Asoziale im »real existierenden Sozialismus« der DDR.

Wie lief der Alltag in beiden deutschen Staaten zur Zeit der Teilung ab? Wie wurde gearbeitet? Was waren typische Berufe? Was wurde nach Feierabend gemacht? Wohin gings in den Urlaub?
Dies ist der Bereich zum Thema "Alltag"

Re: Asoziale im »real existierenden Sozialismus« der DDR.

Beitragvon Kumpel » 4. April 2016, 08:23

Thoth hat geschrieben:.............................

Von der ständig betrunkenen und pepissten Alten ein Stockwerk höher will ich nicht auch noch anfangen .......
..............................


Wo hast du denn gewohnt? An den ständig betrunkenen und (b)pepissten Alten über dir ist dann wohl die sozialistische Fürsorge völlig vorbei gelaufen?
Du hattest doch stets behauptet diese Art der menschlichen Verwahrlosung gab es nicht im Arbeiter- Bauern und Rentnerparadies.
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Re: Asoziale im »real existierenden Sozialismus« der DDR.

Beitragvon Nostalgiker » 4. April 2016, 08:45

Kumpelchen, das habe ich nie behauptet, du phantasierst dir einiges zusammen.

Es gab solche Menschen, nur nicht flächendeckend und sie bestimmten auch nicht das Strassenbild wie du und andere User unter anderem hier weismachen möchten ......

Noch eine einfache Rechenaufgabe für dich:

das arbeitsscheue Ehepaar wohnte in der ersten Etage, die betrunkene Alte eine Etage darüber.
In welcher Etage wohnte die Alte und in welcher könnte ich gewohnt haben?
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Re: Asoziale im »real existierenden Sozialismus« der DDR.

Beitragvon Kumpel » 4. April 2016, 08:57

Nun zeige mir bitte einmal wo ich jemals behauptet habe , das diese Armut in der DDR flächendeckend war und das Strassenbild bestimmte.
Du bist und bleibst ein Verdreher und Hetzer.
Arme Alte in heruntergekommenen Behausungen habe ich in meiner Kleinstadt jedenfalls mehrere gekannt und als Montagearbeiter sind mir die verwahrlosten Alten regelmäßig auf den Bahnhöfen in den Mitropas begegnet.In andere Kneipen hatte man die meistens nämlich nicht rein gelassen.
Und kaum ein DDR Bürger hatte sich damals über diese Alten aufgeregt oder sich an deren Elend gestört, es wurde von der Mehrheit als normal hingenommen.
Im Gegenteil, sie wurden oft noch von der ach so solidarischen sozialistischen Volksgemeinschaft geringschätzig behandelt.
Zuletzt geändert von Kumpel am 4. April 2016, 09:08, insgesamt 4-mal geändert.
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Re: Asoziale im »real existierenden Sozialismus« der DDR.

Beitragvon HPA » 4. April 2016, 08:59

Merkur hat geschrieben:
HPA hat geschrieben:Und damit stand man in bester Tradition zu den Nationalsozialisten. Aktion Arbeitsscheu Reich lässt grüßen


Das ist doch dummes Geschwätz. Es gibt sicher tausende von Dingen in beiden deutschen Staaten, die sich als "in bester Tradition zu den Nationalsozialisten" auslegen lassen.
Fakt ist, dass der Staat DDR die Menschen und deren Eigentum vor denjenigen zu schützen hatte, die aus Arbeitsscheu keiner Tätigkeit nachgingen und sich auf Kosten anderer durchs Leben schlugen.


Ahh, und das ist also ein Grund, eine Gruppe pauschal zu kriminalisieren? Ich kann mich erinnern, da genügte es, als asozial oder als " Rowdy" eingestuft zu werden, wenn man männlicherseits etwas zu lange Haare hatte.

Da spielte es auch keine Rolle, ob man einer geregelten Arbeit nachging oder nicht.
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Re: Asoziale im »real existierenden Sozialismus« der DDR.

Beitragvon Volker Zottmann » 4. April 2016, 09:06

Thoth hat geschrieben:
Das Rot markierte:
Bei dir wäre das ja dann kein Problem gewesen!!!! hattest du deshalb unter anderem einen "SED-Ausweis"? Genosse Zottmann?

Ich danke Dir, dass Du im Konjunktiv geschrieben hast.

Gruß Volker
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Re: Asoziale im »real existierenden Sozialismus« der DDR.

Beitragvon Nostalgiker » 4. April 2016, 09:08

HPA hat geschrieben:
Merkur hat geschrieben:
Ahh, und das ist also ein Grund, eine Gruppe pauschal zu kriminalisieren? Ich kann mich erinnern, da genügte es, als asozial oder als " Rowdy" eingestuft zu werden, wenn man männlicherseits etwas zu lange Haare hatte.



