Hinrichtungen in der DDR

Hinrichtungen in der DDR

Beitragvon Spartacus » 10. Juni 2013, 10:14

Weiß nicht ob das hier schon thematisierte wurde [mad]

Die Todesstrafe wurde erst 1987 abgeschafft.

Bis dahin musste jeder politische Häftling mit dem schlimmsten rechnen.

http://www.youtube.com/watch?v=RYaoV0PYvqE

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Re: Hinrichtungen in der DDR

Beitragvon Neun » 10. Juni 2013, 10:19

Bis dahin musste jeder politische Häftling mit dem schlimmsten rechnen.


Märchenstunde für die Nachwelt? Auf welche "politischen" Straftaten stand denn als Höchsstrafe die, oben angeführte, endgültigste Maßnahme der strafrechtlichen Verantwortlichkeit?
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Re: Hinrichtungen in der DDR

Beitragvon Interessierter » 10. Juni 2013, 10:48

Der Ex - Vernehmer Neun ist sich wieder einmal nicht zu schade mittels Wortklauberei einen Verklärungsversuch zu starten ? Das Wort " jeder " trifft doch eigentlich zu, wenn selbst Menschen hingerichtet wurden, die gar keine Tat vollendet hatten.

Siehe auch im Fall Werner Teske:

In einem auch innerhalb des MfS geheimgehaltenen Prozess vor einem Berliner Militärgericht wurde Teske – selbst nach DDR-Recht rechtswidrig – wegen vollendeter Spionage in einem besonders schweren Fall in Tateinheit mit Fahnen- und Republikflucht angeklagt und, obwohl die ihm zur Last gelegten Taten eindeutig nicht vollendet waren und das DDR-Strafrecht die Todesstrafe nur für vollendete Delikte vorsah, am 12. Juni 1981 zur Höchststrafe verurteilt.

http://de.wikipedia.org/wiki/Werner_Teske

Wie man Beerdigungen unter Ausschluß der Öffentlichkeit vollzieht, bewies die Stasi - Neubrandenburg doch schon 1963 bei dem an der Mauer erschossenen Paul Schultz.

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Re: Hinrichtungen in der DDR

Beitragvon Neun » 10. Juni 2013, 11:34

Wer redet denn hier von verklären, ich will es mir ja gerade erklären lassen und habe deshalb nachgefragt!

Wie war der Nebelkerzenspruch den Du so gerne bringst? Teske ist ja nun wirklich nicht mit jedem "normalen" Politischen gleichzusetzen.

Was soll denn jetzt auch noch das Thema Beerdigungen hier, es ging doch erstmal nur darum das angeblich jedem die Zuerkennung der Todesstrafe drohte! Mensch und 1963, weißte was ich da gemacht habe?
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Re: Hinrichtungen in der DDR

Beitragvon SkinnyTrucky » 10. Juni 2013, 11:57

Spartacus hat geschrieben:Weiß nicht ob das hier schon thematisierte wurde [mad]


Einfach mal die Suchfunktion benutzen, gibt schon Einiges hier zum Thema....unteranderen hier Spartacus.... [wink]

groetjes

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Re: Hinrichtungen in der DDR

Beitragvon Interessierter » 10. Juni 2013, 12:44

Wenn schon jemand hingerichtet wurde obwohl die ihm zur Last gelegten Taten eindeutig nicht vollendet waren und das DDR-Strafrecht die Todesstrafe nur für vollendete Delikte vorsah, dann war mit Sicherheit auch jeder " Politische " durch diese Unrechts- und Willkürjustiz der SED gefährdet.

Nach heutigem Forschungsstand wurden bis 1987 231 Todesurteile in der DDR ausgesprochen. Davon wurden vermutlich 160 vollstreckt. 52 davon ergingen wegen politischer Delikte, 64 wegen Verbrechen in der NS-Zeit und 44 wegen Mordes und anderer Kapitalverbrechen.

http://www.welt.de/geschichte/zweiter-w ... mpfer.html

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Re: Hinrichtungen in der DDR

Beitragvon icke46 » 10. Juni 2013, 16:17

Man sollte aber auch die Kirche im Dorf lassen, Hier mal ein Zitat aus wikipedia:

