafft haben sollen, dass die Schallplattenunterhalter damit versorgt werden konnten.
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Re: Passkontrolleinheiten - PKE

Beitragvon karnak » 29. November 2016, 18:45

Nostalgiker hat geschrieben:Nur dass das Musikmaterial meistens von Platte überspielt war .......

In meiner Zeit jedenfalls boten entsprechende Westsender Programme an in denen die entsprechenden Titel durch den Moderator mit einer Pause davor und danach gespielt wurden damit man sie besser mitschneiden konnte. Und die wurden dann in den DDR Diskotheken gespielt.
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Re: Passkontrolleinheiten - PKE

Beitragvon Spartacus » 29. November 2016, 18:50

Ich weiß ja nicht in welchen Diskotheken Du Dich rumgetrieben hast karnak.
Es war der Stolz eines jeden Diskothekers seine Vinyl Schätze sichtbar aufzubauen und auch Titel davon zu spielen. Je nach dem wie viele Platten er hatte konnte er einen Großteil des Musikprogramms davon bestreiten.


Beachte die Zeit mein lieber Nostalgiker [hallo]

Ende der 70iger Jahre hatten bei uns alle DJ`s mal mindestens 2 JVC - Kassettendecks, wenigstens 4 Boxen von Bose und ein Mischpult. Gespielt wurden zum Teil eigene Mitschnitte, oder
Original Kassetten aus dem Westen. Ich war damals ganz nahe dran, ein Kumpel bekam damals nämlich genau diese Ausstattung aus dem Westen ( damals auch ein paar tausend DM)
die er sich gewünscht hatte und war dann, nach der bestandenen Prüfung, ein gemachter Mann. Verdiente pro Abend 160 Mark und er spielte praktisch jeden Abend.

Der hatte das höchste Leben im Sozialismus, nur Klamotten aus dem Ex, super Wartburg, Tennis spielen und surfen, war in diesen Kreisen in. Von den Weibern reden wir da noch gar
nicht.

Mit der Wende, kam dann auch für ihn die persönliche Wende, denn er stürzte total ab, wie ich gehört habe.

LG

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Re: Passkontrolleinheiten - PKE

Beitragvon Interessierter » 4. April 2017, 11:26

@karnak:

Moin Krischan,
wie man anhand der Stasiakten erfahren hat, wurden anhand der Fotos ca. 60.000 Pässe von BRD - Bürgern jahrzehntelang kopiert und dienten dann auch als Identität für Stasiagenten.

Hast Du auch Pässe kopiert, woher stammten die Kopierer und wenn ja wieviele ungefähr hast Du kopiert? Die Abkürzung PKE hat dann sicher auch für Pass-Kopier-Einheit gestanden.. [grins]
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Re: Passkontrolleinheiten - PKE

Beitragvon karnak » 4. April 2017, 14:56

[grin] Ich denke mal mit kopierten Pässen hätten die entsprechenden Leute nicht viel anfangen können. Aber es wurde bei verschiedenen Fahndungsobjekten in unserer Kartei die Maßnahme "Dokumentation der Reisedokumente " angewiesen. Dafür hatten wir spezielle Fotodokumentationstechnik sowjetischer Bauart, offensichtlich von der, aus den Agentenfilmen bekannten, Minnox abgekupfert.
Ansonsten erschienen bei uns ab und an geheimnisvolle Mitstreiter, ganz offensichtlich in frisch verpasster Uniform und das Tragen einer solchen ungewohnt [flash] . Die schleppten dicke Koffer mit extremer westlicher Fototechnik in die Fahndungsräume, bauten die dort auf, stellten sich hinter die Fahnder und ließen sich ab und an mal einen Pass geben. Nach welchen Kriterien, keine Ahnung. Jedenfalls haben sie die aufwendig fotografiert und manchmal, ich habe das beobachtet, eine winzige Ecke von den Seiten entfernt und eingetütet. Ich habe immer angenommen sie wollen die Pässe irgendwie selbst produzieren, zumindest war das mein Eindruck. Gefragt habe ich logisch nicht und erzählt hat man es mir auch nicht, die Leute sind irgendwann einfach wieder verschwunden.
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Re: Passkontrolleinheiten - PKE

