Wahlen in der DDR

Re:Wahlen in der DDR

Beitragvon Volker Zottmann » 18. Oktober 2016, 13:32

Warum habe ich wohl Anführungszeichen benutzt? Weil eben die "Asozialen" keine waren, aber als solche hinter ihrem Rücken geschimpft wurden. Das waren Menschen, die warum auch immer, die Schnauze gestrichen voll hatten und nicht zur Wahl erschienen.

Und noch was:
Fragen kannst Du alles aber nicht so einen Quatsch rumposaunen.
Lange vor der Wende war das schon so, damals arbeitete meine Frau bei der Stadt und war die Wohnraumlenkerinn, verteilte also was nie da war. War ein toller Posten... [flash] Zu den Wahlen waren die Rathäusler "zwangsverpflichtet", wenn nicht auf echter Freiwilligkeit Helfer rekrutiert werden konnten. So hat sie haargenau davon Kenntnis erlangt. Auch, was der Vorsitzende, der damalige SED-Bürgermeister, anordnete. Nämlich, dass in den Wahllisten, die abends abzugeben waren, die nicht erreichten Wahlverweigerer als derzeit im Ausland Weilende handschriftlich eingetragen wurden. Diese Maßnahme verhalf, den Ort in prozentual besserem Licht erscheinen zu lassen.
Als Du als sogenannter Nostalgiker wieder auferstanden bist, wäre doch eine Neuanmeldung als "DDR-Verklärer" ehrlicher gewesen.

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Re:Wahlen in der DDR

Beitragvon Nov65 » 18. Oktober 2016, 13:36

Das ist nicht für den von mir ignorierten User @Nostalgiker bestimmt.

Eine meiner Lehrerkollegin und ihr Mann gingen nicht zur Wahl. Ein Mitglied der ortlichen Wahlkommission versuchte sie nachmittags zu überreden, indem er ihnen denkbare berufliche Folgen aufzeigte. Sie blieben aber bei ihrer Entscheidung. Der Mann arbeitete weiter als Kfz.-Schlosser. Die Frau verlor ihre Anstellung als Lehrerin. Begründung? Weiss ich nicht mehr so genau. Aber diese meine Aussage entspricht der Wahrheit.
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Re:Wahlen in der DDR

Beitragvon Interessierter » 18. Oktober 2016, 13:41

Zitat Kumpel:
Thoth mutiert hier zum Märchenonkel.


Da sein einziges Ziel die Provokation ist, bedient er sich der unglaubwürdigsten, lächerlichsten und absurdesten Argumente.
Und das quer durch die meisten Threads. Er versucht sogar die SED - Diktaur als Demokratie und die Planwirtschaft als Erfolg zu verkaufen.

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Re:Wahlen in der DDR

Beitragvon Nostalgiker » 18. Oktober 2016, 13:49

Nov65 hat geschrieben:Das ist nicht für den von mir ignorierten User @Nostalgiker bestimmt.

Andreas


peinlich - peinlicher - am peinlichsten, Nov65 [flash]

Es fehlen wohl übrigens zwei Kommata im Satz: Aber diese, meine, Aussage entspricht der Wahrheit.
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Re:Wahlen in der DDR

Beitragvon Nostalgiker » 18. Oktober 2016, 13:53

Interessierter hat geschrieben:Zitat Kumpel:
Thoth mutiert hier zum Märchenonkel.


Da sein einziges Ziel die Provokation ist, bedient er sich der unglaubwürdigsten, lächerlichsten und absurdesten Argumente.
Und das quer durch die meisten Threads. Er versucht sogar die SED - Diktaur als Demokratie und die Planwirtschaft als Erfolg zu verkaufen.