Die wahrscheinlich letzte Hinrichtung in Deutschland fand am 26. Juni 1981 in der DDR, in der Hinrichtungsstätte im Gefängnis an der Alfred-Kästner-Straße, Leipzig, statt: Der 39-jährige Stasi-Hauptmann Werner Teske, dem vorgeworfen wurde, sich mit Akten in den Westen absetzen zu wollen (Spionagetatbestand), wurde durch den „unerwarteten Nahschuss” hingerichtet. Hierbei verkündete der Staatsanwalt dem völlig Ahnungslosen die beiden Sätze „Das Gnadengesuch ist abgelehnt. Ihre Hinrichtung steht unmittelbar bevor.” Daraufhin trat der letzte deutsche Henker, Hermann Lorenz, unbemerkt von hinten heran und schoss Teske ohne weitere Umschweife mit einer Armeepistole in den Hinterkopf. Lorenz hat auf diese Weise etwa zwanzig Hinrichtungen vollstreckt und wurde später zum Major befördert.

Das letzte nicht-militärische Todesurteil in der DDR wurde am 15. September 1972 an dem Kindermörder Erwin Hagedorn aus Eberswalde vollzogen.


Wenn die letzte nicht-militärische Hinrichtung 1972 war, kommt mir ein befürchtetes Todesurteil wegen wie auch immer gearteter oppositioneller Haltung arg konstruiert vor. Man sollte schon auch bei den Todesurteilen wegen, ich sage mal Untergrundtätigkeit, die Zeitschiene beachten.

Gruss

icke
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Re: Hinrichtungen in der DDR

Beitragvon Wosch » 10. Juni 2013, 17:44

Formal gesehen konnte aber die Todesstrafe bis zur ihrer Abschaffung verhängt und vollstreckt werden. Insofern ist an dem Eingangs-Beitrag nichts zu beanstanden.Alleine das Wissen um die Möglichkeit hingerichtet zu werden lies ja ernsthaften Widerstand bei den Organen auf ein "Minimum" sinken und wer weiß ernsthaft ob es außer den bekannten urteilsbegründeten Hinrichtungen nicht etliche gegeben haben könnte, von der der Nachwelt keine Unterlagen präsentiert wurden??
Wenn man sich mit der "humanistischen" Grundeinstellung eines "Erich Mielke" befaßt, könnte man dabei auf "dumme" Gedanken kommen. Um Gottes Willen NEIN, ich bin jetzt besser ruhig, wäre doch überhaupt nicht vorstellbar, oder???
Übrigens, die vielen verscharrten Toten in Bautzen, wurden die übrigens schon alle identifiziert??
Schönen Gruß zum Nachdenken, aus Kassel, Wosch. [hallo]
Zuletzt geändert von Wosch am 10. Juni 2013, 17:45, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Hinrichtungen in der DDR

Beitragvon Volker Zottmann » 10. Juni 2013, 17:44

@Icke,
Mit der Kirche im Dorf... ist es so eine Sache. Damals gab es kein Wiki, keine Informationen und staatlicher seits keine Ehrlichkeit.
Woher sollte der Normalbürger wissen, wann der letzte Politische hingerichtet wurde, wenn selbst die abtrünnigen Stasis-Offiziere heimlich gemeuchelt wurden?
Es hätte für jedes Gedankenspiel eine Variante gegeben.
So, wie die "Konterrevolutionäre" zum 40. Jahrestag auf die Polizei- und Stasi-Laster geprügelt wurden, hätte ich spätestens da dem Staatswesen jede Brutalität und auch Erschießung zugetraut.
Schau mal auf den Videos vom Leipziger Ring in die wutverzerrten Fratzen der jungen Stasibüttel ... Nein, in der DDR war alles möglich!

Es ist meines Erachtens des Spartacus`Aussage, dass jeder Oppositionelle mit allem rechnen musste, durchaus legitim.

Gruß Volker
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Re: Hinrichtungen in der DDR

Beitragvon vs1400 » 10. Juni 2013, 17:48

Neun hat geschrieben:
Bis dahin musste jeder politische Häftling mit dem schlimmsten rechnen.


Märchenstunde für die Nachwelt? Auf welche "politischen" Straftaten stand denn als Höchsstrafe die, oben angeführte, endgültigste Maßnahme der strafrechtlichen Verantwortlichkeit?


