Maifeiertag in der DDR

Wie lief der Alltag in beiden deutschen Staaten zur Zeit der Teilung ab? Wie wurde gearbeitet? Was waren typische Berufe? Was wurde nach Feierabend gemacht? Wohin gings in den Urlaub?
Dies ist der Bereich zum Thema "Alltag"

Re: Maifeiertag in der DDR

Beitragvon Wosch » 23. Mai 2012, 13:59

Edelknabe hat geschrieben:"Demokratischer Quatschkopp Wolfgang wosch " mit deinem "die DDR maßte sich an zu bestimmen, wer an den Balaton fahren konnte". Wenn ich als Jugendlicher Ende der 60er anfangs der 70er mit Kumpels und Mädels fahren wollte dann wurde alles notwendige beantragt und dann gings los, und das dreimal hintereinander.

Ist schon ein kleiner Unterschied wenn man als Jugendlicher nur seine Eltern fragen mußte ob man durfte oder nicht!! Daß mit dem "dreimal hintereinander", sei mal ehrlich zu Dir selber RMR, das schaffst Du doch heute auch nicht mehr?!
...........................................
Logisch, das der Jörg/Augenzeuge mit seinem Ausreiseantrag die Arschkarte gezogen hätte. Ähhh Wolfgang, wann hattest du gleich mal unser schönes Land verlassen....?


Erstens weißt Du das ganz genau, zweitens schrieb ich in diesem Thread von der Zeit in der ich dran teilnehmen "durfte" und 3. war das mit der "Ungarn-Erlaubnis in den 80ern etwa anders und 4. was spielt das überhaupt für eine Rolle?
........................................................
Rainer-Maria eh komm, war nur ein Scherz denn du hängst es doch neuerdings an jeden Text an und das ist auch gut so



Und 5. "Schönen Gruß aus Kassel. [hallo]
Ich bin stolz darauf, noch nie den "Melde-Button" benutzt zu haben!
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Re: Maifeiertag in der DDR

Beitragvon Volker Zottmann » 23. Mai 2012, 14:32

@karnak,
Manchem mag es nicht gefallen, doch es war so. Ich machte mich am 1.3.1985 selbständig. Bis dahin hat unsere Beflaggung nicht interessiert. Aber ab 1985 bis ins letzte Jahr 1989, wurden die Selbständigen sehr wohl in Harzgerode angerufen oder raus geklingelt, falls die Fahne fehlte.
Glaub es oder lass es bleiben. Es gibt genügend Selbständige die dazu befragt werden können.
http://baupionier.zottmann.org/
http://Mein-DDR-Leben.de/

Die Weite Deines Horizonts ist Frage Deiner Sicht.
Der Große sieht ihn breiter, der Kleine leider nicht.
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Re: Maifeiertag in der DDR

Beitragvon augenzeuge » 23. Mai 2012, 15:11

Edelknabe hat geschrieben: Wenn ich als Jugendlicher Ende der 60er anfangs der 70er mit Kumpels und Mädels fahren wollte dann wurde alles notwendige beantragt und dann gings los....
Logisch, das der Jörg/Augenzeuge mit seinem Ausreiseantrag die Arschkarte gezogen hätte.


Irrtum, Rainer. Die Reihenfolge ist falsch! Ich stellte keinen Ausreiseantrag und wunderte mich dann, warum ich nicht an den Balaton fahren durfte. Ich bekam schon vorher keine Genehmigung- ohne Angabe von Gründen. Bei mir passierte alles vorher und damit begründete ich dann meinen Schritt.

Nur so nebenbei- mit dem Antrag fuhr ich noch nach Leningrad. Das klappte allerdings nur einmal.... [flash]
AZ
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Re: Maifeiertag in der DDR

Beitragvon Wosch » 23. Mai 2012, 15:18

augenzeuge hat geschrieben:
Edelknabe hat geschrieben: Wenn ich als Jugendlicher Ende der 60er anfangs der 70er mit Kumpels und Mädels fahren wollte dann wurde alles notwendige beantragt und dann gings los....
Logisch, das der Jörg/Augenzeuge mit seinem Ausreiseantrag die Arschkarte gezogen hätte.