Na Interessierter, bedienst du dich wieder der Glaskugel um hemmungslos zu Deuten, zu Ahnen, zu Mutmaßen? Nur kommt dabei nichts gescheites bei dir heraus.
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Re:Wahlen in der DDR

Beitragvon Wosch » 18. Oktober 2016, 14:01

Es ist doch eigentlich traurig das hier ein bitterernstes DDR-Thema auf zynisch-wahrheitswidrige Art-und Weise dazu benutzt wird den vorbeikommenden Gästen das Lesen hier im Forum zu vermiesen. Den seinerzeit in der DDR lebenden Usern dieses Forum´s kannst Du, Nostalgiker, mit Deinen Unwahrheiten überhaupt nicht imponieren und Deinen paar "Applaudierern" geht es ja auch nicht um die die Aufdeckung bzw um die Aufklärung der alltäglichen "Schweinereien" sozialistischer Prägung nach stalinistischem Vorbild, sondern um die absichtliche Verbreitung von Unwahrheiten (ich bin eigentlich mehr für das Wort "Lügen"). Speziell zum Thema Regierung, Volkskammer und Wahlen ist doch eigentlich alles nachlesbar und dokumentiert. Wir eheemaligen DDR-Bewohner wissen dach Bescheid, sprechen wir doch als Zeitzeugen und aus eigener Erfahrung. Natürlich bist Du auch ein Zeitzeuge, aber einer der es aus welchen Gründen auch immer, mit der Wahrheit nichts am Hut hat.
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Re:Wahlen in der DDR

Beitragvon Nostalgiker » 18. Oktober 2016, 14:46

nicht mit "der Wahrheit" sondern du, wosch, solltest wahrheitsgemäß schreiben mit meiner Wahrheit. So wird ein Schuh daraus und nicht wie du meinst.
Das diese 'der Wahrheit' hier von den Koryphäen im Zeitzeugenmetier als einzig legitimierte angesehen wird ist bei deren Auftreten hier im Forum nicht weiter verwunderlich.
Oder hast du jetzt die Nachfolge der Avantgarde angetreten welche sich im Besitz der alleinigen, weil absoluten Wahrheit wähnte? Wenn dem so ist; es freut mich den stalinistisch/kommunistischen Genossen wosch kennenzulernen.
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Re:Wahlen in der DDR

Beitragvon AkkuGK1 » 18. Oktober 2016, 16:15

die Wahl in der DDR war eine einzige Farce und es gab ja auch zugegebener Weise Wahlbetrug. DDR das Land der 3 Lügen, nicht Deutsch, keine Demokratie und auch keine Republik. SBZ trifft es doch perfekt. Sobald die schützende Hand der Sowjetunion weggezogen wurde, hasta la Vista Baby.
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Wahlen in der DDR

Beitragvon Nov65 » 18. Oktober 2016, 19:09

Eigentlich gebe ich gar keinen Nachhilfeunterricht bei Deutschen. Es sei denn, sie haben es bitter nötig. Man stößt sich an der Kommasetzung.
Hier meine Aussage als Anstoß: Aber diese meine Aussage entspricht der Wahrheit.
Ein sich gelehrt meinender User möchte hier zwei Kommata. Falsch.
Diese blaue Kuh, dieser große Ochse, diese meine Aussage, diese falsche Auffassung.
Ich will hier nicht theoretisieren. Könnte es aber. Aber es bringt eh nichts.
Pardon für die Grenzverletzung des Threads. Aber wieder ein Beleg für die Forumsverletzung durch einen gewissen Herrn.
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Re: Wahlen in der DDR

Beitragvon Interessierter » 25. Oktober 2016, 08:46

Das Regime mit dem Radiergummi

Der Anfang vom Ende: Am 7. Mai 1989 überführte die DDR-Opposition das SED-Regime bei der Fälschung von Wahlergebnissen. 20 Jahre später ist das Interesse an freien Wahlen gering. Zeitzeugen erinnern sich deshalb mit gemischten Gefühlen.

Für Steffi Lemke begann die Kommunalwahl mit einer Überraschung. Am 7. Mai 1989 ging sie in die Wahlkabine, in der Tasche hatte sie einen Kugelschreiber. Sie war gewarnt. Tags zuvor hatte sie in Dessau von einem DDR-Oppositionellen einen Zettel zugesteckt bekommen. Darauf befand sich der Hinweis, dass man bei der Abstimmung nicht die vom Staat ausgelegten Bleistifte benutzen sollte. Der Grund: Mit einem handelsüblichen Radiergummi ließe sich die abgegebene Stimme im Nachhinein ändern.