@ Neun,
du warst politischer häftling?
ich finde deine aussage sehr erhaben und selbst du konntest nicht jeden gedanken, deines damaligen gegenüber, zu 100% folgen.
an der grenze gab es das druckmittel Schwedt und im politischen knast hat man den inhaftierten nicht irgendwie auch unter druck setzen können, mit solchen aussagen?

klar, ist spekulativ, doch nicht unvorstellbar.

gruß vs
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Re: Hinrichtungen in der DDR

Beitragvon Spartacus » 10. Juni 2013, 17:49

Interessierter hat geschrieben:Der Ex - Vernehmer Neun ist sich wieder einmal nicht zu schade mittels Wortklauberei einen Verklärungsversuch zu starten ? Das Wort " jeder " trifft doch eigentlich zu, wenn selbst Menschen hingerichtet wurden, die gar keine Tat vollendet hatten.


" Der Interessierte "


Genau so hatte ich es gemeint und war mir fast sicher, dass Neun auf meine Provokation reinfallen würde [laugh]

Das ist ja so einfach bei ihm, da man ihn vorrausberechnen kann.

@ Icke

Wikipedia nehme ich eigentlich nicht so gerne her, da dort "JEDER" schreiben kann.

Gerade in dieser Hinsicht, also Todesurteile in der DDR, muss man wohl warten, was da die Zukunft
noch so an`s Tageslicht fördert.

Ihm übrigen bleibe ich bei meiner Aussage, das es jeden hätte treffen können, da in einem "irren"
System, wo "Irre" an der Macht waren, nun mal mit allem gerechnet werden musste.

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Re: Hinrichtungen in der DDR

Beitragvon Volker Zottmann » 10. Juni 2013, 18:11

Auch wenn eines Tages die letzten Stasi-Akten entschlüsselt oder wiederhergestellt sind, werden wir nicht über alle Schicksale erschöpfend Auskunft erhalten.
Mich persönlich lassen 2 Schicksale nie in Ruhe. Das meines Kollegen Fredi, der 1971 bei der NVA Bernau ums leben kam. (Da wissen die Angehörigen heute noch nicht die Todesumstände)
Als ebenso schlimm, vielleicht noch grausamer, ist das Verschwinden meiner Bekannten Bärbel Sonderhoff aus Dresden, Geblerstraße 8.
Fakt ist, dass dort die Stasi involviert ist. Lebt sie noch? Starb sie evtl. an einer fremden Ostblockgrenze und wurde verscharrt?
Warum gab mir der Staat keine Auskunft?
Warum konnte ihre Chefin nur stereotyp andeuten, das sie sich nicht mehr auf DDR- Territorium befindet?
Auch darum hoffe ich, noch Hinweise zu finden, vielleicht durch eine Stasinotiz, vielleicht durch eine Akte gegen uns, denn wir hatten regen Kontakt.

Wer sagt uns aber, dass nicht, warum auch immer, auch ein kurzer Prozess, so heimlich wie bei Teske gemacht wurde?
Glaubt mir, ehe wieder dumme Sprüche aus der Stasifraktion kommen, das sind ehrlich unsere Gedanken, die treiben uns um.
Und Schuld ist das DDR-System, dem Einzelschicksale scheißegal waren.

Gruß Volker
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Re: Hinrichtungen in der DDR

Beitragvon Sirius » 10. Juni 2013, 18:24

Volker Zottmann hat geschrieben:Auch wenn eines Tages die letzten Stasi-Akten entschlüsselt oder wiederhergestellt sind, werden wir nicht über alle Schicksale erschöpfend Auskunft erhalten.
Mich persönlich lassen 2 Schicksale nie in Ruhe. Das meines Kollegen Fredi, der 1971 bei der NVA Bernau ums leben kam. (Da wissen die Angehörigen heute noch nicht die Todesumstände)
Als ebenso schlimm, vielleicht noch grausamer, ist das Verschwinden meiner Bekannten Bärbel Sonderhoff aus Dresden, Geblerstraße 8.
Fakt ist, dass dort die Stasi involviert ist. Lebt sie noch? Starb sie evtl. an einer fremden Ostblockgrenze und wurde verscharrt?
Warum gab mir der Staat keine Auskunft?
Warum konnte ihre Chefin nur stereotyp andeuten, das sie sich nicht mehr auf DDR- Territorium befindet?
Auch darum hoffe ich, noch Hinweise zu finden, vielleicht durch eine Stasinotiz, vielleicht durch eine Akte gegen uns, denn wir hatten regen Kontakt.

