Todesfälle außerhalb des Grenzgebietes

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Re: Todesfälle außerhalb des Grenzgebietes

Beitragvon Interessierter » 1. Februar 2017, 10:16

Sabine Schmidt

Nach der Rückkehr aus dem Urlaub fanden die Eltern Sabine Schmidt am 13. März 1977 in ihrer Berliner Wohnung tot auf. Die 22-Jährige nahm sich das Leben, nachdem ihr die DDR-Behörden eine Ausreise nach West-Berlin verweigert hatten und sich ein geplanter Fluchtversuch nicht verwirklichen ließ.


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geboren am 5. Juni 1954 in Berlin
Suizid Anfang März 1977
Ort des Zwischenfalls: Berlin, Prenzlauer Berg (Berlin)


Sabine Schmidt wuchs als Tochter eines Bäckermeisters und Konditors und seiner Frau, einer gelernten Verkäuferin und Buchhalterin, in Ost-Berlin und Dahlewitz auf. Ihre Eltern führten bis zum Beitritt in die Produktionsgenossenschaft des Handwerks (PGH) eine eigene Bäckerei im Prenzlauer Berg. Danach zog die Familie nach Dahlewitz, Kreis Zossen. Dort besuchte Sabine Schmidt bis 1965 die Oberschule. Zurück in Ost-Berlin schloss sie ihre schulische Ausbildung 1971 mit der 10. Klasse an der 21. Oberschule Prenzlauer Berg ab und absolvierte eine Lehre als Medizinisch Technische Assistentin (MTA) in der Radiologie der Charité, bei der sie gute Noten erreichte. Hernach arbeitete sie als Röntgenassistentin in der dortigen Unfallröntgenabteilung. Seit 1968 gehörte sie der FDJ an und sang zwei Jahre lang im „Hermann-Dunker-Chor“. Im FDGB nahm sie die Funktion eines „Kulturobmannes“ wahr. Ende 1976 wollte sie aus der Gewerkschaft austreten, wovon sie ein vorgesetzter Arzt abhielt.

Seit Mitte 1975 waren Sabine Schmidt und Jochen F. ein Paar. F. gelang am 28. Mai 1976 die Flucht aus Ost- nach West-Berlin. Seine Freundin wollte ihm folgen und stellte einen Ausreiseantrag. Darin schrieb sie: „Mit wachsendem Alter bildete sich bei mir immer mehr die Überzeugung, daß ich mit den Ansichten und Praktiken dieses Staates niemals übereinstimmen werde. Ich habe die Absicht, mein Leben nach meinen eigenen persönlichen Anschauungen zu gestalten, und deshalb entspricht dieser Antrag meinen reinen persönlichen sowie menschlichen Anschauungen von Freiheit.“ Sie habe den starken Wunsch nicht nur die Bundesrepublik, sondern „noch andere Staaten und andere Menschen kennenzulernen“. Sie betonte weiter, dass die DDR als Mitglied der Vereinten Nationen sowie in „ihrer aktiven Mitarbeit zur Verwirklichung der Menschenrechte in der Welt und der sich daraus ergebenden Verpflichtungen für jeden Staat“ keinen Grund habe, ihren Ausreiseantrag abzulehnen. Doch genau das geschah.

Ihr Freund und eine in West-Berlin lebende Tante versuchten daraufhin, Mittel für ein kommerzielles Fluchthilfeunternehmen aufzubringen. Als ihr Fluchtvorhaben nicht zustande kam, nahm sich Sabine Schmidt das Leben. Das Institut für gerichtliche Medizin der Charité stellte als Todesursache die Einnahme einer Überdosis des Medikaments Kalypnon fest. Zum Zeitpunkt des Todes lag keine Alkoholeinwirkung vor. Ein Offizier des Staatssicherheitsdienstes vermerkte am Ende des Untersuchungsvorgangs zum Todesfall: „Notizen der S. weisen darauf hin, daß geplante Ausschleusungen der S. nicht realisiert wurden.“

Nachdem westliche Zeitungen ausführlich über den Todesfall berichtet hatten, sicherte der Staatssicherheitsdienst die Trauerfeierlichkeit im Krematorium Baumschulenweg und die Urnenbeisetzung in Dahlewitz mit starken Kräften und Inoffiziellen Mitarbeitern ab. Die Trauergäste sollten fotografiert und identifiziert werden. Die Volkspolizei hatte zu verhindern, dass westliche Journalisten sich der Trauerfeier nähern könnten. Für den Fall, dass Sabine Schmidts Freund aus West-Berlin zu den Trauerfeierlichkeiten anreisen würde, plante der Staatssicherheitsdienst seine Festnahme.