Irrtum, Rainer. Die Reihenfolge ist falsch! Ich stellte keinen Ausreiseantrag und wunderte mich dann, warum ich nicht an den Balaton fahren durfte. Ich bekam schon vorher keine Genehmigung- ohne Angabe von Gründen. Bei mir passierte alles vorher und damit begründete ich dann meinen Schritt.

Nur so nebenbei- mit dem Antrag fuhr ich noch nach Leningrad. Das klappte allerdings nur einmal.... [flash]
AZ



Also der Ehrlichkeithalber: Ich brauchte auch keinen Antrag stellen, damals als ich nach Hamburg fuhr. Also in gewisser Weise haben die Leute recht die behaupten mann konnte, ohne daß man dafür aus Amt mußte!
Schönen Gruß aus Kassel. [hallo]
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Re: Maifeiertag in der DDR

Beitragvon augenzeuge » 23. Mai 2012, 15:23

Wosch hat geschrieben:
augenzeuge hat geschrieben:
Edelknabe hat geschrieben: Wenn ich als Jugendlicher Ende der 60er anfangs der 70er mit Kumpels und Mädels fahren wollte dann wurde alles notwendige beantragt und dann gings los....
Logisch, das der Jörg/Augenzeuge mit seinem Ausreiseantrag die Arschkarte gezogen hätte.


Irrtum, Rainer. Die Reihenfolge ist falsch! Ich stellte keinen Ausreiseantrag und wunderte mich dann, warum ich nicht an den Balaton fahren durfte. Ich bekam schon vorher keine Genehmigung- ohne Angabe von Gründen. Bei mir passierte alles vorher und damit begründete ich dann meinen Schritt.

Nur so nebenbei- mit dem Antrag fuhr ich noch nach Leningrad. Das klappte allerdings nur einmal.... [flash]
AZ



Also der Ehrlichkeithalber: Ich brauchte auch keinen Antrag stellen, damals als ich nach Hamburg fuhr. Also in gewisser Weise haben die Leute recht die behaupten mann konnte, ohne daß man dafür aus Amt mußte!
Schönen Gruß aus Kassel. [hallo]


Aber danach stellten dann die "anderen" einen Antrag auf Strafverfolgung des Nichtantragstellers.....so ist das mit der Bürokratie. [grins]
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Re: Maifeiertag in der DDR

Beitragvon karnak » 23. Mai 2012, 16:25

Wosch!
Was ich eigentlich nur sagen wollte, die 50iger waren eben nicht die 80iger.Deswegen meine Frage ob in den 80iger wirklich immer noch einer"drängeln" kam,wegen der Fahne.
" Denn sie hassen am Andersdenkenden nicht nur die andere Meinung, zu der er sich bekennt,sondern auch die Vermessenheit, selbst urteilen zu wollen. Was sie ja doch selbst nie unternehmen und im Stillen sich dessen bewusst sind."
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Re: Maifeiertag in der DDR

Beitragvon Edelknabe » 23. Mai 2012, 18:48

"Logisch" Dille hieß ganz einfach....so war die DDR besser ihre staatlichen Organe. Nichts anderes wollte ich damit ausdrücken.Da wurde nicht wie heute hin und her diskutiert...isser nun ein Terrorist oder isser nun keiner?

Und am Ende hat heute komischerweise keiner so eine richtige Meinung vom "Terroristen" mehr. Dann macht der doch, was er lustig ist und alle bekommen das große Staunen, was der so in zehn jahren alles verzappte. Deswegen schrieb ich ja schon öfters, dieses "Endlosgequatsche, zerrede von heute gab es damals einfach nicht, denn da wurden gleich Nägel mit Köpfen gemacht heißt so sinngemäß wieder wie EK schrieb" war ich nur ein bißchen auffällig gar straffällig war Pumpe mit den Freundesländern, dann konnte ich eben nicht fahren".