Wer sagt uns aber, dass nicht, warum auch immer, auch ein kurzer Prozess, so heimlich wie bei Teske gemacht wurde?
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Gruß Volker


Ganz unabhängig davon, was die Erklärung für das Verschwinden ist. Fehler wurden beispielsweise gemacht, als ehemalige Ostblockstaaten wie Bulgarien ankündigten, der EU beitreten zu wollen. Da hätte die deutsche Regierung fordern können, dass es einen Beitritt nur bei vollständiger Öffnung der Archive und freiem Zugang gibt, um das Schicksal verschwundener Bürger zu klären. Die hätten mit Sicherheit ihre Archive geöffnet, so wie Serbien im Moment auch jede Forderung erfüllt. Zumindest könnte dann heute in dieser Richtung ein Verschwinden ausgeschlossen werden. Jetzt ist es zu spät, das Druckmittel nicht mehr vorhanden. Aber den deutschen Politikern war das Schicksal der Verschwundenen und deren Angehörige ziemlich egal.
Zuletzt geändert von Sirius am 10. Juni 2013, 18:36, insgesamt 1-mal geändert.
Ignoriertes Mitglied: Interessierter/AkkuGK1

Wer sich nicht an die Vergangenheit erinnern kann, ist dazu verdammt, sie zu wiederholen.
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Re: Hinrichtungen in der DDR

Beitragvon Spartacus » 10. Juni 2013, 18:32

Hallo Volker,

eigenartige Geschichte mit Deiner Freundin.

Hast Du Dich schon mal an die Hoheneckerinnen gewandt?

Die haben gute Kontakte und wissen viel.

http://www.frauenkreis-hoheneckerinnen.de/start.htm

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Re: Hinrichtungen in der DDR

Beitragvon Volker Zottmann » 10. Juni 2013, 19:02

Danke Spartacus,
nein, das habe ich nicht. Sie hat ja auch nie gesessen. Dennoch werde ich Deinen Hinweis aufgreifen.
Weil wir bis 1985 kein Telefon hatten, haben wir, die Bärbel und ich, sporadisch von unseren Arbeitsstellen telefoniert. Sonst eben per Brief Kontakt gehalten.
Sie war damals ledig, aber wohl älter als ich. Sie reiste stets, sowie wieder ein paar Groschen angespart waren. Aber eben immer nur in den Ostblock.
Die Adresse war auch ihre Arbeitsstelle. Eine Zoologische Handlung.
Ihre Chefin hat auch mit mir gesprochen wenn ich anrief und dann Bärbel, die als Goldfischzuchtlaborantin arbeitete, gerufen.
Doch dann eines Tages war alles anders. Die Frau war wie ausgewechselt und leierte immer wieder (ich rief mehrmals an) diesen blöden Satz herunter. Wie auswendig gelernt oder abgelesen.
Ich habe deutschlandweit Familien des Namens Sonderhoff angerufen, angeschrieben. Keiner kennt sie, keiner weiß was.
Mittlerweile ist sie auch im Suchpol von Edda Schönherz gelistet aber bisher ohne Ergebnis.

Und eben lese ich, wer die Chefin im Frauenkreis ist: Edda Schönherz ...



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Re: Hinrichtungen in der DDR

Beitragvon Nov65 » 10. Juni 2013, 20:04

Mit dem Wissen und der permanenten Angst, dass eine ungeahnte Strafe verhängt werden könnte, sind wir doch großgeworden.
Der Staat und seine willigen Helfer waren für den Bürger allmächtig und übermächtig. Das Gefühl mit ausgeliefert-sein zu beschreiben ist noch milde ausgedrückt.
Die Verfolgung von womöglichen Nazireich-Anhängern, den womöglichen Werwölfen, den Unwilligen bei der "sozialistischen Umgestaltung der Landwirtschaft", den womöglichen und wirklichen Republikflüchtigen, den ...usw. ist eine lange Kette im Unrechtsstaat, in der Diktatur, in der "Erfolgsgeschichte" des MfS.