Ach und von welchem Zeitraum spricht du genau?
Dann müßten ab um 1970 fast alle männlichen Jugendlichen ab 12 Jahren wegen ihrer Haarlänge als Rowdy und damit als asozial eingestuft worden sein.
Schau dir mal Bilder aus der Zeit von 1970 bis 1989 an, dann erkennst du das du einfach nur Quatsch schreibst .....
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Re: Asoziale im »real existierenden Sozialismus« der DDR.

Beitragvon Nostalgiker » 4. April 2016, 09:17

Volker Zottmann hat geschrieben:
Thoth hat geschrieben:
Das Rot markierte:
Bei dir wäre das ja dann kein Problem gewesen!!!! hattest du deshalb unter anderem einen "SED-Ausweis"? Genosse Zottmann?

Ich danke Dir, dass Du im Konjunktiv geschrieben hast.

Gruß Volker


Im Gegensatz zu dir, der gerne für seine Unterstellungen den Indikativ oder Imperativ benutzt, bin ich so nett und benutze den Konjunktiv
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Re: Asoziale im »real existierenden Sozialismus« der DDR.

Beitragvon Volker Zottmann » 4. April 2016, 09:18

Na Thoth,
gerade lobe ich Dich, da schreibst Du wieder nur um zu stänkern an HPA Unsinn.
Du weißt genau, wann auf Langhaarige Jagd gemacht wurde. Wann unter Umständen die Hare sofort ratz fatz abgeschnitten wurden. Paar Jahre früher! (Für unsere jüngeren Leser) ab 1965 kam langsam längeres Haar auf. Selbst in meiner Schule, danach Berufsschule wurde nicht nur deswegen gezetert.
Ein Langhaariger, den ich hier schon erwähnte, bekam regelmäßig deshalb mit der Staatsmacht Ärger, den redete man auch zum Asozialen, obwohl er arbeitete.

Gruß Volker
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Re: Asoziale im »real existierenden Sozialismus« der DDR.

Beitragvon Nostalgiker » 4. April 2016, 09:28

Dummerweise war aber HPA zu der Zeit, 1962 bis 1966/67, wenn überhaupt, mit einer Trommel ausgerüstet um damit um den Weihnachtsbaum zu hirschen. Da hat ihn wegen seiner Naturlocken keiner als Rowdy und Asozial abgestempelt. Es sei denn er hat den Weihnachtsbaum umgeschmissen und dann schritten gegen den Rowdy die Erziehungsberechtigten ein .......
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Re: Asoziale im »real existierenden Sozialismus« der DDR.

Beitragvon augenzeuge » 4. April 2016, 09:32

Thoth, mit solche Geschichten wirst du noch ein Edelknabe. [grin]
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Re: Asoziale im »real existierenden Sozialismus« der DDR.

Beitragvon HPA » 4. April 2016, 09:35

In Deiner dummdreisten Pöbelei hast Du noch nocht einmal bemerkt , was ich wie geschrieben habe.

Ich hoffe ,Du kannst unterscheiden zwischen " ich kann mich erinnern" und " ich habe erlebt"

Und ich kann mich noch sehr gut an die Erzählungen eines Familienmitglieds erinnern, der da von Staates wegen mit dieser Klientel zu tun hatte.

Witzigerweise lief sein eignener Bruder genauso herum wie beschrieben und erfreute sich steigender Aufmerksamkeit seitens der Ordnungsmacht.
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Re: Asoziale im »real existierenden Sozialismus« der DDR.

Beitragvon Nostalgiker » 4. April 2016, 09:46

Ausgerechnet Du wirfst anderen Usern "dummdreiste Pöbelei" vor?
Das ist wirklich dreist von dir.
Sich unkorrekt ausdrücken und den Hinweis darauf als Pöbelei klassifizieren HPA? Du machst einem echt Freude mit deiner Art. Aber die ist hier allzu gut bekannt.

Ein nicht näher erklärtes "ich kann mich erinnern" verweist auf ein "ich habe es erlebt" und nicht darauf mir wurde es erzählt du Schlaumeier.
dann hättest schon der Richtigkeit wegen schreiben müssen; ich kann mich daran erinnern das mir folgendes..... erzählt wurde

HPA hat geschrieben:Ich kann mich erinnern, da genügte es, als asozial oder als " Rowdy" eingestuft zu werden, wenn man männlicherseits etwas zu lange Haare hatte.
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Re: Asoziale im »real existierenden Sozialismus« der DDR.

Beitragvon HPA » 4. April 2016, 09:53

Thothi, Wie Du das interpretierst in Deiner wahnhaften Wortklauberei , ist mir eigentlich völlig schnurz. [grin]
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Re: Asoziale im »real existierenden Sozialismus« der DDR.