«In der DDR wusste jeder, dass die Ergebnisse der Wahlen gefälscht wurden», sagt Lemke. Allerdings hätte sie zuvor nie gedacht, dass «das Regime bei der Manipulation so plump vorgehen würde». Doch die damals 21-Jährige, die heute als Bundesgeschäftsführerin bei den Grünen arbeitet, wurde eines besseren belehrt. Als sie die Kabine betrat, lagen dort wirklich Bleistifte aus. Also nahm Lemke ihren eigenen Kugelschreiber zur Hand und stimmte ab. Gegen die SED. Gegen das Regime. Genauso wie viele andere tausend Wähler an diesem Tag – wenn auch ihre Stimmen zuerst einmal nicht offiziell ins Gewicht fielen. Denn die Einheitsliste gewann mit 98,85 Prozent der Stimmen. Wie üblich haushoch.

Trotzdem markiert der 7. Mai 1989 eine wichtige Zäsur für den politischen Umsturz in der DDR, die bis dato zwar eine deutsche, aber keine demokratische Republik war. Denn Wahlen wurden eigentlich nur propagandistisch inszeniert, um die allgemeine Zustimmung zum Regime zu dokumentieren. Das änderte sich jedoch schlagartig an diesem denkwürdigen Wahltag.

Die Opposition in der DDR war bestens vorbereitet. Bereits lange im Vorfeld der Wahl hatte die Bürgerrechtsbewegung damit begonnen, sich gegen die Manipulationen zu wehren. Sie hatte öffentlich zum Wahlboykott aufgerufen, eigene Kandidaten benannt und es schließlich geschafft, dass in 200 Wahllokalen eigene Wahlbeobachter das Auszählen der Stimmen kontrollieren konnten. Mit Erfolg. Denn durch die Beobachtung wurde klar, dass das vom damaligen Leiter der zentralen Wahlkommission, Egon Krenz, verkündete Ergebnis nicht stimmen konnte.

http://www.news.de/politik/831103486/da ... ergummi/1/

Am Ende wurde dieser diktatorische Staat selber ausradiert... [bravo]
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Re: Wahlen in der DDR

Beitragvon Volker Zottmann » 25. Oktober 2016, 09:52

Die ausgezählten Wahlscheine wurden in eine Liste eingetragen.
Wenn sich der Wahlvorstand einig war, glänzen wollte, wurde einfach eine geschönte Zahl eingetragen. Die Wahlscheine wurden zwar gebündelt und verwahrt, doch wer zählte jemals (bis 1988) nochmal später nach?
Hier im Ort gab es stets nur Kugelschreiber. Erst bei den letzten ein, zwei Wahlen gab es eine zugängliche Wahlkabine. Die Male zuvor gab es diese "Kabine" aus Pappkartons wohl auch, aber so rafiniert in der äußersten Raumecke platziert, dass sich gar niemand getraute, die zu benutzen. Also wurde gleich am Tisch das Kreuz gesetzt oder eben nur gefaltet.

Gruß Volker
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Re: Wahlen in der DDR

Beitragvon Kumpel » 25. Oktober 2016, 10:09

Ist schon erstaunlich wie die SED ein Volk so dressieren konnte diesen Fake jahrzehntelang mitzumachen.
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Re: Wahlen in der DDR

Beitragvon AkkuGK1 » 25. Oktober 2016, 11:16

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Re: Wahlen in der DDR

Beitragvon Interessierter » 16. Juli 2017, 10:17

Plauen und die Wahlbeobachter - Der Anfang vom Ende der DDR

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Plauen – „Wahlen zu beobachten“, war im Januar 1989 in der DDR eine kühne Idee. Viele Bürger, auch in Plauen, wollten, dass sich im Land etwas ändert. Wie in Polen, in Ungarn und sogar in der Sowjetunion unter Michail Gorbatschow, wo es bereits Wahlen mit mehreren unterschiedlichen Kandidaten gab. Für den 7. Mai hatte die SED-Führung in der DDR Kommunalwahlen angesetzt und wollte dabei nach innen und nach außen Stärke zeigen. Wie in den Vorjahren wollte man ein Ergebnis um die 99 Prozent bei Wahlbeteiligung und Ja-Stimmen erzielen. Wenn die Wähler nicht mitmachten, dann musste das Ergebnis, wie schon in der Vergangenheit, eben „geschönt“ werden.