Das alles, lieber @Neun, ist doch belegt. Warum sticht Du bloß noch länger gegen belegte Geschichte?
Ich schrieb es schon einmal: Wenn Du nach der Frage über den Verbleib eines nahen Familienmitgliedes bei der Polizei nach der Festnahme den schnöden, herablassenden Satz hörst"Das liegt jetzt in den Händen der Organe", dann weisst Du, alles ist möglich, der..ist ausgeliefert, es gibt höchstens noch Gott, der hier helfen kann. Eine Anwaltschaft in diesem Staate war gegen die Diktatur kein Gegengewicht.
Also, @Neun, höre bitte, bitte auf, uns so verarschen zu wollen. Du glaubst gar nicht, wie wütend Du mich machst!
Gruß in die Runde von Andreas
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Re: Hinrichtungen in der DDR

Beitragvon SkinnyTrucky » 12. Juni 2013, 20:17

Spartacus hat geschrieben:Ihm übrigen bleibe ich bei meiner Aussage, das es jeden hätte treffen können, da in einem "irren"
System, wo "Irre" an der Macht waren, nun mal mit allem gerechnet werden musste.


Nunja Spartacus, du wirst doch als kein besserer wissen, welche Wirkung Drohungen, wie zB *wir können auch anders* oder *hier kommen sie nicht mehr raus* oder *wir können sie auch ganz einfach verschwinden lassen*, haben....

....war sowas wirklich nur Angstmacherei....ich würd auch sagen, NEIN....angesichts der vielen Toten, die der Stalinismus produziert hatte und der heutigen Erkenntnis, das Mielke bis zum Schluss ein Fan vom Stalin und des Feliks Edmundowitsch Dserschinski war, ist diese These keineswegs abwegig....

Ja, sie konnten in der Tat anders....was sie zurück gehalten hat, ist die Angst vor schlechter Publicity beim *Feind*....

groetjes

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Re: Hinrichtungen in der DDR

Beitragvon Interessierter » 29. November 2015, 14:49

Hingerichtet im SED-Unrechtsstaat: Werner Hoffmann

Es muss daran erinnert werden, dass während der kommunistischen Herrschaft im östlichen Teil Deutschlands eine ganze Reihe von Todesurteilen verhängt und vollstreckt wurden – fast immer ohne Information der Öffentlichkeit. Eines davon traf Werner Hoffmann.

Am 7. September 1953 wurde Werner Hoffmann vom Bezirksgericht Karl-Marx-Stadt (jetzt wieder Chemnitz) zum Tode verurteilt. Der 1. Strafsenat des Bezirksgerichts war dabei besetzt mit dem Oberrichter Günther als Vorsitzenden, dem Technologen Johannes Höppner und dem Schlosser Hermann Blätterlein als Schöffen und der Justizangestellten Hensel als Protokollführerin. Die Anklage erhob Staatsanwalt Richter, Vertreter des Bezirksstaatsanwaltes. Das Urteil gründete sich auf „Kriegshetze verübt durch Spionage“ und auf „Friedensgefährdung“ – nach Art. 6 der Verfassung der DDR und Art. III A III der Kontrollratsdirektive 38.

Im gleichen Verfahren wurden Lothar Scheuner, Helmut Pfeiffer und Ulrich Kirmse zu lebenslangem Zuchthaus und Irene Hoffmann, die Ehefrau Werner Hoffmanns, zu 15 Jahren Zuchthaus verurteilt. Das pfändbare Vermögen sämtlicher Angeklagten wurde als Wiedergutmachungsbeitrag eingezogen und die Sühnemaßnahmen aus Art. 6 der Verfassung und Art. IX Ziff. 3–9 der Kontrollratsdirektive 38 gegen sie angeordnet. Die gegen das Urteil vom 7. September 1953 eingelegten Berufungen wurden vom Strafsenat 1 b des Obersten Gerichts der DDR am 6. Oktober 1953 zurückgewiesen. Ein Gnadengesuch wurde vom Präsidenten der DDR, Wilhelm Pieck, am 8. Februar 1954 abgelehnt. Das Todesurteil wurde am 20. März 1954 vollstreckt; der Bestattungsschein des Standesamtes Dresden nennt Herzmuskelinsuffizienz, Herzinfarkt als Todesursache.