Beitragvon Nostalgiker » 4. April 2016, 10:07

Wenn es dir angeblich so "Schnurz" ist, warum echauffierst du dich dann so und unterstellst dummdreiste Pöbelei?
Erkenne den Widerspruch in deinen eigenen Aussagen!
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Re: Asoziale im »real existierenden Sozialismus« der DDR.

Beitragvon Jago » 4. April 2016, 10:14

So viel 1969 zur Haarschneideaktion http://poessneck.otz.de/web/lokal/leben ... 1941202131

gruß jago
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Re: Asoziale im »real existierenden Sozialismus« der DDR.

Beitragvon Kumpel » 4. April 2016, 10:44

Bei uns im Haus wohnte eine ledige Frau mit Kind , die ging Arbeiten und mochte Männer sehr gerne. Alles soweit in Ordnung.
Bis sie plötzlich einen LKW Fahrer aus Belgien kennen lernte der hier mit seinem großen LKW wöchentlich Schweine abholte und heiraten wollte um nach Belgien auszureisen.
Da besannen sich plötzlich die fürsorglichen sozialistischen Behörden ihrer zahlreichen Liebschaften und rieten Ihr auch speziell mit dem belgischen Gigolo Schluss zu machen .
Ansonsten müsste man die Kinder vor ihr schützen und in staatliche Obhut nehmen.
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Re: Asoziale im »real existierenden Sozialismus« der DDR.

Beitragvon HPA » 4. April 2016, 10:53

Jago hat geschrieben:So viel 1969 zur Haarschneideaktion http://poessneck.otz.de/web/lokal/leben ... 1941202131

gruß jago



Über die willkürliche Haarschneideaktion von 1969 redet kein Pößnecker gern, in Triptis und Neustadt hält sich das Mitteilungsbedürfnis ebenso in Grenzen. Die Pößnecker Kunstwerkstadt-Aktion zu dem beschämenden historischen Ereignis, die mit einem öffentlichen Haareschneiden ihren Höhepunkt fand, hat ein paar Details mehr ans Licht der Öffentlichkeit gebracht.


Wohl wahr. Da ist man ob dieses faschistoiden Handelns schnell der kollektiven Amnesie anheim gefallen

Das sind schon interessante Kontinuitäten.
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Re: Asoziale im »real existierenden Sozialismus« der DDR.

Beitragvon HPA » 4. April 2016, 10:54

Kumpel hat geschrieben:Bei uns im Haus wohnte eine ledige Frau mit Kind , die ging Arbeiten und mochte Männer sehr gerne. Alles soweit in Ordnung.
Bis sie plötzlich einen LKW Fahrer aus Belgien kennen lernte der hier mit seinem großen LKW wöchentlich Schweine abholte und heiraten wollte um nach Belgien auszureisen.
Da besannen sich plötzlich die fürsorglichen sozialistischen Behörden ihrer zahlreichen Liebschaften und rieten Ihr auch speziell mit dem belgischen Gigolo Schluss zu machen .
Ansonsten müsste man die Kinder vor ihr schützen und in staatliche Obhut nehmen.


Lass mich raten. Da hattet ihr sicherlich einen immer sehr mitteilungsbedürftigen Hausblockwart.
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Re: Asoziale im »real existierenden Sozialismus« der DDR.

Beitragvon Merkur » 4. April 2016, 11:22

Kumpel hat geschrieben:Bei uns im Haus wohnte eine ledige Frau mit Kind , die ging Arbeiten und mochte Männer sehr gerne. Alles soweit in Ordnung.
Bis sie plötzlich einen LKW Fahrer aus Belgien kennen lernte der hier mit seinem großen LKW wöchentlich Schweine abholte und heiraten wollte um nach Belgien auszureisen.
Da besannen sich plötzlich die fürsorglichen sozialistischen Behörden ihrer zahlreichen Liebschaften und rieten Ihr auch speziell mit dem belgischen Gigolo Schluss zu machen .
Ansonsten müsste man die Kinder vor ihr schützen und in staatliche Obhut nehmen.


Wo ist der Bezug zur Asozialiät ?
Der Vorteil der Klugheit besteht darin, dass man sich dumm stellen kann. Das Gegenteil ist schon schwieriger.
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Re: Asoziale im »real existierenden Sozialismus« der DDR.

Beitragvon HPA » 4. April 2016, 11:32

Ach komm. Nun tu mal nicht so unwissend. Solche Personen wurden doch recht schnell mit dem Merkmal" HWG" bedacht. Und das rangierte auf der gleichen Stufe wie " asozial"

In der DDR war alles, was irgendwie von einer bestimmten "Norm" abwich, verdächtig.

Ich fand das lustig als wir während der Wendezeiten und kurz danach mit unseren selbstgebauten Ultralights loszogen. Und selbsternannte zumeist ältliche " Inspekteure" die Hände auf dem Rücken verschränkt unser Tun " inspizierten"

Standardspruch: " Ist das denn erlaubt?" [flash]

Die haben dann mit hoher Wahrscheinlichkeit zuhause heimlich ins Kissen geweint, weil ihnen der Laden abhanden gekommen war wohin man ansonsten diensteifrig gemeldet hatte.

