Wie die Sicherung der Volkswirtschaft durch IM's erfolgte

Wie lief der Alltag in beiden deutschen Staaten zur Zeit der Teilung ab? Wie wurde gearbeitet? Was waren typische Berufe? Was wurde nach Feierabend gemacht? Wohin gings in den Urlaub?
Dies ist der Bereich zum Thema "Alltag"

Wie die Sicherung der Volkswirtschaft durch IM's erfolgte

Beitragvon augenzeuge » 1. April 2016, 17:01

Was in der Volkswirtschaft gesichert werden musste, würde hier den Rahmen sprengen. Ich bin aber gern bereit in einem eigenständigen Thema mit Dir darüber zu diskutieren. (Merkur)

Hier ist es!
[super]

Ein hoher Anteil der klassischen IM (IMS, IMB,IME und FIM) war aufgrund der Spezifik des Bezirkes auf der Linie XVIII, Sicherung der Volkswirtschaft, tätig.

Was machte ein IM im Gaskobinat Schwarze Pumpe? Wieviel IM hatte die Außensicherung des Gefechtsstandes Kolkwitz? Wer tat was im Synthesewerk Schwarzheide.


Wer weiß, wie wo die "Sicherungen" aussahen?

Im Waggonbau Ammendorf gab es auch einen offiziellen Hintereingang. Hier saß nur sporadisch ein Pförtner. Ganze Ausbildungsklassen schleppten hier aus der Galvanik verchromte Teile heraus.
Es interessierte nie Jemanden. Warum war das in einem so großen Betrieb möglich? Lief aber einer von denen mit Reklametüten aus dem Westen in der Schule rum, blieb das nicht ohne Folgen.
War dies das offizielle Bild, was den Jugendlichen vermittelt werden sollte?
AZ
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Re: Wie die Sicherung der Volkswirtschaft durch IM's erfolgte

Beitragvon karnak » 1. April 2016, 17:07

[flash] Um das zu verstehen muss man ein"gelernter DDR-Bürger"sein.Und man muss es verstehen wollen, dass ist der zweite wichtige Punkt.
" Denn sie hassen am Andersdenkenden nicht nur die andere Meinung, zu der er sich bekennt,sondern auch die Vermessenheit, selbst urteilen zu wollen. Was sie ja doch selbst nie unternehmen und im Stillen sich dessen bewusst sind."
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Re: Wie die Sicherung der Volkswirtschaft durch IM's erfolgte

Beitragvon augenzeuge » 1. April 2016, 17:15

karnak hat geschrieben:[flash] Um das zu verstehen muss man ein"gelernter DDR-Bürger"sein.Und man muss es verstehen wollen, dass ist der zweite wichtige Punkt.


Nun gib dir mal Mühe und erkläre es deinem Enkelkind....
AZ
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Re: Wie die Sicherung der Volkswirtschaft durch IM's erfolgte

Beitragvon karnak » 1. April 2016, 17:21

[grin] Heute nicht mehr.
Was das Enkelkind angeht,dass Zweite ist unterwegs. [super]
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Re: Wie die Sicherung der Volkswirtschaft durch IM's erfolgte

Beitragvon Spartacus » 1. April 2016, 18:09

augenzeuge hat geschrieben:
karnak hat geschrieben:[flash] Um das zu verstehen muss man ein"gelernter DDR-Bürger"sein.Und man muss es verstehen wollen, dass ist der zweite wichtige Punkt.


Nun gib dir mal Mühe und erkläre es deinem Enkelkind....
AZ


Ist doch ganz einfach, denn auch der Sohn des IM schleppte einen neu verchromten Lenker eines S 51 aus dem Betrieb. [flash]

LG

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denn es gibt ja noch zum Glück, als Beruf die Politik.
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Re: Wie die Sicherung der Volkswirtschaft durch IM's erfolgte

Beitragvon Nostalgiker » 1. April 2016, 19:39

Nur wird der Sohn nicht gewußt haben das sein Vater/Mutter IM war ........
Ich bin nicht auf der Welt, um so zu sein, wie andere mich gerne hätten.

Eindeutigkeit der Absicht wurde bei ihm zur Zweideutigkeit des Handelns
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Re: Wie die Sicherung der Volkswirtschaft durch IM's erfolgte

Beitragvon Merkur » 4. April 2016, 16:00

AZ, ich präsentiere Dir mal einen richtigen Fall von K1 in der notwendigen Breite, damit auch für Dich erkennbar ist, wie die inoffizielle Absicherung der Volkswirtschaft gegen kriminelle Elemente erfolgte und das man eben nicht wegsah.

Wenn eine Person auf einer Eispfütze ausrutscht, ist das im Winter an sich kein ungewöhnlicher Prozess. Im VEB Fleischkombinat Berlin war dieser Ausrutscher allerdings der Beginn umfangreicher Ermittlungen. Da die Eispfütze dort nicht hingehörte, erregte sie Verdacht und es sollte die Ursache ihrer Entstehung geklärt werden. Beobachtungen ergaben, dass Fleischfahrer an dieser Stelle nach der LKW-Verwiegung Wasser aus einem Tank abgelassen hatten. Es bestand der Verdacht der Begehung von Diebstahlshandlungen, welcher geklärt werden musste.

Ein Schwerpunkt, den das AG I Berlin bearbeitete, war das VEB Fleischkombinat Berlin. Welche umfangreichen Maßnahmen das AG I zur kriminalpolizeilich-operativen Bearbeitung dieses Schwerpunktes realisierte, sollen die nachfolgend aufgeführten Maßnahmen verdeutlichen.
Die planmäßige, kontinuierliche und qualitätsgerechte Fleischverarbeitung war für die Erfüllung außenwirtschaftlicher Verpflichtungen der DDR sowie für die Versorgung der Bevölkerung mit hochwertigen Nahrungsgütern von hoher politischer und ökonomischer Bedeutung. Störungen der Produktionsprozesse in den Betrieben der VEB Schlacht- und Verarbeitungskombinate, die zu Produktionsstockungen oder dem Verderb von Fleischerzeugnissen führen konnten sowie kriminelle Angriffe auf diese Produkte, schwächten die Exportkraft und beeinträchtigten die Versorgung der Bevölkerung.
Ausgehend von der politischen und ökonomischen Bedeutung sowie der kriminalpolizeilich-operativen Lage, die insbesondere vom wiederholten Auftreten bedeutender Eigentumsstraftaten gekennzeichnet war, waren die Betriebe der VEB Schlacht- und Verarbeitungskombinate Latenzschwerpunkte. Die zielgerichtete Vorbeugung, Aufdeckung und Aufklärung von Straftaten in diesen Latenzschwerpunkten war daher planmäßiger Bestandteil des Prozesses der Kriminalitätsvorbeugung und –bekämpfung in der Volkswirtschaft.