Werner Hoffmann wurde am 22.10. 1926 geboren. Nach der Schule war er Verwaltungslehrling bei der Stadtverwaltung Chemnitz. Er wurde 1944 zur Marine eingezogen und geriet 1945 in englische Kriegsgefangenschaft, aus der er noch im gleichen Jahr entlassen wurde. Nach seiner Rückkehr war er Verwaltungsangestellter bei der Stadt Chemnitz, erst Sachbearbeiter, dann Verwaltungsinspektor. Er wurde 1950 als Referent in das Innenministerium der DDR in Berlin berufen, kam 1951 als Hauptreferent zur Stellenplaninspektion bei der Zentralen Kommission für staatliche Kontrolle.

Das Gericht warf ihm vor, mit einem Agenten des amerikanischen Geheimdienstes in Verbindung zu stehen und diesem Material aus seiner Dienststelle übergeben zu haben, auch solches, das geheim zu halten war. Dafür soll er Zahlungen in DDR-Mark und auch Gutschriften in Westmark auf ein besonderes Konto erhalten haben. Seine Gefährlichkeit wurde besonders darin gesehen, dass er „durch seinen verbrecherischen Vertrauensbruch den imperialistischen Kriegsbrandstiftern die umfassende Grundlage für den Aufbau eines Agentennetzes in der DDR lieferte“.

Der Generalstaatsanwalt der DDR, Dr. Ernst Melsheimer, berichtete dem Hohen Kommissar der UdSSR in Deutschland, zu Händen Oberst Jakupow, über die Verurteilung Werner Hoffmanns ausführlich (in russischer Sprache) unter anderem:

„Weil das Verbrechen des Hoffmann so groß ist und er dazu beigetragen hat, dass die faschistischen Provokateure den 17. Juni 1953 entfachen konnten, hat der Anklagevertreter die höchste Strafe für den Feind unserer Ordnung beantragt, worauf das Gericht auch antragsgemäß erkannt hat“.

Hier log Dr. Melsheimer! In Wahrheit hatte Werner Hoffmann, der am 5. Juni 1953 verhaftet wurde, keinerlei Bezug zum 17. Juni; dieser wurde auch im Verfahren nirgends erwähnt.

Irene Hoffmann wurde am 11. November 1960 aus dem Zuchthaus entlassen, Lothar Scheuner und Ulrich Kirmse am 3. November 1962 und Helmut Pfeiffer am 17. Dezember 1964.

Werner Hoffmann wurde rehabilitiert, ebenso auch die anderen. Der 2. Senat zu Rehabilitierung des Landgerichts Dresden beschloss am 17. Februar 1993:

„Das Urteil des Bezirksgerichts Karl-Marx-Stadt vom 07.09.1953 – 1 Ks 249/53 – sowie das Berufungsurteil des Obersten Gerichts der DDR vom 06.10.1953 – 1 b Ust 507/53 – werden für rechtswidrig erklärt und aufgehoben. Die darin Verurteilten sind rehabilitiert.“ Damit wurde eindeutig rechtlich festgestellt, dass Werner Hoffmann infolge seiner Verurteilung als eines der zahlreichen Opfer der politisch gelenkten DDR-Justiz sein Leben verlor.



Der Autor: Helmut Pfeiffer ist Jurist und lebt in Nordhausen/Thüringen. Von Juni 1953 bis Dezember 1964 verbrachte er elfeinhalb Jahre in Zuchthäusern der DDR. Kontakte in Westberlin waren ihm als „Spionage“ zur Last gelegt worden. Vor zwei Jahren erschien sein Buch, herausgegeben von der Landesbeauftragten des Freistaates Thüringen für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR: Lebenslänglich. Freiheit verloren, Recht verloren, Erfurt 2005.

http://www.bwv-bayern.org/component/con ... fmann.html

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Re: Hinrichtungen in der DDR

Beitragvon Zeitgeschichtler » 18. Januar 2017, 21:08

Volker Zottmann hat geschrieben:Auch wenn eines Tages die letzten Stasi-Akten entschlüsselt oder wiederhergestellt sind, werden wir nicht über alle Schicksale erschöpfend Auskunft erhalten.
Mich persönlich lassen 2 Schicksale nie in Ruhe. Das meines Kollegen Fredi, der 1971 bei der NVA Bernau ums leben kam. (Da wissen die Angehörigen heute noch nicht die Todesumstände)
Als ebenso schlimm, vielleicht noch grausamer, ist das Verschwinden meiner Bekannten Bärbel Sonderhoff aus Dresden, Geblerstraße 8.
Fakt ist, dass dort die Stasi involviert ist. Lebt sie noch? Starb sie evtl. an einer fremden Ostblockgrenze und wurde verscharrt?
Warum gab mir der Staat keine Auskunft?
Warum konnte ihre Chefin nur stereotyp andeuten, das sie sich nicht mehr auf DDR- Territorium befindet?
Auch darum hoffe ich, noch Hinweise zu finden, vielleicht durch eine Stasinotiz, vielleicht durch eine Akte gegen uns, denn wir hatten regen Kontakt.