Und nun die Bedeutungslosigkeit des eigenen Handelns vor Augen geführt wurde.
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Re: Asoziale im »real existierenden Sozialismus« der DDR.

Beitragvon AkkuGK1 » 4. April 2016, 11:58

Merkur hat geschrieben:
Kumpel hat geschrieben:Bei uns im Haus wohnte eine ledige Frau mit Kind , die ging Arbeiten und mochte Männer sehr gerne. Alles soweit in Ordnung.
Bis sie plötzlich einen LKW Fahrer aus Belgien kennen lernte der hier mit seinem großen LKW wöchentlich Schweine abholte und heiraten wollte um nach Belgien auszureisen.
Da besannen sich plötzlich die fürsorglichen sozialistischen Behörden ihrer zahlreichen Liebschaften und rieten Ihr auch speziell mit dem belgischen Gigolo Schluss zu machen .
Ansonsten müsste man die Kinder vor ihr schützen und in staatliche Obhut nehmen.


Wo ist der Bezug zur Asozialiät ?



das frag mal die Genossen die das der damals ins Ohr geflüstert haben...
König von Deutschland, das kann ich mir richtig vorstellen, die Gefängnisse wären voll mit Gesperrten - ich bin raus.
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Re: Asoziale im »real existierenden Sozialismus« der DDR.

Beitragvon Interessierter » 3. Mai 2016, 12:41

Der 2013 verstorbene Pfarrer Walter Schilling und seine Erfahrungen mit dem Paragraphen 249 und die Offene Arbeit in Thüringen

Walter Schilling gilt als Institution im Thüringer Raum. Der Pfarrer, Jahrgang 1930 und inzwischen im Ruhestand, war einer der ersten, der die kirchliche Jugendarbeit für Unangepasste öffnete und in der Provinz um mehr Offenheit und Verständnis für unbequeme Lebensentwürfe warb. Seit Ende der sechziger Jahre bot er mit seiner Offenen Arbeit in Rudolstadt Jugendlichen einen Raum, die sich sonst nirgendwo treffen konnten, durch ihre Lebensweise ausgegrenzt und als "Asoziale" kriminalisiert waren. Angefangen hat alles mit einigen Langhaarigen, die sich am Rudolstädter Bahnhof trafen. 1969 fand in der Stadtkirche ein erster Gottesdienst statt, der von den Jugendlichen selbst gestaltet wurde.

Statt "Halleluja-Liedlein" spielte die Beat-Band Medianas. Nach einigen Jahren schon galt Schillings Kirche und das Rüstzeitheim im naheliegenden Braunsdorf als Pilgerstätte für die wachsende Tramper-Szene, die sich den Idealen des Hippietums verschrieben hatte. Gleichgesinnte aus der ganzen Republik trafen sich bei Walter Schilling, der mit seinen langen Haaren und seiner unkonventionellen Art große Sympathien unter den Jugendlichen errang.

Sie wollten ein freies Leben und selber bestimmen, ob, wo und wie sie sich am Arbeitsprozess beteiligten. Damit standen sie in der Gefahr, mit Hilfe des Paragraphen 249 des DDR-Strafgesetzbuches kriminalisiert zu werden. Einige wurden zu Arbeitserziehung verurteilt oder gerieten wegen staatsfeindlicher Hetze in Haft. Walter Schilling versuchte, den Betroffenen zu helfen.

Der vollständige Beitrag hier:
http://www.horch-und-guck.info/hug/arch ... -60/06004/

Dieser Pfarrer muss ein wunderbarer Mensch gewesen sein, wenn ich revuepassieren lasse, was ich über ihn gelesen habe.
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Re: Asoziale im »real existierenden Sozialismus« der DDR.

Beitragvon Interessierter » 1. September 2016, 13:20

Asozialität mit Tradition - Die Entstehung und Entwicklung des § 249 StGB der DDR

