Die lange Nacht des Henkers

Die lange Nacht des Henkers

Beitragvon Interessierter » 30. Oktober 2019, 13:42

Erbarmungslos belauerten die Handlager des Henkers die Todgeweihten auch noch in deren letzten Stunden.

„Der Verurteilte gebährdete sich betr. letzter Wünsche ablehnend und widerspenstig“, notierten sie.

Oder: „Er verbrachte die Nacht mit Rauchen und Brief schreiben.“

In einem Fall heißt es: „Bei der Übergabe an den Scharfrichter versuchte er Schwierigkeiten zu machen und schrie das Wort Freiheit...“


Es sind erschütternde Aktenauszüge aus den Vollstreckungsprotokollen von drei DDR-Delinquenten.

Die Männer wurden am 16. Mai vor genau 60 Jahren in der „Zentralen Hinrichtungsstätte“ in Dresden durch das Fallbeil enthauptet. In keiner anderen Nacht vollstreckte die DDR mehr Todesurteile als in dieser.

Wer waren die drei Hingerichteten?

Silvester Murau († 49)

Der gelernte Fleischer ging nach dem Krieg zur Volkspolizei, wurde später sogar Major bei der Stasi in Schwerin. Dort wurde er allerdings 1951 entlassen, weil er in Fragebögen angeblich seine Zeit beim faschistischen Selbstschutz in Polen verschwiegen hatte. Murau behauptete seinerseits, man habe ihn gefeuert, weil er in einem Usedomer Mordfall zwei SED-Funktionäre als Täter verdächtigt hatte.

1954 flüchtete Murau in den Westen. Laut DDR-Staatsanwalt soll er dort US-Agenten „Arbeitsmethoden der Stasi“ verraten und somit „den Imperialisten Informationen zur Führung des kalten Krieges gegen die DDR“ geliefert haben.

Unfassbar: Mithilfe seiner eigenen Tochter (damals 21, später Stasi-IM) wurde der Schweriner noch im Jahr seiner Flucht zurück in die DDR entführt.

Am 22. Februar 1956 verurteilte ihn das Bezirksgericht Cottbus wegen Spionage und Staatsverbrechen zum Tode. Murau bestritt die Vorwürfe bis zuletzt. Seine Berufung wurde abgewiesen. Muraus Tochter heiratete später den Stasi-Oberst, der die Entführung ihres Vater geplant hatte (operativer Vorgang „Lump“).

Dazu Dr. Fred Mrotzek (50) von der Forschungs- und Dokumentationsstelle zur Geschichte der Diktaturen an der Universität Rostock: „Nach dem Volksaufstand am 17. Juni 1953 war die Staatssicherheit vom Ministerium zum Staatssekretariat degradiert worden. Erich Mielke setzte alles daran, das ramponierte Ansehen bei der Parteiführung aufzubessern. Deshalb wurde mit Verrätern äußerst brutal umgegangen. Letztlich hatte Silvester Murau während des Gerichtsprozesses keine Chance. Zur Abschreckung erfolgte die Vollstreckung vor ausgewählten Offizieren der Staatssicherheit.“

Wird fortgesetzt.
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Re: Die lange Nacht des Henkers

Beitragvon Interessierter » 30. Oktober 2019, 14:02

Horst Klinger († 28)

Er lieferte ihm Informationen über sowjetische Panzer, Schiffe und Truppenbewegungen. Die Stasi kam dahinter. Wegen „umfangreicher Militärspionage“ und „Boykotthetze“ musste er sich schließlich vor dem Bezirksgericht Schwerin verantworten. Klinger habe damit „die imperialistischen Kriegstreiber unterstützt“ und „die friedliebenden Werktätigen der DDR und darüber hinaus alle anderen friedliebenden Menschen in eine ernste Gefahr gebracht“, heißt es in der Anklageschrift.

Am 14. Oktober 1955 wurde Klinger „als einer der gefährlichsten Feinde des werktätigen Volkes“ zum Tode verurteilt. Er müsse „unschädlich gemacht werden“, heißt es in der Urteilsbegründung.

Joachim Flegel († 30)

Der Zahnarzt, der an zwei Krankenhäusern in Brandenburg arbeitete, wurde zusammen mit seinem Studienfreund Horst Klinger angeklagt. Die Stasi unterstellte ihm, Kenntnisse von der Spionage-Tätigkeit seines Freundes gehabt zu haben und legte ihm deshalb unter anderem die „Nichtanzeige von Verbrechen“ zur Last. Zudem soll er selbst Spione für die Engländer angeworben und Kurierfahrten für den Geheimdienst übernommen haben. Während Klinger zum Tode verurteilt wurde, verhängte das Schweriner Bezirksgericht am 14. Oktober 1955 gegen Flegel zunächst „nur“ 15 Jahre Zuchthaus.