Wer sagt uns aber, dass nicht, warum auch immer, auch ein kurzer Prozess, so heimlich wie bei Teske gemacht wurde?
Glaubt mir, ehe wieder dumme Sprüche aus der Stasifraktion kommen, das sind ehrlich unsere Gedanken, die treiben uns um.
Und Schuld ist das DDR-System, dem Einzelschicksale scheißegal waren.

Gruß Volker




irgendwo vor kurzen habe ich gelesen, das es in der tat etliche ddr-bürger gab die in bulgarien beim grenzübertritt erschossen wurden und deren verbleib vollkommen ungeklärt ist.
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Re: Hinrichtungen in der DDR

Beitragvon augenzeuge » 18. Januar 2017, 22:18

Freiheit ist ein Gut, das durch Gebrauch wächst und durch Nichtgebrauch dahinschwindet. Keiner darf für sich den Besitz der Wahrheit beanspruchen, sonst wäre er unfähig zu Kompromiß und überhaupt zu Zusammenleben.
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Re: Hinrichtungen in der DDR

Beitragvon Volker Zottmann » 18. Januar 2017, 23:08

Zeitgeschichtler hat geschrieben:
Volker Zottmann hat geschrieben:Auch wenn eines Tages die letzten Stasi-Akten entschlüsselt oder wiederhergestellt sind, werden wir nicht über alle Schicksale erschöpfend Auskunft erhalten.
Mich persönlich lassen 2 Schicksale nie in Ruhe. Das meines Kollegen Fredi, der 1971 bei der NVA Bernau ums leben kam. (Da wissen die Angehörigen heute noch nicht die Todesumstände)
Als ebenso schlimm, vielleicht noch grausamer, ist das Verschwinden meiner Bekannten Bärbel Sonderhoff aus Dresden, Geblerstraße 8.
Fakt ist, dass dort die Stasi involviert ist. Lebt sie noch? Starb sie evtl. an einer fremden Ostblockgrenze und wurde verscharrt?
Warum gab mir der Staat keine Auskunft?
Warum konnte ihre Chefin nur stereotyp andeuten, das sie sich nicht mehr auf DDR- Territorium befindet?
Auch darum hoffe ich, noch Hinweise zu finden, vielleicht durch eine Stasinotiz, vielleicht durch eine Akte gegen uns, denn wir hatten regen Kontakt.

Wer sagt uns aber, dass nicht, warum auch immer, auch ein kurzer Prozess, so heimlich wie bei Teske gemacht wurde?
Glaubt mir, ehe wieder dumme Sprüche aus der Stasifraktion kommen, das sind ehrlich unsere Gedanken, die treiben uns um.
Und Schuld ist das DDR-System, dem Einzelschicksale scheißegal waren.

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irgendwo vor kurzen habe ich gelesen, das es in der tat etliche ddr-bürger gab die in bulgarien beim grenzübertritt erschossen wurden und deren verbleib vollkommen ungeklärt ist.



Meine grundlegende Aussage und Einstellung bleiben unverändert.
Ich muss (tat ich auch schon) nochmal klarstellen, dass sich mein zweites angeführtes Schicksal geklärt hat. Nach langer Suche und Dresdenaufenthalt sprach ich mit der damaligen "Telefonpartnerin". Sie durfte damals nichts anderes sagen. [mundzu] Inzwischen ist völlig klar, dass Bärbel als Begleitperson mit einer früheren Firmeninhaberin nach München ausreisen durfte. Das hat mich sehr erleichtert.
Die Stasi hat aber durch ihr Wirken alle möglichen Nahestehenden über alle DDR-Jahre im Ungewissen gelassen. Verbrecherbande!

Gruß Volker
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