Sowjetische "Parasitengesetze" und Verordnung über Aufenthaltsbeschränkung

Ab 1959 gab es jedoch eine Gegenbewegung: Sowjetrepubliken erließen nun "Parasitengesetze", welche die Satellitenstaaten nachahmten. In der DDR hatte dies zwei Konsequenzen: Die Strafrechtsreformkomission musste ihre Arbeit wieder aufnehmen und als Sofortmaßnahme erließ am 24. August 1961 der Ministerrat der DDR die "Verordnung über Aufenthaltsbeschränkung", welche die Unterbringung von "Arbeitsbummelanten" in "Arbeitserziehungskommandos" ermöglichte. Dass eine Verordnung mit solch eingreifenden freiheitsbeschränkenden Maßnahmen durch ein Exekutivorgan erlassen werden konnte, ist kennzeichnend für einen Maßnahmestaat. Der sehr weite Tatbestand führte zum Streit um die Auslegung. Angelehnt an die sowjetische "Parasiten"-Topik beschrieben die eher stalinistischen DDR-Strafrechtler Renneberg und Lekschas "asoziales Verhalten" im Sozialismus als Nichtteilnahme an staatlich organisierter gesellschaftlicher Arbeit und stattdessen dem Leben von einem "aus irgendwelchen dunklen Kanälen fließendem Einkommen"9. Wie im sowjetischen Vorbild verschmolzen hier zwei Tätergruppen: Der durch ein Hängen am Privateigentum gekennzeichnete bürgerliche "Spekulant" und der (alte) subproletarische "Gemeinschädliche".

Renneberg und Lekschas wollten so die Verordnung zum Klassenkampf nutzen. Doch Ulbricht wollte Konsolidierung statt Klassenkampf im Inneren. Daher pfiff er die beiden zurück und zwang sie zu Selbstkritik.10 Auch aus der Generalstaatsanwaltschaft und anderen obersten Organen gingen Bemühungen gegen eine ausufernde Anwendung der Verordnung aus. Nachdem im letzten Quartal 1961 und im ersten Quartal 1962 jeweils über 400 Personen auf ihrer Grundlage verurteilt worden waren, gelang es, die Verurteilungen ab Mitte 1962 bis Mitte 1964 auf unter 200 pro Quartal zu halten. Die Verfahren trafen unter anderem Prostituierte, Nichtsesshafte, Personen, die keiner geregelten Arbeit nachgingen, und – als neue Zielgruppe – unangepasste Jugendliche. Da die Entscheidung für die Verordnung plötzlich und ohne logistische Vorbereitung gefallen war, waren die ersten Arbeitserziehungslager improvisiert, die Haftbedingungen schlecht, Arbeitskleidung, Möbel, Geschirr und sanitäre Einrichtungen mangelhaft. Die Arbeitszeit der Häftlinge betrug 48 bis 60 Wochenstunden, der Einsatz erfolgte bei schwerer körperlicher Arbeit beispielsweise im Braunkohletagebau, Gleisbau oder in Großbetrieben.

Während Paragraph 361 StGB (alt) nur die Nichtteilnahme an gemeinnützigen Arbeiten beim Empfang von Fürsorgeleistungen unter Strafe stellte, stand nunmehr schon das Ausscheiden aus dem Normal-Arbeitsprozess (im sozialistischen Kollektiv) unter dem Verdacht der "Arbeitsscheu" und war strafbar, wenn weitere Faktoren (Gefährdung der öffentlichen Ordnung) hinzukamen.

Anstieg der Verurteilungen unter Honecker

Die Anwendungspraxis war durch einen enormen Anstieg der Verurteiltenzahlen unter Honecker gekennzeichnet. Nachdem die Verurteilungen auf der Grundlage von Paragraph 249 StGB bis 1970 schon ca. 4 000 pro Jahr erreichten, und bis 1972 auf über 5 000 stiegen, explodierten sie 1973 auf über 14 000. 1974 bis 1978 fielen sie zwar wieder auf zwischen 7 000 und 8 000, blieben dann 1979 bis 1983 aber jeweils bei über 10 000 pro Jahr, um erst 1985 wieder auf unter 6 000 Fälle zu fallen.

Während in den Jahrzehnten zuvor Kollegen mit Problemen (z. B. Alkoholismus) vor Betriebsleitungen und Behörden eher gedeckt worden waren und in den Kollektiven integriert blieben und auch im Wohngebiet solche Probleme innerhalb der Nachbarschaften gelöst wurden, stieg nun die Bereitschaft, solche Abweichungen zu denunzieren und sich solcher Kollegen und Nachbarn zu entledigen, wozu das neue Strafrecht über Paragraph 249 ein geeignetes Mittel bot.

Die vollständige geschichtliche Abhandlung der Asozialität, auch der Bundesrepublik findet mn hier:
http://www.horch-und-guck.info/hug/arch ... 13-koenen/
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Re: Asoziale im »real existierenden Sozialismus« der DDR.

Beitragvon Interessierter » 1. September 2016, 17:11

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Re: Asoziale im »real existierenden Sozialismus« der DDR.