Doch: Die SED intervenierte.

In einem Protokoll vom 1. November 1955 heißt es: „Das Politbüro hat gegen den Urteilsvorschlag bei Flegel Einwendungen. Es schlägt vor, auch in diesem Falle dasselbe Urteil wie bei Klinger zu fällen.“ Der DDR-Generalstaatsanwalt beantragte die Kassation. Kurz darauf wurde das Urteil aufgehoben.

Am 6. Februar 1956 verurteilte das Bezirksgericht nun auch Joachim Flegel zum Tode.

Geschichts-Forscher Dr. Fred Mrotzek: „Joachim Flegel und Horst Klinger waren Freiheitskämpfer, die sich ganz bewusst für den Widerstand gegen die kommunistische Diktatur entschieden. Die Todesurteile standen schon zu Beginn des Prozesse fest.“


★★★

In allen drei Fällen waren die Gnadengesuche der Männer von DDR-Präsident Wilhelm Pieck (1876-1960) abgelehnt worden.

Laut Protokoll teilten ihnen dies „ein Staatsanwalt und ein Vertreter der Vollstreckungsbehörde“ am Hinrichtungstag jeweils um 0.30 Uhr „nach Feststellung der Personengleichheit“ mit. Man eröffnete ihnen, dass „die Vollstreckung in den Morgenstunden stattfindet.“

► „Bei der Verkündung machte der Verurteilte einen verbissenen Eindruck“, protokollierte der Staatsanwalt bei Silvester Murau.

► „Gefasst, aber niedergeschlagen“ reagierte laut Bericht Horst Klinger.

► Dessen Studienfreund Joachim Flegel habe einen „total verstörten Eindruck“ gemacht, heißt es.

Als letzte Wünsche hätten die Gefangenen dann „Rauchware, etwas Trinkbares und Briefpapier“ erbeten. Das Limit zur Erfüllung von Gefangenen-Wünschen lag bei 10 DDR-Mark.


Innerhalb von zehn Minuten wurden die drei Todesurteile dann vollstreckt. Bei Murau um 4.10 Uhr, bei Klinger um 4.15 Uhr und bei Flegel um 4.20 Uhr.

Mit freiem Oberkörper, die Hände auf dem Rücken gefesselt, führten die Gehilfen von Henker Walter Böttcher die Verurteilten nacheinander in den Hinrichtungsraum. Die sogenannte „Fallschwertmaschine“, eine wieder hergerichtete Guillotine aus der Nazi-Zeit, war zunächst nicht sichtbar. Ein schwarzer Vorhang verhüllte sie.

Ein letztes Mal wurde dem Gefangenen nun sein Todesurteil verlesen.

Der Scharfrichter zog daraufhin den Vorhang zurück und ließ den Verurteilten auf ein bewegliches Brett schnüren. Dieses wurde danach nach vorn geschoben, bis sich der Nacken unter dem Schafott befand. Der Henker, ein gelernter Schmied, entriegelte nun die Sicherung, die Klinge schoss nach unten und trennte den Kopf zwischen dem vierten und fünften Halswirbel vom Rumpf.

Vollstreckungsdauer laut Protokoll: 3 Sekunden.


Das Blut strömte nun pulsierend aus dem Körper – direkt in einen eigens dafür geschaffenen Ausguss im Fußboden. Makaber: Damit der Körper noch schneller ausblutete, hielten die Henker-Gehilfen die Beine des Toten nach oben. Beim Einsargen war es üblich, den abgetrennten Kopf zwischen die Beine des Enthaupteten zu legen.