Bedeutende Straftaten in den Betrieben der VEB Schlacht- und Verarbeitungskombinate, die unter Ausnutzung der beruflichen Tätigkeit durchgeführt wurden, waren insbesondere

-Diebstähle von Fleisch/Fleischerzeugnissen zum Verkauf oder Tausch gegen andere Erzeugnisse sowie zum persönlichen Verbrauch durch Tätergruppen, die ganze Arbeitskollektive umfassten oder entlang technologischer Ketten (Produktion-Lager-Expedition-Transport-Einzelhandel) organisiert waren sowie mehrere kleinere parallel nebeneinander in den Arbeitskollektiven arbeitende Tätergruppen und Einzeltäter. Als Täter und Hehler traten vorwiegend Beschäftigte in den Bereichen Zerlegung, Schlachtung, Lagerung und Expedition, einschließlich Leiter der mittleren Leitungsebene, auch Wartungsmonteure und zivile Betriebsschutzkräfte, Kraft- und Beifahrer, Gaststätten- und Verkaufsstellenleiter als Ankäufer von Diebesgut und Beschäftigte anderer Nahrungsgüter- und Lebensmittelbetriebe sowie des Großhandels in Erscheinung.
-Betrugshandlungen im Zusammenhang mit der Bestimmung der Anzahl, des Gewichts und der Schlachtwertklassen der aufgekauften Tiere durch Beschäftigte des Bereiches Tieraufkauf und Veterinärmediziner sowie bei der Bestimmung der Fleischqualität durch Veterinärmediziner und Beschäftigte des Bereiches Absatz.
-Leistungsbetrug durch die Beschäftigten der Bereiche Produktion und Transport.
-pflichtwidrige Bevorzugung vorwiegend von Inhabern privater Fleischverkaufsstellen und Gaststätten durch Leiter des Betriebes und Beschäftigte des Bereiches Absatz gegen Gewährung persönlicher Vorteile.
-Herbeiführung von Erzeugnisverderb u. a. volkswirtschaftlichen Schäden durch vorsätzliche und fahrlässige Verletzung der Hygienebestimmungen, dass Unterlassen notwendiger Konservierungsarbeiten, dass Unterbrechen der Kühlung u. ä., insbesondere durch Leiter der Bereiche Produktion, Absatz, Veterinärmedizin und Transport.

Bei der Organisierung der kriminalpolizeilich-operativen Arbeit durch das AG I zur Vorbeugung, Aufdeckung und Aufklärung bedeutender Straftaten in den genannten Betrieben war insbesondere zu beachten:

-Die Vermarktung als spezifische Form des Tieraufkaufs zur Schlachtung war zu unterscheiden in die Lebendviehvermarktung, bei der das Lebendvieh beim Aufkauf begutachtet und klassifiziert wurde (zwischen den Verkäufern, meist kleinerer Zuchtbetriebe oder privaten Tierproduzenten und den Aufkäufern bestanden dabei unmittelbare persönliche Kontakte) sowie die Schlachttierkörpervermarktung, bei der die Begutachtung und Klassifizierung der Tierkörper nach der Schlachtung ohne Einflussnahme durch die Verkäufer erfolgte.
-Verletzungen technologischer Vorschriften im Produktionsprozess bargen immer die Gefahr eines umfangreichen Warenverderbs in sich.
-Für die Schlachtung und Zerlegung kranker und verletzter Tiere waren Sanitärschlachtbereichte der Betriebe der VEB Schlacht- und Verarbeitungskombinate, VEB Sanitärschlachtung und private Sanitärschlachtbetriebe eingerichtet. In diesen Einrichtungen war insbesondere die Erfassung und Klassifizierung des Schlachtertrages schwer kontrollierbar.
-Das Diebesgut war leicht verderblich, musste demnach sofort verbraucht und konnte aus diesem Grunde nur begrenzt als Beweismaterial sichergestellt werden (außer Dauerwurst und Konserven).
-Die Beweisführung anhand von Belegen war nur in geringem Umfang möglich.
-Durch natürliche Gewichtsverluste (Kühl- und Abtropfschwunde) waren Mängelvergleiche im Prozess Wareneingang-Lagerung-Auslieferung-Verarbeitung nur begrenzt auswertbar und ließen keine gesicherten Schlussfolgerungen zu.
-Auftretende Plusdifferenzen in den Fleisch- und Wurstwarenverkaufsstellen hatten in Bezug auf die Hehlerei einen hinweisenden Charakter.

Ende Teil I
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Re: Wie die Sicherung der Volkswirtschaft durch IM's erfolgte

Beitragvon Merkur » 4. April 2016, 16:02

Teil 2

Die analytische Tätigkeit war im Rahmen der kriminalpolizeilich-operativen Arbeit des AG I zur Erlangung von Hinweisen auf latente Straftaten auf folgende Faktoren auszurichten:

-Konzentrationen krimineller und kriminell gefährdeter Personen in den einzelnen Bereichen der Betriebe
-unerklärlich hoher Lebensaufwand bei Beschäftigten der Betriebe bzw. der Transportbetriebe, die für den Fleischtransport eingesetzt waren
-Widersprüche zwischen den Werten auf den Lieferscheinen und den Ausfahrtpapieren (Tor-Passierschein, Wägekarten)
-Mitführen von Ballastmitteln auf Lieferfahrzeugen vor Feststellung des Taragewichtes
-Manipulationen mit den Taragewichten der Transportbehältnisse
-verdächtiges Auftreten von Kunden in den Betrieben der VEB Schlacht- und Verarbeitungskombinate, insbesondere Verbindungsaufnahmen zu Leitern und Mitarbeitern des Absatzbereiches, der Expedition oder Kraft- und Beifahrern
-Auffälligkeiten bei Reklamationen, insbesondere extrem häufig oder hohe Reklamationen, plötzliches Abbrechen von Reklamationen, Konzentration der Reklamationen auf bestimmte Schichten, Touren, Kraftfahrer, Verkaufseinrichtungen
-unberechtigter Aufenthalt von Personen in den Produktionsräumen und Lagern
-Abstellen von Privatfahrzeugen auf dem Betriebsgelände
-Differenzen zwischen gefahrenen und abgerechneten Kilometern der Kraftfahrzeuge anhand des Tourenplanes und des Fahrauftrages
-Abweichungen der Kraftfahrzeuge von den Liefertouren
-qualitativ und quantitativ überdurchschnittliches Fleischangebot in einzelnen Fleischverkaufsstellen und Gaststätten
-ungeklärte Plusdifferenzen in Fleischverkaufsstellen
-außergewöhnlich hohe Schwunde und Differenzen im Lagerbereich
-wiederholte Beschädigung von Türen und Schlössern an Kühl- und Lagerräumen
-Unordnung an den Waagen, Möglichkeiten der Kraft- und Beifahrer, selbst Wägungen durchzuführen
-hoher Lebensaufwand von Tieraufkäufern, Leitern bzw. Inhabern von Sanitärschlachtbetrieben, Leitern und Beschäftigten der Produktion, des Absatzbereiches und der Expedition der Betriebe, Kraft- und Beifahrer, Leiter bzw. Inhaber von Verkaufsstellen für Fleisch- und Wurstwaren.

Unter Beachtung der typischen Begehungsweisen und der Besonderheiten bei der Organisierung der kriminalpolizeilich-operativen Arbeit in den Betrieben der VEB Schlacht- und Verarbeitungskombinate waren zur Versionsbildung und –überprüfung sowie bei der Beweisführung erforderlich:

1.Der Einsatz von IKMO, IKMR und KK in den Arbeitskollektiven zur Ermittlung

-der jeweils möglichen und angewandten Begehungsweisen und Verschleierungsmethoden
-des möglichen und tatsächlichen Täterkreises sowie der Hehler;
-der Vermögensverhältnisse der Verdächtigen hinsichtlich des Verhältnisses von Lebensaufwand und Einkommen
-der Motivation und Persönlichkeit der Verdächtigen
-von aussagebereiten Verdächtigen, die aufgrund psychischer Eigenschaften, ihrer Stellung in der Tätergruppe, familiärer Verhältnisse, der gesellschaftlichen Stellung in Vernehmungen kurzfristig zum Geständnis veranlasst werden konnten
-von aussagebereiten Zeugen, die über Handlungen und Erscheinungen, welche Bestandteil von Straftaten waren, aussagen konnten
-von Hinweisen auf Zwischenlager und Übergabestellen für Diebesgut
-der Transportmittel und –wege für Diebesgut zu den Hehlern
-von Manipulationen auf Belegen zum Produktions- und Auslieferungsprozess
-von Möglichkeiten des Stellens der Täter auf frischer Tat.

2.Der Einsatz von IKM/KK in den Verwaltungen der Betriebe der VEB Schlacht- und Verarbeitungskombinate (Hauptbuchhalter, Hauptabsatz, Wirtschaftskontrolle, Expedition, Ökonomie) zur

-Überprüfung der Belege und anderer für die Geschäftsabwicklung geschaffener Unterlagen im Zusammenhang mit der Vermarktung des Schlachtviehs, der einzelnen Verarbeitungsstufen, der Lagerung und der Auslieferung des Fleisches bzw. der entsprechenden Erzeugnisse
-Durchführung von Inventuren in den einzelnen Bereichen der Kombinate und Erforschung von Ursachen bei auftretenden Differenzen;
-ständigen Analyse der Schwunde, Verluste und Reklamationen in den einzelnen Bereichen
-Einschätzung der Rechtmäßigkeit der Reklamationen und Erarbeitung von Übersichten über auftretende Häufigkeiten in Verkaufseinrichtungen, Gaststätten oder anderen Objekten sowie in den Schichten und bei Kraft-/Beifahrern
-Kontrolle und Vergleich von Lieferscheinen und Rechnungen
-Beschaffung von Belegen sowie Unterlagen, die zur Beweisführung geeignet waren, insbesondere Lieferscheine, Rechnungen, Inventurunterlagen und Reklamationsprotokolle
-Durchführung von Hygienekontrollen und Untersuchung von Hinweisen über die Nichteinhaltung von Hygienebestimmungen bzw. damit legendierter Kontrollen zur Erarbeitung von Hinweisen und Beweisen zu Straftaten
-konsequente Durchsetzung von Prinzipien der Ordnung und Sicherheit/Einhaltung der Bestimmungen des Brand- und Arbeitsschutzes
-exakte Untersuchung und Erforschung der Ursachen von Produktionsstörungen
-aktive Mitwirkung in den staatlichen und gesellschaftlichen Organen und ständige Einflussnahme auf die Aufdeckung und unmittelbare Beseitigung von straftatenbegünstigenden Bedingungen.