Deswegen war diese DDR für den Menschen da, ich bin da übrigens mit meiner Familie das beste Beispiel dafür(und bitte nicht immer als Retourkutsche mit der volkseigenen Eigenbedarfnummer kommen)

Rainer-Maria und letzterer Satz galt nicht für dich Dille
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Re: Maifeiertag in der DDR

Beitragvon Interessierter » 23. Mai 2012, 21:36

Zitat Edelknabe:
Deswegen war diese DDR für den Menschen da, ich bin da übrigens mit meiner Familie das beste Beispiel dafür(und bitte nicht immer als Retourkutsche mit der volkseigenen Eigenbedarfnummer kommen)


Ich kenne keine Diktatur, die für die Menschen da war.

Die DDR war so sehr für den Menschen da, daß sie ihre Bürger einsperrte, ihre persönlichen Freiheit beschnitt, sie durch das MfS bespitzeln ließ , sie ins Gefängnis warf, wenn sie " Andersdenkende " waren, sie dort teilweise unmenschliche Methoden aussetze, gegen sie Zersetzungsmassnahmen einleitete und die DDR ließ Menschen, die heimlich das Land verlassen wollten ( weil man sie offiziell nicht ließ ), feige in den Rücken schießen.

Edelknabe, was ich von Deiner von mir zitierten Aussage halte, das sage ich Dir in Goslar von Angesicht zu Angesicht.

[hallo]
Auch aus Steinen die einem in den Weg
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Re: Maifeiertag in der DDR

Beitragvon Edelknabe » 23. Mai 2012, 22:18

Bitte bitte Interessierter, tue dir keinen Zwang an und sage mir alles, was dir auf dem Herzen liegt und auf der Seele brennt so es die alte DDR betrifft.Ich bin soetwas vom Sozialismus geprägt...also das wird ne echt harte Nuss für dich. Dazwischen immer ein Bier...so halten wir Beide es aus, du wirst sehen, am Ende des Abends sind wir die dicksten Freunde.

Na gut, nicht gerade ideologisch aber das muss ja auch nicht sein, das wäre auch fatal.

Rainer-Maria in freudiger Erwartung auf Goslar
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Re: Maifeiertag in der DDR

Beitragvon rafimo » 23. Mai 2012, 22:28

Interessierter hat geschrieben:Zitat Edelknabe:
Deswegen war diese DDR für den Menschen da, ich bin da übrigens mit meiner Familie das beste Beispiel dafür(und bitte nicht immer als Retourkutsche mit der volkseigenen Eigenbedarfnummer kommen)


Ich kenne keine Diktatur, die für die Menschen da war.

Die DDR war so sehr für den Menschen da, daß sie ihre Bürger einsperrte, ihre persönlichen Freiheit beschnitt, sie durch das MfS bespitzeln ließ , sie ins Gefängnis warf, wenn sie " Andersdenkende " waren, sie dort teilweise unmenschliche Methoden aussetze, gegen sie Zersetzungsmassnahmen einleitete und die DDR ließ Menschen, die heimlich das Land verlassen wollten ( weil man sie offiziell nicht ließ ), feige in den Rücken schießen.
Edelknabe, was ich von Deiner von mir zitierten Aussage halte, das sage ich Dir in Goslar von Angesicht zu Angesicht.

[hallo]


na da redet aber mal einer "tacheles" wie man hier so sagen würde....
rafimo
 

Re: Maifeiertag in der DDR

Beitragvon SkinnyTrucky » 5. Juni 2012, 16:32

rafimo hat geschrieben:na da redet aber mal einer "tacheles" wie man hier so sagen würde....


Naja, der Rainer hat aber auch recht, zumindestens weiss ich was er meint....denn leben konnte man in dem grossen Arbeiter&Bauernreservat auch prima wenn man klotzte und nich kleckerte und das sogar so das man nich viel merkte von der allmächtigen Staatsmacht....