Die Leichen wurden später unter größter Geheimhaltung anonym verbrannt und die Asche in einer Sammelstelle verscharrt. Die Angehörigen erhielten oftmals nur eine kurze Todesnachricht. Häufig verzeichnen die Totenscheine fingierte „natürliche“ Todesursachen wie „Herzversagen“. Die Abschiedsbriefe, die letzten persönlichen Zeilen der Hingerichteten, wurden nie an die Familien weitergereicht.


https://www.bild.de/news/inland/ddr/die ... .bild.html

Ja so waren sie die 200%igen Genossen, wie karnak sie nannte und sogar meinte dass ein User aus dem freien Teil Deutschlands genau so ein 200%iger geworden wäre, hätte er in der DDR gelebt. [denken]
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Re: Die lange Nacht des Henkers

Beitragvon zonenhasser » 30. Oktober 2019, 15:34

BILD hat geschrieben:Die Leichen wurden später unter größter Geheimhaltung anonym verbrannt und die Asche in einer Sammelstelle verscharrt. Die Angehörigen erhielten oftmals nur eine kurze Todesnachricht. Häufig verzeichnen die Totenscheine fingierte „natürliche“ Todesursachen wie „Herzversagen“. Die Abschiedsbriefe, die letzten persönlichen Zeilen der Hingerichteten, wurden nie an die Familien weitergereicht.[/b]

Typisch für politische Prozesse in der DDR war die Geheimniskrämerei. Was für einen Wert haben Todesurteile, die auch abschreckend auf potentielle Täter wirken sollen, wenn sie nicht allgemein bekannt werden? Antwort: nur die pure Rache.

Dass in den Geheimprozessen nur ausgewählte Stasi-Leute und andere "gute Genossen" als Zuhörer im Gerichtssaal waren, hatte man sich von den Nazis abgeschaut.

Als Angehöriger des Reichsluftfahrtministeriums wurde Oberleutnant [Helmut - zh] Schmidt als Zuschauer zu den Schauprozessen des Volksgerichtshofes gegen die Männer des Attentats vom 20. Juli 1944 abkommandiert. Angewidert vom Verhalten des Vorsitzenden Richters Roland Freisler ließ sich Schmidt von seinem vorgesetzten General danach von weiterer Zuhörerschaft entbinden. https://de.wikipedia.org/wiki/Helmut_Schmidt
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Re: Die lange Nacht des Henkers

Beitragvon Nostalgiker » 30. Oktober 2019, 17:23

Jemanden der im eigenen Land Truppenbewegungen 'erforscht' und die Ergebnisse einem ausländischen Dienst mitteilt als "Freiheitskämpfer" zu titulieren hat schon was.
Gewöhnlich nennt man solche Leute Spione.

Das es für diese Spionagetätigkeit allerdings das Todesurteil gab steht auf einem anderen Blatt.

Gut in der freien Welt wurden zu dieser Zeit für eine dilettantische Kinderzeichnung ein Ehepaar auf dem elektrischen Stuhl gegrillt ......

Wir sollten uns also nicht allzu sehr über die unmenschlichen Kommunisten echauffieren ......
Ich nehme zur Kenntnis, das ich einer Generation angehöre, deren Hoffnungen zusammengebrochen sind.
Aber damit sind diese Hoffnungen nicht erledigt. Stefan Hermlin
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Re: Die lange Nacht des Henkers

Beitragvon HPA » 30. Oktober 2019, 18:03

Finde den Unterschied!

Zitat wiki:
Sie waren die einzigen US-amerikanischen Zivilisten, die während des Kalten Krieges wegen Spionage angeklagt wurden. Sie sind außerdem die einzigen in den USA in Friedenszeiten wegen Spionage Hingerichteten.


Diese Gleichsetzung ist schon ziemlich infam!
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Re: Die lange Nacht des Henkers

Beitragvon Beethoven » 1. November 2019, 07:24

In den 50-er Jahren, brannte die Luft auf beiden Seiten der politischen Systeme.

1953 bis 55 war da ganz besonders extrem. Es war Krieg, wenn auch ein "Kalter". Das man das heute anders sieht, steht außer Frage.
Die Gesetze erlaubten es eben zur damaliger Zeit, dass Spione hingerichtet werden.

Es braucht sich meiner Meinung nach keiner auf die Brust zu schlagen und sich als Humanist darstellen. Die BRD, die sich ja als Erbe des deutschen Reiches bezeichnet, hat da eine sehr unrühmliche Vergangenheit. Sicher auch ein Grund dafür, dass die Todesstrafe mit Schaffung des Grundgesetzes abgeschafft worden ist.

Vergleicht man die Zahlen der erschossenen Deserteure in der Wehrmacht, wird das deutlich: Die NS-Militärjustiz fällte nach Schätzungen etwa 30.000 Todesurteile wegen Fahnenflucht; vier Fünftel davon, etwa 23.000, wurden vollstreckt. Dabei sind noch nicht einmal die Opfer der „fliegenden Standgerichte“ der letzten acht Kriegswochen mitgerechnet, die ebenfalls nach Tausenden zählten. Quelle: https://www.welt.de/geschichte/zweiter- ... wurde.html

In den USA, dem "Vorbildstaat aller Demokratien", wird ja heute noch, in etlichen Staaten die Spritze gesetzt oder der Stuhl angewandt.