3.Einsatz von IKM/KK in anderen Organen wie Staatliche Finanzrevision, Steuerfahndung bzw. Abteilung Finanzen bei den örtlichen Räten, Abteilung Handel und Versorgung, VEB Rechnungsführung und Wirtschaftsberatung sowie der Wirtschaftskontrolle des Einzelhandels, zur

-Untersuchung ausgewählter Leitungs- und Produktionsprozesse in den Betrieben der VEB Schlacht- und Verarbeitungskombinate durch die Staatliche Finanzrevision
-Einschätzung der Lösung der Versorgungsaufgaben durch die Verkaufseinrichtungen des Einzelhandels und Gaststätten aller Eigentumsformen
-Durchführung von Inventuren in den Verkaufsstellen und Gaststätten, Klärung von Ursachen bei festgestellten Differenzen
-Untersuchung von festgestellten Auffälligkeiten, insbesondere Widersprüchen zwischen dem spezifischen Fleischangebot in einzelnen Verkaufsstellen und Gaststätten und der allgemeinen Versorgungslage
-Einschätzung und Untersuchung der Vermögenslage, insbesondere von Inhabern privater Sanitärschlachtbetriebe und Fleischer, privater Fleischwarenverkaufsstellen und Gaststättenleitern
-Überprüfung von Konten und der Kontenbewegung verdächtiger Personen
-Einschätzung der Rechtmäßigkeit von vorgenommenen Reklamationen gegenüber den Betrieben der VEB Schlacht- und Verarbeitungskombinate
-Durchführung von Kassenstürzen in Fleischwarenverkaufsstellen mit der Zielstellung, Mehrerlöse festzustellen
-Durchführung analytischer Vergleiche zwischen der Eigenproduktion in den Verkaufsstellen, den aufgestellten Werterhaltungsprotokollen und den einzelnen Umsätzen
-Beschaffung von Belegen sowie Unterlagen, die für die Beweisführung notwendig waren, insbesondere Lieferscheine, Rechnungen, Inventurunterlagen, Reklamationsprotokolle und Erlöseabrechnungen.

Ende Teil 2
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Re: Wie die Sicherung der Volkswirtschaft durch IM's erfolgte

Beitragvon Merkur » 4. April 2016, 16:02

Teil 3
4.Die Beobachtung und fotografische Sicherung war zu konzentrieren auf

-Feststellung und Verbindungsaufnahme von betriebsfremden Personen zu Mitarbeitern des Fleischkombinates
-Befahren des Betriebsgeländes mit Privatfahrzeugen der Mitarbeiter
-Umladungen von Waren aus Lieferfahrzeugen in Privatfahrzeuge bzw. in andere Fahrzeuge des Handelstransportes
-Durchführung von Wägungen durch nicht vereidigte Wäger
-die Art und Weise der Warenübergabe, der Kontrolle und des Verhaltens der Kraft- und Beifahrer nach der Wägung und beim Verlassen der Betriebe
-das Aufsuchen von Kunden außerhalb des Tourenplanes.

In der Vorbereitung der Phase des Ersten Angriffs ging die Kriminalpolizei davon aus, dass eine erfolgreiche Vernehmung für die Gesamtaufklärung entscheidend war. Dazu waren vor Einleitung strafprozessualer Maßnahmen durch die AG II und III der K zu prüfen, einzuschätzen und abzustimmen:

-die durch Beweismittel gestützten Kenntnisse über Begehungsweisen, Verschleierungsmethoden, Täterkreis und Bedingungen der Straftaten sowie Zwischenlagerplätze, an denen Verpackung weggeworfen wurde, Transportmittel/Transportwege
-weitere gesicherte Fakten, die in der Vernehmung gegenüber den Beschuldigten als Vorhalte zu verwenden waren, insbesondere zur Zerschlagung des kriminellen Zusammenhaltes einer Tätergruppe
-umfassende Kenntnis über die Persönlichkeit des Täters/der Täter und der Vermögenslage/Lebensaufwand zur Festlegung einer erfolgreichen Vernehmungstaktik
-die Aussagekraft und –willigkeit der ermittelten Zeugen
-die zu erwartende Geständnisbereitschaft der Täter
-das kriminaltaktische Vorgehen in der Phase des Ersten Angriffs
-der weitere IKM- Einsatz, insbesondere zur Aufklärung der Reaktion der Täter und der Aufdeckung weiterer Einzelheiten der Verschleierung.

Der Einsatz von IKM/KK zur frühzeitigen Aufdeckung und wirkungsvollen Beseitigung von Ursachen und begünstigenden Bedingungen der Kriminalität sowie Mängel und Missstände war unmittelbarer Bestandteil der kriminalpolizeilich-operativen Arbeit, ständig zu verwirklichen und vorrangig zu konzentrieren auf die:

-uneingeschränkte Durchsetzung der Weisungen für die Organisation, die Durchführung, den Nachweis und die Kontrolle aller Prozesse in den Bereichen Aufkauf, Produktion, Lagerung, Transport und Absatz
-Herstellung eines kontrollfähigen Belegwesens in allen Bereichen
-Durchsetzung der äußeren und inneren Sicherheit in den Betrieben (ordnungsgemäße Kontrolle der Fahrzeuge und der Personenbewegung, Verschlusssicherheit der Produktions- und Kühlräume, Verhinderung unkontrollierbarer Kontakte von betriebsfremden Personen zu Mitarbeitern der Betriebe, Auflösung von Konzentrationen krimineller bzw. kriminell gefährdeter Personen, Einleitung von Maßnahmen zur Entfernung von Personen mit kriminellen Einstellungen bzw. Isolierung dieser Personen)
-Einhaltung der Hygienebestimmungen
-Beseitigung technischer Defekte an Waagen, Türen von Lager- und Kühlräumen, Transportmitteln, Produktionseinrichtungen
-Einführung und strikte Durchsetzung von Funktionsplänen sowie Arbeitsplatzanweisungen
-Verhinderung der Ausführung von Doppelfunktionen wie Kontrolleur und Wieger in einer Person
-Verhinderung von Tier- und Fleischverlusten durch zielgerichtete Kontrolle der Hygienebestimmungen
-Einhaltung der Bestimmungen bei Annahme, Aufbewahrung und Einzahlung von Barerlösen in den Betrieben zum Schutz vor Raub und Diebstahl.

