Gesundheitssystem - Ein Paralleluniversum namens DDR

Themen über die Gesundheitssysteme in beiden deutschen Staaten

Re: Gesundheitssystem - Ein Paralleluniversum namens DDR

Beitragvon Merkur » 13. Januar 2017, 09:55

Kumpel hat geschrieben:SED Bonzen auf Kreisebene ließen sich auch gerne in kirchlichen Krankenhäusern behandeln.


Für welche Region gilt diese Aussage?
Der Vorteil der Klugheit besteht darin, dass man sich dumm stellen kann. Das Gegenteil ist schon schwieriger.
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Re: Gesundheitssystem - Ein Paralleluniversum namens DDR

Beitragvon Kumpel » 13. Januar 2017, 09:55

Nun ja , es war ja nun allgemein bekannt , dass die Kirchen in der DDR vom System systematisch als klassenfeindliche Elemente bekämpft wurden.
Wenn es allerdings um das körperliche Wohlergehen der Genossen ging war man sich natürlich nicht zu schade dessen Vorzüge mit zu nehmen.
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Re: Gesundheitssystem - Ein Paralleluniversum namens DDR

Beitragvon Nostalgiker » 13. Januar 2017, 10:06

Du schreibst Heute mal wieder ziemlichen Stuss zusammen Kumpel.
Ich bin nicht auf der Welt, um so zu sein, wie andere mich gerne hätten.

Eindeutigkeit der Absicht wurde bei ihm zur Zweideutigkeit des Handelns
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Re: Gesundheitssystem - Ein Paralleluniversum namens DDR

Beitragvon augenzeuge » 13. Januar 2017, 10:13

Merkur hat geschrieben:
Kumpel hat geschrieben:Ich wiederhole mich , Krankenhauskinfektionen waren auch im Westen in dieser Zeit kaum ein Problem.


Dann haben offensichtlich zur damaligen Zeit, als Krankenhäuser noch unter staatlicher Verwaltung standen, beide Seiten vieles richtig gemacht.


Nein, das Volk war noch nicht so stark antibiotikaresistent. Damals gab man das Gegenmittel schnell und es wirkte. Keinesfalls war damals das Krankenhaus sauberer als heute.
Und Handschuhe wurden weniger häufig genutzt.
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Re: Gesundheitssystem - Ein Paralleluniversum namens DDR

Beitragvon HPA » 13. Januar 2017, 10:19

Merkur hat geschrieben:
Kumpel hat geschrieben:SED Bonzen auf Kreisebene ließen sich auch gerne in kirchlichen Krankenhäusern behandeln.


Für welche Region gilt diese Aussage?


z.B. Heiligenstadt
Zuletzt geändert von HPA am 13. Januar 2017, 10:20, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Gesundheitssystem - Ein Paralleluniversum namens DDR

Beitragvon HPA » 13. Januar 2017, 10:20

Nostalgiker hat geschrieben:Du schreibst Heute mal wieder ziemlichen Stuss zusammen Kumpel.


Na, so früh am Morgen schon am Herumpöbeln? Nimm nochmal nen Schluck Muckefuck [grins]
Zuletzt geändert von HPA am 13. Januar 2017, 10:28, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Gesundheitssystem - Ein Paralleluniversum namens DDR

Beitragvon Danny_1000 » 13. Januar 2017, 10:25

augenzeuge hat geschrieben:
Merkur hat geschrieben:
Kumpel hat geschrieben:Ich wiederhole mich , Krankenhauskinfektionen waren auch im Westen in dieser Zeit kaum ein Problem.


Dann haben offensichtlich zur damaligen Zeit, als Krankenhäuser noch unter staatlicher Verwaltung standen, beide Seiten vieles richtig gemacht.
..

Analytisch einfach brillant, wie so oft ! [bravo]

Gruß
Danny
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Re: Gesundheitssystem - Ein Paralleluniversum namens DDR

Beitragvon Nostalgiker » 13. Januar 2017, 10:26

HPA hat geschrieben:
Nostalgiker hat geschrieben:Du schreibst Heute mal wieder ziemlichen Stuss zusammen Kumpel.


Na, so früh am Morgen schon am Herumpöbel? Nimm nochmal nen Schluck Muckefuck [grins]


Deine Sichtweise
Ich bin nicht auf der Welt, um so zu sein, wie andere mich gerne hätten.

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Re: Gesundheitssystem - Ein Paralleluniversum namens DDR

Beitragvon Huf » 6. Februar 2017, 20:19

Mit dem gebotenen zeitlichen Abstand ist es sehr amüsant, mit welchen "Argumenten" zum Thema hier agiert wurde...

Seit 1977 hatte ich mit dem Gesundheitswesen in der DDR zu tun, zugegeben aus verschiedenen Positionen...ob als Hilfspfleger im Krankenhaus, als Sani bei den GT, als Medizinstudent oder als Assistenzarzt.