Beitragvon Interessierter » 23. November 2016, 16:55

"AsozialesVerhalten"

Stigmatisierung, Bevormundung und niedere Instinkte

Ein kleiner Fehler brachte Christel G. im Juli 1962 ins Visier der Stasi. Sie hatte einen Brief in den Westen falsch adressiert. Als er von der Bundespost zurückgeschickt wurde, fing ihn die Stasi ab und öffnete ihn. G. hatte an eine religiöse Sendung von Radio Luxemburg geschrieben und dort ihre materielle und seelische Not "in der sowj. Zone" beschrieben. Ihr Brief endet mit zwei Fragen: "Warum sind bei uns die Zuchthäuser voll? Und die Gotteshäuser leer?" Nach und nach werden immer mehr Briefe abgefangen. Dabei handele es sich, so die Stasi-Untersuchungsabteilung, um "Bettelbriefe mit verleumderischen Inhalt". Wenn man die Briefe irgendwie "offizialisieren" könnte, wäre auf dieser Grundlage "eine ernsthafte Auseinandersetzung" mit G. möglich.

Um offiziell tätig werden zu können, ohne dabei die konspirativen Methoden der Stasi zu verraten, wäre eine normale Strafanzeige nötig. So begibt sich Leutnant Werner D. von der MfS-Kreisdienststelle (KD) Stralsund nach B., einem kleinen Dorf am Barther Bodden. Hier stößt er schnell auf offene Ohren und viele redselige Nachbarn. Familie G. gehört zu den schwierigen Fällen des Dorfes: Der Mann trinkt zuviel Alkohol, Ordnung und Reinlichkeit der Wohnung sind unterhalb des Ortsdurchschnitts, der älteste Sohn droht in der Schule zurück zu bleiben. Nach der Ehescheidung nehmen die Probleme für die Gemeinde noch zu, da jetzt akut eine Wohnung fehlt. Christel G. gilt im Dorf als faul: Obwohl sie LPG-Mitglied sei, habe sie kaum auf dem Feld gearbeitet, sie kümmere sich zu wenig um ihre Kinder, auch würden bei ihr fremde Männer ein- und ausgehen. Vor allem aber kommt Neid auf: Mehrmals wöchentlich erhalte G. West­pakete.

Fast alle beteiligen sich gegenüber der Stasi an der Verleumdung: Die Lehrerin des älteren Sohnes, der LPG-Vorsitzende, der Bürgermeister, die Dorfverkäuferin und die Postfrau. Bürgermeister und LPG-Vorsitzender wittern ihre Chance zur radikalen Problemlösung. Bereitwillig schreiben sie am 22. Januar 1963 eine Strafanzeige, die ihnen von Leutnant D. diktiert wird. Die Stasi braucht noch einen Monat Zeit für diverse Formalien, bevor am 27. Februar eine offizielle Festnahme und Wohnungsdurchsuchung stattfindet. Gleichzeitig werden die beiden sechs- bzw. achtjährigen Söhne von Christel G. in ein Kinderheim gebracht.

In den Vernehmungen werden G. 45 "Bettelbriefe" zur Last gelegt und einige Westpakete. Tatsächlich hatte Christel G. in größerem Maße Briefe an allerlei von Radio Luxemburg benannte Adressen, aber auch an Dienststellen des Roten Kreuzes in der Bundesrepublik geschrieben und darin die Verhältnisse in der DDR genau mit solchen Schlagworten beschrieben, die sie im Westradio gehört hatte. Mit der Verwendung der im Westen erwarteten Klischees verband sie die Hoffnung auf materielle Zuwendung. An Belastungszeugen fehlt es nicht: Neben den Dorfbewohnern sagen auch ihr geschiedener Mann und selbst ihre Mutter gegen sie aus.

Dann geht alles ganz schnell: Einen Monat nach ihrer Festnahme fertigt die Stasi-Untersuchungsabteilung ihren Schlussbericht an, zwei Wochen später, am 16. April, erhebt der Bezirksstaatsanwalt in Rostock Anklage gegen Christel G. Am 9. Mai 1963 wird Christel G. schließlich vom 1. Strafsenat des Bezirksgerichtes Rostock "wegen fortgesetzter staatsgefährdender Propaganda und Hetze im schweren Fall (§ 19 Abs. 1 Ziff. 2, Abs. 2 und 5 StEG)" zu fünf Jahren Zuchthaus verurteilt. Ausweislich ihrer Akte hat sie ihre Strafe bis zum letzten Tag verbüßt – sie wird am 27. Februar 1968 entlassen.