Zu den individuellen Begehungsweisen konnte das AG I folgendes herausarbeiten:

1.Vortäuschen einer höheren als der tatsächlichen Schlachtwertklasse beim Tieraufkauf, insbesondere bei der Lebendviehvermarktung, gemeinsam durch den Verkäufer und den Ankäufer, um dem Verkäufer finanzielle Vorteile zu sichern.
2.Vortäuschen einer niedrigeren als die tatsächliche Schlachtwerklasse beim Tierkauf, insbesondere bei der Schlachttierkörpervermarktung, durch den Ankäufer, um dem Schlachtbetrieb zum Nachteil des Verkäufers finanzielle Vorteile zu sichern.
3.Vortäuschen von Tieraufkäufen aus der individuellen Produktion durch den Aufkäufer des Schlachtbetriebes, Überweisung der Vergütung an beliebige Personen, in der Regel solchen, die bereits Tiere abgeliefert hatten und daher als Lieferanten bekannt waren und persönliche Rückforderungen des Geldes vom Empfänger in bar, auch gegen Quittung.
4.Vortäuschen hoher Fleischqualität beim Verkauf durch den Schlachthof, indem aus Fleisch niederer Schlachtwertklassen die Fettschichten herausgeschnitten, die mageren Fleischanteile zusammengefrostet und das Fleisch in diesem Zustand als höhere Qualität verkauft wurde.
5.Unterlassen oder unsachgemäß ausgeführte Untersuchung des Fleisches auf Parasiten und Herbeiführung von Gefahren für die Gesundheit von Menschen.
6.Verletzung der Bestimmungen der allgemeinen und der Lebensmittelhygiene im Schlachtbetrieb und dadurch:

-Herbeiführung von Gefahren für die Gesundheit der Menschen
-Kündigung von Außenhandelsverträgen durch ausländische Vertragspartner
-Verderben lassen von Fleisch und Fleischerzeugnissen.

7.Verderben lassen von tierischen Rohstoffen (Talg, Fett, Knochen usw.) entgegen dafür geltender Vorschriften.
8.Diebstahl von Fleisch, Fleischerzeugnissen und Konserven durch Tätergruppen, insbesondere bestehend aus Beschäftigten der Expedition, Kraft- und Beifahrern sowie Hehlern aus dem Einzelhandel, vorrangig mit folgenden Begehungsweisen:

-Beim Verwiegen des leeren Lieferfahrzeuges wurden Ballastgewichte an Bord genommen, um ein höheres Gewicht vorzutäuschen. Um diese Menge konnte bei der Ausfahrt dann Diebesgut transportiert werden, ohne dass Massedifferenzen auftraten
-Fleisch mehrerer Seiten wurde in einige wenige umgelagert. Um das Taragewicht der eingesparten Seiten konnte Diebesgut transportiert werden
-Entwenden von Fleisch und Fleischerzeugnissen und Verstecken des Diebesgutes auf dem Lieferfahrzeug (im Kühlaggregat, in der Fahrerkabine usw.)
-Im Zusammenwirken mit Wägern wurden die Kollis mit mehr Mengen Fleischerzeugnissen gefüllt, als auf dem Lieferschein vermerkt war, mit dem Ziel, dem Hehler das Diebesgut mit der normalen Ware zu liefern
-Entwenden und Verstecken von Diebesgut am Körper.

Das Diebesgut wurde

-den Hehlern in Fleischverkaufsstellen und Gaststätten mit der normalen Warenlieferung übergeben
-an unbeobachteten oder schwer überschaubaren Stellen dem Hehler übergeben bzw. in entsprechende Hehlerfahrzeuge umgeladen
-in Verstecken (Garagen, Schuppen, Wohnungen usw.) zwischengelagert, insbesondere Konserven und Dauerwurst
-im Freundes- und Bekanntenkreis abgesetzt
-selbst verbraucht
-erzielte Erlöse aus dem Absatz des Diebesgutes im Einzelhandel wurden geteilt
-durch Expedienten, Kraft- und Beifahrer wurden Lieferscheine fingiert und wiesen damit Diebesgut gegenüber Kontrolleuren als offizielle Lieferungen aus, Lieferscheine wurden nach Übergabe des Diebesgutes vernichtet

9.Diebstahl von Fleischerzeugnissen zum Nachteil der Verkaufseinrichtungen, Gaststätten und Küchen während des Transportes. Begünstigend wirkte sich hierbei die ungenügende Kontrolle durch die Abnehmer aus.
10.Entgegen den Angaben des Lieferscheines wurden an Verkaufseinrichtungen Edelfleischerzeugnisse gegen mindere Fleischteile und Knochen ausgetauscht und ausgeliefert.
11.Verschieben von Fleisch und Fleischerzeugnissen durch leitende Angestellte des Schlachtbetriebes, insbesondere im Bereich Absatz an ausgewählte Personen gegen Betriebspreise, um andere Vorteile als Gegenleistung zu erhalten.
12.Diebstahl von Därmen und ihr Verkauf an private Fleischer für die illegale Wurstproduktion.
13.Verletzung der technologischen Vorschriften bei der Herstellung von Konserven und Vakuumverpackungen, wodurch die handelsfähige Verpackung und Konservierung nicht gegeben und die Gefahr des Warenverderbs herbeigeführt wurde.
14.Vortäuschen von Eigenschaften neu entwickelter Produkte (Geschmack, Haltbarkeit, Fleischqualität), um Produktions- und Preisgenehmigungen zu erhalten.
15.Manipulation bei der Bewertung von Fellen gegenüber dem Betrieb für Tierische Rohstoffe zum Vorteil des Fleischkombinates.
16.Die Bevorzugung von privaten Fleischern bei der Belieferung mit hochwertigen Fleischwaren und Fleischerzeugnissen durch Mitarbeiter von Fleischkombinaten und Entgegennahme von Geschenken bzw. anderen „kleinen Gefälligkeiten“.
17.Vorsätzliche Beschädigung von Schlössern an Kühl- und Lagerräumen.
18.Fahrlässiges Zerstören oder Außerbetriebsetzen von Produktionsanlagen als Folge bewusster Pflichtverletzung, wodurch vor allem hohe Verluste durch Warenverderb eintraten.
19.Verschleierung der Erlöse aus Sanitärschlachtungen an tierischen Rohstoffen (Felle, Knochen usw.) und deren Verkauf auf private Rechnung an den Betrieb für Tierische Rohstoffe bzw. bevorzugte Belieferung von Verkaufsstellen mit Freibankfleisch, das dann als Handelsfleisch verkauft wurde.