3333 Verbrecher starben wegen Mordes; 455 (davon 405 Neger) wegen Vergewaltigung, 20 wegen Kidnapping, acht wegen Spionage.
Quelle: https://www.spiegel.de/spiegel/print/d-46251975.html

Spione wurden zu allen Zeiten hingerichtet. Und in einer besonderen Situation des Krieges, gibt es da auch kaum ein Pardon.

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Re: Die lange Nacht des Henkers

Beitragvon HPA » 1. November 2019, 08:39

Netter Versuch. Das Blöde ist nur, dass diese Todesurteile nach der Wende samt und sonders kassiert und so mancher Richter wegen Rechtsbeugung und Verhängen von völlig überzogenen Strafen verknackt wurde.
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Re: Die lange Nacht des Henkers

Beitragvon augenzeuge » 1. November 2019, 09:00

Die Gesetze erlaubten es eben zur damaliger Zeit, dass Spione hingerichtet werden.


Gesetze? Und warum wurden Urteile nach Verkündung durch die Regierung noch verändert? Beethoven, du kannst nicht alles mit Kalten Krieg erklären. Das ist zu einfach. Und ein System, welches mit dem gleichen Volk wie zuvor die Verantwortung des Erbes des Deutschen Reiches ablehnte, humanistischer als dieses sein wollte, hätte die Chance gehabt, es besser zu gestalten. Wobei man der Marionettenregierung wenig Schuld geben kann, in Moskau saßen die wirklich Verantwortlichen.

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Re: Die lange Nacht des Henkers

Beitragvon Kumpel » 1. November 2019, 09:21

augenzeuge hat geschrieben:
........Wobei man der Marionettenregierung wenig Schuld geben kann, in Moskau saßen die wirklich Verantwortlichen.

AZ


Das würde ich so generell nicht stehen lassen wollen.
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Re: Die lange Nacht des Henkers

Beitragvon augenzeuge » 1. November 2019, 09:59

Kumpel hat geschrieben:
augenzeuge hat geschrieben:
........Wobei man der Marionettenregierung wenig Schuld geben kann, in Moskau saßen die wirklich Verantwortlichen.

AZ


Das würde ich so generell nicht stehen lassen wollen.


Ok, sagen wir mal so, die Marionetten wollten sich durch diese "Härte" in Moskau darstellen.
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Re: Die lange Nacht des Henkers

Beitragvon zonenhasser » 1. November 2019, 11:07

Beethoven hat geschrieben: Die BRD, die sich ja als Erbe des deutschen Reiches bezeichnet, hat da eine sehr unrühmliche Vergangenheit. Sicher auch ein Grund dafür, dass die Todesstrafe mit Schaffung des Grundgesetzes abgeschafft worden ist.
Das Grundgesetz wurde am 23. Mai 1949 in Kraft gesetzt. Das ist der Gründungstag der Bundesrepublik Deutschland. Die Bundesrepublik hat die gleiche "unrühmliche Vergangenheit" wie die DDR, nämlich das NS-Reich. Mit dem Grundgesetz wurde die Todesstrafe in der Bundesrepublik abgeschafft. 1987 stand Honeckers Besuch in der Bundesrepublik bevor. Da er nach Devisenkrediten gierte, wollte Honecker etwas Positives mitbringen: die Abschaffung der Todesstrafe. Dumm nur, dass das Scheinparlament, die Volkskammer so selten tagte (2 bis 4 mal jährlich). In Bruch der DDR-Verfassung, wonach Gesetze nur durch die Volksklammer verabschiedet werden dürfen (hier: Änderung des Strafgesetzbuchs) strich Honecker per Erlass die Todesstrafe am 17. Juli 1987. Am 18. Dezember 1987 bestätigte die Volkskammer der DDR die Abschaffung der Todesstrafe und gab grünes Licht für die entsprechende Änderung im Strafrecht des Landes.
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Re: Die lange Nacht des Henkers

Beitragvon HPA » 1. November 2019, 11:15

Nichts zu vergessen, dass der letzte angebliche "Spion" Werner Teske 1981 hingerichtet wurde.

Hier hat mal einer ständig damit herum kokettiert dass seinem Freund Karney die Todesstrafe gedroht hätte.