Mein Fazit bleibt, dass stets nach Schwere der Erkrankung, eingeschätzt durch erfahrene, kompetente Ärzte verfahren wurde. Natürlich waren die Resourcen in der DDR wesentlich knapper gemessen für hochspezialisierte medizinische Prozeduren, die allerdings zugänglich wurden, wenn sie wissenschaftlich begründet waren! Und in dringlichen Fällen kann ich mich nicht erinnern, dass einem Pat. aus welchen Gründen auch immer, etwas absichtlich vorenthalten worden ist!
Ja, ich erinnere mich auch, dass "Bonzen" in unserem KKH als Pat. waren, sie waren nicht abgeschottet und deren Therapie unterschied sich zunächst nicht von den anderen.

Die Unterschiede waren wesentlich differenzierter! Es gab schon Ereignisse, bei denen ein extra georderter Krankenwagen (Mercedes) vorfuhr, um einen erkrankten Genossen der SED-KL ins Regieungskrankenhaus nach Berlin zu fahren .

Es gab in den 80er Jahren eine Medikamentenliste Nomenklatur C, die nicht jeder Arzt verordnen durfte, sondern nur der Chefarzt der Einrichtung....
Und jeder DDR-Arzt konnte reiseberechtigte DDR-Rentner per Rezept "Westmedikamente" verordnen, denn in Westberlin gab es "die Apotheke"...

Und für moderne Operationen z.B. für die operative Knochenbruchbehandlung nach den Prinzipien der Schweizer AO waren in der DDR nicht wenige geeignete Krankenhäuser mit den entsprechenden Op.-Instrumenten und Implantaten ausgerüstet, für jeden verunfallten Pat.

Mit meinen Darlegungen möchte ich nicht jenen "Experten" widersprechen, die anführen, dass das DDR-Gesundheitswesen mit Stasi-Spitzeln durchsetzt war, allerdings war das Gesundheitswesen der DDR an sich, wenn auch kostenintensiv, qualitativ und logistisch sehr gut organisiert und strukturiert! Wir haben keinesfalls uns die "Eier geschaukelt", um es nunmehr hier jedem "Experten" klar zu machen!

VG Huf [hallo]
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Re: Gesundheitssystem - Ein Paralleluniversum namens DDR

Beitragvon Interessierter » 14. Mai 2017, 11:26

Ohne die Arbeit und die Qualifikation der Ärzte anzweifeln zu wollen, gab es aber auch solche erschreckenden Berichte und Zustände über DDR - Kliniken, wie den Nachstehenden.

04.06.1990
„Zurückgekommen ist keiner“

An manchen Tagen liegt ein süßlicher Geruch über der Eingangshalle. Er stammt von den Toten im Keller der Güstrower Kreisklinik. Einige von ihnen hatten schon länger gelegen, ehe man sie fand. In den ungekühlten Katakomben des Krankenhauses staut sich dann die klebrig-zähe Wolke. Bleibt eine Tür zu lange auf, zieht sie nach oben, durch die Gänge, in denen blasse Frauen auf ihre Niederkunft warten.

Davon ist an diesem Nachmittag nichts zu merken. Die Luft auf den Fluren ist zum Schneiden dick. An einer Abzweigung riecht es penetrant nach Fäkalien. In einer Kammer, nicht größer als zwei Toilettenzellen, sitzt die Sekretärin auf einem bösartig spitzwinkligen Stuhl. Vor ihr an der Wand ein Farbdruck aus dem sozialistischen Kleinbürgertraum: Balustraden, Freitreppen, plüschiges Interieur eines Ost-Berliner Nobelhotels.
Der Blick darauf hat nicht viel geholfen in all den Jahren: "Wir haben das so satt hier", sagt die Frau, "die Enge, das Billige, die Geschmacklosigkeit."

Der Klinikchef ist ein zäher Chirurg. In der zweiten Hälfte des 14-Stunden-Arbeitstages, den Joachim Augsburg, 53, manchmal, wenn er nicht mehr schlafen kann, um vier Uhr früh mit einem Waldlauf anfängt, sprießen ihm die grauen Stoppeln im Gesicht. Die goldfarbene Brille ist verrutscht. Er hat den Besucher eingeladen. Doch jetzt ist er unschlüssig. Das Alltagselend der DDR-Medizin auf dem Lande läßt sich mit ein paar Sätzen nicht beschreiben.

Überall an der 600-Betten-Klinik zeigt sich die Not. Jede zehnte Krankenschwester hat seit der Wende den Job in Güstrow an den Nagel gehängt. Zwei Stationen mußten geschlossen werden. Die meisten Abwanderer arbeiten an westdeutschen Krankenhäusern. "Zurückgekommen", so Augsburg, "ist von denen bisher noch keiner."