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Berichterstattung im Westen Quelle: Axel Springer Unternehmensarchiv

http://www.fu-berlin.de/sites/fsed/Das- ... index.html
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Re: Todesfälle außerhalb des Grenzgebietes

Beitragvon Interessierter » 7. Februar 2017, 10:12

Kurt Schwerin

Ein fahnenflüchtiger Soldat der Sowjetarmee schoss Kurt Schwerin nieder, als dieser ihn in einer Gaststätte an der Flucht hindern wollte.

geboren am 25. Dezember 1941
erschossen am 23. Dezember 1967
Ort des Zwischenfalls: Salzwedel (Sachsen-Anhalt)


Am Abend des 23. Dezember 1967 fahndeten sowjetische und deutsche Sicherheitskräfte nach zwei desertierten Angehörigen der Sowjetarmee. Die beiden 21-jährigen Soldaten, Untersergeant Wladimir K. und Walerie Wladimirowitsch D. waren am 22. Dezember gegen 3.00 Uhr mit einem Geländewagen (GAS 69) schwer bewaffnet aus der Kaserne der 47. Panzerdivision in Hillersleben (Sachsen-Anhalt) desertiert. In dem Fahrzeug befanden sich 17 aus der Waffenkammer entwendete Pistolen, ein Maschinengewehr und eine Kiste Munition. Bei ihrem Ausbruch aus dem Kasernengelände erschossen die beiden Deserteure einen Leutnant. Nach der Entdeckung des Fluchtfahrzeugs in Salzwedel erklärte die Volkspolizei das Kreisgebiet zum Fahndungsschwerpunkt. Das Kommando der Grenztruppen löste Alarmbereitschaft im nahe gelegenen Grenzgebiet aus, da man einen Durchbruch der Fahnenflüchtigen in die Bundesrepublik erwartete.

Am 23. Dezember 1967 gegen 21.00 Uhr erkundigten sich zwei sowjetische Zivilisten bei dem Postangestellten Kurt B. nach einer Gaststätte. Er wies ihnen den Weg zur Sportlerkneipe „Flora“ und alarmierte, da er Verdacht schöpfte, sofort die Volkspolizei. Ein Oberleutnant der Sowjetarmee und zwei Volkspolizisten fuhren daraufhin zum Lokal, ein Schützenpanzerwagen sollte ihnen folgen.

In dem Lokal, das zum Sportplatz der BSG Motor Salzwedel gehörte, befanden sich an diesem Vorweihnachtsabend nur sechs bis acht Gäste. Neben dem Gastwirt war hier auch Kurt Schwerin beschäftigt, der abends als „Rausschmeißer“ für Ordnung sorgte. Der ledige Maurer arbeitete bei der Reichsbahn-Hochbaumeisterei in Salzwedel. Wegen eines Fluchtversuchs aus der DDR und Körperverletzung war er vorbestraft. Vermutlich verstummten die Gespräche, als zwei Fremde das Lokal betraten und in gebrochenem Deutsch ihre Bestellung aufgaben. Waren es etwa die gesuchten Deserteure? Als dann plötzlich die beiden Volkspolizisten und der sowjetische Oberleutnant in der Tür standen ging alles ganz schnell.

Einer der beiden jungen Burschen sprang sofort auf und flüchtete durch den Hinterausgang, während der andere das Feuer aus einer Pistole eröffnete. Bei dem Schusswechsel mit dem sowjetischen Oberleutnant erlitt dieser einen Brustdurchschuss. Auch der Gastwirt brach von einer Kugel im Beckenbereich getroffen schwer verletzt zusammen. Der Schütze stürzte danach ebenfalls zum Hinterausgang. Dazu musste er zunächst durch das Versammlungszimmer des Lokals. Kurt Schwerin folgte ihm und betrat den Raum, in dem kein Licht brannte. Er hörte noch, dass sich irgendwo im Dunkeln jemand bewegte. Offenbar suchte der Geflüchtete die Hintertür. Dann fiel ein Schuss, der Kurt Schwerin in den Kopf traf. Er war sofort tot. Der Schütze entkam.

Am 25. Dezember 1967 spürten Sicherheitskräfte die beiden Deserteure gegen 11.30 Uhr in einer Scheune bei Klein Gartz, nur zwölf Kilometer von der Grenze entfernt, auf und nahmen sie fest, ohne dass es zu einem weiteren Schusswechsel kam. An diesem Tag wäre Kurt Schwerin 26 Jahre alt geworden. Der sowjetische Generalmajor Putejew und der Vorsitzende des Rates des Kreises kondolierten der Familie von Kurt Schwerin. Seine Beisetzung erfolgte am 29. Dezember in Salzwedel.

http://www.fu-berlin.de/sites/fsed/Das- ... index.html
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