Hätte er die Grundsatzurteile des Obersten Gerichts der USA zu diesem Thema gekannt, welche da heissen ,dass nur dann ein Spion zum Todde verurteilt werden kann , wenn nachweislich US Bürger durch sein Tun zu Tode gekommen sind, würde ihm dämmern was er da für Schwachfug postuliert!

Selbst Robert Hanssen wurde nur zu lebenslanger Haft verurteilt, obwohl seine an den KGB verratenen Quellen in der damaligen UdSSR hingerichtet wurden!
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Re: Die lange Nacht des Henkers

Beitragvon Beethoven » 1. November 2019, 17:16

Ja, nun, was wollt ihr beweisen?

Es gab die Todesstrafe in der DDR. Die gab es in vielen anderen Staaten auch. Gibt es gar heute noch.

Die Spione wurden zum Tode verurteilt, wie es Bruno Abel auch beinahe passiert wäre. Das wird keiner rückgängig machen können.
Diese Spione wurden nun rehabilitiert. Heute wären Sie vermutlich sogar zu Helden hoch stilisiert. Zu damaligen Zeiten waren sie das, was sie waren, nämlich Spione gegen das Land,
in welchem sie lebten. Und in den frühen 50-er Jahren wurden sie dafür hingerichtet. In den 70-er Jahren hätten sie wahrscheinlich nur noch Haftstrafen bekommen.
Soll ich mir (oder wir uns) deshalb nun das Büßergewand anlegen?
Wer zu jener Zeit Spionage betrieb sollte gewusst haben worauf er sich einlässt.

Herr Teske ist da ein anderes Blatt.
Die Beweggründe seines Verrates mögen vielschichtig und persönlich gewesen sein. Das ändert aber nichts an der Tatsache, dass er, als ein Mann in einer besonderen Funktion, dem man besonders viel Vertrauen, seitens des Staates entgegen gebracht hat, Verrat begehen wollte.
Meiner Meinung nach hätte da eine Haftstrafe auch gereicht aber es kam eben anders. Die Gesetze der DDR ließen dieses zu.

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Re: Die lange Nacht des Henkers

Beitragvon zonenhasser » 1. November 2019, 19:52

Beethoven hat geschrieben:Herr Teske ist da ein anderes Blatt.
Die Beweggründe seines Verrates mögen vielschichtig und persönlich gewesen sein. Das ändert aber nichts an der Tatsache, dass er, als ein Mann in einer besonderen Funktion, dem man besonders viel Vertrauen, seitens des Staates entgegen gebracht hat, Verrat begehen wollte.
Deine Aussage, dass Teske Verrat begangen hat, ist falsch. Er hat niemals mit westlichen staatlichen oder nichtstaatlichen Stellen Verbindung aufgenommen. Ob er Verrat begehen wollte, ist auch unbewiesen. Er hatte lediglich Akten beiseite geschafft und Gelder veruntreut (20.244,50 DM und 21.478,- DDR-Mark). Er war Alkoholiker und offensichtlich geistig verwirrt.
https://de.m.wikipedia.org/wiki/Werner_Teske
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Re: Die lange Nacht des Henkers

Beitragvon HPA » 1. November 2019, 21:29

In den 70-er Jahren hätten sie wahrscheinlich nur noch Haftstrafen bekommen.


Falsch! Glombik, Trebeljahr, Baumann

Und nicht zu vergessen, diejenigen ,welche in den 50igern von den Russen in die Ljubljanka verschleppt und dort erschossen wurden!

Wer zu jener Zeit Spionage betrieb sollte gewusst haben worauf er sich einlässt


Ja genau. Das lies ja die HVA Spione im Westen umso ungenierter ihrem Tun nachgehen. Im Wissen , dass da eher lächerliche Strafen winkten.
Außerdem war ja ständig "Tauschware" verfügbar.
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Re: Die lange Nacht des Henkers

Beitragvon augenzeuge » 1. November 2019, 22:11

Exakt so war es. Beethoven wird hier ja ziemlich upgedatet. [grins]

Er wird nach den genannten Leuten googlen. Und am Ende wars wieder der Kalte Krieg. Warum war er nur auf einer Seite so brutal? Weil dort das schwächere System war?

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Re: Die lange Nacht des Henkers

Beitragvon zonenhasser » 1. November 2019, 22:59

augenzeuge hat geschrieben: Und am Ende wars wieder der Kalte Krieg. Warum war er nur auf einer Seite so brutal? Weil dort das schwächere System war?
Genauso war es.
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Re: Die lange Nacht des Henkers

Beitragvon Interessierter » 2. November 2019, 08:16

Zitat Beethoven:
Wer zu jener Zeit Spionage betrieb sollte gewusst haben worauf er sich einlässt.