....ansonsten will ich was Interessierter geschrieben hat, echt nich abstreiten....

groetjes uit Pescara

Mara
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Re: Maifeiertag in der DDR

Beitragvon Huf » 5. Juni 2012, 18:13

Übrigens haben der Interessierte und RMR sich von Angesicht zu Angesicht darüber unterhalten ohne oder mit sehr wenig Bier!
Null Problemo!

VG Huf [hallo]
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Re: Maifeiertag in der DDR

Beitragvon Edelknabe » 5. Juni 2012, 18:42

Und sogar ohne Tritte gegen unsere Schienbeine ging es ab Huf, das war Forumstrefffrieden einfach nicht topbar. Ich sage doch, wir müssen uns einfach öfter zusammen setzen, dann klappt das....mit dem Anderen zuhören

Rainer-Maria
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Re: Maifeiertag in der DDR

Beitragvon manudave » 5. Juni 2012, 18:49

Ein leichtes Ziehen an der Hand hätte aber auch schon ausgereicht, Edelknabe - Folter kann so einfach sein. [laugh]
Wer für alles offen ist, kann nicht ganz dicht sein!
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Re: Maifeiertag in der DDR

Beitragvon icke46 » 5. Juni 2012, 18:53

manudave hat geschrieben:Ein leichtes Ziehen an der Hand hätte aber auch schon ausgereicht, Edelknabe - Folter kann so einfach sein. [laugh]


Das ist nun aber eine teuflische Idee [flash] .

Aber wenn ich die Sitzordnung so rekapituliere, hätte das mit den Schienbeintritten gar nicht funktioniert - Wilfried hätte Klaus getroffen - und Rainer hätte Dir ne Schienbeinmassage verpasst [laugh] .

Gruss

icke
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Re: Maifeiertag in der DDR

Beitragvon Interessierter » 21. April 2013, 15:55

1. Mai in der DDR Tag der Pflicht

Für die SED-Führung war der 1. Mai der wichtigste Feiertag der DDR, für Ernst Woll eine reine Pflichtveranstaltung. Jahr für Jahr marschierte er bei den traditionellen Maidemonstrationen eher lustlos mit. Nach der Wende realisierte er, dass es vielen so gegangen war. Nicht aus politischer Überzeugung machten sie mit, sondern weil es Rostbratwürstchen gab - und fünf Mark "Marschiergeld".

In der Sowjetischen Besatzungszone wurde der Tag der Arbeit zum ersten Mal 1946 im großen Stil gefeiert. In fast allen Städten und Gemeinden fanden Demonstrationen statt. Für uns Kinder, ich war damals gerade 15 Jahre alt, war das im Grunde nichts Neues. Denn die Nationalsozialisten hatten den 1. Mai im Jahr 1934 zum nationalen Feiertag erklärt. Sämtliche NS-Organisation waren seitdem jedes Jahr durch die Straßen gezogen und hatten in Reih und Glied marschierend ihre Hakenkreuzfahnen geschwungen. Als Pimpf im Deutschen Jungvolk hatte ich mehrmals daran teilgenommen.

Neu war für uns nur, dass nun rote Fahnen wehten, die Demonstranten rote Nelken im Knopfloch trugen und sich an keinerlei Marschdisziplin hielten. Und auch die Marschlieder, die die Kapelle an der Spitze des Zuges spielten, hörten wir zum ersten Mal. Vermutlich ist mir deshalb der 1. Mai 1946 so gut in Erinnerung geblieben. An Inhalte der "Maireden" der Politiker kann ich mich heute allerdings nicht mehr erinnern, sie interessierten uns Jugendliche damals auch nur wenig.