Beitragvon Interessierter » 4. April 2017, 15:39

Danke für die interessante Antwort.
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Re: Passkontrolleinheiten - PKE

Beitragvon Interessierter » 21. Juni 2017, 14:44

Um den Thread über Domaschk nicht zu zerschießen, hier noch einmal das Zitat des Oberst Fügner aus dem Jahresbericht 1988:

Sieben Passkontrolleure der BV Potsdam, Abt. VI, PKE Drewitz begingen zum Teil gemeinschaftlich handelnd strafbare Handlungen, in dem sie unter Missbrauch ihrer Dienstbefugnisse Devisenmanipulationen zur persönlichen Bereicherungen begingen und von Transitreisenden Konsumgüter und Genussmittel unberechtigt entgegennahmen.

In Auswertung dieses Sachverhaltes wurden unter anderem drei Angehörige aus disziplinarischen Gründen aus dem MfS entlassen!


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Re: Passkontrolleinheiten - PKE

Beitragvon Interessierter » 21. Juni 2017, 14:56

Um den Thread über Domaschk nicht zu zerschießen, hier noch einmal das Zitat des Oberst Fügner aus dem Jahresbericht 1988:

Sieben Passkontrolleure der BV Potsdam, Abt. VI, PKE Drewitz begingen zum Teil gemeinschaftlich handelnd strafbare Handlungen, in dem sie unter Missbrauch ihrer Dienstbefugnisse Devisenmanipulationen zur persönlichen Bereicherungen begingen und von Transitreisenden Konsumgüter und Genussmittel unberechtigt entgegennahmen.

In Auswertung dieses Sachverhaltes wurden unter anderem drei Angehörige aus disziplinarischen Gründen aus dem MfS entlassen!


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Re: Passkontrolleinheiten - PKE

Beitragvon karnak » 21. Juni 2017, 14:56

Na bitte, dass ist doch schon mal was und was hast Du mir mit dieser Faktenlage vorgeworfen, dass ich diese Kaderfragen nicht kannte und das sich daraus logisch ergibt, dass ich auch andere den unmittelbaren Arbeitsgegenstand betreffende Fakten nicht gewusst haben muss?
In jedem Fall zeigen diese Fälle, dass die Geschichte des"Wegnehmens und Teilen " die hier schon angebracht wurde nicht unbedingt geduldet wurde.
" Denn sie hassen am Andersdenkenden nicht nur die andere Meinung, zu der er sich bekennt,sondern auch die Vermessenheit, selbst urteilen zu wollen. Was sie ja doch selbst nie unternehmen und im Stillen sich dessen bewusst sind."
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Re: Passkontrolleinheiten - PKE

Beitragvon karnak » 21. Juni 2017, 15:25

karnak hat geschrieben:[grin] Ist jetzt die neue Masche mich in eine Falle laufen zu lassen? Wenn das so war und es Belege dafür gibt, gut, ich weiß und wusste davon nichts, mir ist so ein Fall nicht untergekommen oder bekanntgeworden. Wie überall auf der Welt dürfte man solche Personalfragen nicht öffentlich gemacht haben und aus sieben Fällen in weiß ich nicht wie vielen Jahren und einigen Hundert Angehörigen dürfte man auch nicht von einem flächendeckenden Vorgehen ausgehen, eher von unrühmlichen Ausnahmen. UND, das Entscheidende, durch die" verbrecherische Organisation" wurden doch wohl einschneidende Konsequenzen gezogen und entschieden dagegen vorgegangen.

Jetzt habe ich gefunden was ich zu dem Thema geschrieben habe nachdem ich in Deine gestellte Falle getappt bin, dem habe ich auch heute nichts hinzuzufügen.
Zu dem Zeitpunkt hast Du übrigens raffinierter weise den auswertenden Oberst , das Aktenzeichen und das Jahr des Berichtes weggelassen, ich vermute mal ohne Dir was dabei zu denken. [grin] Aber diesmal ist es ja dabei.
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