Du hast auch vergessen zu erwähnen, dass etliche der Angeklagten gar keine Spionage betrieben hatten. Das hatte man in dieser ach so demokratischen DDR einfach erfunden, um unliebsame, nicht linientreue Bürger für Jahre wegsperren und mundtot machen zu können. Wie sollen diejenigen Menschen eigentlich gewusst haben worauf sie sich einlassen?

Wie du geschrieben hast, hat sich in deiner Einstellung auch nach 30 Jahren wirklich nichts geändert. Ausgenommen natürlich der Dinge, die dir im Kapitalismus zum Vorteil gereichen.

augenzeuge » 1. Nov 2019, 22:11
Exakt so war es. Beethoven wird hier ja ziemlich upgedatet.


Derartig alte und untauglichen Systeme lassen sich aber nicht mehr updaten.... [laugh]
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Re: Die lange Nacht des Henkers

Beitragvon Beethoven » 3. November 2019, 07:33

zonenhasser hat geschrieben:
Beethoven hat geschrieben:Herr Teske ist da ein anderes Blatt.
… , Verrat begehen wollte.
Deine Aussage, dass Teske Verrat begangen hat, ist falsch. Er hat niemals mit westlichen staatlichen oder nichtstaatlichen Stellen Verbindung aufgenommen. Ob er Verrat begehen wollte, ist auch unbewiesen. Er hatte lediglich Akten beiseite geschafft und Gelder veruntreut (20.244,50 DM und 21.478,- DDR-Mark). Er war Alkoholiker und offensichtlich geistig verwirrt.
https://de.m.wikipedia.org/wiki/Werner_Teske


Nun werter Zonenhasser, ich schrieb doch, dass er Verrat begehen wollte.
Warum, meinst Du, hatte er für "geheim" erklärte Dokumente bei Seite geschafft und (wenn auch schlecht) versteckt, auf die er hätte, nach gelungener Flucht, zugreifen können bzw. andere Spione diese hätten holen können?

Ein Feuerchen wollte er damit gewiss nicht entfachen. Es war seine Versicherung um im anderen Staat einen guten Start hinzulegen.

Mir braucht keiner zu erklären, dass die Todesstrafe eine Maßnahme ist, die heute nicht mehr nachvollziehbar ist.

Gerade Geheimnisträger wurden jedoch, so sie gegen ihren Schwur verstießen, besonders hart bestraft. Da war ein Mielke wohl ein verknöcherter jedoch harter Motor. Gerade in seinem Ministerium gab es solche "Lumpen", wie er sie bezeichnete.

Tja, die Zeiten waren halt so und den hingerichteten Herren war klar, dass sie sich auf sehr, sehr dünnem Eis bewegen.
Ich persönlich habe auch nichts für Verräter übrig. Die Todesstrafe muss jedoch nicht zwingend angewendet werden.
Mir tun besonders die Familien dieser Männer leid.

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Re: Die lange Nacht des Henkers

Beitragvon augenzeuge » 3. November 2019, 08:52

Ich persönlich habe auch nichts für Verräter übrig.


So pauschal kann man das nicht sagen. Es kommt etwas auf die Umstände an. Was in der DDR schon als Verrat bezeichnet wurde, war real keiner, vor allem dann, wenn der Verräter keinen Schwur geleistet hatte.

Und wenn jemand Verräter wurde, die Überzeugung dazu fand, wenn man das so sagen kann, dann hat derjenige mehr Achtung, der diesen Schritt unter Todesbedingungen geht, als einer wie Rupp, der genau wusste, dass seine eventuelle Strafe überschaubar war. Und er bis dahin ein finanzielles Vermögen einstecken konnte.

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Re: Die lange Nacht des Henkers

Beitragvon Sperrbrecher » 3. November 2019, 09:13

Beethoven hat geschrieben:Zu damaligen Zeiten waren sie das, was sie waren, nämlich Spione gegen das Land, in welchem sie lebten.