Durch den Einsatz der speziellen Mittel und Methoden des AG I konnten umfangreiche Straftaten im VEB Fleischkombinat Berlin aufgedeckt werden.
Nach Abschluss des operativen Stadiums der Ermittlungen erfolgte die Einleitung strafprozessualer Maßnahmen durch das Dezernat II.
Am 08. Juni 1976 erhob der Staatsanwalt des Stadtbezirkes Berlin-Lichtenberg wegen verbrecherischen Diebstahls zum Nachteil sozialistischen Eigentums Anklage gegen zwei Fleischermeister, drei Kraftfahrer und drei Arbeiter.
Der Vorteil der Klugheit besteht darin, dass man sich dumm stellen kann. Das Gegenteil ist schon schwieriger.
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Re: Wie die Sicherung der Volkswirtschaft durch IM's erfolgte

Beitragvon augenzeuge » 4. April 2016, 16:39

Danke für diese Fleißarbeit, Merkur. Ja, das zeigt, man konnte es, wenn man wollte. Hängt sicher auch damit zusammen, dass es sich um ein Fleischkombinat handelte. Mit Lebensmitteln, insbesonders Fleisch, sah man oft nicht weg. Einmal war es knapp, andererseits brachte es DM.

Hast du so ein Bauspiel aus dem Baustoffhandel, Baustellen? Ich habe in wenigen Jahren hier so viel mitbekommen, das war schon schlimm.
Kaum ein Trabbi fuhr ohne Material nach Hause, jahrelang. Zu Hause entstanden dann fast ganze Häuser ....

AZ
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Re: Wie die Sicherung der Volkswirtschaft durch IM's erfolgte

Beitragvon Merkur » 4. April 2016, 16:48

Mal noch ein paar Beispiele in Kurzform, die über inoffizielle Verbindungen aufgedeckt und geklärt wurden:

Aus dem VEB Baustoffversorgungskombinat Berlin entwendeten acht Täter Baustoffe, insbesondere Hartbranntziegel, Bau- und Sanitärkeramik sowie Isoliermaterial im Wert von ca. 80.000 Mark. Die Straftaten wurden durch Manipulationen mit Materialentnahme- und Lieferscheinen verschleiert. Fünf Täter wurden inhaftiert.

Ein Hauptabteilungsleiter des VEB Lufttechnische Anlagen Berlin verursachte gemeinsam mit dem Abteilungsleiter Speisenproduktion durch verbrecherische Untreue und Urkundenfälschung einen Gesamtschaden von 115.000 Mark, indem seit 1982 unter Missbrauch der Befugnisse ungerechtfertigte Abrechnungen vorgenommen sowie angewiesene Prämiengelder persönlich verbraucht wurden. Der Hauptabteilungsleiter wurde inhaftiert.

Der Direktor Absatz und der Hauptabteilungsleiter Handel des VEB Sternradio Berlin verkauften seit Februar 1983 insgesamt 852 für den Export bestimmte Geräte zum Produktionspreis zu ihrem persönlichen Vorteil im Inland. Sie verursachten einen finanziellen Verlust von ca. 180.000 Mark. Gegen beide wurde ein Ermittlungsverfahren eingeleitet, der Direktor Absatz wurde inhaftiert.
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Re: Wie die Sicherung der Volkswirtschaft durch IM's erfolgte

Beitragvon augenzeuge » 4. April 2016, 16:50

Ok, man hat etwas getan. Aber ganz sicher nicht genug. Manchmal wäre es sehr einfach gewesen, die Diebe zu überführen, aber zu oft sah man weg.

AZ
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Re: Wie die Sicherung der Volkswirtschaft durch IM's erfolgte

Beitragvon Merkur » 4. April 2016, 17:04

augenzeuge hat geschrieben:Ok, man hat etwas getan. Aber ganz sicher nicht genug. Manchmal wäre es sehr einfach gewesen, die Diebe zu überführen, aber zu oft sah man weg.

AZ


Mag sein, dass man im Bezirk Halle weggesehen hat. Ich kenne viele solcher Vorgänge und über die bewusste Sabotage der Volkswirtschaft haben wir uns noch gar nicht unterhalten. Ich hoffe, dass Dir nun der Einsatz inoffizieller Kräfte in der Volkswirtschaft ein wenig plausibler wird.
Der Vorteil der Klugheit besteht darin, dass man sich dumm stellen kann. Das Gegenteil ist schon schwieriger.
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Re: Wie die Sicherung der Volkswirtschaft durch IM's erfolgte

Beitragvon Interessierter » 26. Juni 2018, 10:25

Spitzel, Militärforschung und ein versteckter Terrorist

Mit dem Synthesewerk Schwarzheide übernahm die BASF 1990 auch ein Stück dunkle DDR-Geschichte. Als erstes Großunternehmen in der Region hat der Konzern jetzt die Arbeit der Staats sicherheit im Unternehmen thematisiert.

Bernd Güttes ist ein bodenständiger Mann. Der 65-jährige Chemiker lebt noch immer in dem roten Klinkerhaus in Sallgast (Elbe-Elster), in dem er geboren wurde. „Ich war ein ganz unauffälliger DDR-Bürger“, sagt Güttes über sich. Trotzdem füllt eine „Operative Personenkontrolle“ (OPK) der Staatssicherheit eine 200 Seiten starke Akte über den Chemiker, der in der Forschungsabteilung des ehemaligen Synthesewerkes Schwarzheide (Oberspreewald-Lausitz) gearbeitet hatte. 16 Spitzel lieferten für die OPK „Forscher“ Informationen über ihn.Im fünften und letzten Band der Betriebschronik des Synthesewerkes, die vor wenigen Tagen vorgelegt wurde, sind drei Seiten aus der OPK in Kopie nachzulesen. Nur sehr kurz geht die Chronik selbst auf die Arbeit des DDR-Geheimdienstes im Werk ein.

Doch dem Chronikband liegt ein zehnseitiges Heft bei, in dem der Leiter der Stasiunterlagenbehörde, Außenstelle Frankfurt (Oder), Rüdiger Sielaff, das Thema sachkundig darstellt. Darin geht es, so der Auftrag an Sielaff, um Zahlen, Daten und Fakten, nicht um Bewertungen oder die Offenlegung früherer Zuträger.„Es sollte niemand angeprangert und keine alten Rechnungen beglichen werden“, begründet das Karl-Heinz Tebel, Geschäftsführer der BASF Schwarzheide. Doch anlässlich des 20-jährigen Jubiläums der Übernahme durch BASF sollten sich auch nachdenkliche Töne in den Jubel mischen.