Bis Anfang Mai fand sich in Plauen um den Goldschmied Steffen Kollwitz und den Maler Klaus Hopf eine Gruppe von etwa 70 vorwiegend jungen Leuten zusammen, die die „Wahlen beobachten“ wollte. Freunde aus der evangelischen Markuskirchgemeinde, aus dem ehemaligen Malzhaus und aus verschiedenen anderen, kritisch gesinnten Freundeskreisen wollten den DDR-Mächtigen auf die Finger sehen und wissen, ob denn alles mit rechten Dingen zuginge. An den Auszählungen teilzunehmen, war zwar nicht verboten, aber auch nicht erwünscht.

Die 70 Couragierten teilten sich etwa die Hälfte der 99 Wahllokale in Plauen auf. Sie stießen aber schon am 6. Mai bei den Sonderwahllokalen im Rathaus und am Chrieschwitzer Hang auf die Ablehnung der Wahlbehörden. Davon ließen sie sich aber nicht entmutigen und kamen am Wahltag, dem 7. Mai, sogar in 40 Wahllokale. Dort registrierten sie bei der Auszählung im Durchschnitt gut 10 Prozent bei den Nein-Stimmen und bei der Wahl-Abstinenz.

Einspruch an DDR-Staatsrat

Bereits am Wahlabend verkündete Egon Krenz, der Vorsitzende der DDR-Wahlkommission, das offizielle Ergebnis der Kommunalwahlen im DDR-Fernsehen. In Plauen hätten über 98 Prozent der Wahlberechtigten an der Wahl teilgenommen und mehr als 96 Prozent der gültigen Stimmen seien für die von der SED geführte Einheitsliste der Nationalen Front abgegeben worden. Das konnte nicht stimmen, meinten die Plauener Wahlbeobachter, und auch viele andere in DDR-Großstädten wie Ostberlin und Leipzig.

Nachdem Versuche gescheitert waren, mit den Behörden über die Diskrepanzen bei den Zahlen zu diskutieren, entschieden sich sieben der Wahlbeobachter in Plauen für einen schriftlichen Einspruch an den DDR-Staatsrat, den Plauener Oberbürgermeister Nobert Martin und andere an den Wahlergebnissen Beteiligte. Eine offizielle Reaktion darauf gab es zunächst nicht. Man setzte offensichtlich auf eine Hinhaltetaktik. Die würden sich schon wieder beruhigen, glaubte man wohl. Das war aber ein Irrtum.

Am 25. Mai konstituierte sich das neue Plauener Stadtparlament. Die Wahl war in Ordnung, keine Probleme – wollte man nach außen demonstrieren. Die Wahlbeobachter waren mit allem Mut auch dabei und erneut enttäuscht. Auf weitere Vorstöße kam am 6. Juni endlich ein anderthalbstündiges Gespräch mit dem stellvertretenden Oberbürgermeister Janfried Döhler zustande. Ergebnis: Die Wahlunterlagen sind bereits vernichtet. Eine Einsicht ist also nicht möglich. Wenn überhaupt, dann hat nur die Nationale Front ein Einspruchsrecht. Nun gut, sagten sich die Wahlbeobachter. Dann schreiben wir eben erneut an den Staatsrat. Für den war die Sache aber nun wirklich erledigt. Man hatte ja mit den jungen Quälgeistern gesprochen. So ging es den ganzen Sommer schließlich hin und her: ohne Ergebnis.

Freie Wahlen schwer erkämpft

Um die Wahlbeobachter entstand im Spätsommer 1989 in Plauen mit Unterstützung des Pfarres Helmut Henke der Arbeitskreis „Umdenken durch Nachdenken“ in der Markusgemeinde, der auch zu anderen DDR-Problemen Position bezog. Er wurde zu eine der Keimzellen für das oppositionelle „Neue Forum“, das Anfang Oktober in Plauen von diesem Arbeitskreis mitgegründet wurde und eine führende Rolle bei den demokratischen Veränderungen spielte, die 1990 schließlich zum Ende der DDR führten.

„Er habe nichts zu bereuen“, meint Steffen Kollwitz, der heute noch bei den Plauener Grünen aktiv ist. Sie seien „keine Helden“ gewesen. Leute müssten sich einmischen, auch heute, sagt Kollwitz. „Leider seien es viel zu wenige, die sich engagierten“. Das sieht auch der Arzt Dr. Frank Grünert so, im Herbst 1989 erster Sprecher des Neuen Forums in Plauen: „Die jungen Leute mischen sich heute zu wenig ein“, meint der heute 69-jährige rüstige Rentner. Für Kollwitz und Grünert ist Teilnahme an freien Wahlen eine vor 20 Jahren schwer erkämpfte Pflicht, die man auch heute wahrnehmen müsse, um etwas zu bewirken.