Ein Auftritt ist mir aber bestens im Gedächtnis geblieben: Ganz spontan und vollkommen ungeplant betrat ein KPD-Genosse die Tribüne. Er trug ein selbstverfasstes Gedicht vor: "Der Mai ist gekommen, wir haben's vernommen, ich sag es mit nichten, wir müssen heute unsere Demonstration verrichten." Wir Jugendlichen hielten uns vor Lachen den Bauch.
Dass das SED-Regime den 1. Mai gemeinsam mit dem 7. Oktober - dem Gründungstag der DDR - zum höchsten Feiertag in der DDR erklärte, änderte daran nichts. Jedes Jahr mussten wir an beiden Tagen unsere Häuser mit DDR-Fahnen oder roten Flaggen schmücken. In den Wohngebieten gab es damals tatsächlich Fanatiker, die überprüften, wer dieser Aufforderung nicht nachkam.

Beide Feiertage nutzte das Regime regelmäßig dazu, staatliche und betriebliche Auszeichnungen, die es in der DDR in fast unübersehbarem Umfang und vielen Abstufungen gab, zu verleihen. Geradezu inflationär wurden Gruppen von Arbeitern mit dem Titel "Kollektiv der sozialistischen Arbeit" bedacht, um gemeinschaftlich erwirtschaftete Produktionserfolge in Unternehmen zu belohnen. Arbeiter, die wegen ihrer Einzelleistung hervorstachen, bekamen die Auszeichnung "Aktivist der sozialistischen Arbeit".

Dass der 1. Mai über Jahrzehnte nicht nur für mich eine Pflichtveranstaltung gewesen war, sondern auch für etliche meiner Mitbürger, realisierte ich eigentlich erst nach der Wende. Am 1. Mai 1990 war nur noch ein Bruchteil der sonst üblichen Demonstranten unterwegs. Geschickt hatten die Betriebe über Jahre die Unlust ihrer Mitarbeiter kaschiert, indem sie die Menschen mit kleinen Extra-Zuwendungen zur Teilnahme motivierten. Wem das nicht gelang, der musste mit schweren Rügen von höchster Stelle rechnen und galt zudem nicht als auszeichnungswürdig.

http://einestages.spiegel.de/static/aut ... licht.html

Wie ich finde eine interessante Schilderung eines Zeitzeugen.

" Der Interessierte "
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Re: Maifeiertag in der DDR

Beitragvon Spartacus » 22. April 2013, 18:44

Ja, der 1 Mai 1981, da kann ich mich noch gut dran erinnern [grins]

Ich ging natürlich mit, aber nicht weil ich musste, sondern weil ich wollte.

Kurz vor der Tribüne zog ich ein Tuch aus meiner Tasche, dass ich liebevoll
vorbereitet hatte. Meine "Tarnung" im FDJ - Hemd war perfekt, so das mich
die Häscher, die unauffällig / auffällig, den Zug begleiteten gar nicht beachteten
und ich es eben so bis vor die Tribüne schaffte. Hier kam nun mein Tuch zum
Einsatz, auf dem geschrieben stand:

Freiheit für alle politisch Verfolgten in der DDR!

Die Häscher pennten immer noch, bis sie an den heftigen Reaktionen auf der
Tribüne sahen, dass irgend etwas nicht stimmte. Dann rafften sie es endlich,
stürtzten wie die "Irren" auf mich zu, entrissen mir mein Tuch und schleiften
mich aus dem Zug raus, in eine Nebenstraße.

Der Anführer der Häscher brüllte mich an, was mir wohl einfiele...bla, bla...?
Ich blieb ganz ruhig und verwies auf Art. 27 der DDR - Verfassung.

Ha, das Gesicht hättet ihr mal sehen sollen [laugh]

Es war nicht etwa Erstaunen, sondern deutliches Unbehagen, da er ganz offensichtlich
diesen Artikel gar nicht kannte. Ein jüngerer Greifer ging zu ihm und flüsterte ihm was
ins Ohr und dann hatte er es endlich.

Er knurrte: Meinungsfreiheit? Und dann ging es auch schon ab, zu einer netten 2 stündigen
Vernehmung, während der ich mich immer wieder auf meine verfassungsgemäßen Rechte
berief und sonst keine Angaben zur Sache machte.