„Das Synthesewerk war Teil des Ganzen und keine Insel der Seligen“, so Tebel. Noch heute sei spürbar, dass ältere Kollegen tief geprägt seien von dem, was sie in der DDR mitgemacht hätten.Aufgrund seiner volkswirtschaftlichen Bedeutung hatte die Stasi-Kreisdirektion Senftenberg im Synthesewerk eine eigene Dienststelle eingerichtet. Das Werk arbeitete zum Teil mit importierten Westanlagen und produzierte auch für den Export. Ein abgeschotteter Forschungsbereich beschäftigte sich ab 1980 mit militärischen Aufträgen wie der Entwicklung spezieller Sprengstoffe und Raketentreibmittel.Sieben hauptamtliche Mitarbeiter, ein „Offizier im besonderen Einsatz“ (OibE) und über 200 inoffizielle Mitarbeiter (IM) waren in einem speziellen Referat nur für diesen Großbetrieb tätig.

Dazu kamen Spitzel, die von der Stasibezirksverwaltung in Cottbus direkt geführt wurden. 1980 kam Werner Lotze, ein ehemaliges Mitglied der „Roten-Armee-Fraktion“ (RAF), nach Schwarzheide. Die Stasi hatte ihn mit einer falschen Identität versehen und achtete darauf, dass er bis zum Untergang der DDR nicht enttarnt wurde. Lotze arbeitete als Kraftfahrer, später als Anlagenfahrer im Synthesewerk.Neben solchen „Spezialaufträgen“ schnüffelte der DDR-Geheimdienst in dem Großbetrieb mit seinen Zuträgern tief im Privatleben unbescholtener Mitarbeiter wie Bernd Güttes.Der Naturwissenschaftler war schon als junger Mann in Sallgast kirchlich engagiert. Mit einer Partnergemeinde aus dem Rheinland gab es ein Treffen in Berlin. Güttes freundete sich mit einem Rheinländer an, der ihn dann mehrmals in der Lausitz besuchte. „Die dachten, ich verrate dem Geheimnisse“, erzählt Güttes, was er in seiner Stasiakte als Anlass für seine Bespitzelung fand. Im Abschlussbericht wurde er als „Unsicherheitsfaktor“ eingestuft, der weiter zu beobachten sei.

Bei der Wahrung von Dienstgeheimnissen war ihm jedoch nicht der kleinste Fehler nachzuweisen.Vorher hatte sich die Stasi tief in sein Leben gegraben. In einer 50 Seiten starken Beiakte fand Güttes Kopien seines Briefwechsels mit dem Rheinländer. „Da war sogar ein Brief meiner Tochter dabei.“ Das Telefon im Büro einer Werkstatt, die Güttes auf seinem Grundstück vermietet hatte, wurde verwanzt, weil der Chemiker dort gelegentlich telefonierte. Der Handwerker, dem der Anschluss gehörte und der mit all dem nichts zu tun hatte, wurde gleich mit abgehört.Nach der Übernahme durch BASF, erinnert sich Güttes, bekamen alle leitenden Mitarbeiter neue Arbeitsverträge. Dabei mussten sie auch über eventuelle Stasikontakte Auskunft geben. Wer log und später aufflog, musste gehen. „Das kam manchmal über die Opferakten heraus.“Bernd Güttes bekam seine Stasiakte Mitte der 90er-Jahre zu sehen. Unter seinen Kollegen erzählte er davon und bot jedem an, bei ihm zu Hause einen Blick hineinzuwerfen. „Da sind viele gekommen.“ Auch drei Stasizuträger suchten Gespräche mit ihm.

Deren Verlauf war jedoch für den Chemiker eher eine Enttäuschung: „Die haben nur Bruchstücke zugegeben, die hatten das alles sehr verdrängt.“Den Schritt von BASF, sich mit diesem Teil der Werksgeschichte auseinanderzusetzen, findet Güttes lobenswert. „Andere Großbetriebe in der Region sollten das auch machen“, sagt er. „Solange die Zeitzeugen noch leben.“ Der Sallgaster hat kürzlich sein Angebot an BASF-Mitarbeiter erneuert, in aller Ruhe mal in seiner OPK-Akte „Forscher“ zu blättern. Es kommen jetzt wieder Kollegen zu ihm in das rote Klinkerhaus in Sallgast, sagt Güttes, auch ganz junge.

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Re: Wie die Sicherung der Volkswirtschaft durch IM's erfolgte

Beitragvon zoll » 26. Juni 2018, 11:02

Nachdem ich die ausführlichen Antworten von MERKUR gelesen habe fällt mir nur ein, dass er sicher ein hochrangiger MA von was- weiß- ich Einheit war.
Das alles liest sich wie eine abgekupferte Ermittlungsakte. Eine enorme Fleißarbeit von MERKUR. Wem will er damit heute noch imponieren?
Er sollte besser den [mundzu] halten. Vielleicht holt ihn seine Vergangenheit doch noch ein.

Und zu den volkswirtschaftlichen Verlusten durch Diebstähle in den Betrieben fällt mir ein, in einer Mangelwirtschaft wie sie in der DDR herrschte blieb doch dem Einzelnen gar nichts anderes übrig. Der Mangel an Wirtschaftsgütern konnte doch nur durch Tausch teilweise behoben werden.
In der Nachkriegszeit und bis Anfang der 1950er Jahre wurde im Westen vielfach nach dem gleichen Muster gehandelt. Da wurde sogar das Kistenholz der Verpackungen so klein gesägt, dass es in die Brotdose passte und Mutter hatte wieder Anmachholz für den Küchenherd. Oder zum Flicken des Ofenrohres wurde Blech aus der Produktion genommen. Ich könnte noch viele Beispiele der Materialentnahme anführen. Ist aber alles bekannt, weil so etwas in Ost und West eigentlich normal war. Ich betone aber, dass das im Westen nicht solche Größenordnung hatte wie es vielfach aus der DDR berichtet wurde und durch die heutige Freiheit bestätigt wird.
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Re: Wie die Sicherung der Volkswirtschaft durch IM's erfolgte

Beitragvon augenzeuge » 26. Juni 2018, 11:32

Nachdem ich die ausführlichen Antworten von MERKUR gelesen habe fällt mir nur ein, dass er sicher ein hochrangiger MA von was- weiß- ich Einheit war. 