Im Dezember 1992 wurden Werner Schweigler, der ehemalige Plauener SED-Kreisparteichef, Norbert Martin, der frühere Plauener Oberbürgermeister, und zwei weitere DDR-Funktionäre, Gert Flemming und Wolfgang Luft, wegen Wahlfälschung im Jahr 1989 zu Haftstrafen auf Bewährung und zu Geldstrafen verurteilt.

http://vogtland-anzeiger.de/Vogtland_An ... r-ddr.html
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Re: Wahlen in der DDR

Beitragvon Interessierter » 15. Februar 2018, 12:24

Erste freie DDR-Wahl - Der Kurier des Grafen

Vor 20 Jahren durften die DDR-Bürger erstmals ihr Kreuz machen, wo sie wollten. Bürgerbewegungen und gewendete Blockflöten, die umbenannte SED und Ableger von Westparteien kämpften um ihre Stimmen. Als Wahlkampfhelfer aus dem Westen erlebte Bernhard F. Reiter die historische Abstimmung hautnah.

Es ist eine historische Aufgabe, die mir ( dem Autoren ) da angeboten wird. Und ich überlege nicht, ich sage zu. Die kommenden Wochen werde ich als Helfer im Wahlkampf für die ersten freien Wahlen in der Geschichte der DDR mitmischen. Ich werde mithelfen, dass im Parlament der DDR nicht mehr nur Kommunisten und Blockflöten sitzen, sondern echte Demokraten. Am besten liberale Demokraten - ich bin ein FDP-Mann.

Der Treffpunkt für alle Freiwilligen ist das Büro des Berliner FDP-Landesverbandes in Dahlem, fortan genannt Zentrale West. Die meisten Wahlkampfhelfer sind aus Westdeutschland nach Berlin gekommen. Alles geht ruck, zuck. Schnell werden Verträge aufgesetzt, noch schneller sind sie unterschrieben. Schnell machen wir uns bekannt, schnell werden Aufgaben zugeteilt. Es ist Anfang Februar 1990. Uns bleiben sechs Wochen bis zu den ersten freien Wahlen in der DDR am 18. März.

Schulung im Hotel Sylter Hof. Erläuterung der besonderen politischen Situation und Aufgabe durch den Büroleiter von FDP-Chef Otto Graf Lambsdorff. Überall hängen Landkarten: Ein Staat soll erobert werden. Stützpunkte müssen festgelegt werden, Büros angemietet, Computer, Schreibmaschinen und Autos gekauft. In Spandau wird ein Zentrallager für Wahlkampfmaterial eingerichtet. Ein Adressenregister entsteht. Einweisung in die Technik, TÜV-Abnahmen. Dann schwärmen wir aus auf der Jagd nach Stimmen für den Bund Freier Demokraten (BDF), das Wahlbündnis aus neugegründeter Ost-FDP, der bürgerbewegten Deutschen Forumspartei und der als Liberaldemokratischen Partei (LDP) gehäuteten Ex-Blockpartei LDPD.

Viele Zigaretten, viel Kaffee

Zuerst geht es auf Erkundungsfahrt nach Brandenburg, eine erste Veranstaltung in Frankfurt (Oder). Otto Graf Lambsdorff rät den DDR-Bürgern zum Dableiben, in der DDR werde bald jede Hilfe benötigt. Die PDS sei die "Partei der Schuldigen", sie schüre soziale Ängste, habe kein Programm. Ohne Vergangenheitsbewältigung gebe es keine Zukunft, verkündet Lambsdorff, aber nur mit ihr auch keine. Ja, im Kapitalismus beute der Mensch den Menschen aus, witzelt der "Marktgraf", im Sozialismus dagegen sei es umgekehrt. Frenetischer Beifall von einer aufmerksamen Zuhörerschaft.

Weiter mit dem Bericht und 16 Fotos geht es hier:
http://www.spiegel.de/einestages/erste- ... 50057.html

Mich persönlich würden einmal die Empfindungen der DDR - Bürger interessieren, die sie bei dieser Wahl verspürten.
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