....in dem sie unfreiwillig lebten.
Ein Staat, welcher Menschen gegen ihren Willen im Lande festhält, darf sich
nicht wundern, wenn diese Menschen alles tun um diesen Staat zu schaden.
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Re: Die lange Nacht des Henkers

Beitragvon Grenzwolf62 » 3. November 2019, 11:30

Ich denke das wenn die DDR keine sowjetische Kolonie gewesen wäre, sogar die Ulbricht-Truppe nach der Abschlachterei zwischen 33 bis 45 die Todesstrafe gestrichen hätte.
Alles wird, vielleicht, gut.
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Re: Die lange Nacht des Henkers

Beitragvon zonenhasser » 3. November 2019, 12:44

Beethoven hat geschrieben:Nun werter Zonenhasser, ich schrieb doch, dass er Verrat begehen wollte.
Warum, meinst Du, hatte er für "geheim" erklärte Dokumente bei Seite geschafft und (wenn auch schlecht) versteckt, auf die er hätte, nach gelungener Flucht, zugreifen können bzw. andere Spione diese hätten holen können?

Ein Feuerchen wollte er damit gewiss nicht entfachen. Es war seine Versicherung um im anderen Staat einen guten Start hinzulegen.

Du hast aber auch geschrieben, dass er schon Verrat begangen hätte:
Die Beweggründe seines Verrates mögen vielschichtig und persönlich gewesen sein.


Fakt ist, dass man Teskes Taten (außer dem Diebstahl von Geldern) allenfalls als Vorbereitungshandlungen qualifizieren kann, die keinesfalls den Ausspruch der Todesstrafe rechtfertigten. Hier handelt es sich um einen lupenreinen Justizmord, angestiftet von Mielke.
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Re: Die lange Nacht des Henkers

Beitragvon Interessierter » 3. November 2019, 15:05

Wie ich schon schrieb haben dieses SED - Schergen oftmals auch einfach Spionage erfunden, um unliebsame Zeitgenossen mundtot zu machen.
Hier nachstehend gleich ein Bericht aus dem Jahre 2006. Herr Trüschel ist leider im Februar dieses Jahres verstorben.

 Zur Person Lebensdaten
 Arthur Trüschel wurde im Jahr 1926 als Sohn des Fabrikbesitzers Arthur Trüschel sen. in Lübben geboren. Im Jahr 1968 wurde der Lehrer erstmals von der Stasi festgenommen. Von Februar 1982 bis Juni 1984 saß er wegen angeblicher Spionage in verschiedenen Gefängnissen. Anschließend wurde er von der BRD freigekauft und lebte fortan im fränkischen Bad Wildungen. Nach der Wende kehrte er in die Heimat zurück.


Sich trotzdem treu geblieben

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Der Lübbener Arthur Trüschel gab während seiner Buchlesung einen umfassenden Einblick in die Schattenseiten der DDR-Geschichte.

Der Staatssicherheitsdienst der DDR sei sich sicher gewesen, einen Spion inhaftiert zu haben, als er, Arthur Trüschel, eingesperrt worden war. „Aber der, für den ich gehalten wurde, bin ich nie gewesen“ , sagt der heute 79-jährige pensionierte Lübbener Lehrer bei einer Veranstaltung im Schönwalder Dorfgemeinschaftshaus vorgestern Abend. Dort liest er aus seinem Buch „Das Narrenhaus“ .

28 Monate lang, vom Winter des Jahres 1982 bis zum Sommer 1984, war Arthur Trüschel seinen Angaben zufolge inhaftiert. Anlass sei sein Kontakt zum Presserat der BRD-Vertretung in Berlin, seinem Schulfreund Eberhard Grasshoff, gewesen. Er habe die MfS-Gefängnisse in Berlin-Hohenschönhausen und Bautzen II kennen gelernt. Selbst sein Hinweis auf die Gegnerschaft der Familie Trüschel zur vorangegangenen braunen Diktatur sei ignoriert worden.

Fast minutiös beschreibt Arthur Trüschel in seinem Buch „Das Narrenhaus“ seine Erlebnisse: stundenlange Verhöre bis in die Nacht, Schlafentzug und schlechtes Essen. Das Schuldgeständnis habe er allerdings niemals unterschrieben. „Mein Urteil stand schon vorher fest“ , ist sich Arthur Trüschel sicher. Das Angebot der Stasi, selbst als Spitzel tätig zu werden, habe er kategorisch abgelehnt: „Denn ich bin mir immer treu geblieben.“ Verwundert habe ihn, so Trüschel, der gewaltige Aufwand, der von Stasi-Seite betrieben wurde: „Für so etwas gab es immer viel Geld, dabei pfiff doch die DDR schon auf dem letzten Loch.“