Als Oppositionelle wird man Christel G. sicher nicht bezeichnen können, politisches Strafrecht exekutierte man an ihr dennoch: Paragraph 19 des Strafrechtsergänzungsgesetzes (StEG) vom 11. Dezember 1957 stellte "staatsgefährdende Propaganda und Hetze" unter Strafe und war eine klassische Norm politischer Strafjustiz in der DDR, bis 1968 das neue Strafgesetzbuch (StGB) in Kraft trat.2 Entscheidend für ihre überaus harte Verurteilung dürfte der Konsens gewesen sein, der zwischen den MfS-Interessen und den Bestrebungen der Gemeinde B. bestand. Anfangs hatte das MfS lediglich eine "ernsthafte Auseinandersetzung" mit ihr führen wollen und ein Ermittlungsverfahren ohne Haft erwogen. Doch Chris­tel G. galt als "arbeitsscheues Element", wie es in den Vernehmungsprotokollen immer wieder heißt. Alle offiziellen Stellen, die mit dem Fall befasst sind, begeben sich gleichsam auf die von Neid geprägte Klatsch- und Tratsch-Ebene. Die Lehrerin echauffiert sich, weil der älteste Sohn in der Schule mit Westgeschenken prahlt. Auch die Mitarbeiter des Stralsunder Jugendamtes, die im Scheidungsverfahren ein Jahr zuvor gar keine Einwände gegen Christel G. vorbrachten und sich für ihr Sorgerecht einsetzten, fühlen sich jetzt persönlich getäuscht, nachdem Christel G.s Söhne im Kinderheim ihren Widerstand damit ausdrückten, nur Lebensmittel aus dem Westen essen zu wollen. Und auch die beteiligten Stasi-Mitarbeiter fühlen sich bei der Brieflektüre offenbar persönlich beleidigt, da Christel G. nicht zögerte, allerlei Behauptungen, die sie keineswegs aus eigener Kenntnis aufstellen konnte, zur Schilderung ihrer Lage zu verwenden und damit – aus Sicht der Stasi-Ermittler – die DDR aufs schärfste verleumdete. Das führt letztlich zum Rückgriff auf "gesundes Volksempfinden" als Maßstab der Rechtsanwendung. Professionelle Distanz zum Geschehen sucht man hier vergebens.

http://www.horch-und-guck.info/hug/arch ... -60/06002/

So einfach konnte also die Stasi eine Bürgerin für 5 Jahre ins Gefängnis bringen und ihre beiden Kinder in ein Heim geben. Auch zeigt dieses Beispiel wieder einmal, wie weit das Denunziantentum in der DDR verbreitet war.
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Re: Asoziale im »real existierenden Sozialismus« der DDR.

Beitragvon Nostalgiker » 23. November 2016, 17:13

Gottseidank haben wir diese Verhältnisse Heutzutage nicht mehr.
Dafür haben wir Zivilgerichte welche mit ähnlich gelagerten "Klagen" von denunzierenden Nachbarn förmlich geflutet werden.
Sogar ganze Sparten des sogenannten "Reality Fernsehens" lebt von des Deutschen liebsten Hobby, dem Denunziantentum.
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Re: Asoziale im »real existierenden Sozialismus« der DDR.

Beitragvon Interessierter » 23. November 2016, 17:42

Man beachte bitte das Thema " Asoziale in der DDR "

[hallo]
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Re: Asoziale im »real existierenden Sozialismus« der DDR.

Beitragvon HPA » 23. November 2016, 17:45

das ist schon bemerkenswert wie ein User hier whataboutiert...naja, wenn die Argumente fehlen...
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Re: Asoziale im »real existierenden Sozialismus« der DDR.

Beitragvon Nostalgiker » 23. November 2016, 18:27

Ah ja, die sogenannte Asozialen der DDR wurden mit Schlag 3.10.1990 allesamt ehrsame, fleißige und verhaltensunaufällige Bürger der BRD .....
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Re: Asoziale im »real existierenden Sozialismus« der DDR.

Beitragvon Interessierter » 11. Mai 2017, 09:48

"Arbeitsscheue Staatsfeinde"

Die nachhaltige Krimina­li­sierung nonkonformer ­Jugendlicher in Weimar

An einem Mittwoch im­­­ Februar 1973 wird Edeltraud Brose von ihrer Arbeitsstelle in Weimar abgeholt. Volkspolizisten bringen die 19jährige in die örtliche Untersuchungshaftanstalt. Obwohl sie gerade zwei Wochen zuvor in einer Buchbinderwerkstatt eine neue Arbeit aufgenommen hat, wird der jungen Frau "arbeitsscheues Verhalten" vorgeworfen. Der Paragraph 249 des DDR-Strafgesetzbuches (StGB) sieht hierfür eine Freiheitsstrafe von bis zu zwei Jahren vor. Doch dieser Vorwurf ist nicht der einzige, der Edeltraud Brose gemacht wird. Das Ermittlungsverfahren wird mit weiteren Straftatbeständen begründet, den Paragraphen 106 – "staatsfeindliche Hetze" – und 107 – "staatsfeindliche Gruppenbildung". Hinzu kommt der Vorwurf der Vorbereitung eines "ungesetzlichen Grenzübertritts", wofür Paragraph 213 StGB im hier wegen "gemeinschaftlichen Handelns" unterstellten "schweren Fall" bis zu acht Jahre Haft androht. Auch ihr Freund, der 21jährige Michael Steinhorst sowie sechs weitere Weimarer werden verhaftet.