Vielleicht hatte er auch nur Kontakt zu jenen Menschen. [grins]
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Re: Wie die Sicherung der Volkswirtschaft durch IM's erfolgte

Beitragvon Spartacus » 26. Juni 2018, 18:16

augenzeuge hat geschrieben:
Nachdem ich die ausführlichen Antworten von MERKUR gelesen habe fällt mir nur ein, dass er sicher ein hochrangiger MA von was- weiß- ich Einheit war. 

Vielleicht hatte er auch nur Kontakt zu jenen Menschen. [grins]
AZ


Oder den Einblick in die entsprechenden Akten. [hallo]

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Re: Wie die Sicherung der Volkswirtschaft durch IM's erfolgte

Beitragvon augenzeuge » 26. Juni 2018, 18:19

Oder beides. [grin]

Ich vermute, Merkur lacht sich grad einen ab... [grins]
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Re: Wie die Sicherung der Volkswirtschaft durch IM's erfolgte

Beitragvon Merkur » 26. Juni 2018, 18:26

Ich halte besser wie angeraten meinen [mundzu] und nutze die Zeit sinnvoller, indem ich den Nitsche weiterlese.
Der Vorteil der Klugheit besteht darin, dass man sich dumm stellen kann. Das Gegenteil ist schon schwieriger.
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Re: Wie die Sicherung der Volkswirtschaft durch IM's erfolgte

Beitragvon AkkuGK1 » 26. Juni 2018, 21:06

Ich kannte mal einen Volker Nitsche...

Und dann gab es den Möchtegernphilosophen Nitzsche, dessen Ergüsse sind allerdings Zeiverschwendung.
Ich bin zu schön, als das man auf mich wütend sein könnte!*

*aus Mr. Sunshine
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Re: Wie die Sicherung der Volkswirtschaft durch IM's erfolgte

Beitragvon zoll » 27. Juni 2018, 10:44

Merkur hat geschrieben:Ich halte besser wie angeraten meinen [mundzu] und nutze die Zeit sinnvoller, indem ich den Nitsche weiterlese.

Nun hau´nicht so mit deiner Bildung auf den Putz. Tatsächlich liest du doch das Kommunistische Manifest um sattelfest zu bleiben. [freu]
Nur zu deiner Info: Nietzsche heißt der Mann.
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Re: Wie die Sicherung der Volkswirtschaft durch IM's erfolgte

Beitragvon Merkur » 27. Juni 2018, 11:15

zoll hat geschrieben:
Merkur hat geschrieben:Ich halte besser wie angeraten meinen [mundzu] und nutze die Zeit sinnvoller, indem ich den Nitsche weiterlese.

Nun hau´nicht so mit deiner Bildung auf den Putz. Tatsächlich liest du doch das Kommunistische Manifest um sattelfest zu bleiben. [freu]
Nur zu deiner Info: Nietzsche heißt der Mann.
zoll


Also meiner heißt Nitsche, wie ich bereits schrieb. Dies zu Deiner Info [flash]
Du hast keine ausreichende Berechtigung, um die Dateianhänge dieses Beitrags anzusehen.
Der Vorteil der Klugheit besteht darin, dass man sich dumm stellen kann. Das Gegenteil ist schon schwieriger.
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Re: Wie die Sicherung der Volkswirtschaft durch IM's erfolgte

Beitragvon Dr. 213 » 27. Juni 2018, 15:53

augenzeuge hat geschrieben:
Nachdem ich die ausführlichen Antworten von MERKUR gelesen habe fällt mir nur ein, dass er sicher ein hochrangiger MA von was- weiß- ich Einheit war. 

Vielleicht hatte er auch nur Kontakt zu jenen Menschen. [grins]
AZ


Vielleicht eine Berufsmacke.
Tschekisten hatten immer einen ausserordentlich hohen Kontakt zu allen Werktätigen. [laugh]

Auf mfs-insider.de finden sich dutzende solcher Vorzeige- Geschichten.
Dumm nur, daß sich alleine wegen der geringen Fallzahlen in diesem Bereich keine Rechtfertigung für
das Ausmass der Stasi insgesamt. ableiten läßt.
Und so sind mehr als die Hälfte der EV wegen Kritik an der SED- Diktatur und Republikflucht geführt worden.
Der Anteil an Sabotage war verschwindend gering. Und selbst dabei waren die Tschekisten nicht sehr gut.
Viel zu oft habe sie in ihrere Paranoia nur Gespenster gesehen oder es wurden Verdächtige mit an
Folter grenzenden Verhörmethoden zu Geständnissen gebracht, die bei objektiver Bewertung nur Humbug waren.

Etwa jeder hundertste Erwerbstätige soll von der Stasi sein Gehalt bekommen haben.

Herzlichst
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Re: Wie die Sicherung der Volkswirtschaft durch IM's erfolgte

Beitragvon zoll » 12. August 2018, 12:11

MERKUR zu deinem Artikel über die Aufklärung des Fleischdiebstahls kann ich mir eine Bemerkung nicht verkneifen. Betreibst du die kriminalpolizeiliche Aufklärung von Vergehen und Verbrechen heute immer noch? Deine Schreibweise erinnert mich unmißverständlich an die gestelzte Ausdrucksweise früherer Polizei- und Stasimitteilungen.
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Re: Wie die Sicherung der Volkswirtschaft durch IM's erfolgte

Beitragvon Dr. 213 » 12. August 2018, 14:53

Eine zwanghaft im Ruhestand weiter geführte Berufsmarotte ?
Vielleicht läßt sich ja die verlorene Schlacht noch am Schreibtisch gewinnen.
Die Stasifraktion braucht solche Erfolgsmeldungen jenseits vom ekeligen Hauptgeschäft der Repression.
Oder er kann "herausarbeiten" und "nachweisen" warum der Merkur 2 damals abgesoffen ist. (Nein, ich war's nicht)

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