Nach seiner Haftzeit wurde Arthur Trüschel von der Bundesrepublik für damals 96 000 Mark freigekauft. Die Wende brachte die politische Rehabilitierung. 3500 Seiten existieren über ihn bei der Gauck-Behörde. „Ich habe drei Tage von früh bis spät gelesen, doch längst nicht alles geschafft.“

Die zahlreichen Gäste der Lesung sind beeindruckt. Eingeladen hatte das Amt Unterspreewald, in dessen Verwaltungsgebäude derzeit auch eine Ausstellung über die Stasi informiert, in das Dorfgemeinschaftshaus „Haus Kulick“ . Dessen ehemalige Eigentümerin Rosel Kulick kam nach einem Fluchtversuch über die Ostsee gen Westen in den 70er-Jahren selbst mit der Stasi in Berührung.
„Das Buch ist sehr authentisch und spannend geschrieben. Es ist beeindruckend, wie detailgetreu die Dinge dargestellt werden“ , befindet Amtsdirektor Jens-Hermann Kleine. Er kündigt an, dass es bald weitere Lesungen in Schönwalde geben wird.

Auch der Schönwalder Bürgermeister Roland Gefreiter zeigt sich von der Lesung beeindruckt: „Ich kann mir gar nicht vorstellen, den ganzen Tag verhört zu werden. Doch da wir diese Zeit aktiv miterlebt haben, wussten freilich alle, das die Stasi immer präsent ist.“ Werner Kokot aus Krausnick gefällt die Veranstaltung ebenfalls gut. Nach eigenen Angaben hat er die Repressionen der Staatssicherheit selbst gespürt: „Es war wirklich schlimm, aber schlimmer ist noch, dass sich selbst heute viele der ehemaligen DDR-Bonzen nicht geändert haben.“ Weitere Gäste finden, dass Arthur Trüschels „Narrenhaus“ in jedes Bücherregal eines Jugendlichen gehöre.

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Re: Die lange Nacht des Henkers

Beitragvon AkkuGK1 » 3. November 2019, 16:01

Da die DDR nie eine Legitimation durch das Volk erhalten hatte, gab es nie Verrat und die Hinrichtungen waren Mord. Jeglicher gewaltfreier Widerstand war legitim.
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Re: Die lange Nacht des Henkers

Beitragvon AkkuGK1 » 3. November 2019, 16:06

Das ist putzig, der Bürgermeister Roland G. war zu DDR Zeiten mein Meister und wir hatten ihn als IM unter Verdacht. Er untsagte uns Westradio während der Arbeitszeit.
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Re: Die lange Nacht des Henkers

Beitragvon Merkur » 3. November 2019, 16:30

AkkuGK1 hat geschrieben:Da die DDR nie eine Legitimation durch das Volk erhalten hatte, gab es nie Verrat und die Hinrichtungen waren Mord. Jeglicher gewaltfreier Widerstand war legitim.


Ich fürchte, in fünf Jahren sinnieren wir hier darüber, ob die DDR jemals existierte.
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Re: Die lange Nacht des Henkers

Beitragvon augenzeuge » 3. November 2019, 16:31

AkkuGK1 hat geschrieben:Da die DDR nie eine Legitimation durch das Volk erhalten hatte, gab es nie Verrat und die Hinrichtungen waren Mord. Jeglicher gewaltfreier Widerstand war legitim.

Das ist ja ne interessante Betrachtung... [shocked]
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Re: Die lange Nacht des Henkers

Beitragvon Beethoven » 3. November 2019, 16:44

AkkuGK1 hat geschrieben:Da die DDR nie eine Legitimation durch das Volk erhalten hatte, gab es nie Verrat und die Hinrichtungen waren Mord. Jeglicher gewaltfreier Widerstand war legitim.


Hm wenn ich mich nicht irre, war die DDR ein anerkannter Staat in der Staatengemeinschaft der Welt. [hallo]
Das es da 100.000 Bürger gab, die die DDR nicht mochten - nun, sei es wie es sei. Aber selbst diese 100.000 oder von mir aus mehr, trugen alle den Personalausweis der DDR.

Dein Einwurf lieber AkkuGK1 ist rein polemisch und natürlich ein netter Versuch. [wink]

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Re: Die lange Nacht des Henkers

Beitragvon augenzeuge » 3. November 2019, 17:09

Hatten Sie eine Chance den PA abzulehnen? Ich kann mich erinnern, welche Probleme es gab, ihn nicht dabei zu haben.

Und deine 100000 sind ein Witz, denk mal nach, warum die DM so schnell kam.

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