Kreative Nonkonformisten

Edeltraud und Michael gehören seit Beginn der 70er Jahre zur "Szene" in Weimar. Diese Jugendszene unterscheidet sich im Habitus heftig von ihren Vorgängergenerationen. Die Teens und Twens fallen im Stadtbild durch ihr abweichendes Äußeres und ihr antiautoritäres, ungezwungenes Auftreten auf. Eigensinnig wollen sie über ihr Leben selbst bestimmen. Sie haben die allgegenwärtige Gängelung in Schule, Lehre und Arbeitswelt satt. Freiräume finden sie nur in evangelischen Jungen Gemeinden (JG) der "Offenen Arbeit" (OA), die in Jena, Rudolstadt, Erfurt und Weimar zu sprießen beginnt.

Michael Steinhorst stammt aus einem Dorf bei Weimar und absolviert im VEB Carl Zeiss Jena eine Lehre als Datenverarbeiter. Er findet Kontakt zur JG Jena-Stadtmitte, die Stadtjugendwart Thomas Auerbach leitet. Michael schreibt Gedichte und komponiert bald Lieder für seine Band "Peaceful Dead".1 In seinen Texten geht es vor allem um die Probleme ausgegrenzter Jugendlicher in der DDR. Auftritte außerhalb kirchlicher Räume, etwa in staatlichen Jugendclubs sind deshalb undenkbar. Edeltraud Brose arbeitet zu dieser Zeit in einer Druckerei, eigentlich aber will sie malen und schreiben. Im "Weißen Schwan" verliebt sie sich in den jungen Mann mit der Gitarre unterm Arm. Beide sind bildungshungrig. Ein Studium aufzunehmen, erwägen sie zwar, wissen aber, dass es ihnen zu viele Unterwerfungsrituale abverlangt. Sie lesen, was sie unter der Hand bekommen. Bücher "unerwünschter bürgerlicher Autoren" werden in der Szene weitergegeben: Rilke, Nietzsche und vor allem Hermann Hesses Romane. Abgetippte Texte Wolf Biermanns machen heimlich die Runde.

Edeltraud und Michael sind sehr kommunikativ und in der Szene beliebt. "Bröschen" und "Pastor", wie sie im Freundeskreis genannt werden, trampen zu Musikveranstaltungen oder reisen ins evangelische Rüstzeitheim Braunsdorf zu Pfarrer Walter Schilling.2 In diesem "Kunden-Mekka"3 findet die alternative Jugendszene ein offenes Haus. Zeitweilig korres­pondiert Edeltraud mit über 50 Freunden. Schreiben wird ihre Leidenschaft.4

In Weimar selbst sind Treffpunkte rar. Es gibt nur wenige Gaststätten, zu denen junge Männer mit langen Haaren und Vollbärten oder selbstbewusste junge Frauen in Jeans Zutritt erhalten. Man trifft sich in der Eisdiele, wenn sie einmal nicht überfüllt ist, in der Kneipe "Letzte Träne" oder in der HO-Gaststätte "Weißer Schwan". Montags ist "Schwantag", ein alkoholgesättigter Stammtisch der Beatniks der Stadt. Mancher von ihnen war wegen Paragraph 249 StGB bereits in Haft. Und so wird diskutiert, wie man der verordneten Arbeitsstelle länger fernbleiben kann, ohne verhaftet zu werden. Man tauscht Erfahrungen mit Krankschreibungen aus und empfiehlt geeignete Ärzte.

Zum Glück akzeptiert Edeltraut Broses Mutter, dass sich das Zimmer, in das 1972 auch Michael eingezogen ist, zu einem Treffpunkt für einen ganzen Freundeskreis entwickelt. Hier können sie ihre Musik hören und nächtelang bei Kerzenlicht freimütig über Politik, Philosophie und Psychologie diskutieren. Sie glauben sich dabei auch sicherer vor Spitzeln als in den Cafés.

Zwischen Lüge und Zorn

Des sozialistischen Systems sind Edeltraud und Michael lange schon überdrüssig und während der Lehre aus der FDJ ausgetreten. In einem Umfeld, in dem fast jeder die Mitgliedschaft im Einheits-Jugendverband für obligatorisch hielt, war das schon offener Protest. Einschneidend wirkt die Erfahrung von 1968 nach. Zur Niederschlagung des Prager Frühlings notierte Edeltraud Brose schon im Alter von 15 Jahren in ihr Tagebuch: "Da sind die Jugendlichen der ČSSR (Fans usw.) aufgestanden und demonstrierten und forderten den ‚freien Sozialismus’, ich finde das so toll, das die Tschechoslowaken sich das nicht bieten lassen, dass wir nicht in andere Länder fahren dürfen, kein Beatleben, keine anständigen Klamotten, immer nur Ausschuss usw. bekommen.

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