Dann wurde es ihnen wohl zu dumm und sie entliesen mich, mit der Ankündigung das
dieser Vorfall noch ein Nachspiel haben würde. Eigentlich rechnete ich da schon mit
einer Verhaftung, aber sie - wer auch immer - hatten wohl anders entschieden.

Das "Arbeitskollektiv" oder wie immer das sich schimpfte, sollte mich mittels intensiver
Aussprachen wieder auf den "rechten" Weg zurück bringen.

Als diese Aussprache stattfand, stand ich nach 5 Minuten auf und erklärte den Anwesenden,
dass sie ihr Kasperltheater nun ohne mich fortführen könnten und verlies einfach den Raum.

Die Kasperln waren derart überrascht, dass sich keiner rührte und wohl nur noch das Knallen
der Tür wahrnahmen.

Ich bekam dann eine schriftliche Rüge und Auflagen, die ich zu erfüllen hätte.

Es war ein erster Test, der wie erwartet ausfiel.

Und so fing dann bei mir alles an! [smile]

LG

Sparta
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Re: Maifeiertag in der DDR

Beitragvon vs1400 » 22. April 2013, 22:27

hi Sparta,
gib doch bitte mal ne örtlichkeit bekannt.

gruß vs [hallo]
vs1400
 

Re: Maifeiertag in der DDR

Beitragvon SkinnyTrucky » 22. April 2013, 23:25

Spartacus hat geschrieben:Es war ein erster Test, der wie erwartet ausfiel.

Und so fing dann bei mir alles an! [smile]


Na, das klingt aber nach mehr....also mich hast du neugierig gemacht auf deine Geschichte Spartacus....

groetjes uit Heerlen

Mara
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Re: Maifeiertag in der DDR

Beitragvon Neun » 23. April 2013, 16:15

Spartacus hat geschrieben:Hier kam nun mein Tuch zum
Einsatz, auf dem geschrieben stand:

Freiheit für alle politisch Verfolgten in der DDR!


Echt für alle?
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Re: Maifeiertag in der DDR

Beitragvon augenzeuge » 23. April 2013, 16:28

Neun hat geschrieben:
Spartacus hat geschrieben:Hier kam nun mein Tuch zum
Einsatz, auf dem geschrieben stand:

Freiheit für alle politisch Verfolgten in der DDR!


Echt für alle?


Gab es denn "schlechte" politisch Verfolgte, die nicht frei sein sollten?

Sag mal Neun, war es denn wirklich für die Sicherheit der DDR notwendig, dass man die angeblich wenigen politisch Andersdenkenden verfolgen musste?
Oder wäre es nicht sogar sicherer gewesen, diese Opposition zu erlauben?
AZ
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Re: Maifeiertag in der DDR

Beitragvon Neun » 23. April 2013, 18:09

Gab es! Ich hatte da einige die für ihre politische Meinung, und daraus resultierende Handlungen, strafrechtlich belangt wurden und es dafür auch in diesem Staat wieder würden. Aber so ist dass halt, Freiheit für alle trifft immer auch die Falschen!


Die nächste Frage umfassend zu beantworten wäre hier zu auschweifend, zweifellos hätte das wesentlich mehr differenziert werden müssen.


P.S. Einige von denen bekommen heute sicher eine Opferrente, ist schon witzig.
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Re: Maifeiertag in der DDR

Beitragvon Spartacus » 23. April 2013, 18:21

Neun hat geschrieben:

P.S. Einige von denen bekommen heute sicher eine Opferrente, ist schon witzig.