Auch nicht die OP-Schwestern. Jede zweite von ihnen ist gegangen. Der Operationsbetrieb läuft deshalb nur noch auf Sparflamme. Krebspatienten und Unfallverletzte kommen im schmalen Operationssaal noch immer gleich unters Messer. Alle anderen warten oft monatelang. "Was planbar ist", sagt Klinikchef Augsburg, "muß zurückgestellt werden."
Das Handwerk der Güstrower Chirurgen ist hart. Es fehlt an Operationsmikroskopen und Klammernähapparaten. Die Arbeit mit den haarfeinen Fäden, die mit bloßem Auge kaum zu sehen sind, kostet Kraft. Im Sommer, wenn die Sonne auf dem Dach steht, sind die Ärzte hinterher in Schweiß gebadet.

Das Selbstbewußtsein der Mediziner ist gerade unter diesen Bedingungen gewachsen. "Wir können uns mit dem, was wir machen, sehen lassen", sagt Augsburg. Wie er es sagt, läßt keinen Zweifel daran, daß sich Leute wie er vor den Assen im Westen nicht ducken werden.

Gefragt war in der Vergangenheit, wie der Güstrower Chefarzt es ausdrückt, "pathologischer Optimismus". An der Klinik gibt es fast kein modernes Gerät. Der nächste Computertomograph steht 40 Kilometer entfernt in Rostock. Die Röntgenmaschinen im Keller sind hoffnungslos veraltet und, "wer weiß", sagt Augsburg, gesundheitsgefährlich. Seit zehn Jahren werden sie mit Ausnahmegenehmigungen betrieben.
Eines der kostbaren Aggregate steht nutzlos in einer Nische. Die krankenhauseigenen Ratten hatten sich durch die Kabelschächte bis zu ihm vorgefressen und die Weichteile genüßlich ausgeweidet.


Auch Experten aus der Bundesrepublik, die jetzt alles besser wissen müßten, kommen mit ihrem Latein nicht weit. Was beispielsweise Manfred Steinbach, 56, Abteilungsleiter im Bonner Gesundheitsministerium, in den letzten Wochen auf seinen Reisen in die DDR gesehen hat, erinnert ihn an die Zeit, in der er "selbst noch als Student an der Klinik war", in Halle. "Daß es so schlimm sein würde", gesteht er, "haben wir nicht erwartet."

Jede zweite der 543 DDR-Kliniken stammt aus dem 19. Jahrhundert. Ungefähr ein Drittel der Bausubstanz, so haben Experten des Deutschen Krankenhausinstituts in Düsseldorf erkannt, ist derart heruntergekommen, daß sich die Renovierung nicht mehr lohnt. 30 Milliarden Mark werden nötig sein, um die Häuser im Osten auf westliches Niveau zu bringen.

Die "räumlichen und apparativen Mängel", so weiß auch Frank-Ulrich Montgomery, Vorsitzender der Kölner Klinikärzte-Gewerkschaft Marburger Bund, sind "so eklatant, daß wir nach westlichen Standards wahrscheinlich die meisten ostdeutschen Kliniken, Polikliniken und Staatspraxen sofort schließen müßten". Noch nicht einmal auf den Intensivstationen, so hatte Professor Martin-Michael Arnold, Vorsitzender des Sachverständigenrates der Konzertierten Aktion im Gesundheitswesen, bei seinen Visiten im Nachbarland erkannt, wurden die notwendigsten Hygieneregeln eingehalten.

Mit allen Anzeichen des Entsetzens schilderten ärztliche Besucher aus dem Westen, was sie reihum in den Gesundheitseinrichtungen der DDR zu sehen bekamen. In den Kliniken blühten Schimmel und Rost. Von den Versorgungsrohren tropfte es. Sanitäre Einrichtungen spotteten jeder Beschreibung. Auf den Stationsküchen warnten Schilder vor Rattengift. Alle drei großen Kliniken in Dresden etwa, berichtete Heinz Lohmann, Planungsfachmann bei der Hamburger Gesundheitsbehörde, waren baulich in einem "unbeschreiblich schlechten Zustand". Dächer und Fenster leckten, sogar in den OP-Lampen sammelte sich das Wasser.

Wer noch mehr von diesen damaligen, unerträglichen Zuständen vertragen kann, der kann den vollständigen Beitrag hier lesen:
http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-13499298.html

Ob gewisse User auch hier wieder wahrheitswidrig behaupten, das hätten nur die bösen Wessi - Ärzte erfunden?
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Re: Gesundheitssystem - Ein Paralleluniversum namens DDR

Beitragvon Interessierter » 10. März 2019, 09:26

Diagnose Schlamperei - Krankenakten in Stasi-Ruine vergessen

Aktenskandal im ehemaligen Stasikrankenhaus in Buch: 30 Jahre nach der Wende sind dort im Zuge von Recherchen von Berliner KURIER und Berliner Zeitung Patienten- und OP-Akten aufgetaucht, die bei der Räumung der Klinikgebäude im Jahre 2007 vergessen worden sind. In einem Seitenflügel des Gebäudes wurde ein ganzer Schrank voller Ordner mit Tausenden Patientendaten, die bis 1962 zurückreichen, entdeckt.

https://www.berliner-kurier.de/berlin/k ... n-31883816
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