Wie die DDR den Spionagetunnel der CIA nutzte

Wie die DDR den Spionagetunnel der CIA nutzte

Beitragvon Interessierter » 23. März 2017, 12:37

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Quelle: Wolfgang Chodan

Erstmals sind im Jahre 2012 Segmente der spektakulären "Operation Gold" auf vormaligem DDR-Gebiet entdeckt worden. Die Reste des Tunnels, über den die Rote Armee abgehört wurde, dienten der Nationalen Volksarmee.

Die Staatssicherheit hatte sich gut vorbereitet: 30 Mann, bewaffnet mit Kalaschnikows und Pistolen, Handgranaten und "Kampfstoffen", standen Anfang 1967 bereit, außerdem drei Spezialisten des "Tunnelzuges", der zuständig war für das Aufspüren und Zerstören von Fluchttunneln unter der Berliner Mauer. Ihr Auftrag: die "Liquidierung eines vermutlichen Tunnelobjekts" zwischen Rudow in West- und Altglienicke in Ost-Berlin, nicht weit vom Flughafen Schönefeld.

Selbst die in der DDR scheinbar allmächtige Stasi wusste nicht, dass auf ostdeutscher Seite der Spionagetunnel des US-Geheimdienstes CIA und seines britischen Verbündeten SIS schon bald nach seiner offiziellen Entdeckung im April 1956 ausgebaggert worden war. Bislang war unklar, was aus den Tunnelsegmenten aus starken Wellblech-Elementen geworden ist. Jetzt sind mehrere der typischen Bauteile im Kirchenforst in Pasewalk – etwa 120 Kilometer nordöstlich Berlins – wieder aufgetaucht.

Aufgefallen war das Relikt des Kalten Krieges Werner Sobolewski, einem ehemaligen Zivilbeschäftigten der NVA und später der Bundeswehr. Anfang August war der 62-Jährige beim Holzschlagen auf einen merkwürdigen Hohlraum im Waldboden gestoßen. Als er seinen Fund genauer untersuchte, bemerkte er die teilweise im Boden vergrabene Metallröhre. Sobolewski vermutete, dass es sich um einen Teil des legendären Spionagetunnels handeln könnte, und verständigte das dafür zuständige Alliiertenmuseum Berlin.

Besondere Art der Vernietung


Der Historiker Bernd von Kostka, im Museum zuständig unter anderem für spektakuläre Spionagefälle, konnte bestätigen, dass es sich tatsächlich um mehrere Elemente des Tunnels handelt – unter anderem die besondere Art der Vernietung und Reste der Befestigungen von Seilzügen im Inneren beweisen das.

Weiter geht es hier:
https://www.welt.de/kultur/history/arti ... utzte.html
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Re: Wie die DDR den Spionagetunnel der CIA nutzte

Beitragvon HPA » 23. März 2017, 12:52

Man hatte aber bereits schon vorher Teile des Tunnels auf der Rudower Seite beim Autobahnbau geborgen. Die kann man sich im Alliiertenmuseum in der Clayallee anschauen
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Re: Wie die DDR den Spionagetunnel der CIA nutzte

Beitragvon Interessierter » 6. September 2021, 08:59

Als Ergänzung nachstehend weitere interessante Details mit Fotos, Dokumenten und Video unterlegt:

Kabelkrimi im Kalten Krieg - Der Spionagetunnel von Altglienicke

1956 inszenierten sowjetische Streitkräfte die Entdeckung eines Spionagetunnels in Berlin-Altglienicke. Mit diesem Tunnel hatten der britische Secret Intelligence Service (SIS) und der US-Geheimdienst Central Intelligence Agency (CIA) sowejtische Nachrichtenkabel unterirdisch angezapft. Damit versiegte eine Quelle, die zwar Massen an Informationen geliefert hatte, gleichzeitig aber aufgrund eines Verrats nur Belanglosigkeiten preisgab. Audiovisuelle Medien aus dem Stasi-Unterlagen-Archiv geben einen Einblick in den brisanten Vorgang.

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Unter diesem Acker führte der Spionagetunnel entlang.
Quelle: BStU, MfS, ZAIG, Fo, Nr. 2815, Bl. 2


Elf Monate lang wurden telegrafische und telefonische Nachrichten auf 50.000 Magnetbändern aufgezeichnet. Unter den 380.000 Aufzeichnungen waren zahlreiche Gespräche von politischer Bedeutung, unter anderem zu den Geschehnissen zum XX. Parteitag in der UdSSR.

Allerdings waren die Sowjets, genau wie bei der Wiener Aktion, über die Pläne und den Bau des Tunnels durch ihren britischen Doppelagenten George Blake informiert. Trotzdem störten sie den Ablauf des Baus und den Betrieb der Anlage nicht, um einen ihrer wichtigsten Agenten im Kalten Krieg zu schützen.

Dem sowjetischen Regierungschef Chruschtschow diente die vorgetäuschte Entdeckung und Ausgrabung des Tunnels im Frühjahr 1956 innen- wie außenpolitisch als Demonstration der Stärke. Am 23. April 1956 gab der sowjetische Militärkommandant Kozjuba die "offizielle" Entdeckung des Tunnels auf einer internationalen Pressekonferenz bekannt. Anschließend konnten für einige Wochen Interessierte die Anlage besichtigen.

Es besuchten auch viele westliche Bürger die Stätte, nicht immer ohne Provokationen. So bestritt beispielsweise ein amerikanischer Soldat die Mitwirkung der USA am Bau, da alle technischen Geräte offensichtlich britische Fabrikate waren. Aus dieser Zeit stammt auch eine umfangreiche fotografische Dokumentation des Tunnels durch den Allgemeinen Deutschen Nachrichtendienst. Das große Medienecho ließ Schaulustige zum Tunnel strömen. Sie waren sich in der Regel darüber einig, dass der Tunnel einen rechtswidrigen Eingriff der westlichen Geheimdienste in das Hoheitsgebiet der Sowjets und der jungen DDR darstelle. Sechs Wochen nach der Entdeckung des Tunnels bauten Mitarbeiter des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS), Abteilung O (Telefonüberwachung) die technischen Anlagen ab.

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Ausstellungstafel der Staatssicherheit über die Entdeckung des Spionagetunnels.
Quelle: BStU, MfS, ZAIG, Fo, Nr. 2542, Bild 1


Hier geht es mit 26 Fotos und Dokumenten weiter:
https://www.stasi-unterlagen-archiv.de/ ... ten-krieg/
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