Vergiss es Neun:

" Grundsätzlich ausgeschlossen

ist die Zahlung einer Opferrente für ehemalige politische Gefangene, die selbst die Grundsätze der Menschlichkeit und der Rechtsstaatlichkeit missachteten. Die Opferrente wird zudem Personen nicht gewährt, gegen die eine Freiheitsstrafe von mindestens drei Jahren wegen einer vorsätzlichen Straftat rechtskräftig verhängt worden ist, sofern diese Entscheidung im Bundeszentralregister enthalten ist."
Nichts gelernt und dumm wie Brot, doch man leidet keine Not,
denn es gibt ja noch zum Glück, als Beruf die Politik.
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Re: Maifeiertag in der DDR

Beitragvon HPA » 29. Oktober 2013, 17:56

SkinnyTrucky hat geschrieben:
Nov65 hat geschrieben:Ich schlage vor nicht zu verniedlichen und nicht zu dramatisieren. Der 1. Mai war in der DDR der "Kampftag der Werktätigen". Die Staatsmacht wollte sich militärisch stark und im Bunde mit dem werktätigen Volke präsentieren. Dazu tat sie alles: Zuckerbrot und Peitsche. Beide Instrumente aber wurden vor Ort subjektiv angewandt. Ich kenne Betriebe, die zahlten 10 DDR-Mark fürs Teilnehmen. Andererseits wurde Fernbleibern das "Fehlverhalten" in vielfacher Form mies angerechnet(Vermasseln von Aufstiegschancen, Prämien usw.)


Ich frag mich grad ob das Fernbleiben in der Kaderakte vermerkt wurde....immerhin zeichnete es ja einen klassenstandpunktfesten Bürger aus, dort hinzugehen....

groetjes

Mara


passt irgendwie zum Thema:

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"Wer seinen Kinderglauben sich bewahrt, in einer reinen, unbefleckten Brust - und gegen das Gelächter einer Welt zu leben wagt, - wie er als Kind geträumt - bis auf den letzten Tag: das ist ein Mann!"(Henning v. Tresckow)

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Re: Maifeiertag in der DDR

Beitragvon Interessierter » 3. Juli 2014, 09:43

Bild
EIN 1. MAI WIE FRÜHER ZUR DDR-ZEIT



Ostalgie Pur

Im DDR-Spielzeugmuseum wurde der 1. Mai mit Live-Musik und in Blauhemden gefeiert. Zu sehen ist dort eine neue Ausstellung zum Thema Volkspolizei.
Von Uwe APPELFELLER


Bild
Ein Besuch im DDR-Spielzeugmuseum ist ein echter Ostalgie-Trip. Museums-Chef Dietmar Kersten und seine Freundin Melissa Koch trugen am 1. Mai FDJ-Hemden. Auch sonst ist viel Historisches aus der ehemaligen DDR ausgestellt. ©app

Ilmenau - Wer zur Maifeier ins Ilmenauer DDR-Spielzeugmuseum kam, wurde am Einlass von einer jungen Frau im FDJ-Hemd begrüßt. Eine echte Nelke erhielt außerdem jeder der ersten 100 Besucher. "Wir feiern den 1. Mai ein bisschen so wie damals", sagte Museums-Chef Dietmar KERSTEN später. Er selbst hatte auch ein blaues FDJ-Hemd an und zudem noch ein rotes Halstuch der ehemaligen Thälmann-Pioniere um den Hals gebunden. Auch sein Tresen-Personal war mit FDJ-Hemden am Start.

Wegen des Regens am 1. Mai wurde es nichts mit der geplanten kleinen Fahrzeugausstellung im Freien vor dem Museum. Die Besucher vergnügten sich ohnehin lieber unter der Terrasse oder im Museums-Café bei Unterhaltungsmusik mit Klaus MÜLLER, dem singenden Bademeister aus dem Wipfratal. Zudem gab es ein Glücksrad und neben Zuckerwatte und Bratwurst auch frisch gezapftes Bier aus dem "Ausschank-Trabbi der Erfurter Bierpolizei".

