Absolutismus und Großmachtbestrebungen

Absolutismus und Großmachtbestrebungen

Beitragvon pentium » 18. Juli 2015, 15:54

Die kursächsisch-polnische Union und der fortschreitende Einfluss Brandenburg-Preußens in Mitteldeutschland.

Der Dreißigjährige Krieg (1618-1648) und die folgende Zeit verändern die Landkarte des Mittelelbegebietes gründlich. Große Teile des heutigen Landes Sachsen-Anhalt geraten in der zweiten Hälften des 17. Jahrhunderts unter brandenburgische Hoheit. Diese profitieren von den weitsichtigen politischen und wirtschaftlichen Maßnahmen Friedrich Wilhelms (1640-1688) - besser bekannt als Großer Kurfürst.
Die kleineren Herrschaften Anhalts imitieren bei der Entfaltung landesherrlicher Pracht das brandenburgisch-preußische Vorbild. Schlechter versorgte Fürsten treten in den militärischen Dienst von größeren Staaten. Das Beispiel des „Alten Dessauers" - korrekter Leopolds I. von Anhalt-Dessau (1693-1747) - ist wohl den meisten ein Begriff.

Auch die Kurfürsten von Sachsen versuchen seit dem 17. Jahrhundert eine absolutistische Regierung zu errichten und doch verlieren die Stände in Sachsen ihr Mitspracherecht nie gänzlich.

Mit der Gründung der Sekundogeniturherzogtümer Sachsen-Weißenfels, Sachsen-Merseburg und Sachsen-Zeitz (1657) lösen die albertinischen Wettiner endgültig das Nachfolgeproblem. Zwar erlangen die neuen Herzöge keine große politische Bedeutung, entfalten aber eine den Gepflogenheiten der Kurfürsten kaum nachstehende Hofhaltung und werden auf kulturellem und künstlerischem Gebiet sehr aktiv.

Eine ehrgeizige Politik verfolgt Kurfürst August der Starke (Friedrich August I., 1694-1733), als er sich 1697 zum König von Polen wählen lässt. Er und seine Nachfolger verwickeln Sachsen in Kriege - wie den Nordischen Krieg (1700-1721) -, die das Land schwer belasten und nach entscheidenden Niederlagen politisch letztlich zu einer Macht von geringerer Bedeutung herabdrücken.

In den Schlesischen Kriegen (Siebenjähriger Krieg, 1756-63) läuft Brandenburg-Preußen dem Kurfürstentum Sachsen endgültig den politischen Rang ab.

Für Thüringen sind im betrachteten Zeitabschnitt zwei Vorgänge bezeichnend. Zum einen entstehen einige moderne Kleinstaaten, wie in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts im Herzogtum Sachsen-Gotha unter Ernst dem Frommen (1641-1675). Zum anderen tragen zahlreiche Landesteilungen der ernestinischen Fürsten wie auch der Schwarzburger und Reußen zu einer politischen Schwächung bei.

Zur fürstlichen Machtentfaltung gehört eine prächtige und pompöse Hofhaltung. Mitteldeutsche Landesherren fördern auf diese Weise gleichsam die Künste und machen ihre Residenzen zu Mittelpunkten des kulturellen Lebens. So wirken beispielsweise Größen der barocken Musikkultur wie Johann Sebastian Bach an den Höfen in Weimar und Köthen, Georg Philipp Telemann in Magdeburg und Leipzig und Heinrich Schütz am kursächsischen Hof in Dresden. Daneben beginnt auch das Bürgertum ein eigenes kulturelles Leben zu entfalten, für dessen Bemühungen neben anderen gleichfalls Bach als Thomaskantor in Leipzig steht.

Zu den landespolitischen Erfordernissen gehört ebenfalls die Förderung von höheren Bildungseinrichtungen. Dort ziehen sich die Landesväter treue Staatsdiener heran, die sie zum Aufbau einer modernen Verwaltung benötigen. Die Ende des 17. Jahrhunderts von Wittenberg nach Halle verlegte Universität entwickelt sich zu einem Zentrum der religiös-reformatorischen Bewegung des Pietismus. Hauptsächlich aus dem Bürgertum stammende Vertreter der Frühaufklärung (z.B. an der Jenaer Universität in Thüringen) entwickeln seit der Mitte des 18. Jahrhunderts erste Ansätze zu einer Überwindung des Absolutismus.

Die mitteldeutschen Landesherren verhelfen ebenso Handwerk und Handel zum Aufschwung. Beispielhaft dafür stehen die Leipziger Messen. In Kursachsen wird eine Manufaktur nach der anderen gegründet. Das Meißner Porzellan erlangt Weltruf. Die Ansiedlung von französischen, flandrischen und böhmischen Glaubensflüchtlingen ist von besonderer Bedeutung. Denn diese bringen Kenntnisse, Fähigkeiten und wirtschaftliche Beziehungen aus hoch entwickelten Regionen Europas nach Mitteldeutschland.

quelle: Geschichte Mitteldeutschlands

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