Aus Liebe in die DDR gezogen

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Aus Liebe in die DDR gezogen

Beitragvon Interessierter » 18. Juli 2018, 10:50

Frankfurter zog für seine Frau in die damalige DDR und nahm auch Repressalien in Kauf

Der Jahrestag des Mauerfalls am 9. November bleibt für Karin und Peter Appel stets ein besonderer Tag. Der Frankfurter Bub und die Erzgebirglerin führten 15 Jahre lang in der ehemaligen DDR eine deutsch-deutsche Ehe.

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Schöne Erinnerungen an die Vergangenheit: Peter und Karin Appel zeigen ihr Fotoalbum. Fotos/Repro: Michael Faust

Diese Liebe kannte weder Mauern noch Grenzen: Am 13. Oktober 1962 heiratete der Sachsenhäuser Peter Appel seine Karin (geborene Lötzsch) in Crottendorf, Erzgebirgskreis.

Für die damals 18-Jährige verließ der 20-jährige Peter die Vaterstadt am Main und wanderte in die DDR aus. Dabei stand schon die ab 13. August 1961 errichtete Mauer, die aus Deutschland zwei von einander abgeriegelte Staaten machte. Hätte nicht auch Karin nach Frankfurt kommen können? „Ich war ja erst 18 Jahre alt“, sagt die heute 75-Jährige. „Und die Mutter war dagegen.“ Ihre Familie betrieb im Erzgebirge eine Metallwarenfabrik, die Reißzwecken und Schlösser herstellte. Und Peter? Hätte der nicht auch von seiner Karin lassen können? „Mir ist nichts anderes übrig geblieben“, sagt Peter trocken. Die Liebe ist eine Himmelsmacht. Politische Gründe für einen Wechsel in die DDR hatte er nicht. Nach seinen Angaben gehörte er nie einer Partei an.

Kennengelernt hatten sich die beiden im Juli 1958 bei einem Zeltlager am Werbellinsee. Peter war mit dem Deutschen Jugendring dort, Karin mit ihrer Berufschule. Danach schrieben sich die beiden Briefe. 1960 besuchte Peter erstmals seine Karin in Crottendorf. Ein Jahr später, noch vor dem Mauerbau, besprachen sie die Hochzeit. Auch nach dem Mauerbau stand Peter zu der Verlobung: Im Oktober 1961 übersiedelte er nach Crottendorf und zog bei den Schwiegereltern ein – nach einem kurzen Zwischenstopp im Aufnahmelager in Eisenach.

Am 13. Oktober 1962 heirateten die beiden. Zur Hochzeit kam die ganze Familie, auch die Frankfurter Verwandtschaft. Noch in selben Jahr stellte Peter einen Ausreiseantrag nach Frankfurt. Der wurde abgelehnt, Jahr für Jahr, bis 1976.

Die junge Familie ließ sich davon nicht beeindrucken. 1967 kam Tochter Dagmar zur Welt, 1971 Sohn Heiko. Überlegungen, die Faliengründung zu verzögern, gab es nicht: „Was soll man da noch warten?“, sagt Peter, der Entschlossene.

Peter hatte in Frankfurt in einer Holzgroßhandlung Kaufmann gelernt. Auch im Erzgebirge blieb Peter zunächst beim Holz. Er arbeitete im volkseigenen Betrieb (VEB) Möbelfabrik Walthersdorf, zunächst im Büro. Doch weil ihm die mangelhafte Büroausstattung auf die Nerven ging („Die Schreibmaschine war vom Alten Fritz“), ließ er sich in die Produktion versetzen. „Ich habe bis 1964 die Kanten des Schlafzimmers ,Modell Gabi’ furniert“, erinnert er sich. Dass der Arbeiter- und Bauernstaat kein Paradies für die Werktätigen war, merkte er rasch. „In der Möbelfabrik haben wir die Produktionskosten gesenkt, aber die Arbeiter hatten nichts davon“, sagt er. Das kritisierte er auch öffentlich.

Die interessante, außergewöhnliche Lebensgeschichte geht hier weiter:
http://www.fnp.de/lokales/frankfurt/Fra ... 75,2819628
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Re: Aus Liebe in die DDR gezogen

Beitragvon zonenhasser » 18. Juli 2018, 11:04

„Mir ist nichts anderes übrig geblieben“, sagt Peter trocken. Die Liebe ist eine Himmelsmacht.
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