Stichwort Polizei: Im Obergeschoss des Museums ist derzeit eine neue Ausstellung zum Thema Volkspolizei zu sehen. Dietmar KERSTEN hat sie von einem privaten Sammler aus Magdeburg ausgeliehen. Gezeigt werden Orden, Uniformen, Abzeichen und Dienstgrade sowie Lehrmaterial der ehemaligen VP. Originaldokumente (auch bebildert) aus der DDR-Zeit geben Aufschluss über die damalige Volkspolizei. Die Leihgaben sollen noch drei bis vier Monate in Ilmenau ausgestellt werden.

Auch am 1. Juni hat Dietmar KERSTEN anlässlich des Kindertages etwas geplant. Dann wird es eine Museums-Rallye geben; also ein Mitmach-Quiz vor allem für die Jüngeren. Vorausschauend kündigt er auch schon die nächste Feierlichkeit an: Die ist am 16. August. Dann feiert das DDR-Museum sein fünfjähriges Bestehen.

http://www.insuedthueringen.de/lokal/il ... 39,3313581

Bild
Museumschef Dietmar Kersten bei der Passkontrolle im Einsatz.

Zitat aus dem obigen Beitrag:
Zudem gab es ein Glücksrad und neben Zuckerwatte und Bratwurst auch frisch gezapftes Bier aus dem "Ausschank-Trabbi der Erfurter Bierpolizei".


Bild

Montags kein Brot , Dienstags kein Bier , lieber Erich wir danken dir !
[laugh]

" Der Interessierte "
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Re: Maifeiertag in der DDR

Beitragvon Interessierter » 4. Juli 2014, 12:16

Noch einmal Ostalgie pur

Die Frauen in den Dederon-Schürzen warten schon


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Ein paar verrückte Ueckermünder haben sich zusammengetan und den Verein Ostalgie Kultur gegründet. Der hält die Erinnerungen an die DDR in einem Museum wach. Wer am Samstag dorthin pilgert, hat auch noch gleich das Glück, auf Schwalbe, Wartburg und Co zu treffen.

Was braucht es, um einen Verein zu gründen, der den schönen Namen „Ostalgie Kultur e.V.“ trägt? Mitglieder, die verrückt genug sind, um sich für ein Stück DDR-Geschichte zu engagieren. Und verrückt genug, das sind Dietmar und Petra Steffen, Wolfgang Seelhoff, Birgit Gaubatz, Kathrin und Wolfgang Wagner und all die anderen allemal. Das spürt man spätestens dann, wenn man sich in dem Museum auf dem Gelände des ehemaligen Schiffslaternenwerkes genauer umschaut. Typische DDR-Küchen, Dederon-Kittelschürzen, Uniformen aus der damaligen Zeit, Lampen, Sofas und vieles mehr gibt es dort für die Gäste zu entdecken. Haben Sie Lust, sich das anzusehen? Dann schauen Sie am Sonnabend, 5. Juli, doch einfach mal dort vorbei. Dann nämlich laden die Mitglieder zum Tag der offenen Tür ein. Von 10 bis 21 Uhr können sich die Besucher im Museum, aber auch auf dem ganzen Gelände der Familie Wagner umsehen.

Weiter hier:
http://www.nordkurier.de/ueckermuende/d ... 12807.html
Auch aus Steinen die einem in den Weg
gelegt werden,
kann man was schönes bauen
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Re: Maifeiertag in der DDR

Beitragvon Interessierter » 5. November 2017, 10:04

Gisela Tews: Meine Geschichte zum 1. Mai

Zu DDR-Zeiten war die halbe DDR am Kampf und Feiertag der Arbeiterklasse auf den Beinen. Die Teilnahme an der Mai-Demonstration war nicht unbedingt freiwillig, galt aber als eine der ersten Staastbürgerpflichten. Als wirklichen Kampftag empfanden ihn wenige, für die Mehrheit war es einfach ein freier Tag, an dem nach der Demo gefeiert wurde. Gisela Tews erzählt, wie unterschiedlich sie den 1. Mai im Laufe ihres langen Lebens erlebt hat.

http://www.mdr.de/zeitreise/ddr/meine-g ... ws102.html
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